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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.08.2025

Wissenschaftliches und Außerwissenschaftliches

Mehr als nur Atome
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Die Physikerin Sabine Hossenfelder beantwortet hier eine Reihe von Fragen aus dem Bereich Physik, die ihrer Meinung nach „normale Menschen“ tatsächlich interessieren. Beispielsweise: Existiert die Vergangenheit ...

Die Physikerin Sabine Hossenfelder beantwortet hier eine Reihe von Fragen aus dem Bereich Physik, die ihrer Meinung nach „normale Menschen“ tatsächlich interessieren. Beispielsweise: Existiert die Vergangenheit im Jetzt? Sind wir nicht mehr als ein Haufen Atome? Hat die Wissenschaft den freien Willen unmöglich gemacht? Können wir ein Universum erschaffen?
Schon diese Auswahl zeigt, dass sie eher Randbereiche der Wissenschaft auslotet.
Dabei unterscheidet sie immer genau zwischen Fakten, die sich tatsächlich aus etablierten (und auf Beobachtungsdaten gestützten) Theorie herleiten lassen, und Außerwissenschaftlichem, für das es keinerlei Hinweise in der Wirklichkeit gibt bzw das wir nicht benötigen, um irgendwelche Beobachtungen zu erklären. Zu letzterem gehört ihrer Meinung nach beispielsweise sowohl der Glaube an einen Schöpfergott als auch die Idee des Multiversums. Was darauf hinausläuft, dass so manche der Hypothesen, die heutzutage von Physikern aufgestellt werden, um beispielsweise die Anfänge des Universums oder die genauen Werte für die Naturkonstanten zu erklären, eher in den Bereich der Religion als der Wissenschaft gehören.
Insgesamt ist dies eine anspruchsvolle, aber alles in allem lohnende Lektüre. Es werden einige Vorgehensweisen des aktuellen Wissenschaftsbetriebs hinterfragt und manche allzu spekulativen Äußerungen in die richtige Beziehung gesetzt. Faszinierend auch, dass viele auf den ersten Blick weit hergeholte Überlegungen zumindest mit unserem heutigen Wissensstand vereinbar wären. (Was natürlich noch lange nicht heißt, dass sie richtig sind.)
Ich habe jedoch den Eindruck, dass die Autorin manche Kritik nur um der Kritik Willen übt bzw sich zu sehr in ihrer Rolle als Kritikerin gefällt. Es ist schließlich immer leichter, die Arbeit der Kollegen schlecht zu machen anstatt eigene Beiträge zu leisten.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Vielfältige (und oft überraschende) Anwendungen der Mathematik

Die Welt als Zahl
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Wofür ist Mathematik gut? Diese Frage hat sich sicher jeder schon mal gestellt und natürlich gibt es darauf „unendlich“ viele Antworten, manche offensichtlicher als andere. Ian Stewart, Mathematik-Professor ...

Wofür ist Mathematik gut? Diese Frage hat sich sicher jeder schon mal gestellt und natürlich gibt es darauf „unendlich“ viele Antworten, manche offensichtlicher als andere. Ian Stewart, Mathematik-Professor und Bestseller-Autor, hat für dieses Buch jedoch einige besonders faszinierende Beispiele ausgewählt, die wohl auch vielen Mathematik-Interessierten nicht bekannt sind.
Unter anderem beschreibt er, wie die Graphentheorie, die ihren Ausgang im 18. Jahrhundert nahm, heute dabei hilft, Nierentransplantationen effizient zu planen, welche unerwarteten Anwendungsbereiche das als Musterbeispiel für abstrakte Mathematik geltende Fachgebiet der Topologie fand oder wie viele verschiedene Gebiete der Mathematik zusammenwirken, damit Satellitennavigation funktioniert.
Er erklärt die jeweils dahinter stehende Mathematik überwiegend in Worten. Formeln etc kommen selten vor bzw werden in die Anmerkungen am Ende verbannt. Dies finde ich einerseits schade (es gibt von dem Autor auch „mathematischere“ Bücher), andererseits sorgt es dafür, dass der Lesefluss durchgehend erhalten bleibt und es leicht fällt, den grundlegenden Aussagen zu folgen. Außerdem wirkt der Inhalt so weniger „abschreckend“, teilweise wird sogar eine gewisse „Spannung“ aufgebaut, wenn die Art beschrieben wird, wie Mathematiker an Probleme herangehen.
Insgesamt gelingt es dem Autor sehr gut, seine Begeisterung für das Thema zu transportieren und aufzuzeigen, wie sehr unserer heutiges Leben und unsere Zivilisation von Mathematik abhängen, auch in Bereichen, wo diese vielleicht nicht sichtbar ist. Neben dem Vorstellen einiger spezifischer Anwendungen betont er auch immer wieder, wie bemerkenswert die umfassende Nützlichkeit mathematischer Methoden, häufig auch für ganz andere Zwecke als jene, zu denen sie ursprünglich entwickelt wurden, eigentlich ist. Dies fügt dem Ganzen einen interessanten Aspekt hinzu.
Negativ zu vermerken ist lediglich, dass sich in die deutsche Ausgabe viele Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen haben. Dieses Buch hätte, erst recht bei einem renommierten Verlag wie Rowohlt, eine sorgfältigere Bearbeitung verdient gehabt.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Über weite Strecken langweilig

Der Tod der dreckigen Anna
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1974: Ein pfälzisches Dorf wird von einem Verbrechen erschüttert. Die 72-jährige Anna Hager, die nach dem Tod ihrer Schwestern allein in einem verwahrlosten Haus gelebt hat, wurde auf brutale Art ermordet. ...

1974: Ein pfälzisches Dorf wird von einem Verbrechen erschüttert. Die 72-jährige Anna Hager, die nach dem Tod ihrer Schwestern allein in einem verwahrlosten Haus gelebt hat, wurde auf brutale Art ermordet. Nach außen hin geben sich alle Bewohner überzeugt, dass es keiner aus dem Dorf gewesen sein kann, doch zumindest eine von ihnen hegt insgeheim Zweifel. Da bei den Ermittlungen der Polizei nicht viel herauskommt, wächst die Angst vor einer weiteren Tat.
Eingeschobene Rückblicke ins „Davor“ beleuchten die Vergangenheit der Hager-Schwestern wie auch ihrer Nachbarschaft, einschließlich des Mörders.


Gerade darin liegt aber das Hauptproblem: Man kann schon bald erahnen, wer der Täter ist, und nach vielleicht der Hälfte steht es praktisch fest. Dies müsste noch nicht zwangsläufig negativ sein. Doch weder ist der ermittelnde Kommissar ein „Inspektor Columbo“ (obwohl er sich Mühe gibt), noch taugt die Darstellung des Dorfes und seiner Bewohner als „Milieustudie“ oder ähnliches. Die auftretenden Personen sollen pfälzer „Typen“ repräsentieren, wirken jedoch häufig überzeichnet und ebendeshalb nicht authentisch. So manche Gedanken und Verhaltensweisen sind nicht nachvollziehbar.
Über weite Strecken gestaltet sich die Lektüre daher eher langweilig. Erst im letzten Viertel kommt doch noch ein bisschen Spannung auf und gibt es ein paar Überraschungen.

Insgesamt konnte mich dieser Roman jedoch nicht packen. Obwohl er von einem wahren Kriminalfall inspiriert wurde, wirkt er außerdem irgendwie unrealistisch. Was schade ist, denn in der Geschichte wäre mehr drinnen gewesen.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Charmantes Plädoyer für das Händeschütteln

Der Handschlag. Die neue Geschichte einer großen Geste
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Dieses Buch wurde während der Corona-Pandemie geschrieben, als der Handschlag aus hygienischen Gründen vor dem Aus zu stehen schien. Die Paläoanthropologin und Komikerin Ella Al-Shamahi, die selbst lange ...

Dieses Buch wurde während der Corona-Pandemie geschrieben, als der Handschlag aus hygienischen Gründen vor dem Aus zu stehen schien. Die Paläoanthropologin und Komikerin Ella Al-Shamahi, die selbst lange Zeit Schwierigkeiten mit dem Händeschütteln hatte, hätte dies schade gefunden.
Denn es handelt sich dabei um „eine Geste, die sowohl „Hallo“ als auch „Tschüss“ bedeutet, mit der wir einen Friedensvertrag bekräftigen, unser Beileid oder unseren Respekt ausdrücken, mit der wir zeigen, eine Person unter vielen nicht zu übersehen, …“ – und vieles mehr. Der Handschlag hat zahlreiche Bedeutungen und Anwendungsmöglichkeiten, denen gemeinsam ist, dass sie alle ausnahmslos positiv sind.
Die Autorin spürt hier den Ursprüngen dieser Geste vor Millionen Jahren nach, gibt eine (Augenzwinkernde) Anleitung für den perfekten Handschlag, erzählt von den besten und schlechtesten Handschlägen der Geschichte und beschreibt (und verwirft) einige Alternativen.
Man spürt ihre Begeisterung für das Thema und ihre Aussagen haben mich dazu gebracht, eine (glücklicherweise wieder) alltägliche Geste in einem neuen Licht zu sehen. Dadurch wird auch klar, warum das Verbot des Händeschüttelns während Corona von vielen als so schlimme Einschränkung empfunden wurde.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Interessante Informationen gehen in philosophischem Geschwafel unter

Die unfassbare Vielfalt des Seins
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Es kommt wirklich nicht oft vor, dass ich ein Buch abbreche. Hier habe ich aber nach ca zwei Dritteln aufgegeben. Das ist schade, denn dieses Werk enthält zahlreiche interessanten Informationen. Was auch ...

Es kommt wirklich nicht oft vor, dass ich ein Buch abbreche. Hier habe ich aber nach ca zwei Dritteln aufgegeben. Das ist schade, denn dieses Werk enthält zahlreiche interessanten Informationen. Was auch der Grund dafür ist, dass ich dennoch zwei Sterne vergebe.
Unter anderem geht es um erstaunliche Fähigkeiten und Eigenschaften diverser Lebewesen (von Tieren, die sich im Spiegel erkennen, über Kommunikationsfähigkeit und Erinnerungsvermögen von Pflanzen bis hin zu Schleimpilzen, die das Problem des Handlungsreisenden in linearer Zeit lösen) oder ungewöhnliche Arten, einen Computer zu konstruieren.
Spannende Erkenntnisse und Gedanken gehen jedoch geradezu unter in langatmigem (pseudo)philosophischen Geschwafel oder persönlichen Ansichten und Erinnerungen. Dadurch wird die Lektüre streckenweise sehr mühsam. Ich habe den Eindruck, dass es sich bei dem Autor um einen Menschen handelt, der „sich selbst gern reden hört“.
Außerdem wird der Lesefluss der deutschen Ausgabe immer wieder durch die nervige Art des Genderns gestört. „Wörter“ wie Forscher:innen werden sogar dann verwendet, wenn aus dem Text hervorgeht, dass beispielsweise an der Durchführung einer wissenschaftlichen Studie ausschließlich Männer oder ausschließlich Frauen beteiligt waren.