Profilbild von ninas_bucher_basar

ninas_bucher_basar

Lesejury Star
offline

ninas_bucher_basar ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit ninas_bucher_basar über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.02.2026

Kein Wohlfühlbuch. Aber ehrlich.

Die Assistentin
0

Das war jetzt mein zweites Buch von Caroline Wahl und ich muss sagen, ich fand es wieder sehr, sehr gut geschrieben. Sie hat einfach einen total eigenwilligen Schreibstil. Man muss sich am Anfang ein bisschen ...

Das war jetzt mein zweites Buch von Caroline Wahl und ich muss sagen, ich fand es wieder sehr, sehr gut geschrieben. Sie hat einfach einen total eigenwilligen Schreibstil. Man muss sich am Anfang ein bisschen daran gewöhnen, aber ich mag das grundsätzlich sehr. Es ist nahbar, direkt und fühlt sich irgendwie alltagstauglich an. Nicht verkopft, nicht künstlich, sondern sehr dran am echten Leben.

Charlotte ist ein spannender Charakter. Was mich aber wirklich am meisten beschäftigt hat, war ihre Beziehung zu ihren Eltern. Das hat mich teilweise richtig wahnsinnig gemacht. Wie ihre Gefühle klein geredet werden. Wie ihre Erfahrungen relativiert werden. Wie ihr immer wieder vermittelt wird, dass sie sich nicht so anstellen soll. Und genau da liegt für mich auch der Schlüssel dafür, warum sie im Verlag so lange alles mitmacht.

Man versteht irgendwann sehr gut, warum sie sich so demütigen lässt. Warum sie sich selbst einredet, dass sie einen tollen Job macht und dass der Verleger sie ja braucht. Warum sie glaubt, dass man das eben aushalten muss. Wenn man anschaut, wie sie erzogen wurde und wie sie sozialisiert ist, ergibt das total Sinn. Und trotzdem sitzt man beim Lesen da und denkt sich irgendwann bitte wach endlich auf.

Besonders eindrücklich fand ich, dass sie irgendwann einen Menschen in ihrem Leben hat, der ihr ganz klar sagt, dass sie sich kaputtmacht. Und sie stößt genau diese Person erstmal weg, weil sie es nicht sehen will. Auch das ist einfach unangenehm realistisch.

Ich glaube wirklich, dass das, was hier beschrieben wird, kein Einzelfall ist. Das ist nicht nur ein Problem der Verlagsbranche. Diese Dynamiken gibt es überall dort, wo man als Assistenz sehr nah an Machtpositionen arbeitet. Natürlich ist der Chef hier ein Extrem, aber die Mechanismen dahinter fühlen sich sehr real an. Abhängigkeit, Anerkennung suchen, Grenzen verschieben, sich selbst klein machen.

Man merkt beim Lesen auch, dass das Ganze sehr nah an echter Erfahrung ist. Es fühlt sich nicht konstruiert an. Ob es jetzt autobiografische Züge hat oder nicht, weiß man nicht genau. Aber es liest sich so, als wäre es zumindest sehr nah dran.

Für mich ist das ein wichtiger Roman, weil er ein Thema anspricht, das viele kennen, über das aber oft nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Und ich habe mich in vielen Gedanken und Gefühlen sehr abgeholt gefühlt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.02.2026

Cosy Fantasy mit Anlaufzeit

Rewitched
0

Ich habe Rewitched gelesen, weil ich eine absolute Cozy-Fantasy-Maus bin. Dieses Buch wurde überall beworben, das Cover ist ein Traum, Katzen gehen bei mir sowieso immer und der versprochene herbstliche ...

Ich habe Rewitched gelesen, weil ich eine absolute Cozy-Fantasy-Maus bin. Dieses Buch wurde überall beworben, das Cover ist ein Traum, Katzen gehen bei mir sowieso immer und der versprochene herbstliche Wohlfühlvibe klang genau nach meinem Beuteschema. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Und genau da lag auch das Problem. Die erste Hälfte des Buches hat mich leider eher enttäuscht.

Ich hatte mir deutlich mehr Cozy-Atmosphäre und Herbstgefühl erhofft. Tatsächlich gibt es viele Bücher, die viel stärker diesen warmen, herbstlichen Vibe transportieren als Rewitched. Vor allem hatte ich große Schwierigkeiten, eine emotionale Verbindung zu den Charakteren aufzubauen. Mir fehlte lange das Gefühl, wirklich in der Geschichte anzukommen und mitzufühlen.

Besonders mit Belle hatte ich anfangs meine Probleme. Ihre starke Unsicherheit und ihre Ablehnung gegenüber der eigenen Magie konnte ich zunächst nur schwer nachvollziehen. Vieles wirkte für mich sehr klischeehaft, vor allem die Idee, dass tief sitzende Selbstzweifel hauptsächlich aus schlechten Erfahrungen mit Männern resultieren. Das fühlte sich mir zu einfach und zu wenig ausdifferenziert an, weshalb Belle für mich zunächst eher flach blieb.

Aber und das ist ein großes Aber: Die zweite Hälfte des Buches ist deutlich stärker.

Ab einem bestimmten Punkt verändert sich der Ton der Geschichte spürbar. Die Figuren werden emotionaler, facettenreicher und authentischer. Plötzlich hat mich die Handlung berührt, und ich konnte nachvollziehen, woher Belles innere Konflikte kommen. Ihre Entwicklung vom unsicheren, teilweise selbstablehnenden Charakter hin zu mehr Selbstverständnis und innerer Stärke war für mich das eigentliche Highlight des Buches.

Die Liebesgeschichte fand ich süß, aber sie war für mich nicht der zentrale Punkt. Viel spannender war es zu beobachten, wie Belle sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt, ihre Magie wieder annimmt und langsam beginnt, sich selbst ernst zu nehmen. Dieser innere Wandel war glaubwürdig, notwendig und am Ende auch sehr befriedigend.

Der Plot Twist zum Ende hin war für mich nicht wirklich überraschend. Wenn man viel in diesem Genre liest, ahnt man recht früh, wohin die Reise geht. Mein Verdacht hat sich bestätigt. Das hat der Geschichte für mich aber nicht geschadet, da der Twist logisch aufgebaut und gut begründet war. Alles, was davor passiert, ergibt im Nachhinein Sinn, auch wenn der Überraschungseffekt eher gering ausfällt.

Unterm Strich ist Rewitched ein Buch mit viel Potenzial, das etwas Zeit braucht, um dieses Potenzial auch auszuspielen. Erwartet keinen spektakulären Twist und auch nicht das cozy-herbstlichste Buch aller Zeiten. Wenn ihr offen bleibt, euch auf die Entwicklung der Hauptfigur einlasst und über den etwas holprigen Einstieg hinwegkommt, bekommt ihr am Ende eine stimmige, emotionale Geschichte mit magischem Kern.

Mein Tipp: Bleibt dran, auch wenn ihr Belle am Anfang nicht mögt. Es lohnt sich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.06.2025

Wieder mitten ins Herz getroffen – Emily Henry kann’s einfach!

Great Big Beautiful Life
0

Ich habe Great Big Beautiful Life direkt nach Erscheinen verschlungen – und obwohl mich nicht jeder Handlungsstrang komplett überzeugen konnte, war es wieder genau dieses Emily-Henry-Gefühl, das ich so ...

Ich habe Great Big Beautiful Life direkt nach Erscheinen verschlungen – und obwohl mich nicht jeder Handlungsstrang komplett überzeugen konnte, war es wieder genau dieses Emily-Henry-Gefühl, das ich so liebe: Humor, Tiefe, Emotion und ganz viel Herzklopfen.

Alice Scott ist bunt, quirlig, emotional und träumt von ihrem Durchbruch als Autorin. Hayden Anderson dagegen ist das genaue Gegenteil: ernst, zurückhaltend – aber als Pulitzer-Preisträger längst ganz oben angekommen. Beide wollen die Biografie der exzentrischen Margaret Ives schreiben und reisen dafür auf eine kleine Insel. Dass sie dort nicht nur aufeinanderprallen, sondern sich auf ganz neue Weise begegnen, ist absehbar – aber Emily Henry wäre nicht Emily Henry, wenn sie daraus nicht eine besondere Geschichte machen würde.

Ich bin ein riesiger Fan von Liebesgeschichten, in denen Schreiben oder Bücher eine Rolle spielen – und hier war das einfach perfekt umgesetzt. Alice war mir von Anfang an sympathisch mit ihrer offenen, chaotischen Art. Hayden hingegen war erst mal schwer zu greifen, aber gerade das hat ihn so interessant gemacht. Die beiden haben eine wunderbare Dynamik – voller Wortgeplänkel, leiser Momente, kleiner Gesten. Ich liebe sowas!

Ganz besonders schön fand ich die Szenen in Alice’ Elternhaus – dieser Cozy-Vibe, das warme, sommerliche Setting, die Verbindung zur Natur. Ich hatte sofort ein Bild im Kopf von einem Garten wie aus einem Hexenkräuterbuch: wild, duftend, heimelig. Diese Momente haben mich sehr berührt.

Die Handlung rund um Margaret Ives war leider nicht mein Lieblingsteil. Es war schon spannend zu verfolgen, was sie erlebt hat – aber im Vergleich zu Alice’ und Haydens Beziehung fühlte es sich manchmal langatmig an. Gerade im Mittelteil ging für mich ein bisschen das Tempo verloren. Es fehlte mir dort an echten Aha-Momenten oder emotionaler Tiefe.

Das Ende: Wow! Ich habe nicht mit allem gerechnet, und trotzdem hat es sich genau richtig angefühlt. Geheimnisse, große Gefühle, Versöhnungen – ich hab mitgefiebert, gelacht, ein bisschen geweint und die letzten Seiten ganz langsam gelesen, weil ich nicht wollte, dass es vorbei ist.

Mein Fazit? Ein wunderschöner Roman, der perfekt ist für alle, die kluge, gefühlvolle Liebesgeschichten lieben. Emily Henry zeigt wieder, warum sie zu meinen liebsten Autorinnen gehört. Wer „Book Lovers“ oder „Beach Read“ mochte, wird auch hier glücklich.

4,5/5 ⭐ – mit einem ganz warmen Lesegefühl im Herzen zurückgelassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.04.2025

Still, aber voller Spannung

Before we were innocent
3

“Before We Were Innocent” ist eine Geschichte über Freundschaft, Schuld und das, was übrig bleibt, wenn alles zerbricht. Ella Berman erzählt von drei Mädchen, deren eine Sommerreise alles verändert – und ...

“Before We Were Innocent” ist eine Geschichte über Freundschaft, Schuld und das, was übrig bleibt, wenn alles zerbricht. Ella Berman erzählt von drei Mädchen, deren eine Sommerreise alles verändert – und von den Jahren danach, die geprägt sind von Fragen, Schuldgefühlen und dem Versuch, irgendwie weiterzuleben.

Was mich sofort begeistert hat: Die ruhige, unaufgeregte Erzählweise. Das Buch setzt nicht auf laute Dramen, sondern entwickelt seine Kraft auf leisen Sohlen. Es ist kein klassischer Thriller – und gerade deshalb so fesselnd. Die Handlung wechselt zwischen zwei Zeitebenen, 2008 und 2018, und fügt nach und nach die Puzzlestücke einer tragischen Geschichte zusammen.

Bess, aus deren Perspektive wir alles erleben, ist eine sehr intensive Figur. Ihre Gedanken und Ängste wirken authentisch und greifbar. Auch Joni und Evangeline bleiben komplex und interessant, nie einfach nur gut oder böse. Besonders spannend fand ich, wie das Buch moralische Grauzonen auslotet – nichts ist hier eindeutig, und genau das macht die Geschichte so stark.

Was mir weniger gut gefallen hat: Manche Passagen hätten straffer sein können. Gerade wenn Bess in Erinnerungen versinkt, zieht sich die Handlung etwas. Auch Evangelines Rolle bleibt stellenweise etwas blass, obwohl sie so zentral für alles ist.

Trotzdem überwiegen für mich klar die positiven Aspekte. Ella Berman erzählt eindrucksvoll davon, wie ein einziger Sommer das ganze Leben verändern kann – und wie schwer es ist, Frieden mit der eigenen Vergangenheit zu schließen. “Before We Were Innocent” bleibt nach dem Lesen lange im Kopf und lässt Raum für eigene Gedanken und Interpretationen.

Ein stiller, intensiver Coming-of-Age-Roman für alle, die psychologische Spannung, fein gezeichnete Figuren und Geschichten zwischen Schuld und Unschuld lieben.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 11.04.2025

Kage ist ein Keeper

Ruthless Creatures
0

Ruthless Creatures von J.T. Geissinger ist eine spicy Mafia-Romance, die genau das verspricht, was sie liefert: Drama, Leidenschaft, Gefahr – und ein bisschen Wahnsinn obendrauf. Die Geschichte beginnt ...

Ruthless Creatures von J.T. Geissinger ist eine spicy Mafia-Romance, die genau das verspricht, was sie liefert: Drama, Leidenschaft, Gefahr – und ein bisschen Wahnsinn obendrauf. Die Geschichte beginnt mit Natalie, deren Verlobter vor fünf Jahren spurlos verschwand. Kein Abschied, kein Hinweis, nur ein weißes Kleid und ein gebrochenes Herz. Als der mysteriöse Kage in ihrer Stadt auftaucht, knistert es sofort. Was sie nicht weiß: Er ist nicht zufällig da. Er wurde geschickt, um eine Schuld einzutreiben – und diese Schuld ist sie.

Was nach klarem „Toxic Romance“-Potenzial klingt, überrascht am Anfang noch durch eine gewisse emotionale Tiefe und viele humorvolle, fast schon süße Momente. Kage ist kein typischer Mafia-Boss. Ja, er ist gefährlich, geheimnisvoll und dominant – aber gleichzeitig übertrieben romantisch, erstaunlich respektvoll und... er kichert. Mehrmals. Das ist so widersprüchlich zu seinem düsteren Image, dass ich teilweise laut lachen musste. Überhaupt: Die Dialoge zwischen Natalie und Kage waren für mich das Highlight – schlagfertig, witzig und oft herrlich absurd.

Der Spice ist sehr präsent – sogar ganz gut geschrieben, klar consensual, aber für meinen Geschmack manchmal zu viel. Gerade weil mir die Mafia-Handlung und die Dynamik zwischen den Charakteren so gut gefallen haben, hätte ich gerne ein bisschen mehr Plot-Tiefe gehabt. Ab etwa 60% driftet die Story dann etwas ab: Es wird arg überdramatisch, plötzlich gibt’s fast-Heiratsversprechen, Diskussionen über Kinder, die für mich emotional nicht ganz nachvollziehbar waren. Auch der Antagonist war leider sehr vorhersehbar, und gegen Ende handelt Kage erstmals grenzüberschreitend – da hat er bei mir ordentlich Sympathiepunkte verspielt.

Trotz dieser Kritikpunkte hatte ich richtig Spaß mit dem Buch. Es ist sexy, unterhaltsam, schnell zu lesen und einfach mal kein 600-Seiten-Romance-Schinken. Wer Mafia-Romance liebt, auf „Touch her and die“-Tropes steht und sich nicht an ein bisschen (okay, viel) Spice stört, wird hier definitiv fündig. Für mich sind es 4 von 5 Sternen – mit einem Augenzwinkern und der Erkenntnis: Kage ist ein Keeper… aber ein bisschen übertreibt er’s schon.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere