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Veröffentlicht am 04.01.2026

Wofür das Gehirn gemacht ist und wie es funktioniert

Siebeneinhalb Lektionen über das Gehirn
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Die Psychologie-Professorin Lisa Feldman Barrett gibt in diesem kurzen aber sehr gehaltvollen Buch spannende Einblicke darin, wie unser Gehirn funktioniert, und räumt dabei auch mit einigen Mythen auf. ...

Die Psychologie-Professorin Lisa Feldman Barrett gibt in diesem kurzen aber sehr gehaltvollen Buch spannende Einblicke darin, wie unser Gehirn funktioniert, und räumt dabei auch mit einigen Mythen auf. Etwa mit der in vielen (populär)wissenschaftlichen Veröffentlichungen herumgeisternden Behauptung, dass unser Gehirn in drei Teile („Reptiliengehirn“, für Emotionen zuständiges limbisches System, rationale Großhirnrinde) gegliedert sei, oder der Vorstellung, dass unser Gehirn uns ein getreues Bild der Wirklichkeit liefert.
Ihr Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass das Gehirn nicht „zum Denken“ entwickelt wurde, sondern um einem Organismus das Überleben zu ermöglichen, indem es das Körperbudget managt. Dies muss bei allen Überlegungen zu seiner Funktionsweise stets im Hinterkopf behalten werden. Danach erklärt sie unter anderem, dass es sich bei dem Gehirn tatsächlich (und nicht nur im übertragenen Sinn) um ein Netzwerk handelt, wie es sich verschaltet (und warum es so wichtig ist, dass Babys zugewandte Bezugspersonen haben), wie es Wirklichkeit erschafft oder dass es mehr als eine Art von Geist gibt.
Die Ausführungen sind in einfachen Worten gehalten und Großteils leicht verständlich. Sie bieten viele interessante Einsichten, helfen, die Funktionsweise unseres Gehirns und somit uns selbst und unsere Mitmenschen besser zu verstehen, und regen zum Nachdenken an.
Einziger Kritikpunkt sind die vor allem in den ersten Kapiteln häufigen und häufig längeren Fußnoten, die öfters den Lesefluss stören. Viele der dort enthaltenen Informationen hätten auch gut im normalen Text untergebracht werden können.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Was man aus dem Genom so alles herauslesen kann ...

Die große Odyssee
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...davon handelt dieses Buch.
Der Titel greift dabei eigentlich zu kurz. Die „Odyssee“, die darin besteht, dass sich die Menschheit über die ganze Erde verbreitet hat, wird schon der ersten Hälfte abgehandelt. ...

...davon handelt dieses Buch.
Der Titel greift dabei eigentlich zu kurz. Die „Odyssee“, die darin besteht, dass sich die Menschheit über die ganze Erde verbreitet hat, wird schon der ersten Hälfte abgehandelt. Die Besiedlungsgeschichten der einzelnen Kontinente werden dabei anschaulich beschrieben. Es ist richtig spannend, mitzuverfolgen, in welchen Wellen diese abgelaufen sind und wie deren Spuren in (bisweilen zig Jahrtausende alter) prähistorischer DNA und in den Genen heutiger Bevölkerungsgruppen lokalisiert werden konnten.
Danach geht es unter anderem darum, wie Umweltbedingungen (große Höhe, Regenwald, ...) oder kulturelle Bräuche (unterschiedliche Beziehungsmodelle und Fortpflanzungsmöglichkeiten von Männern und Frauen, Konsum von Milchprodukten, ...) die Gene prägten, vor allem aber, welche medizinisch relevanten Auswirkungen Unterschiede im Genom haben können. Insbesondere Gene, die das Immunsystem beeinflussen, werden immer wieder behandelt. Manchmal hätte ich mir dabei etwas konkretere Informationen gewünscht. Oft finden sich Aussagen nach dem Motto, dass es wohl irgendein unbekannter Krankheitserreger gewesen sein müsse, der die Ursache für ein bestimmtes Selektionsmuster bildete. Aber dies spiegelt eben den aktuellen Forschungsstand wider, den man hier hautnah erleben kann.
Daneben erklärt der Autor auch die Grundlagen von Evolution und Genetik, betont, dass „nichts in der Biologie Sinn macht außer im Licht der Evolution“, beschreibt den Wert der Diversität und stellt klar, dass auch die Evolution des Menschen immer noch weiter geht.
Fazit: Dies ist keine leichte Lektüre, doch sie lohnt sich. Der Inhalt ist sehr dicht, aber auch sehr interessant. Ich denke, dass auf diesem Gebiet auch in Zukunft noch weitere bedeutende Erkenntnisse zu erwarten sind.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Verwobene Geschichten mit vielen Längen und Ungereimtheiten

Der Historiker
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Ich bin kein besonderer Fan von Fantasy und habe auch Bram Stokers „Dracula“ noch nie gelesen. Auch dies mag ein Grund dafür sein, dass ich an diesem Roman keinen besonderen Gefallen gefunden habe.
Seinen ...

Ich bin kein besonderer Fan von Fantasy und habe auch Bram Stokers „Dracula“ noch nie gelesen. Auch dies mag ein Grund dafür sein, dass ich an diesem Roman keinen besonderen Gefallen gefunden habe.
Seinen Ausgang nimmt er damit, dass ein junges Mädchen im Jahr 1972 in der Bibliothek ihres Vaters ein seltsames Buch mit dem Bild eines Drachen und dem Wort Dracula findet. Darauf hin und mit der in den 1970er Jahren angesiedelten Handlung verwoben folgt die teilweise mündlich und Großteils schriftlich vorgetragene Schilderung des Vaters über Ereignisse aus dem Jahr 1954, die sich um das Verschwinden eines Universitätsprofessors drehen. In diese Schilderung sind wiederum zusätzliche Berichte eingebettet, die von weiteren Geschehnissen, die sich zu verschiedenen Zeiten zugetragen haben, handeln.
Insgesamt geht es in allen Handlungssträngen letztlich um die Suche nach Dracula, und daneben meist auch um die Suche nach verschwundenen Menschen der jeweiligen Gegenwart. Die Schauplätze sind vielfältig, die Protagonisten reisen unter anderem nach Oxford, Frankreich, Istanbul, Ungarn oder Rumänien.
Der Aufbau des Romans ist also ziemlich komplex, was natürlich nicht unbedingt etwas Schlechtes sein müsste. Mir waren diese ganzen „Geschichten in der Geschichte“ dann aber doch zu viel. Vor allem auch, weil das Setting unrealistisch wirkt. (Damit meine ich natürlich nicht die Vampire als solches, sondern die Art, wie angeblich von ihnen erzählt wird, etwa in weitschweifigen Schriftstücken, deren Verfasser betont, dass er wenig Zeit hat.) Oft werden unwichtige Details breit ausgewalzt. Andererseits bleiben viele Ungereimtheiten und offene Fragen.
Trotzdem ist die Lektüre nicht uninteressant. Die Handlung entwickelt doch einen gewissen Sog, man möchte wissen, wie es weitergeht und wie die Zeitebenen zusammenhängen. Auch werden ein paar Informationen zur realen Historie Rumäniens und des Osmanischen Reichs, aber auch zu Mythen rund um den Vampirismus eingestreut.
Die halbe Seitenzahl hätte jedoch gereicht.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Interessantes aus der Paläontologie

Großartige Giganten
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Der Paläontologe Armin Schmitt lässt die Leser hier an seiner Forschungsarbeit und an seiner Begeisterung für sein Fachgebiet teilhaben. Jedes Kapitel widmet sich einer bestimmten Tiergruppe, deren Geschichte, ...

Der Paläontologe Armin Schmitt lässt die Leser hier an seiner Forschungsarbeit und an seiner Begeisterung für sein Fachgebiet teilhaben. Jedes Kapitel widmet sich einer bestimmten Tiergruppe, deren Geschichte, wichtige Fossilien und Besonderheiten er beschreibt. Gewürzt werden die Ausführungen durch Einblicke in den Alltag eines Forschenden, insbesondere die Mühen und Freuden der Grabungsarbeit.
Er gibt hier allerdings keinen wirklichen Überblick über die Systematik und Entwicklung der Dinosaurier, sondern greift für jede Epoche ein paar Spezies heraus. Dabei handelt es sich in der Regel um besonders bekannte bzw beliebte Exemplare oder solche, anhand derer bedeutende Erkenntnisse gewonnen wurden oder die im Mittelpunkt wissenschaftlicher Kontroversen stehen. Bei Letzteren beschreibt der Autor auch immer seine Position, die sich bisweilen von jener anderer Wissenschaftler unterscheidet.
Für Einsteiger ist dieser Band daher nur bedingt geeignet. Es werden vor allem Schlaglichter auf interessante Aspekte geworfen und es kommen relativ viele Fachbegriffe vor. Zwar gibt es ein Glossar, dort fehlen jedoch ein paar wichtige Begriffe. Außerdem sind manche Passagen irreführend. Beispielsweise wird nie klargestellt, dass Ichthyosaurier und Plesiosaurier keine Dinosaurier waren.
Für Dino-Fans ist dieses Buch dennoch empfehlenswert, ich habe einiges Neues erfahren.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Die gefährlichsten Gegenstände in Auschwitz

Die Bibliothekarin von Auschwitz
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„Sie halten etwas in Händen, das in Ausschwitz streng verboten ist und das, wenn man es bei ihnen fände, einem Todesurteil gleichkäme. Mit diesen Gegenständen, die so gefährlich sind, dass ihr Besitz die ...

„Sie halten etwas in Händen, das in Ausschwitz streng verboten ist und das, wenn man es bei ihnen fände, einem Todesurteil gleichkäme. Mit diesen Gegenständen, die so gefährlich sind, dass ihr Besitz die Höchststrafe nach sich zieht, kann man nicht schießen und genauso wenig hauen, stechen oder schneiden.“ (Seite 12)
Es handelt sich dabei um Bücher – und die 14-jährige Dita Adlerova ist die Hüterin der Bücher in der Bibliothek von Lager BIIb, dem „Familienlager“ von Auschwitz. Übertragen wurde ihr diese ehrenvolle Aufgabe von Fredy Hirsch, dem charismatischen und doch rätselhaften Leiter einer geheimen Schule, wo die Kinder des Familienlagers trotz eines ausdrücklichen Verbots durch die Lagerleitung unterrichtet werden.
Ditas Alltag ist von unmenschlichen Lebensbedingungen und ständiger Angst geprägt. Doch ihre Tätigkeit als Bibliothekarin und die Bücher sorgen zumindest für ein bisschen Ablenkung und ermöglichen ihr, für kurze Zeit den sie umgebenden Schrecknissen zu entfliehen.

Ditas Geschichte, die auf der wahren Biographie der Holocaust-Überlebenden Dita Kraus beruht, wird in einer einfachen, aber umso eindringlicheren Sprache erzählt. Auf übertriebene Dramatik oder Actionszenen wird verzichtet, diese wären auch nicht nötig, schließlich ist die Realität dramatisch genug.
Ditas Erlebnisse und Gedanken werden anschaulich geschildert. Sie tritt als starke Persönlichkeit in Erscheinung, die immer wieder großen Mut beweist und trotz der Umstände, unter denen sie aufwachsen musste, ihre Menschlichkeit bewahrt. Auch sonst sind die auftretenden Personen nachvollziehbar und teilweise facettenreich gezeichnet, sodass ein guter Eindruck von der Atmosphäre in einem Konzentrationslager entsteht.
Außerdem wird die Wichtigkeit von Literatur deutlich, auch und gerade in dunklen Zeiten, wo diese Wichtigkeit - wie der Autor im Nachwort bedauert – von manchen bezweifelt wird.