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Veröffentlicht am 15.09.2016

Richtiger Umgang mit Statistik

Statistischer Unsinn
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Beinahe täglich werden wir in den Medien mit irgendwelchen Statistiken konfrontiert – wenn beispielsweise die Ergebnisse von Meinungsumfragen präsentiert, (mehr oder weniger) wissenschaftliche Studien ...

Beinahe täglich werden wir in den Medien mit irgendwelchen Statistiken konfrontiert – wenn beispielsweise die Ergebnisse von Meinungsumfragen präsentiert, (mehr oder weniger) wissenschaftliche Studien besprochen oder Erfolge bei Sportereignissen analysiert werden.

Dass dabei immer wieder Fehler passieren, zeigt Andreas Quatember, außerordentlicher Professor am Institut für Angewandte Statistik der Johannes-Kepler-Universität Linz, hier anhand vieler Beispiele, die er aus diversen, vor allem (ober)österreichischen, Medien entnommen hat. Nach einem kurzen Zitat aus dem Originalartikel erklärt er jeweils, warum eine bestimmte Formulierung oder Schlussfolgerung unrichtig ist, und gibt darüber hinaus eine Einführung in das Wesen und die Funktionsweise der Statistik.

Dieses Thema ist auf jeden Fall interessant, die Ausführungen sind allgemein verständlich und regen dazu an, manch reißerische Schlagzeile oder hübsche Grafik kritischer zu hinterfragen.

Dennoch konnte mich dieses Werk nicht vollständig überzeugen. Über 200 Seiten hauptsächlich darauf zu verwenden, aufzuzeigen, was andere Leute alles falsch gemacht haben, ist inhaltlich doch ziemlich dünn und wird mit der Zeit auch etwas nervig, erst recht, da dieses Buch selbst nicht frei von (Tipp- und sonstigen) Fehlern ist. Ich hätte mir ausführlichere Hintergrundinformationen erwartet.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der Untergang der Republik

Dictator
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Der dritte Teil der Trilogie befasst sich mit dem letzten Abschnitt von Ciceros Leben sowie den letzten Jahren der römischen Republik. Es ist eine Zeit, welche zu einem entscheidenden Wandel in der antiken ...

Der dritte Teil der Trilogie befasst sich mit dem letzten Abschnitt von Ciceros Leben sowie den letzten Jahren der römischen Republik. Es ist eine Zeit, welche zu einem entscheidenden Wandel in der antiken Welt führen sollte, die hier aus der Perspektive eines ihrer prominentesten Vertreter geschildert wird, der während des Großteils dieser Jahre zwar keine offizielle politische Funktion bekleidete, nichtsdestotrotz aber an einigen Weichenstellungen beteiligt war, Erfolge feierte, doch auch viele bittere Niederlagen erdulden musste.
Cicero tritt als unerschütterlicher Verfechter der Republik auf – eine Haltung, die letztlich zum Scheitern verurteilt ist. Daneben gibt es auch in seinem Privatleben einige Turbulenzen.

Von all dem „spürt“ man beim Lesen allerdings relativ wenig, der Roman ist eher sachlich geschrieben. Für Liebhaber gefühlsbetonter Erzählungen ist dieses Buch also weniger empfehlenswert.

Dafür werden die historischen Hintergründe sowie die Atmosphäre des antiken Rom gut dargestellt und die wahre Dramatik von Situationen, die im Schulunterricht nur kurz (und meist überwiegend aus Sicht des Siegers) angesprochen werden, fassbar gemacht.

Der Autor hat offenbar sehr gründlich recherchiert und es ist ihm gelungen, geschichtliche Fakten zu einer packenden Handlung zu verknüpfen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Alle Sprachen der Welt

Weltgeschichte der Sprachen
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Seinem Titel wird dieses Buch auf jeden Fall gerecht: Harald Haarmann gibt hier eine wahrlich umfangreiche Gesamtschau zur Geschichte der Sprachen – sämtliche Sprachgruppen der Welt werden zumindest erwähnt.

Die ...

Seinem Titel wird dieses Buch auf jeden Fall gerecht: Harald Haarmann gibt hier eine wahrlich umfangreiche Gesamtschau zur Geschichte der Sprachen – sämtliche Sprachgruppen der Welt werden zumindest erwähnt.

Die Darstellung orientiert sich an der historischen Abfolge, beginnend mit der Protosprache der Neandertaler. Es folgt eine Beschreibung der Entstehung des modernen Menschen und seiner Verbreitung in alle Welt, wobei die diesbezüglichen Wanderungsbewegungen sich auch heute noch in der Verteilung der Sprachen nachvollziehen lassen. Darauf folgt die Schilderung der Ausbildung der diversen Sprachfamilien, deren wichtigste näher beschrieben werden. Die Darstellung des Indoeuropäischen erfolgt dabei am ausführlichsten, aber auch beispielsweise die uralischen, afroasiatischen oder sino-tibetischen Sprachen werden näher behandelt.
Eine Erörterung der Phänomene der Pidgins und Kreolsprachen rundet das Buch ab.
Im letzten Kapitel befasst sich der Autor dann noch mit der Zukunft der Sprachen. Dabei versucht er, die gegenwärtigen Schreckensvisionen des massenhaften Sprachensterbens und des überbordenden Einflusses des Englischen etwas zu relativieren, betont aber auch, wie problematisch der Untergang jeder Sprache ist, geht mit ihrem Verschwinden doch auch eine komplette Terminologie unter, in der ein bestimmtes lokales Wissenspotential über unsere Welt seine Ausdrucksform findet.

Leser, die sich für Linguistik interessieren, finden hier also einen breit gefassten Überblick und eine Fülle spannender Informationen. Es zeigt sich, wie vielfältig die Welt der Sprachen ist und welche Gemeinsamkeiten dennoch bestehen und es ist interessant, zu sehen, womit Sprachwissenschaftler sich beschäftigen, welche Methoden zur Rekonstruktion vergangener Entwicklungen eingesetzt werden und wie dabei auch Ergebnisse aus anderen Wissenschaftsgebieten wie Archäologie oder Genetik herangezogen werden.

Allerdings ist dieses Werk doch in einem sehr trockenen Stil geschrieben und mit relativ vielen Fachbegriffen durchsetzt, was es für den Laien manchmal schwer macht, alle Inhalte richtig zu verstehen und aufzunehmen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Moderne Technik und alte Ressentiments

Der Jahrhundertsturm
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Dieser erste Teil der Jahrhundertsturm-Serie umfasst den Zeitraum von 1840 bis 1871, also eine Epoche, in welche viele für den weiteren Verlauf der deutschen Geschichte bedeutsame Ereignisse fallen.

Die ...

Dieser erste Teil der Jahrhundertsturm-Serie umfasst den Zeitraum von 1840 bis 1871, also eine Epoche, in welche viele für den weiteren Verlauf der deutschen Geschichte bedeutsame Ereignisse fallen.

Die Protagonisten erleben diese aus verschiedenen Perspektiven: Alvin von Briest ist in der Tradition des preußischen Junkertums verhaftet. Als er erfährt, dass nach dem Tod des Vaters sein Bruder der Alleinerbe des Familienbesitzes ist, entschließt er sich zu einer Karriere beim Militär.
Weitaus friedlichere Ambitionen hegt der Bayer Paul Baermann. Er ist begeistert von der modernen Technologie der Eisenbahn und sieht in ihrem weiteren Ausbau einen wichtigen Beitrag zu gegenseitigem Verständnis und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ländern.
Alvin und Paul schließen eine langjährige und manche Schicksalsschläge überdauernde Freundschaft, was umso erstaunlicher ist, als beide dieselbe Frau lieben: Louise Ferrand, die in den Armutsvierteln von Paris eine schlimme Zeit überstehen musste und sich dabei gefährliche Feinde gemacht hat.
Eine weitere Gefahr geht von Pauls Schwester Lily aus, die von frühster Kindheit an ständig das Gefühl hatte, benachteiligt zu sein, und nun entschlossen ist, sich zu rächen.
Zu all diesen erfundenen Figuren kommt noch eine wahrhaft historische Persönlichkeit: Otto von Bismarck.

Der Inhalt dürfte sehr gut recherchiert sein, wie auch das ausführliche Nachwort beweist. So sind beispielsweise einige von Bismarcks Aussagen direkt aus seinen Briefen oder Reden entnommen. Die historischen Hintergründe und politischen Prozesse werden nachvollziehbar dargestellt. Auch das Lokalkolorit kommt nicht zu kurz, vor allem die immer wieder eingeschobenen Zitate im Berliner Dialekt sorgen für Authentizität.

Allerdings werden die Auswirkungen der teilweise tiefgreifenden Veränderungen auf die normalen Bürger nur am Rande angesprochen. Die Protagonisten befinden sich doch großteils in eher „privilegierten“ Positionen und wenn sie doch einmal einen Rückschlag erleiden, lässt die Rettung nicht lange auf sich warten.
Auch sonst sind die Figuren nicht wirklich überzeugend gezeichnet, sie wirken teilweise eher flach und machen, obwohl sich die Geschichte über mehr als 30 Jahre erstreckt, kaum eine persönliche Entwicklung durch. Außerdem sind manche Handlungselemente unrealistisch, insbesondere was Louises Hin-und-Her zwischen zwei Männern betrifft.

Dafür ist der Roman flott geschrieben, die relativ kurzen Kapitel und häufigen Perspektivenwechsel animieren immer wieder zum Weiterlesen.

Insgesamt ist dieses Buch für Histo-Fans und an der Bismarck-Ära Interessierte durchaus empfehlenswert, ich habe von dem Autor aber schon bessere Werke gelesen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Entwicklung der Sprache

Du Jane, ich Goethe
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Für die allermeisten von uns ist es ganz selbstverständlich, unsere Muttersprache zu sprechen und zu verstehen. Wie verschiedenartig und auf ganz unterschiedliche Weise komplex all die vielen Sprachen ...

Für die allermeisten von uns ist es ganz selbstverständlich, unsere Muttersprache zu sprechen und zu verstehen. Wie verschiedenartig und auf ganz unterschiedliche Weise komplex all die vielen Sprachen der Welt sind, wird uns meist erst bewusst, wenn wir uns daranmachen, eine Fremdsprache zu lernen – und dabei all den kompliziert aufgebauten Wörtern und Satzkonstruktionen sowie diversen (scheinbar) unlogischen Ausnahmen von der Regel begegnen, sodass bisweilen tatsächlich der Eindruck entsteht, es stecke eine zentrale Planung dahinter, als habe sich irgendwann ein Ältestenrat zusammengesetzt und beispielsweise über die diversen Verbendungen entschieden.
Doch so war es natürlich nicht. Guy Deutscher bezeichnet die Sprache zwar als die wichtigste Erfindung der Menschheitsgeschichte, mehr noch, als das, was uns erst zu Menschen gemacht hat. Einen einzelnen „Erfinder“ gab es jedoch nicht.

Dieses Buch befasst sich mit den Prozessen, durch welche sich im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende aus einfachen Anfängen all die komplizierten Strukturen herausgebildet haben, die wir nun beobachten können.
Der Autor begibt sich auf die Spurensuche nach all den Kräften der Erschaffung wie auch der Zerstörung, welche unsere Sprachen formten und bis heute wirksam sind, und stellt Lösungen für viele Probleme vor, die Linguisten seit langem beschäftigen. So erklärt er beispielsweise die Tatsache, dass seit den ersten schriftlichen Überlieferungen scheinbar nur ein Verfall der Sprache zu beobachten ist, keine Höherentwicklung, oder entwirft ein Szenario, wo die ungewöhnlichen Verbschemata der semitischen Sprachen ihren Anfang genommen haben könnten.

Die Lektüre konnte mich immer wieder dazu animieren, mir weiterführende Gedanken zum Thema zu machen, es ist schon erstaunlich, wie viel hinter manchen Begriffen oder Wendungen steckt, die wir tagtäglich gebrauchen, ohne jemals wirklich darüber nachzudenken.

Die Ausführungen sind sehr anschaulich und auch für Leute ohne Vorkenntnisse in Linguistik nachvollziehbar. Obwohl der Autor bisweilen wirkt, als wäre es sich seiner Sache etwas zu sicher bzw dazu neigt, über Schwierigkeiten in einem kurzen Nebensatz hinwegzugehen, ist dieses Werk als Einstieg in die Materie sicher wunderbar geeignet.

Und ein ganz großes Plus: Obwohl das Original in Englisch erschienen und daher in erster Linie auf die englische Sprache zugeschnitten ist, wurde die Übersetzung um viele Bezüge zum und Beispiele aus dem Deutschen ergänzt!