Ich bin kein besonderer Fan von Fantasy und habe auch Bram Stokers „Dracula“ noch nie gelesen. Auch dies mag ein Grund dafür sein, dass ich an diesem Roman keinen besonderen Gefallen gefunden habe.
Seinen Ausgang nimmt er damit, dass ein junges Mädchen im Jahr 1972 in der Bibliothek ihres Vaters ein seltsames Buch mit dem Bild eines Drachen und dem Wort Dracula findet. Darauf hin und mit der in den 1970er Jahren angesiedelten Handlung verwoben folgt die teilweise mündlich und Großteils schriftlich vorgetragene Schilderung des Vaters über Ereignisse aus dem Jahr 1954, die sich um das Verschwinden eines Universitätsprofessors drehen. In diese Schilderung sind wiederum zusätzliche Berichte eingebettet, die von weiteren Geschehnissen, die sich zu verschiedenen Zeiten zugetragen haben, handeln.
Insgesamt geht es in allen Handlungssträngen letztlich um die Suche nach Dracula, und daneben meist auch um die Suche nach verschwundenen Menschen der jeweiligen Gegenwart. Die Schauplätze sind vielfältig, die Protagonisten reisen unter anderem nach Oxford, Frankreich, Istanbul, Ungarn oder Rumänien.
Der Aufbau des Romans ist also ziemlich komplex, was natürlich nicht unbedingt etwas Schlechtes sein müsste. Mir waren diese ganzen „Geschichten in der Geschichte“ dann aber doch zu viel. Vor allem auch, weil das Setting unrealistisch wirkt. (Damit meine ich natürlich nicht die Vampire als solches, sondern die Art, wie angeblich von ihnen erzählt wird, etwa in weitschweifigen Schriftstücken, deren Verfasser betont, dass er wenig Zeit hat.) Oft werden unwichtige Details breit ausgewalzt. Andererseits bleiben viele Ungereimtheiten und offene Fragen.
Trotzdem ist die Lektüre nicht uninteressant. Die Handlung entwickelt doch einen gewissen Sog, man möchte wissen, wie es weitergeht und wie die Zeitebenen zusammenhängen. Auch werden ein paar Informationen zur realen Historie Rumäniens und des Osmanischen Reichs, aber auch zu Mythen rund um den Vampirismus eingestreut.
Die halbe Seitenzahl hätte jedoch gereicht.