Profilbild von nad_uebel

nad_uebel

Lesejury Star
offline

nad_uebel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit nad_uebel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.04.2026

Interessante Dystopie

Ich, die ich Männer nicht kannte
0

39 Frauen und ein junges Mädchen werden in einem Käfig im Keller gefangen gehalten und rund um die Uhr von männlichen Wärtern bewacht. Wie die Frauen dorthin gekommen sind und warum und wie lange sie dort ...

39 Frauen und ein junges Mädchen werden in einem Käfig im Keller gefangen gehalten und rund um die Uhr von männlichen Wärtern bewacht. Wie die Frauen dorthin gekommen sind und warum und wie lange sie dort schon ausharren, wissen sie nicht. Sie werden mit den nötigsten Lebensmitteln versorgt, das Zubereiten der Speisen stellt das Highlight ihres Tages dar. Ansonsten gestalten sich ihre Tage monoton und ohne sinnvolle Beschäftigung. Das einzige, was ihnen geblieben ist, sind die Erinnerungen an ihr Leben vor dem Käfig. Nur das junge Mädchen, das keinen Namen hat und nur "die Kleine" genannt wird, kann sich nicht mehr an ihre frühe Kindheit erinnern, sie kennt nur das Leben im Käfig. Sie weiß weder wie eine Wolke aussieht noch wie sich der Wind anfühlt.

Die Situation der Frauen im Käfig ist sehr beklemmend: unwissend, gesteuert von den äußeren Bedingungen, kein Tageslicht, unter ständiger Beobachtung, ohne sinnvolle Tätigkeit.

Gerade als die Wärter den Käfig für die Übergabe der Lebensmittel öffnen, ertönt eine schriller Alarm und die Wärter lassen alles stehen und liegen und flüchten. Die Frauen sind nun keine Gefangenen mehr und treten hinaus in eine Welt, die nicht vergleichbar ist mit der, die sie kennen. So anders, dass sie sich nicht sicher sind, ob sie noch auf der Erde sind. Die anfängliche Freude dem Käfig entkommen zu sein, wich nach wenigen Tagen der Ernüchterung.

"Wir waren frei. In Wahrheit hatten wir nur das Gefängnis gewechselt." (S. 85)

Nach den vielen Jahren im Käfig begleiten wir die Frauen nun in der neuen Welt. Die gesamte Geschichte wird aus der Sicht der Kleinen erzählt. Da sie nicht auf die Erfahrungen und Erinnerungen der Frauen zurückgreifen kann, waren die Beschreibungen für mich eher distanziert, was auch mich auf Distanz hielt. Auch wenn die Frauen über sehr viele Jahre kein schönes Leben hatten und es einige emotionale Szenen gab, konnte mich das Buch gefühlsmäßig nicht wirklich abholen.

Gut herausgearbeitet war, dass der Mensch einen Sinn, eine sinnvolle Beschäftigung oder Aufgabe in seinem Leben benötigt. Auch wenn die Frauen nun außerhalb des Käfigs frei leben konnten, machte ihnen die Sinnlosigkeit zu schaffen. Was braucht der Mensch noch außer der Befriedigung seiner Grundbedürfnisse?

"Ihr ganzes Leben lang hatten sie sich nach etwas gesehnt. Aber das, was ihnen nun gegeben wurde, war nicht, was sie erwartet hatten. Vielleicht wird einem das Fremde nie vertraut, wenn man einmal einen sinnvollen, geordneten Alltag gehabt hat. Doch das kann ich, die ich nichts als das Sinnlose kenne, nur vermuten." (S. 76)

Die Geschichte lässt viele Fragen offen. Das muss man mögen. Trotzdem regt sie zum Nachdenken an. #dystopie

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.04.2026

Sehr empfehlenswert!

Healthy Food, Happy Me – Antientzündliche Ernährung für Frauen
0

Bettina Leidl setzt sich aus eigener Betroffenheit mit dem Thema hormonfreundliche und antientzündliche Ernährung auseinander. Gerade wir Frauen haben mit unserem sich ständig verändernden Körper, den ...

Bettina Leidl setzt sich aus eigener Betroffenheit mit dem Thema hormonfreundliche und antientzündliche Ernährung auseinander. Gerade wir Frauen haben mit unserem sich ständig verändernden Körper, den Hormonen, mit Energie- und Schlaflosigkeit, mit Zyklusproblemen und den Wechseljahren zu kämpfen.
Um den (Frauen-) Körper zu unterstützen und ihn in ein besseres Gleichgewicht zu bringen, hat die Autorin Rezepte entwickelt, die positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden, den Darm, den Zyklus und insgesamt auf die Gesundheit haben. Und nicht nur das. Die Rezepte lassen sich einfach in den Alltag integrieren und schmecken der ganzen Familie.

Einleitend vermittelt die Autorin umfassende Informationen zur antientzündlichen Ernährung und gibt Beispiele für entzündungshemmende Lebensmittel und erklärt, wie Hormone durch die Ernährung beeinflusst werden können. Damit der Einstieg in die neue Ernährung leicht und sicher gelingt, gibt es einen Guide mit vielen Tipps und Tricks.

Dann folgen die Rezepte, die sich u.a. in die Rubriken Frühstück, Salate und Bowls, Suppen und Eintöpfe sowie Hauptgerichte gliedern. Sowohl herzhaft als auch süß - da ist für jede etwas dabei.

Jedem Rezept ist ein kurzer Infotext vorangestellt, der die Vorteile für die Frau oder die Verwendungsmöglichkeiten darstellt. Zu jedem Rezept wird angegeben, ob es glutenfrei, vegan, eiweißreich, ballaststoffreich, darmfreundlich, laktosefrei etc. ist. Diese Angaben haben mir hinsichtlich meiner Gluten- und Laktoseunverträglichkeit sehr geholfen. Zudem werden die Nährwerte und die Zubereitungsdauer angegeben. Die Zutaten sind übersichtlich aufgeführt und die Zubereitungsschritte nachvollziehbar beschrieben. Als besonderes Goodie wartet jedes Rezept mit antientzündlichen short facts auf. Das finde ich sehr interessant und lehrreich! Ergänzt werden die Rezepte durch ansprechende Fotos.

Folgende Rezepte habe ich ausprobiert:

Tomaten-Basilikum-Creme
Karotten-Kraftbrot mit Lupinenschrot
Carrot Cake Overnight Oats
Berry Bliss Quinoa Porridge
Cremiges Hirsefrühstück mit Apfel, Mandel und Zimt
Kichererbsen-Wrap
Crunchey Rainbow-Gemüsesalat
Baked Bowl mit Süßkartoffeln
Beeren-Protein Bowl
Thai-Nudelsuppe mit Kokos und Spinat
Rahmspinatkartoffeln ohne Sahne
Buntes Ofengemüse auf Hummus
Schnelle 7-Gemüse-Pasta
Linsen-Bolognese

Einige Zutaten waren mir unbekannt bzw. kamen in meiner Küche bisher eher selten zum Einsatz, aber es war kein Problem diese zu erhalten. Einige Gerichte habe ich bereits mehrmals gemacht, weil sie wirklich lecker sind. Sogar die Kinder haben größtenteils mitgegessen, sie sind aber auch sehr mäkelig.

Zu guter Letzt enthält das Buch eine Übersicht, welche Rezepte sich für die entsprechende Zyklusphase besonders eignen - angelehnt daran, welche Nährstoffe etc. der Körper in der jeweiligen Phase benötigt. Bei der Auswahl der Rezepte habe ich mich an meinem Zyklus orientiert. Auch wenn es nicht zu jeder Mahlzeit ein Gericht aus diesem Buch gab, habe ich doch gemerkt, wie mir bestimmte Zutaten gut tun. Meine Verdauung hat sich verbessert, ich bin i.d.R. nicht mehr so müde und habe weniger Heißhunger.

Bettina Leidl führt zudem einen erfolgreichen Instagram-Kanal. Unter @ findet ihr viele weitere Tipps zu Zutaten, zur antientzündlichen Ernährung und tolle Rezepte.

Ein tolles Buch, das ich allen (Frauen) ans Herz lege.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.04.2026

Wie aus dem wahren Leben

Ein verlassenes Haus
0

"Ich halte die Familie zusammen. Ich bin das Gerüst, das garantiert, dass wir überhaupt eine Familie sein können." (S. 95)

Sonja, Ehefrau von Harald und Mutter von Katharina und Sebastian, Teilzeit-Angestellte ...

"Ich halte die Familie zusammen. Ich bin das Gerüst, das garantiert, dass wir überhaupt eine Familie sein können." (S. 95)

Sonja, Ehefrau von Harald und Mutter von Katharina und Sebastian, Teilzeit-Angestellte in einem Bio-Laden. Sie reibt sich für ihre Familie auf. Sorgt dafür, dass der "Laden" läuft. Der Alltag überfordert, belastet und erschöpft sie. Sonja hat vergessen, dass sie eine eigenständige Person mit eigenen Bedürfnissen und Grenzen ist.
Es ist nie genug Geld da. Urlaub - was ist das? Zu den bestehenden Sorgen gesellen sich zusätzliche Sorgen über Haralds Gesundheitszustand und Sebastians Erkrankung.

Fällt Harald krankheitsbedingt aus, besteht die Gefahr, dass er seinen Job verliert. Also geht er arbeiten, auch wenn er sich kaum bewegen kann. Nach seinem Job auf dem Bau liefert er Essen aus oder verdient ein paar Kröten als Taxifahrer dazu. Abends ist er zu müde, um mit Sonja über die Probleme oder ihre Ehe zu reden.

"Wir liegen einander in den Armen. Es fühlt sich falsch an. Gestellt, gespielt, gestelzt. Aber er genießt es. [...] Der junge Harald in seinem alten, kaputten Körper. Ich liebe ihn wie mich selbst: vielleicht zu wenig, um das alles auf die Dauer auszuhalten." (S. 84)

Als Sonja ihren Job verliert, verschlimmert sich ihre finanzielle Lage. Von einer alten Freundin erhält sie den Tipp für einen lukrativen, aber moralisch zweifelhaften Job. Mit ihrem Fake-Profil "Jessica" zieht sie Männern auf einer Datingplattform das Geld aus der Tasche. Doch der Job wirkt sich nicht nur positiv auf ihre Haushaltskasse aus, sondern auch auf Sonja selbst.

Mit einer offenen und ehrlichen Sprache beschreibt die Autorin, wie Sonja durch ihren neuen Job wieder mehr zu sich selbst findet, Selbstvertrauen aufbaut und erkennt, dass sie nicht nur Ehefrau und Mutter ist...

Eine nachvollziehbare, ohne Schnörkel erzählte Geschichte aus dem wahren Leben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2026

Highlight!

Die Schwarzgeherin
0

Schon lange hat kein Buch mehr dafür gesorgt, dass
- ich bereits auf den ersten Seiten weinen musste,
- ich am liebsten die halbe, ach was sag ich, die ganze Nacht durchgelesen hätte,
- ich aber gleichzeitig ...

Schon lange hat kein Buch mehr dafür gesorgt, dass
- ich bereits auf den ersten Seiten weinen musste,
- ich am liebsten die halbe, ach was sag ich, die ganze Nacht durchgelesen hätte,
- ich aber gleichzeitig nicht weiterlesen wollte, weil so schreckliche Dinge passiert sind
- und ich nicht wollte, dass das Buch endet.

In "Die Schwarzgeherin" begleiten wir Theres, die auf einem der großen Höfe in Tirol aufwächst. Das Leben der Dorfgemeinschaft wird bestimmt von harter Arbeit, Fleiß und Sparsamkeit, außerdem von (Aber-) Glauben und Traditionen. Wie zu dieser Zeit üblich, wird von den Töchtern erwartet, angemessen zu heiraten, Kinder zu bekommen und sie großzuziehen sowie sich um Haus und Hof zu kümmern. Dabei wird die Wahl des Ehegatten nicht etwa der Liebe wegen von den Töchtern selbst getroffen, sondern von deren Vätern, die sich lukrative Verbindungen für die Zukunft versprechen.

Doch dieses von Männern vorbestimmte Leben ist nichts für Theres. Schon früh steht fest:
"Niemals würde sie heiraten, niemals würde sie sich in die Ehe zwingen lassen und Mutter werden. Ihr eigener Weg sollte ein anderer werden." (S. 33)

Als der Fremde Xaver im Dorf aufkreuzt und die beiden sich näher kommen, sieht Theres ihre Chance gekommen, aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen und es zukünftig nach ihren Vorstellungen zu führen. Doch es sollte alles anders kommen. Theres lebt zwar fernab des Dorfes, jedoch ganz auf sich allein gestellt. Ihr einziger Halt ist ihre Tochter Maria.

Wir begleiten Theres und Maria durch die harten und einsamen Jahre. Theres mochte ich sehr, auch wenn sie durch ihre schroffe Art auf den ersten Blick nicht sympathisch wirkt. Aber ihre Stärke, ihr Wille, ihr Gerechtigkeitssinn machen aus ihr eine interessante Frau.

Der Schreibstil der Autorin ist großartig. Die Verwendung der österreichischen Sprache bei den Dialogen macht die Protagonisten viel nahbarer und authentischer. Die gesamte Geschichte ist atmosphärisch und teilweise düster, wodurch durchgehend eine gewisse Spannung gegeben ist.

Die Zwischenkapitel, die sich mit dem Leben der Raubvögel auseinandersetzen, sind sehr gelungen und haben thematisch immer zum Geschehen in der Menschenwelt gepasst. Eine tolle Ergänzung und Verbindung zwischen beiden Welten.

Ganz große Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2026

Starker Familienroman

Alle glücklich
0

"Alle glücklich" so lautet der neue Roman von Kira Mohn, in dem es um eine vermeintliche Vorzeigefamilie geht.
Alexander, Familienoberhaupt und Hauptverdiener, scheint mehr mit seinem Job als Oberarzt ...

"Alle glücklich" so lautet der neue Roman von Kira Mohn, in dem es um eine vermeintliche Vorzeigefamilie geht.
Alexander, Familienoberhaupt und Hauptverdiener, scheint mehr mit seinem Job als Oberarzt verheiratet zu sein als mit seiner Frau Nina. Nina hat ihre Karriere zu Gunsten der Kinder Ben und Emilia zurückgestellt und geht einem Halbtagsjob nach. Der 19-jährige Ben verbringt seine Freizeit außerhalb der Uni meist in seinem Zimmer vor seinem PC und die 16-jährige Emilia erlebt gerade ihre erste große Liebe.

Von außen könnte man meinen, es handele sich um eine perfekte Familie. Doch blickt man hinter die Fassade, in die Gedanken- und Gefühlswelt der einzelnen Protagonisten, zeigt sich sehr schnell, dass der Schein trügt. Aus den Perspektiven von Nina, Alex, Emilia und Ben erfahren wir, was sie bewegt und welche Probleme sie haben. Dabei wird deutlich, dass sie aneinander vorbei leben und gegenseitig nichts von ihren Sorgen wissen. Fehlende Kommunikation, Schweigen, unausgesprochene Vorwürfe, fehlendes Vertrauen und Verständnis bestimmen ihr Familienleben. Die Konsequenzen daraus sind unausweichlich und mit großer Tragweite.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere