Ein kurzer Abstecher auf die Pfaueninsel im 17. Jh.
Träume aus Feuer"Träume aus Feuer" ist mit seinem schmalen Umfang optisch "nur" ein kleines Büchlein, doch dieser Eindruck täuscht darüber, wie dicht gepackt die Atmosphäre und die historischen Hintergründe darin sind. ...
"Träume aus Feuer" ist mit seinem schmalen Umfang optisch "nur" ein kleines Büchlein, doch dieser Eindruck täuscht darüber, wie dicht gepackt die Atmosphäre und die historischen Hintergründe darin sind.
Florian Illies kondensiert die Informationen auf das Nötigste, alle unnötigen Details außerhalb des roten Fadens werden weggelassen. Dennoch gelingt ihm die Balance aus erzählerischer Kunst mit bildhafter, lebendiger und dennoch ruhiger Sprache und Faktenvermittlung, ohne ein Geschichtsbuch zu präsentieren. Das typische "Romanhafte" eines klassischen historischen Romans sucht man hier allerdings ebenfalls vergeblich; die Erzählung wird mit Witz und Esprit retrospektiv geschildert, man findet sich nicht mitten im Geschehen, sondern betrachtet es aus späterer (heutiger?) Zeit zusammen mit dem Autor, ohne dass es jedoch verfälschend bewertet würde.
Die Handlung orientiert sich strikt am kurzen, jedoch intensiven Werdegang von Johannes Kunckel unter der Gunst des Kurfürsten. Dabei werden nicht nur beide eingehend porträtiert, sondern ebenfalls das Abhängigkeitsverhältnis eindrücklich widergespiegelt.
So erfährt man als Leser ganz nebenbei einen direkten Einblick in die damalige Zeit und Gesellschaft, ohne belehrt zu werden, sondern allein durch das Mitverfolgen dieses kurzen Ausschnitts aus der Geschichte.
Die Thematik der Alchemie und Glaskunst, v.a. die Herstellung der außergewöhnlichen Rubingläser, wird interessant aufbereitet, geht jedoch nicht allzu sehr in die Tiefe und mag Vorerfahrene auf dem Gebiet etwas enttäuschen. Letztlich ist die weniger umfassende Ausgestaltung sicher dem generell kurzen Umfang des Werkes geschuldet und nimmt auch nicht zu viel Raum ein, als dass das Leben von Kunckel selbst zu sehr in den Hintergrund geraten könnte. Schließlich erstreckt sich der Inhalt nur über wenige Jahre, die Hochphase seines Schaffens auf der ihm vom Kurfürsten geschenkten Pfaueninsel.
Ein kleines, aber feines Büchlein, das atmosphärisch dicht und mit Charme über eine kurze, aber interessante Zeit der Alchemie in Deutschland berichtet. Für mich hätte es jedoch tatsächlich gerne etwas "romanhafter" eingebettet werden können, da ich gerne mehr über Kunckel und die damalige Zeit erzählt bekommen hätte. So erhielt ich leider nur einen kurzen Einblick aus der Distanz.