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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.07.2019

Amüsanter roadtrip mit Happy end

Von wegen Dolce Vita!
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Angie, Ü70, ist im Herzen immer ein Hippiemädchen geblieben und steht zu ihrer Lebenseinstellung. Da ihre Tochter Janis das genaue Gegenteil von ihr ist herrscht zwischen beiden seit 15 Jahren Sendepause ...

Angie, Ü70, ist im Herzen immer ein Hippiemädchen geblieben und steht zu ihrer Lebenseinstellung. Da ihre Tochter Janis das genaue Gegenteil von ihr ist herrscht zwischen beiden seit 15 Jahren Sendepause und sie kennt ihre Enkelin Leonie nur als Kleinkind. Diese wiederum ist total angeätzt von ihrer Mutter und probt ihrerseits den Aufstand. Campen mit Mama und ihrem lover Sven in Schweden – no way. So landet sie rein zufällig bei Angie, die Leonie kurzerhand mit auf ihren Trip nach Sardinien zum „Kommunentreffen“ nimmt.
Da ich schon einige Romane von Tessa Hennig gelesen habe weiß ich, dass ich mich immer auf eine höchst unterhaltsame und amüsante Geschichte freuen kann. Die Protagonistinnen sind allesamt authentisch und sympathisch gezeichnet, aber vor allem Angie hat mein Herz im Sturm erobert. Wie sie ihre Alterszipperlein mit viel Humor hinnimmt hat mich mehr als einmal zum Lachen gebracht. Aber auch ihre Selbstreflektion und der Blick zurück auf ihre „Sturm- und Drangzeit“ haben mir sehr gut gefallen. Dass sie dabei noch ein Geheimnis über Jahrzehnte mit sich herumgeschleppt hat kommt erst ziemlich spät heraus. Überhaupt wird im Laufe der Handlung sehr viel Ungesagtes im Rahmen der Familiengeschichte aufgearbeitet, und auch für Janis und Leonie gibt es die eine oder andere Überraschung.
Der lockere leichte Schreibstil hat mich von Beginn an mit auf die Reise nach Sardinien mitgenommen. Ich habe sie und vor allem die Landschaftsbeschreibungen genossen, die in mir ein Urlaubsgefühl entfacht haben.
Auch wenn zum Schluss alle Fronten geklärt sind und sich alle wieder lieb haben, dieser Schluss passte einfach wie Pott zum Deckel und deswegen steht dem „dolce vita“ gar nichts mehr im Wege.

Veröffentlicht am 03.07.2019

Viel mehr als "nur" eine Liebesgeschichte

Bis wir wieder fliegen
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Anne, Notärztin bei der Flugrettung, und Owen, Rettungssanitäter, sind beruflich ein eingespieltes dream-team, das sich auch ohne Worte versteht. Aber nach Feierabend wandelt sich Owen um 180 Grad und ...

Anne, Notärztin bei der Flugrettung, und Owen, Rettungssanitäter, sind beruflich ein eingespieltes dream-team, das sich auch ohne Worte versteht. Aber nach Feierabend wandelt sich Owen um 180 Grad und zeigt Anne nur noch die kalte Schulter. Der Grund dafür liegt in der Vergangenheit: ein einschneidendes, schreckliches Erlebnis, das nicht nur die Leben der beiden ganz plötzlich verändert hat, von dem Anne aber nichts ahnt.
Bei einem Einsatz verunglücken Anne und Owen und sein sorgsam gepflegter Gefühlspanzer beginnt zu bröckeln.
Was folgt ist für Anne und Owen eine chaotische Achterbahnfahrt der Gefühle, die auch nicht ohne Verletzungen auskommt. Trotz aller Hochs und Tiefs hat es Spaß gemacht, Anne und Owen durch die malerische Landschaft von Wales zu begleiten. Alle Charaktere sind sehr sympathisch, sehr authentisch beschrieben und man kann sich in die einzelnen Personen gut hineinversetzen. Besonders Evelyn, Anne Pflegemutter, hat durch ihre offene und unvoreingenommene Art mein Herz im Sturm erobert. An Owens Figur hat mir besonders die Entwicklung gefallen, die er im Lauf der Geschichte durchlebt und durch die er seine jahrelang gehegten Überzeugungen doch grundlegend überarbeitet.
„Bis wir wieder fliegen“ ist aber viel mehr als nur eine Liebesgeschichte. Im Mittelpunkt steht auch die Aufarbeitung zweier eng verbundener Familienschicksale, damit Vergebung, Akzeptanz und Neuanfänge ihren Platz finden können. Es bleibt beim Lesen spannend und fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen.
Mich hat dieses Buch in eine ganz besondere Leseatmosphäre versetzt. Danke dafür.

Veröffentlicht am 25.06.2019

Tödliche Hetzjagd durch den Wald

Der Blütenjäger: Thriller
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Laura Kern ist wieder gefragt, nachdem die 2. Leiche eines jungen Mädchens im Abendkleid in einem Waldstück aufgefunden wird: erschossen durch den Rücken ins Herz, neben sich eine Blüte und ein Foto zu ...

Laura Kern ist wieder gefragt, nachdem die 2. Leiche eines jungen Mädchens im Abendkleid in einem Waldstück aufgefunden wird: erschossen durch den Rücken ins Herz, neben sich eine Blüte und ein Foto zu Lebzeiten. Handelt es sich hier um einen Serienmörder?
Schon mit dem Prolog hatte mich die Geschichte wieder gefangen genommen. Dort berichtet ein späteres Opfer in der Ich-Perspektive über seine letzten Minuten. Welches kranke Hirn ist zu solchen Taten fähig, aus welchem Grund überhaupt und was hat es mit der „Blütendekoration“ auf sich? Diese Fragen haben mich sofort beschäftigt und nach möglichst schnellen Antworten geschrien.

In kurzen Abständen folgen weitere Leichen und die Ermittler sind redlich bemüht, Motive und mögliche Täter aufzuspüren. Davon gibt es wieder jede Menge, aber viele Hinweise verlaufen im Sand. Wie ich es bereits aus anderen Thrillern von Catherine Shepherd kenne, hat sie es auch in diesem Fall wieder geschickt angestellt, bröckenweise Spuren zu streuen und kleine Andeutungen zu machen, die mich beim „Mitermitteln“ immer wieder in eine Sackgasse geführt haben - wie auch die Ermittler Laura und Max, die sich zunächst die Zähne an diesem Fall ausbeißen. Laura hat allerdings in diesem Fall bei mir den Eindruck hinterlassen, dass sie zu verbissen darauf fixiert war, einen Täter präsentieren zu können, koste es, was es wolle. Mitunter war mit diese Einstellung zu anstrengend.
Sehr gelungen finde ich auch wieder den Szenenwechsel zwischen Gegenwart und der Vergangenheit vor 20 Jahren. Obwohl beide Handlungsstränge scheinbar nichts miteinander zu tun haben, fängt man doch automatisch an, Überlegungen anzustellen und Theorien aufzustellen, zumal es eine Person gibt, die in beiden Zeitebenen eine Rolle spielt. Der Spannungsbogen ist von Beginn an hoch und hält sich konstant bis zum doch sehr überraschenden Ende. Bei dem gewohnt flüssigen Schreibstil war es auch dieses Mal wieder sehr schwer, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen.

Neben der dienstlichen Seite lerne ich die Ermittler auch ganz gerne mal von der privaten kennen. Auch wenn Laura sich damit immer noch etwas schwer tut, scheint sich ja ihre Beziehung mit Taylor zu festigen. Und da zumindest hier noch eine Menge Entwicklungspotenzial vorhanden ist, freue ich mich einfach schon einmal auf den nächsten Band.
Von mir gibt es wieder eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 20.06.2019

Venedig mit anderen Augen sehen

Die Mondschein-Lagune
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Die Archäologin Antonia nutzt einen Forschungsauftrag in Venedig als willkommene Auszeit von ihrem Freund in Berlin. In der Lagunenstadt wohnt sie bei der Contessa Ada, der sie hilft, ein Familiengeheimnis ...

Die Archäologin Antonia nutzt einen Forschungsauftrag in Venedig als willkommene Auszeit von ihrem Freund in Berlin. In der Lagunenstadt wohnt sie bei der Contessa Ada, der sie hilft, ein Familiengeheimnis zu lüften. Dabei öffnet sie ihr Herz nicht nur für die zauberhafte Lagunenstadt.
Bereits nach wenigen Seiten hatte mich der Zauber Venedigs bereits gefangen genommen und ich bin gerne mit Antonia durch die Lagunenstadt spaziert. Man merkt der Autorin an, dass ihr diese Stadt am Herzen liegt, denn neben den üblichen Sehenswürdigkeiten zeigt sie auch viele Blicke hinter die Kulissen in malerische Gässchen und Plätze abseits der üblichen Touristenwege. Es gibt nicht nur eine Menge geschichtlicher Informationen über Venedig sondern insbesondere auch über die dazugehörigen Inseln. Da ich bisher darüber so gut wie gar nichts wusste, habe ich sie aufgesogen wie ein Schwamm und fand sie sehr informativ. Darüber hinaus werden auch aktuelle Themen wie die statischen Probleme der Palazzi und Kirchen hervorgerufen durch Kreuzfahrtschiffe angesprochen. Ich habe Venedig bereits einmal gesehen und weiß, wie faszinierend diese Stadt ist, aber Dorette Deutsch hat es dennoch geschafft, mich mit ihren Worten zu bezaubern. Der Schreibstil ist flüssig und es ist mir schwer gefallen, das Buch aus der Hand zu legen.
Die Protagonisten sind allesamt sehr sympathisch; besonders die Contessa Ada mit ihrer mitunter speziellen aber sehr herzlichen Art habe ich schnell ins Herz geschlossen. Venedig schreit ja förmlich nach einer Liebesgeschichte und so gibt es sie natürlich auch hier. Allerdings steht sie nicht im Mittelpunkt sondern entwickelt sich eher leise am Rande mit, was mir sehr gut gefallen hat.
Gewöhnungsbedürftig waren für mich zunächst die Gespräche zwischen Adas Katze Mimi und ihrem Freund, der Kanalratte. Aber vielleicht färbt der Zauber Venedigs auch auf die Tierwelt ab. Auf jeden Fall waren ihre verbalen Geplänkel sehr vergnüglich.
Mir hat der Roman ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, auch wenn ich gerne noch länger in Venedig geblieben wäre.

Veröffentlicht am 13.06.2019

Mehr Roman als Krimi

Cyrus Doyle und der dunkle Tod
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Der inzwischen 4. Band mit dem sympathischen Ermittler Cyrus Doyle spielt auf der Kanalinsel Guernsey.
Zu Ehren des Schriftstellers Victor-Hugo, der dort einige Zeit gelebt hat, findet gerade ein internationales ...

Der inzwischen 4. Band mit dem sympathischen Ermittler Cyrus Doyle spielt auf der Kanalinsel Guernsey.
Zu Ehren des Schriftstellers Victor-Hugo, der dort einige Zeit gelebt hat, findet gerade ein internationales Symposium statt. Während einer Kinovorführung geschieht ein Mord- und wer sitzt auch im Publikum? Richtig, Cyrus Doyle und seine Kollegin Pat.
Beide stecken recht schnell in den Ermittlungen, denn es ist nicht klar, ob das Opfer direkt gemeint war oder aber vielleicht jemand anderer. Dabei erfährt man als Leser*in viel über diese faszinierende Insel und ihre Sehenswürdigkeiten, wie z. B. das Haus von Victor Hugo, und auch die dunkele historische Vergangenheit Guernseys wird beleuchtet. Das ist durchaus interessant, hat für mich aber wenig mit dem eigentlichen Krimi zu tun gehabt. Die kriminalistischen Handlungen sind für mich eher in den Hintergrund geraten. Im Mittelpunkt stand für mich eher das verbale Geplänkel zwischen Cyrus und Pat, seiner Kollegin und Ex-Lebensgefährtin oder „nur“-Freundin oder wie auch immer man die Beziehung zwischen den beiden nennen will. Ich glaube, das wissen sie selbst nicht so genau. Der Teil war zwar recht unterhaltsam, aber nicht das, was ich erwartet hatte. Mir fehlte definitiv mehr Krimihandlung und Spannung.
Ich bin gut in die Geschichte hineingekommen, auch ohne Vorkenntnisse der Vorbände, und der Schreibstil war sehr angenehm. Allerdings ist für meinen Geschmack vieles zu oft wiederholt worden, wie z. B. die Liebe zu seinem Oldtimer.
Richtig gut gefallen hat mir aber die Beschreibung der Insel, die schon länger auf meiner Reiseziel-Wunschliste steht und diesen Wunsch nur verstärkt hat.
Insgesamt ein unterhaltsamer „Krimi“, den man schnell mal nebenher lesen kann.