Profilbild von Kelo24

Kelo24

Lesejury Star
offline

Kelo24 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Kelo24 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2019

Ein bewegendes Stück deutsch-deutscher Geschichte

Was uns erinnern lässt
0

Das Hotel Waldeshöh, idyllisch gelegen am Rennsteig mitten im Thüringer Wald, befindet sich seit Generationen im Besitz der Familie Dressel. Um diesen Ort ranken sich die zwei Handlungsstränge des Romans, ...

Das Hotel Waldeshöh, idyllisch gelegen am Rennsteig mitten im Thüringer Wald, befindet sich seit Generationen im Besitz der Familie Dressel. Um diesen Ort ranken sich die zwei Handlungsstränge des Romans, die in der Vergangenheit sowie der Gegenwart spielen.
Milla, alleinerziehende Mutter ohne familiäre Bindungen, liebt ihr Hobby: das Ausspüren von sogenannten „lost places“ , über die sie in ihrem blog berichten will. Beim Streifen durch den Thüringer Wald entdeckt sie eher zufällig die Falltür zu einem Keller, in dem die Zeit scheinbar eingefroren worden ist. Dabei fällt ihr auch ein Tagebuch eines Mädchens mit Namen Christine Dressel in die Hände. Es muss ein einschneidendes Erlebnis vorgefallen sein, dass Millas Neugier weckt.
Sie sucht und findet Christine Dressel, begibt sich mit ihr auf Spurensuche und deckt auch ein lange gut gehütetes Familiengeheimnis auf. Ab diesem Zeitpunkt beginnt der Gegenwartspart, der mir bis dahin zeitweise etwas langatmig vorkam, spannend zu werden. Durch Christines Erinnerungen kann man leicht an der Familiengeschichte teilhaben, da sie realistisch beschrieben und dadurch leicht nachvollziehbar sind.
In den Rückblenden erfährt man zunächst viel über das Leben im Hotel Waldeshöh ab 1945 und lernt dabei auch Hildes Großmutter Johanna kennen, die über die Kriegszeiten bis hin zur Teilung Deutschlands und Einrichtung der Sperrzone immer die Fäden in der Hand hatte und nie die Hoffnung aufgab, dass der Hotelbetrieb wieder aufgenommen werden würde.
Christines Kindheit und Jugend in den 60-er und 70-er Jahren ist so lebendig beschrieben, dass man sie fast miterleben kann. Vieles, was einem heute merkwürdig vorkommt, war für sie Alltag: das Leben in der Sperrzone war mitunter sehr einsam, für Christine und ihre Geschwister war es aber Heimat und der Ort für viele Erinnerungen. Umso härter hat die Familie dann die Zwangsumsiedlung getroffen.
Kati Naumann hat hier ein Stück deutscher Geschichte sehr detailliert und einfühlsam wiedergegeben. Ich habe doch einige neue Informationen zu Zwangsumsiedlungen und dem Leben in Sperrgebieten erfahren. Das vorangestellte Interview zeigt gleich zu Beginn, warum die Autorin so viel Herzblut in diesen Roman gesteckt hat.
Milla und Christine, diese 2 starken, aber so unterschiedlichen Frauen, habe ich sehr gerne auf ihrer Reise in die Vergangenheit begleitet und miterlebt, wie beide ihr Seelenheil finden, jede auf ihre ganz eigene Weise, aber doch zusammen.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und *****

Veröffentlicht am 05.03.2019

Teil I hat mich enttäuscht

Café Engel
0

Schon als Kind ist Hilde klar, dass sie einmal das von ihren Eltern geführte Wiesbadener Cafe´Engel weiterführen wird. Nach Kriegsende verfolgt Hilde daher nur ein Ziel: ihr geliebtes Cafe´mit Hilfe ihrer ...

Schon als Kind ist Hilde klar, dass sie einmal das von ihren Eltern geführte Wiesbadener Cafe´Engel weiterführen wird. Nach Kriegsende verfolgt Hilde daher nur ein Ziel: ihr geliebtes Cafe´mit Hilfe ihrer Mutter und guten Freunden wieder zu einem beliebten Treffpunkt nicht nur für Künstler und Schauspieler zu machen.
Während Hilde sich mit Feuereifer um die Wiedereröffnung des Cafe´´s kümmert befindet sich ihre Cousine Luisa auf der Flucht vom Gestüt aus Ostpreußen zu ihrem ihr noch unbekannten Onkel Heinz, Hildes Vater.
Nach der Beschreibung des Klappentextes bin ich davon ausgegangen, dass die beiden jungen Frauen im Mittelpunkt des Geschehens stehen, musste mich aber schon sehr schnell vom Gegenteil überzeugen lassen.
In ständigen Perspektivwechseln werden parallel zu den Ereignissen im Leben von Hilde und Luise auch die Erlebnisse anderer Personen beschrieben. So gibt es Einblicke in das Soldatenleben und die Kriegsgefangenschaft von Hildes Vater Heinz; den Alltag und die Flucht des französischen Zwangsarbeiters Jean-Jacques sowie die Überlebensgeschichte der Jüdin Julie, die im Hause Engel versteckt worden ist.
Dadurch erhält man zwar jede Menge gut recherchierter Informationen zu Themen wie Flucht, Vertreibung, Zwangsarbeit, Kriegsgefangenschaft und dem Leben in der Nachkriegszeit, allerdings besteht bei der kurzen Verweildauer bei einer Person kaum eine Gelegenheit, sich näher mit ihr zu befassen. Für mich hat sich dadurch eine Distanz aufgebaut, so dass ich mit den Protagonisten nicht richtig warm werden konnte.
Es haben zwar alle Personen irgendeine Verbindung zum Freundeskreis des Cafe Engel, aber auf mich hat der Perspektivwechsel insgesamt sehr unruhig und störend gewirkt.
Auf den letzten Seiten ist dann endlich das passiert, worauf ich schon die ganze Zeit gewartet habe. Luisa und Hilde treffen aufeinander. Für Rivalität zwischen beiden bleibt dann aber nicht wirklich viel Zeit, denn auf den letzten Seiten wirkt die Handlung doch sehr komprimiert. Und das Lüften der Geheimnisse geht irgendwie im Gedränge der vielen Ereignisse unter. Dazu gibt es dann noch ein großes Happy end auf allen Seiten unterm Tannenbaum – das war mir dann doch zu viel Zuckerguss auf dem Kuchen.
Gut gefallen hat mir allerdings der flüssige Schreibstil und die realistische Darstellung des Cafes und der jeweiligen Handlungsorte, so dass ich mir recht schnell ein Bild davon machen konnte.
Ich habe erst während des Lesens erfahren, dass dieser Band Teil 1 einer Trilogie ist, was einiges erklärt, mich aber dennoch recht enttäuscht zurück lässt, denn der Roman hat leider nicht gehalten, was mir der Klappentext versprochen hat und worauf ich mich gefreut habe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Authentizität
  • Figuren
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 03.03.2019

Balsam für die Seele

Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta
0

Eine Insel der Ruhe in einer schnelllebigen Metropole – das ist der Blumenladen „L’etoile manquante“ - der fehlende Stern - des Monsieur Dominique und für die in Paris gestrandeten spanischen Freundinnen ...

Eine Insel der Ruhe in einer schnelllebigen Metropole – das ist der Blumenladen „L’etoile manquante“ - der fehlende Stern - des Monsieur Dominique und für die in Paris gestrandeten spanischen Freundinnen Mercedes und Tilda der tägliche Anlaufpunkt. Alle 3 haben etwas gemeinsam: sie sind einsam, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Gründen. Monsieur Dominiques fehlender Stern ist seine vor langer Zeit verstorbene große Liebe Julie, der er immer noch nachtrauert und über die Jahre daran verzweifelt, dass selbst seine Erinnerungen langsam verblassen. Ihr hat er versprechen müssen, glücklich zu bleiben. Diesen Zustand erreicht er nur, in dem er andere mit seinen Blumen glücklich macht und an deren Glück teilhaben kann. Für Violeta, die neue Aushilfe, ist der Job ein Rettungsring, denn auch sie hat ihr Päckchen zu tragen.
Es ist ein Roman der leisen Töne, poetisch, warmherzig, melancholisch, der sich mitunter in langatmigen Abhandlungen etwas verheddert, aber dabei trotzdem nichts von seinem Pariser Charme einbüßt. Inmitten der Stadt der Liebe geht es um Einsamkeit, die Bedeutung von Freundschaft und Glück, den Umgang mit Verlusten und den Mut, neue Chancen zu ergreifen.
Alle Protagonisten – und dazu zählen für mich auch Mercedes und Tilda – sind sehr realistisch beschrieben und es ist mir leicht gefallen, mich in sie mit all ihren kleinen oder großen Schrullen hineinzuversetzen. Monsieur Dominique hat mein Herz im Sturm erobert mit seiner unaufdringlichen, charmanten Art und seinem großen Herz. In seinem Blumenladen habe ich mich schon fast ein bisschen wie „zu Hause“ gefühlt
Die Geschichte ist gespickt mit vielen Lebensweisheiten und Beispielen der Blumensprache, die mir sehr gut gefallen haben.
Dieser Roman ist ein Wohlfühlbuch und wie Balsam für die Seele.

Veröffentlicht am 13.02.2019

Amüsanter, unblutiger Regionalkrimi

Die finnische Socke
0

Ein Mord bei einem Ärztekongress in Salzburg wirft vor allem bei Inspektor Neuner und seinem Team eine Frage auf – warum trägt das Opfer eine handgestrickte finnische Socke? Während der Ermittlungen endet ...

Ein Mord bei einem Ärztekongress in Salzburg wirft vor allem bei Inspektor Neuner und seinem Team eine Frage auf – warum trägt das Opfer eine handgestrickte finnische Socke? Während der Ermittlungen endet quasi im Nachbarzimmer ein zweites Leben. Und wieder trägt der Tote eine handgestrickte Socke.
Vor allem die Todesursache bleibt lange im Dunkeln. Allerdings mangelt es nicht an möglichen Verdächtigen und auch denkbare Motive gibt es einige. Leider fehlt der logische Zusammenhang.
Das ist bereits der 2. Fall von Inspektor Neuner, der allerdings auch völlig ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann. Mit einigen österreichischen Ausdrücken und Redewendungen hatte ich meine Verständnisschwierigkeiten, davon abgesehen ließ sich der Krimi aber flüssig lesen. Mit Neuner, Charlie und Co. hat Marie Anders durchweg sympathische Charaktere geschaffen, die nicht nur in ihrer Ermittlungsarbeit aufgehen, sondern auch ein Privatleben haben, was mir sehr gefallen hat.
Auch der Spannungsbogen wird fast über die Gesamtlänge des Buches aufrecht erhalten.
Als LeserIn ist man mitten im Geschehen, überlegt selbst in alle Richtungen, wägt Motive und Alibis ab, nur um am Ende festzustellen, dass man nicht den Hauch einer Ahnung hat, wer denn nur der/die MörderIn sein könnte.
Auch der Humor kommt hier nicht zu kurz – über Frau Dr. Freija Olafsdottir-Hansens sehr spezielle Art habe ich sehr oft schmunzeln müssen und auch Eliina hat im wahrsten Sinne des Wortes Farbe in die Handlung gebracht.
Mir hat dieser Regionalkrimi vergnügliche Lesestunden beschert, auch weil er so herrlich unblutig war und trotzdem ein unerwartetes und überraschendes Ende hatte.

Veröffentlicht am 11.02.2019

Diese Geschichte hat mich mitten ins Herz getroffen

Die Antwort auf Vielleicht
0

Adam ist ein Taxifahrer der speziellen Art – er fährt mit dem sogenannten „Krebstaxi“ Patientinnen zur täglichen Behandlung in eine Klinik und verliebt sich in eine von ihnen.
Von Jessie, einer alleinerziehenden ...

Adam ist ein Taxifahrer der speziellen Art – er fährt mit dem sogenannten „Krebstaxi“ Patientinnen zur täglichen Behandlung in eine Klinik und verliebt sich in eine von ihnen.
Von Jessie, einer alleinerziehenden jungen Mutter, die nur noch wenige Wochen zu leben hat, lernt er in kürzester Zeit, dass Träume auch gelebt werden müssen, bevor es dafür zu spät ist und es sich immer lohnt, für ein Ziel zu kämpfen, koste es was es wolle.

„Die Antwort auf Vielleicht“ ist mehr als nur eine Liebesgeschichte, es ist eine Geschichte mit Tiefgang. Sie macht nachdenklich, regt an, das eigene Leben zu reflektieren und sich dessen Endlichkeit vor Augen zu führen, da viel zu oft ungefragt das Schicksal Pläne oder Träume durchkreuzt.

Der Autor hat in dieser Geschichte seine eigenen Erlebnisse als Fahrer eines Krebstaxis verarbeitet und vielleicht ist ihm deshalb dieser glaubwürdige und sensible Umgang mit dem doch schweren Thema so gut gelungen. Die Protagonisten wirken alle sehr authentisch und die Gefühlslagen sind sehr realistisch beschrieben. Und obwohl der Tod immer Hintergrundthema bleibt stehen nicht etwa Angst und Verzweiflung im Vordergrund. Ganz im Gegenteil, die Geschichte hat auf mich auch lebensbejahend gewirkt und Hoffnung und Mut gemacht. Natürlich habe ich mit Jessie und Adam mitgefiebert und mitgelitten und es sind auch etliche Tränen geflossen, aber trotzdem gab es auch immer wieder Stellen, an denen ich unter Tränen lächeln musste.
Dieser Roman ist kein Buch für zwischendurch oder nebenbei, er hat es mehr als verdient, bewusst gelesen zu werden.
Mich hat der Roman mitten ins Herz getroffen und dafür hat er 5***** verdient.


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Emotionen
  • Humor
  • Figuren