Highlight!
Die SchwarzgeherinSchon lange hat kein Buch mehr dafür gesorgt, dass
- ich bereits auf den ersten Seiten weinen musste,
- ich am liebsten die halbe, ach was sag ich, die ganze Nacht durchgelesen hätte,
- ich aber gleichzeitig ...
Schon lange hat kein Buch mehr dafür gesorgt, dass
- ich bereits auf den ersten Seiten weinen musste,
- ich am liebsten die halbe, ach was sag ich, die ganze Nacht durchgelesen hätte,
- ich aber gleichzeitig nicht weiterlesen wollte, weil so schreckliche Dinge passiert sind
- und ich nicht wollte, dass das Buch endet.
In "Die Schwarzgeherin" begleiten wir Theres, die auf einem der großen Höfe in Tirol aufwächst. Das Leben der Dorfgemeinschaft wird bestimmt von harter Arbeit, Fleiß und Sparsamkeit, außerdem von (Aber-) Glauben und Traditionen. Wie zu dieser Zeit üblich, wird von den Töchtern erwartet, angemessen zu heiraten, Kinder zu bekommen und sie großzuziehen sowie sich um Haus und Hof zu kümmern. Dabei wird die Wahl des Ehegatten nicht etwa der Liebe wegen von den Töchtern selbst getroffen, sondern von deren Vätern, die sich lukrative Verbindungen für die Zukunft versprechen.
Doch dieses von Männern vorbestimmte Leben ist nichts für Theres. Schon früh steht fest:
"Niemals würde sie heiraten, niemals würde sie sich in die Ehe zwingen lassen und Mutter werden. Ihr eigener Weg sollte ein anderer werden." (S. 33)
Als der Fremde Xaver im Dorf aufkreuzt und die beiden sich näher kommen, sieht Theres ihre Chance gekommen, aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen und es zukünftig nach ihren Vorstellungen zu führen. Doch es sollte alles anders kommen. Theres lebt zwar fernab des Dorfes, jedoch ganz auf sich allein gestellt. Ihr einziger Halt ist ihre Tochter Maria.
Wir begleiten Theres und Maria durch die harten und einsamen Jahre. Theres mochte ich sehr, auch wenn sie durch ihre schroffe Art auf den ersten Blick nicht sympathisch wirkt. Aber ihre Stärke, ihr Wille, ihr Gerechtigkeitssinn machen aus ihr eine interessante Frau.
Der Schreibstil der Autorin ist großartig. Die Verwendung der österreichischen Sprache bei den Dialogen macht die Protagonisten viel nahbarer und authentischer. Die gesamte Geschichte ist atmosphärisch und teilweise düster, wodurch durchgehend eine gewisse Spannung gegeben ist.
Die Zwischenkapitel, die sich mit dem Leben der Raubvögel auseinandersetzen, sind sehr gelungen und haben thematisch immer zum Geschehen in der Menschenwelt gepasst. Eine tolle Ergänzung und Verbindung zwischen beiden Welten.
Ganz große Leseempfehlung!