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Veröffentlicht am 15.03.2026

Urlaub mit Hindernissen

Andere nennen es Urlaub
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„Keine Ahnung, wohin unser Weg noch führt, aber eins weiß ich genau: Sobald ich wieder zu Hause bin, brauche ich dringend Urlaub.“ (S. 9)
Netti ist Mitte 50, in den Wechseljahren und eine begabte, aber ...

„Keine Ahnung, wohin unser Weg noch führt, aber eins weiß ich genau: Sobald ich wieder zu Hause bin, brauche ich dringend Urlaub.“ (S. 9)
Netti ist Mitte 50, in den Wechseljahren und eine begabte, aber leider bisher unentdeckte Schauspielerin. An ihren großen Durchbruch glaubt sie schon lange nicht mehr und hält sich und ihren 18jährigen Sohn mit diversen Jobs über Wasser. Seit dem plötzlichen Tod ihrer Mutter vor 3 Monaten kümmert sie sich außerdem um ihren Vater Bruno. Neben dessen Haus befindet sich ein italienisches Reisebüro. Als Netti wieder mal sehnsüchtig vor dessen Schaufenster stehen bleibt, macht ihr die Inhaberin ein verführerisches Angebot: Ihr Neffe Giorgio fährt mit einem leeren Kleinbus nach Triest und 1 Woche später wieder zurück. Dort besitzt sie ein altes Ferienappartement, in dem Netti kostenlos wohnen kann, wenn sie dafür ein wenig Ordnung schafft. Netti kann ihr Glück kaum fassen und sagt sofort zu – um Bruno kann sich ja auch mal ihre Schwester Ellen kümmern.
Doch Ellen hat eine viel bessere Idee: Netti soll Bruno einfach mitnehmen, im Auto und der Wohnung ist schließlich genug Platz. Statt eines erholsamen Urlaubs kümmert sich Netti nun rund um die Uhr um ihren Vater und stellt dabei fest, wie hilf- und mutlos er ohne sein Frau ist.

Ich hatte zunächst einen unterhaltsamen Urlaubsroman erwartet, wurde dann aber, genau wie Netti, schnell mit den diversen Problemen der Protagonisten konfrontiert. Netti hat gerade ihren Hauptjob verloren, das Finanzamt fordert eine saftige Nachzahlung und ihr Sohn beginnt nach dem bestandenen Abi, sich abzunabeln. Ihr Vater hat immer ihre erfolgreiche Schwester bevorzugt, die sich wiederum in die Erziehung von Nettis Sohnes eingemischt hat. Also hat es sich Netti über die Jahre in der Opferrolle gemütlich gemacht.
Da konnte ich mich in den wehmütigen Bruno fast besser einfühlen. Er klammert sich an die Lieblingsstrickjacke seiner verstorbenen Frau und ihre Urne, die er als ehemaliger Friedhofsverwalter zu Hause aufbewahrt – und tatsächlich auch mit in den Urlaub nimmt. Das führt zu ebenso witzigen wie emotionalen Zwischenfällen.
Und auch Giorgio reist nicht ohne eigenes „Gepäck“. Schnell wird klar, dass nicht nur die Reisenden, sondern auch die Daheimgebliebenen vor der Entscheidung stehen, ob sie ihr Leben einfach weiterführen oder endlich etwas verändern wollen.

„Sie nennen es Urlaub, ich nenne es Familientherapie.“ (S. 366) Am Ende wird aus der chaotischen Reise tatsächlich etwas, das einem Urlaub zumindest nahekommt, wenn auch auf ganz andere Weise als erwartet. Statt Erholung gibt es ehrliche Gespräche, überraschende Erkenntnisse und die Chance, alte Verletzungen zu verstehen und vielleicht sogar zu heilen. Der Roman verbindet humorvolle, manchmal skurrile Situationen mit nachdenklichen Momenten über Familie, Verlust und die Frage, ob es je zu spät ist, sein Leben zu verändern. Dazu kommt die herrliche Kulisse Italiens und viel Dolce Vita.

Wer eine leichte Urlaubslektüre mit Herz, Humor und ein bisschen Tiefgang sucht, wird hier gut unterhalten, auch wenn die Reise für Netti und ihre Familie deutlich turbulenter verläuft, als sie sich das ursprünglich vorgestellt haben.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Ein Internatsroman, der unter die Haut geht

Was wir nicht sagen können
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„Ich will hier einfach nur Lennox sein.“ (S. 89)
Lennox will sein letztes Schuljahr möglichst unauffällig und unerkannt verbringen. Genau deshalb ist er extra an ein Schweizer Eliteinternat gewechselt. ...

„Ich will hier einfach nur Lennox sein.“ (S. 89)
Lennox will sein letztes Schuljahr möglichst unauffällig und unerkannt verbringen. Genau deshalb ist er extra an ein Schweizer Eliteinternat gewechselt. Doch dort zählen vor allem der (Familien)Name, das Vermögen und der Einfluss und die Macht, die Geld mit sich bringen. Natürlich sorgt es für Aufsehen, wenn plötzlich ein völlig Unbekannter auftaucht, dessen Namen niemand kennt, der auf Social Media nicht existiert und auch sonst nicht besonders gesprächig ist.

Lennox lässt niemanden an sich heran, nicht mal seinen Zimmergenossen Jesper, der sich ehrlich bemüht, Freundschaft zu schließen. Erst als er seine Mentorin Katharina kennenlernt, beginnt sich etwas zu ändern. Sie spielt nicht nur sagenhaft gut Klavier, sie komponiert auch eigene Stücke. Ihre Musik berührt Lennox tief. Wenn er ihr zuhört, kommt er endlich zur Ruhe. Die Geräusche in seinem Kopf verstumme und das Unvergessliche tritt kurz in den Hintergrund. Sie kommen sich näher, schließlich verlieben sie sich. Doch wie nah kann man sich wirklich kommen, wenn man seine Geheimnisse um jeden Preis bewahren will?
Katharina merkt schnell, dass Lennox auf laute Geräuschen mit Panikattacken reagiert und dann kaum noch ansprechbar ist. Gleichzeitig haben sie noch mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen: Katharinas Exfreund Dexter, der Kapitän des Ruderteams, will sie unbedingt zurückgewinnen. Außerdem versucht er verzweifelt, den Erwartungen seiner Familie gerecht zu werden. Sein Vater und sein Bruder waren beide Jahrgangsbeste – und dasselbe wird nun von ihm erwartet. Um dieses Ziel zu erreichen, schreckt er vor nichts zurück. „Dexters Währung sind Informationen. Er kennt so viele Geheimnisse. Über Mitschüler, Lehrer, Ehemalige, Eltern.“ (S. 148)

Lennox ist so sehr seinem eigenen Geheimnis beschäftigt, dass er lange nicht erkennt, was sich hinter den Fassaden seiner Mitschüler verbirgt. Denn der Druck ist bei für alle enorm. Die Schule allein ist schon anspruchsvoll genug, doch die Erwartungen ihrer Eltern sind oft kaum zu erfüllen. Eigene Wünsche und Träume müssen hinter den Vorstellungen ihrer Familien zurückstehen. „… hier lernt der Elitenachwuchs der Elite für ihr Leben in der Elitegesellschaft. Geschenkt kriegst du hier nichts.“ (S. 33)
Auch Katharina steht vor dieser Entscheidung. Sie soll später ins Familienunternehmen einsteigen, obwohl sie viel lieber Pianistin wäre. Die Stunden am Klavier sind ihre Zuflucht und gleichzeitig schmerzhaft. „Jedes Mal, wenn ich hier spiele, ist es wie ein Abschied. Jeder Tag, der vergeht, lässt meine Musik leiser werden. Bis sie irgendwann nur noch eine Erinnerung sein wird.“ (S. 215)
Dexter hingegen nutzt die Geheimnisse anderer, um seine Stellung zu sichern. Mit Angst, Loyalität und Gefälligkeiten bindet er die Menschen an sich. Nach außen gibt er sich als harter, aber auch großzügiger Anführer.

Adriana Popescu versprüht in Was wir nicht sagen können dank Schuluniformen, Internatsalltag und komplexen Beziehungen zwar ein wenig Maxton-Hall-Vibes, doch ihr neuestes – und wahrscheinlich leider auch letztes – Jugendbuch geht deutlich tiefer. Es geht um die Freiheit, selbst entscheiden zu dürfen, welchen Weg man im Leben gehen will, ohne ständig Rücksicht auf familiäre Erwartungen nehmen zu müssen. Es geht um den Wunsch, Träume wenigstens ausprobieren zu dürfen. Die wichtigste Botschaft des Buches ist jedoch, dass man um Hilfe bitten darf, wenn man überfordert oder gestresst ist, und dass Hilflosigkeit nicht an anderen ausgelassen werden sollte.
Popescues Coming-of-Age-Roman ist emotional, spannend und voller unvorhersehbarer Wendungen. Besonders beeindruckend ist ihr sensibler Umgang mit einem bedrückenden, aber wichtigen Thema.

Ein berührendes Lesehighlight, das zur Pflichtlektüre an Schulen werden sollte.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Das kann uns keiner nehmen

Alt genug
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„Die Lebensmitte ist überschritten, ich habe geliebte Menschen, etliche Illusionen, häufig den Mut und zweimal mein Portemonnaie, inklusive sämtliche Papiere verloren. … aber ich bin immer noch da.“ (S. ...

„Die Lebensmitte ist überschritten, ich habe geliebte Menschen, etliche Illusionen, häufig den Mut und zweimal mein Portemonnaie, inklusive sämtliche Papiere verloren. … aber ich bin immer noch da.“ (S. 7)
Ildikó von Kürthy spricht mir mit diesem Buch aus der Seele. Als Frau über 50 scheine ich eine magisch Grenze überschritten zu haben, bei der man für viele plötzlich unsichtbar geworden zu sein scheint. Das ist einerseits oft befreiend, andererseits manchmal aber auch sehr schmerzhaft.

Das Buch ist eine selbstironische, selbstkritische und humorvolle Abrechnung mit ihrem Leben und unserer Gesellschaft. Sie schreibt ehrlich über ihre diversen Ängste, Panikattacken, Sehnsüchte und Süchte und wie sie die überwunden oder sich zumindest damit arrangiert hat. In „Neuland“ hat sie versucht, sich neu zu erfinden, in „Alt genug“ ist sie endlich angekommen und hat sich mit all ihren Macken, Fehlern und Eigenheiten akzeptiert. Das Schöne am Älterwerden ist ja auch, dass man plötzlich mit einer gewissen Altersweisheit, Erfahrung, Distanz, Mut und Ruhe auf Dinge hinab- oder zurückblickt, die einen früher aufgeregt hätten.

Es ist wieder eine sehr persönliche Geschichte. Sie schreibt von unzähligen Auftritten, die ihr irgendwann zu viel wurden, von Festivals, einem Schreibseminar, ihrer Bewerbung bei GNTM und ihrem ersten Urlaub allein in New York. Sie erzählt vom Verlust ihrer Eltern, den Todesfällen im Freundes- und Bekanntenkreis und der kleinen Gruppe ihrer engsten Freundinnen, die wirklich immer füreinander da sind und um die ich sie beneide.
Ildikó von Kürthy plädiert dafür, nicht so zu leben, als wäre jeder Tag der letzte, sondern als wäre er der erste – mit Neugier, Dankbarkeit, Gelassenheit und der Bereitschaft, sich selbst wichtig zu nehmen.

„Alt genug“ ist eine warmherzige, kluge und tröstliche Ode an das Leben und die Freundschaft, an das Älterwerden und das Ankommen bei sich selbst. Es erzählt von wachsender Gelassenheit und dem Mut, Dinge endlich auszusprechen, statt sie still hinzunehmen, und davon, für die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Träume einzustehen. Zugleich erinnert es uns daran, dass uns unsere gesa

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Die nackte Wahrheit

Strandgut
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„Wir haben es hier mit einer Sekte zu tun – einer Sekte, die für Nacktheit und Eskapismus steht. Das Gegenteil von Moral, die pure Sünde.“ (S. 55)
Als die Bürgermeisterin von Grayan-et-l’Hôspital auf ...

„Wir haben es hier mit einer Sekte zu tun – einer Sekte, die für Nacktheit und Eskapismus steht. Das Gegenteil von Moral, die pure Sünde.“ (S. 55)
Als die Bürgermeisterin von Grayan-et-l’Hôspital auf einer Pressekonferenz verkündet, dass sie den Pachtvertrag des Euronat, Europas größtem FKK-Camp kündigen will, laufen die Camper Sturm. Unterstützung erhält sie vom ehrgeizigen Staatssekretär Guy Martinez, der politisch hoch hinaus will. Umso schockierender ist es, als Guy am nächsten Morgen splitterfasernackt und tot am Strand aufgefunden wird.
Für Luc und sein Team stellt sich die Frage, wie und warum der moralische Hardliner dorthin gelangte und weshalb er nackt war. Wollte ihn der Mörder damit zusätzlich demütigen? War es ein Racheakt und Guy ein zufälliges Opfer, oder wurde er gezielt an den Strand gelockt?

Die Camper bilden eine eingeschworene Gemeinschaft. Viele von ihnen verbringen seit Jahrzehnten ihre Sommer im Euronat oder haben sich als Rentner dauerhaft an der Atlantikküste niedergelassen. Aus den einst einfachen Holzhütten sind im Laufe der Jahre komfortable Häuser und sogar luxuriöse Villen mit Whirlpool, Sauna und Weinkeller geworden. Der Platz ist stetig gewachsen, ohne dass sich bisher jemand öffentlich daran störte – schließlich profitieren die Einheimischen wirtschaftlich erheblich von den Sommergästen. Doch es gibt auch kritische Stimmen: überfüllte Straßen, gesperrten Strandabschnitte und der freizügige Lebensstil sorgen nicht bei allen für Begeisterung. Die Bürgermeisterin steht mit ihrer Haltung also keineswegs allein da.

In dieser aufgeheizten Atmosphäre ermitteln Luc und sein Team mit vollem Körpereinsatz. Den Hochsommer an den kilometerlangen, unberührten, feinsandigen Stränden der Côte d'Argent können sie jedoch kaum genießen. Luc fühlt sich unter den Nackten sichtlich unwohl, was Anouk und die neue Kollegin Rose Schillinger genüsslich kommentieren. Gleichzeitig begeht Yacine einen folgenschweren Fehler, der ihn seine Karriere kosten könnte. Und schnell wird klar, dass hinter dem Mord mehr steckt als nur ein politischer Streit um die Zukunft von Euronat.

Auch der 10. Fall von Luc Verlaine überzeugt wieder mit Spannung, Lokalkolorit und einer guten Portion Humor. Als Kind der DDR bin ich selber begeisterte Anhängerin der FKK-Kultur und freue mich jedes Jahr auf den Sommer an der Ostsee. Die Atlantikküste zwar deutlich weiter entfernt, doch nach dieser Lektüre wächst die Versuchung, Euronat eines Tages selbst einen Besuch abzustatten.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Mensch oder Tier?

Die Bestie von Dresden
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Im Mai 1883 gerät Dresden in Aufruhr: Ein neu im Zoo angekommener bengalischer Tiger entkommt, weil ein Pfleger die Käfigtür nicht ordnungsgemäß verschlossen hat. Ausgerechnet Kriminalrat Gustav Heller ...

Im Mai 1883 gerät Dresden in Aufruhr: Ein neu im Zoo angekommener bengalischer Tiger entkommt, weil ein Pfleger die Käfigtür nicht ordnungsgemäß verschlossen hat. Ausgerechnet Kriminalrat Gustav Heller und sein Assistent Schrumm sollen das Tier lebend wieder einfangen. Unterstützung erhalten sie vom berühmten Schriftsteller Karl May, den der Zoo als Experten für die Großwildjagd hinzuzieht. Doch statt des Tigers stoßen sie auf die verstümmelte Leiche eines jungen Mannes. Oberflächlich betrachtet, deuten die Spuren auf ein Tier als Täter hin. Aber dann wird eine weitere Leiche gefunden. Damit ist klar: „Etwas viel Gefährlicheres als ein wilder Tiger läuft in der Stadt herum.“ (S. 127) Jemand hat es offenbar auf wohlhabende Söhne und Töchter aus gutem Hause abgesehen.
Hellers Vorgesetzte sind schnell überzeugt, den Schuldigen gefunden zu haben: ein kürzlich entlassener Zuchthäusler wird verhaftet. Doch die Morde gehen weiter. Handelt seine Bande eigenständig weiter oder sitzt der Falsche hinter Gittern, wie Heller meint? Unerwartete Unterstützung erhält der Gefangene von einem bislang völlig unbekannten, sehr ehrgeizigen Anwalt sowie der freien Presse, die den Fall genüsslich ausschlachtet.

Diese Ermittlungen entwickeln sich zu Hellers bislang schwierigstem Fall. Er tritt auf der Stelle und fühlt sich von seinen Vorgesetzten ausgebremst. Mehr als einmal legt er sich mit ihnen an. „Was, wenn niemand wirklich die Wahrheit sucht? Wenn alles, was uns als Wahrheit verkauft wird, nur zum Erhalt der Macht und der alten Ordnung dient? (S. 173) Zusätzlich kommt ihm bei den Befragungen immer wieder ein mysteriöser Fremder zuvor, der unter wechselnden Namen und Berufsbezeichnungen das Vertrauen (oder die Angst?) der Verdächtigen ausnutzt. Woher kennt er Hellers nächste Schritte? Der wachsende Druck durch die Presse und den undurchsichtigen Anwalt verschärfen die Situation zusätzlich.

Auch privat gerät Hellers Leben aus dem Gleichgewicht. Die Einblicke in die Familien der Opfer lassen ihn erkennen, dass auch er kein besonders guter Vater gewesen ist. Sein Sohn Albert hat sich von der Familie losgesagt und widersetzt sich den Zukunftsplänen seines Vaters. Seine Tochter wird zunehmend schwächer – wie lange kann sie ihrer Krankheit noch trotzen?
Kriminalassistent Schrumm hält Heller zudem den Spiegel vor: Mit seiner schroffen Art stößt er viele Menschen vor den Kopf. Gleichzeitig überrascht Schrumm ihn mit klugen Überlegungen zu Täter und Motiv. „Manchmal kam es ihm sogar so vor, als sei Schrumm der bessere Kriminalpolizist.“ (S. 120) Dafür hat Schrumm im Privatleben ein delikates Problem, dass Heller nur allzu gern mit spitzen Bemerkungen kommentiert.

Obwohl die brutalen Morde einen verstörenden und bis zuletzt verwirrenden Hintergrund haben, leidet die Spannung stellenweise darunter, dass sich Heller häufiger mit seinen Vorgesetzten auseinandersetzt und in Grübeleien sowie private Konflikte abgleitet. Dennoch ist „Die Bestie von Dresden“ ein atmosphärisch dichter historischer Krimi mit viel Lokalkolorit und einem nicht immer sympathischen, aber überzeugendem Ermittler.

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