Kein Wohlfühlbuch. Aber ehrlich.
Das war jetzt mein zweites Buch von Caroline Wahl und ich muss sagen, ich fand es wieder sehr, sehr gut geschrieben. Sie hat einfach einen total eigenwilligen Schreibstil. Man muss sich am Anfang ein bisschen ...
Das war jetzt mein zweites Buch von Caroline Wahl und ich muss sagen, ich fand es wieder sehr, sehr gut geschrieben. Sie hat einfach einen total eigenwilligen Schreibstil. Man muss sich am Anfang ein bisschen daran gewöhnen, aber ich mag das grundsätzlich sehr. Es ist nahbar, direkt und fühlt sich irgendwie alltagstauglich an. Nicht verkopft, nicht künstlich, sondern sehr dran am echten Leben.
Charlotte ist ein spannender Charakter. Was mich aber wirklich am meisten beschäftigt hat, war ihre Beziehung zu ihren Eltern. Das hat mich teilweise richtig wahnsinnig gemacht. Wie ihre Gefühle klein geredet werden. Wie ihre Erfahrungen relativiert werden. Wie ihr immer wieder vermittelt wird, dass sie sich nicht so anstellen soll. Und genau da liegt für mich auch der Schlüssel dafür, warum sie im Verlag so lange alles mitmacht.
Man versteht irgendwann sehr gut, warum sie sich so demütigen lässt. Warum sie sich selbst einredet, dass sie einen tollen Job macht und dass der Verleger sie ja braucht. Warum sie glaubt, dass man das eben aushalten muss. Wenn man anschaut, wie sie erzogen wurde und wie sie sozialisiert ist, ergibt das total Sinn. Und trotzdem sitzt man beim Lesen da und denkt sich irgendwann bitte wach endlich auf.
Besonders eindrücklich fand ich, dass sie irgendwann einen Menschen in ihrem Leben hat, der ihr ganz klar sagt, dass sie sich kaputtmacht. Und sie stößt genau diese Person erstmal weg, weil sie es nicht sehen will. Auch das ist einfach unangenehm realistisch.
Ich glaube wirklich, dass das, was hier beschrieben wird, kein Einzelfall ist. Das ist nicht nur ein Problem der Verlagsbranche. Diese Dynamiken gibt es überall dort, wo man als Assistenz sehr nah an Machtpositionen arbeitet. Natürlich ist der Chef hier ein Extrem, aber die Mechanismen dahinter fühlen sich sehr real an. Abhängigkeit, Anerkennung suchen, Grenzen verschieben, sich selbst klein machen.
Man merkt beim Lesen auch, dass das Ganze sehr nah an echter Erfahrung ist. Es fühlt sich nicht konstruiert an. Ob es jetzt autobiografische Züge hat oder nicht, weiß man nicht genau. Aber es liest sich so, als wäre es zumindest sehr nah dran.
Für mich ist das ein wichtiger Roman, weil er ein Thema anspricht, das viele kennen, über das aber oft nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Und ich habe mich in vielen Gedanken und Gefühlen sehr abgeholt gefühlt.