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Veröffentlicht am 12.01.2021

Titel passt nicht wirklich...

Wintertee im kleinen Strickladen in den Highlands
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Chloe liebt das Leben in der Natur am Loch Lomond in Schottland. Hier hat sie ihre Leidenschaft fürkräuter und Teemischungen entdeckt. Aber sie liebt auch ihren Freund Scott, der als Arzt in Glasgow arbeitet. ...

Chloe liebt das Leben in der Natur am Loch Lomond in Schottland. Hier hat sie ihre Leidenschaft fürkräuter und Teemischungen entdeckt. Aber sie liebt auch ihren Freund Scott, der als Arzt in Glasgow arbeitet. Für ihn und ihren Job als Psychologin in einem Frauenhaus pendelt sie zwischen ihrer Heimatstadt Callwell und der Großstadt hin und her. Aber glücklich ist sie nicht mit der Situation und ihr wird immer mehr bewusst, dass sie eine Entscheidung treffen muss.
Dann erhält sie einen Anruf ihrer Großmutter Gwendolyn aus Wales. Ihr Großvater liegt im Sterben und möchte seine Enkelin noch einmal sehen. Obwohl sie sich nie sehr nahe gestanden haben, reist Chloe zu ihnen, denn sie sind ihre einzigen noch lebenden Verwandten. Nach seinem Tod vererbt ihr Großvater ihr ein dickes Buch mit Kräuterwissen und in Chloe reift eine Idee für ihre Zukunft. Aber ist in ihren Plänen auch Platz für Scott?

Ich muss sagen, in einem Buchladen hätte ich um ein Buch mit diesem Titel einen Bogen gemacht, denn "Wintertee im kleinen Strickladen in den Highlands" klingt für mich doch zu sehr nach einem kitschigen Weihnachts- oder Liebesroman. Aber zum Glück bin ich einem Tipp gefolgt und habe es trotzdem gelesen. Natürlich spielt Liebe auch eine Rolle, auch ein Strickladen und Wintertee kommen vor. Aber es geht um viel mehr. Es ist eine Familiengeschichte und es geht um Freundschaft, Loyalität, Zusammenhalt, Gemeinschaft und den Mut, noch einmal neu anzufangen, egal, in welchem Alter. Auch Trauer spielt eine Rolle und ich habe mit den Hauptfiguren ebenso gelacht wie geweint.
Heimat und Zuhause sind ebenfalls ein wichtiges Thema und ich konnte Chloes Gefühle sehr gut nachempfinden.

Mich hatte das Buch auch interessiert, weil eine der Figuren aus "Eisblumenwinter" von Anne Barns hier auch auftaucht: Pia. Sie ist eine Freundin von Chloe und wer "Eisblumenwinter" kennt, der wird sich an gewisse Szenen erinnern, die man hier auch wiederfindet.

Alles in allem ein weiteres Buch, in das man einfach eintauchen und den Alltag eine Zeit lang vergessen kann und das perfekt in diese Jahreszeit passt. Auch wer sich, wie ich, nicht für das Stricken interessiert, dem wird die Geschichte bestimmt gefallen. Allein die Beschreibungen von Schottland und Wales lohnen sich schon.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.01.2021

Mathew Shardlake ermittelt in seinem 5. Fall

Der Pfeil der Rache
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London im Juni 1545: Anwalt Matthew Shardlake wird zur Königin Catherine Parr gerufen, die einen Auftrag für ihn hat. Der Lehrer Michael Calfhill wurde erhängt in seinem Zimmer aufgefunden. Seine Mutter, ...

London im Juni 1545: Anwalt Matthew Shardlake wird zur Königin Catherine Parr gerufen, die einen Auftrag für ihn hat. Der Lehrer Michael Calfhill wurde erhängt in seinem Zimmer aufgefunden. Seine Mutter, früher einmal Angestellte bei der Königin, möchte Gerechtigkeit, denn sie istüberzeugt, dass irgendetwas nicht stimmt. Michael war als Lehrer bei der Familie Hobbey und wurde nicht müde, immer wieder auf ein Unrecht hinzuweisen, dass den beiden Mündeln der Familie, Hugh und Emma, anscheinend widerfahren ist. Um herauszufinden, was dort vor sich ging, reisen Matthew und sein Gehilfe Jack Barak zum Kloster Hoyland, wo die Familie jetzt lebt, nachdem das Kloster aufgelöst und verkauft wurde. Die Zeit drängt, denn Hoyland liegt in der Nähe von Portsmouth, wo die gesamte englische Flotte vor Anker liegt, weil eine Invasion der Franzosen erwartet wird. Auch der König ist mit seinem Gefolge auf dem Weg in die Küstenstadt.
Gleichzeitig will Matthew bei einem Abstecher im Ort Rolfswood mehr über Ellen Fettiplace in Erfahrung bringen, die er bei seinem letzten Fall in der Irrenanstalt Bedlam kennenlernte. Aber sein Sturkopf und sein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit bringen ihn mal wieder in große Gefahr und wenn er nicht aufpasst, kann ihm vielleicht auch die Königin nicht mehr helfen.

Dies ist der fünfte Teil der historischen Krimireihe um den bucklingen Anwalt Matthew Shardlake, der zwar nichts mit den Verwicklungen bei Hofe zu tun haben möchte, aber immer wieder hineingezogen wird. Auch dieses Mal muss er sich vor einem alten Erzfeind in Acht nehmen.
Wie immer gelingt dem Autor ein spannende Kombination aus Kriminalgeschichte und historischem Roman. Dieses Mal spielt das Ganze überwiegend in der Nähe von Portmouth, wo die englische Flotte bereit liegt, um eine eventuelle Invasion Frankreichs zu verhindern. Sie fürchten die Rache der Franzosen für den Angriff von Henry VIII. auf Boulogne.

Matthew Shardlake ist beileibe kein Held. Er ist ein "Buckliger" und diese körperliche Beeinträchtigung macht ihm oft zu schaffen, körperlich wie auch seelisch. Die Menschen verspotten ihn und behaupten, er bringe Unglück. Aber er ist intelligent und vor Gericht macht ihm so schnell keiner was vor. Er hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, verteidigt Schwache und Hilflose und wenn er sich einmal festbeißt, wird man ihn so schnell nicht mehr los. Er liebt Rätsel und ist besessen davon, diese zu lösen. Was ihn schon so manches Mal in tödliche Gefahr gebracht hat. Ohne seinen treuen Gehilfen Barak wäre er oft aufgeschmissen. Aber gerade das macht Shardlake so sympathisch, dass er so "normal" ist, verletzt wird und auch Angst hat.

In "Pfeil der Rache" gibt es mehrere Handlungsstränge. Da ist zum einen der Fall der Familie Hobbey, dann Matthews Recherchen wegen Ellen Fettiplace. Und auch in seinem Haushalt gibt es Probleme, denn sein neuer Steward ist für ihn untragbar. Dafür wohnt sein Freund Guy seit einiger Zeit bei ihm.

Sansoms Schreibstil ist lebendig, die Sprache angemessen, nicht zu modern, aber sie passt gut zur damaligen Zeit. Man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt. Besonders die Beschreibungen, als die Gruppe in Portsmouth ankommt und zum ersten Mal die königlichen Schiffe im Hafen sieht, ist sehr anschaulich beschrieben.

Fazit: Spannend, authentisch, lebendig, ein gelungener Mix aus Fakten und Fiktion, mit sympathischen und auch fiesen Charakteren, so muss gute Unterhaltung sein. Trotz der rund 750 Seiten ist die Zeit nur so verflogen und ich freue mich sehr, in diesem Jahr ein weiteres Abenteuer von Matthew Shardlake zu lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.01.2021

Winter in Prag

Wintersterne
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Prag im Dezember. Drei Frauen lernen sich in der Bar ihres Hotels kennen. Megan ist Anfang 30 und wurde von ihrem besten Freund Ollie zu diesem Kurztripp eingeladen. Als Fotografin soll sie Fotos für sein ...

Prag im Dezember. Drei Frauen lernen sich in der Bar ihres Hotels kennen. Megan ist Anfang 30 und wurde von ihrem besten Freund Ollie zu diesem Kurztripp eingeladen. Als Fotografin soll sie Fotos für sein Schulprojekt über Prag machen. Hope ist 50 Jahre alt und gerade frisch getrennt. Ihr neuer Freund Charlie hat sie nach Prag eingeladen, aber richtig abschalten kann sie nicht, denn ihre Tochter ẃeigert sich, mit ihr zu sprechen, seit Hope bei Charlie wohnt. Und dann ist da noch Sophie, 28 Jahre alt. Sie ist allein nach Prag gereist, wartet aber auf ihren Verlobten Robin, der in ein paar Tagen nachkommen soll. Obwohl die drei völlig unterschiedlich sind, verstehen sie sich auf Anhieb. Hope schließt Sophie besonders ins Herz, da sie sie an ihre Tochter erinnert. Megan hingegen merkt, dass sich zwischen ihr und Ollie etwas verändert. Will er doch mehr als Freundschaft? Und ist sie bereit dazu? Und Hope fragt sich, ob es richtig ist, sich so auf Charlie einzulassen. Was will sie selbst für ihr Leben? Sie erinnert sich an einen Traum, den sie schon lange hat. Wäre es jetzt nicht der richtige Zeitpunkt? Die winterlich verzauberte Stadt konfrontiert alle drei mit ihrer Vergangenheit, ihren Herzenswünschen und führt sie zu besonderen Begegnungen.

"Wintersterne" ist mein erstes Buch von Isabelle Broom und ich habe es gerne gelesen und mich nach Prag entführen lassen. Ich war selbst noch nie dort, aber es steht schon lange auf meiner Wunschliste künftiger Reiseziele. Nun habe ich das Gefühl, die Stadt schon ein bisschen zu kennen. Die Autorin beschreibt alles sehr atmosphärisch, sehr bildhaft und lebendig. Man kann fast die Kälte fühlen, die fallenden Schneeflocken spüren und die heimelige Atmosphäre in den gemütlichen Café und Restaurants miterleben. Immer wieder wird die Freundlichkeit der Einheimischen erwähnt. Isabelle Broom scheint die Stadt wirklich sehr zu mögen.

Megan, Hope und Sophie mochte ich von Anfang an. Sie sind vom Charakter und vom Alter her alle unterschiedlich, haben aber doch einiges gemeinsam.
Bei Charlie war ich erst ein bisschen misstrauisch, aber das ändert sich später natürlich. Und der arme Ollie tat mir schon manchmal richtig leid.
Bei Sophies Geschichte hatte ich so eine Ahnung, aber bis zuletzt habe ich gehofft, dass sich mein Verdacht nicht bestätigt.

Insgesamt knapp 450 Seiten wunderbare Unterhaltung und man kann herrlich abtauchen in den winterlichen Zauber der tschechischen Hauptstadt, die eigentlich der wahre Hauptdarsteller hier ist.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.12.2020

Winter an der Ostsee

Eisblumenwinter
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"Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe."

Rügen, Anfang Dezember. Pia lebt seit dem Unfalltod ihrer Eltern mit ihren zwei Schwestern in der Nähe ihrer Oma Anni, bei der die ...

"Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe."

Rügen, Anfang Dezember. Pia lebt seit dem Unfalltod ihrer Eltern mit ihren zwei Schwestern in der Nähe ihrer Oma Anni, bei der die drei aufgewachsen sind. Mit Ende Zwanzig hat sie sich ihren Traum erfüllt und eine Karamellwerkstatt in Putbus eröffnet. Aber wirklich glücklich ist sie nicht, denn ihr Freund Paul lebt und arbeitet fünfhundert Kilometer entfernt auf der Nordseeinsel Juist. Um sich über ihre Gefühle klar zu werden, hat sie sich über Weihnachten eine Auszeit erbeten.
Am 1. Adventssonntag treffen sich die Schwestern bei ihrer Oma. Dort erscheint auch Annis Schwester Erika und schenkt ihr ein paar rote Stiefel, die sie von ihrer Tante Hedwig bekommen. Die Schwester ihrer Mutter ist irgendwann einfach aus ihrem Leben verschwunden. Anni glaubte immer, Hedwig sei gestorben. Als sie ihre Enkelin bittet, eine Reise in die Vergangenheit an den Schönberger Strand zu unternehmen, ist es genau das, was Pia jetzt braucht. Gemeinsam begeben sie sich auf Spurensuche und finden schließlich mehr, als sie erwartet hatten.

Auch mit "Eisblumenwinter" ist Anne Barns wieder eine wunderbare Wintergeschichte gelungen. Eine Familiengeschichte, die das Herz erwärmt. Eine Liebe in der Vergangenheit, die sich bis in die Gegenwart auswirkt. Aber keine großen Dramen oder Katastrophen und dadurch wirkt alles recht "normal", einfach authentisch. Es könnte jedem passieren.
Dazu der bildhafte Schreibstil mit den Beschreibungen der Winterlandschaft sowohl von Rügen als auch vom Schönberger Strand.
Und all die Köstlichkeiten, die wieder zubereitet werden. Am Ende des Buches gibt es wie gewohnt tolle Rezepte. Pias Fudge habe ich schon nach gekocht. Lecker!

Wer schon einige Bücher von Anne Barns gelesen hat, der kennt ein paar der Charaktere bereits. Pia zum Beispiel taucht auch in "Bratapfel am Meer" auf, ebenso Paul und Merle. Auch hier in "Eisblumenwinter" war sie mir gleich sympathisch, ebenso ihre Schwestern Katharina und Jana. Und wer hätte nicht gerne so eine Oma wie Anni?

Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung. Eine Geschichte zum Eintauchen, um dem Alltag für ein paar Stunden zu entfliehen, am besten mit einer Kuscheldecke und einer Tasse Tee.

"Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende."

  • Cover
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.12.2020

Eine viktorianische Geistergeschichte

Haus der Geister
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London 1867. Eliza Caine ist einundzwanzig Jahre alt, als ihr Vater stirbt. Sie fasst den Entschluss, ihre Stellung als Lehrerin einer Mädchenschule aufzugeben und geht nach Norfolk. In Gaudlin Hall wird ...

London 1867. Eliza Caine ist einundzwanzig Jahre alt, als ihr Vater stirbt. Sie fasst den Entschluss, ihre Stellung als Lehrerin einer Mädchenschule aufzugeben und geht nach Norfolk. In Gaudlin Hall wird sie Gouvernante der zwölfjährigen Isabella und des achtjährigen Eustace. Schon auf dem Bahnhof in Norwich hat sie eine merkwürdige Begegnung und als sie am Herrenhaus ankommt, sind dort nur die Kinder, kein Vater, keine Mutter. Und auf dem Grundstück lebt nur der missmutige Kutscher Heckling. Schon die erste Nacht ist unheimlich und Eliza bereut ihren Entschluss schon fast. Der Anwalt der Familie erzählt ihr schließlich die tragische Geschichte und Eliza ist sich sicher, dass sie doch nicht so allein sind auf Gaudlin Hall sind wie anfangs gedacht. Aber wer oder was will sie unbedingt von dort fortjagen? Und was ist mit den Gouvernanten vor ihr passiert?

Ein wunderbar erzählter Roman, eine Schauergeschichte aus dem viktorianischen England, die mich von Anfang bis Ende gut unterhalten hat. Atmosphärisch und spannend. Ich war sofort in der Geschichte und konnte mich gut in die damalige Zeit hinein versetzen. Die Beschreibung des damaligen Londons sowie des eher ländlichen Norfolks ist lebendig und anschaulich, der Schreibstil und die Sprache angemessen.

Erzählt wird in der ersten Person aus Sicht von Eliza. Sie hält sich selbst nicht für sehr attraktiv und hat sich damit abgefunden, als unverheiratete Lehrerin ihr Leben zu leben. Der Schritt, nach Norfolk zu gehen, ist eigentlich untypisch für sie, aber nach dem Tod ihres Vaters wagt sie einen Neuanfang. Sie ist klug und gebildet und hat recht moderne Ansichten für eine Frau in der damaligen Zeit. Beschränkungen, die nur aufgrund ihres Geschlechts für sie gelten, kann sie oft nicht nachvollziehen. Gut gefallen hat mir auch die Diskussion in der Kirche mit dem Pfarrer über Gott und die Bibel.

"Haus der Geister" ist keine Horrorgeschichte, nicht, dass da jemand beim Lesen enttäuscht sein wird. Ich würde das Buch auch nicht als übermäßig gruselig bezeichnen. Aber es ist, wie schon geschrieben, fesselnd und atmosphärisch geschrieben. England, das viktorianische Zeitalter, Herrenhäuser, Nebel, Geister...was kann man mehr von einer Schauergeschichte erwarten?
Und gerade jetzt im Oktober, in der Zeit vor Halloween, passt sie perfekt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere