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Veröffentlicht am 18.04.2020

Mitreißende Geschichte

Ada, das Mädchen aus Berlin
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Tony Vincenzo, ein Freund von Anwältin Catherine Lockhart und ihrem Ehemann Liam Taggart, lädt die beiden in sein Restaurant ein, um sie um Hilfe für seine, in der Toskana lebendende, betagte Tante Gabriella ...

Tony Vincenzo, ein Freund von Anwältin Catherine Lockhart und ihrem Ehemann Liam Taggart, lädt die beiden in sein Restaurant ein, um sie um Hilfe für seine, in der Toskana lebendende, betagte Tante Gabriella zu bitten. Sie ist in einen Rechtsstreit verwickelt, bei dem ein großes Unternehmen behauptet, Eigentümer von Gabriellas Anwesen zu sein. Nun soll die alte Dame per Gerichtsbeschluss von ihrem kleinen Weingut vertrieben werden. Als Catherine und Liam zusagen, in die Toskana zu fliegen, schickt Tonys Tante ihnen ein Manuskript per Kurier aus den dreißiger Jahren zu. Dieses sollen sie aufmerksam lesen, um mehr über das Gut und seine Geschichte zu erfahren. Doch kann die Geschichte, um die begnadete jüdische Geigerin Ada, die in Kriegszeiten von Berlin nach Italien flüchtete, wirklich dabei helfen, Gabriellas Weingut zu retten?

Nach "Karolinas Töchter" und "Hannah und ihre Brüder", ist "Ada, das Mädchen aus Berlin" bereits der dritte Band der Reihe, um die Anwältin Catherine Lockhart und ihren Ehemann Liam Taggart. Da jeder Roman dieser Serie eine eigenständige Geschichte beinhaltet, muss man weder die Vorgänger kennen, noch die Reihenfolge einhalten. Man kann jedes Buch unabhängig von den anderen lesen.

Der Autor Ronald H. Balson versteht es vom ersten Moment an, das Interesse an der Geschichte zu wecken. Deshalb gelingt der Einstieg in die Handlung mühelos. Diese ist in zwei Stränge unterteilt. In der Gegenwart beobachtet man Catherine und ihren Mann dabei, wie sie sich darum bemühen, gegen den Gerichtsbeschluss, der bedeuten würde, dass Gabriella ihr Heim verliert, vorgehen und sich auf die Suche nach Ansätzen, die dies verhindern können, machen. Parallel dazu liest man das Manuskript und erfährt nach und nach die Geschichte der Geigerin Ada. Beide Handlungsstränge sind eindringlich und äußerst lebendig geschildert. Deshalb kann man schon früh ins Geschehen eintauchen und hat dabei alles vor Augen.

Die Nachforschungen in der Toskana sind äußerst spannend, auch wenn Liam Taggart dabei manchmal etwas über das Ziel hinausschießt und sich von seinen angestauten Gefühlen leiten lässt. Die Geschichte der begnadeten, jüdischen Geigerin Ada bewegt und regt um Nachdenken an. Und da sich diese Stränge so gekonnt verknüpfen, gerät man in den Sog der Ereignisse und mag das Buch kaum aus der Hand legen.

Eine packend und äußerst mitreißend erzählte Geschichte, die tief berührt und zum Nachdenken anregt!

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Veröffentlicht am 13.04.2020

Rasanter Thriller

Zara und Zoë - Tödliche Zwillinge
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Europol ist es gelungen einen Islamisten umzudrehen und wieder in die Terrorszene einzuschleusen. Er soll mit den Informationen, die er dort sammelt, dazu beitragen, weitere Anschläge zu vereiteln. Doch ...

Europol ist es gelungen einen Islamisten umzudrehen und wieder in die Terrorszene einzuschleusen. Er soll mit den Informationen, die er dort sammelt, dazu beitragen, weitere Anschläge zu vereiteln. Doch mittlerweile hat es den Anschein, dass er kurz davor steht, enttarnt zu werden. Da er nicht mehr zu erreichen ist, könnte es sogar sein, dass er bereits aufgeflogen ist. Die Terror-Profilerin Zara von Hardenberg hat die Befürchtung, dass ein größerer Anschlag geplant ist. Deshalb muss sie dafür sorgen, den Informanten unbeschadet aus der Szene zu holen, um nicht nur sein Leben zu retten, damit er für weitere ähnliche Einsätze zur Verfügung steht, sondern um zu erfahren, ob sich ihre Befürchtungen bewahrheiten. Doch Zara selbst ist für so einen Einsatz eher ungeeignet, denn sie hält sich streng an Regeln. Doch ein Einsatz in dieser Größenordnung ist unter legalen Bedingungen nicht machbar. Das weiß auch Zara und deshalb bittet sie ihre Zwillingsschwester Zoe, die als Profi-Killerin für die korsische Mafia arbeitet, um Hilfe.....

"Zara und Zoe- Tödliche Zwillinge" ist nach "Zara und Zoe - Rache in Marseille" der zweite Thriller um die ungleichen Zwillingsschwestern. Den aktuellen Ereignissen kann man aber sicher auch dann folgen, wenn man den ersten Band nicht gelesen hat, da der Autor wichtige Hintergrundinformation in die Handlung einstreut. Diese wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Da die Wechsel immer mit dem Namen der Person, die gerade im Zentrum des Geschehens steht, und dem jeweiligen Handlungsort gekennzeichnet sind, fällt es leicht, die Übersicht zu behalten.

Der Thriller startet bereits rasant. Durch die ständigen Wechsel der Perspektiven kann das hohe Erzähltempo konstant gehalten werden. Man gerät früh in den Sog der Ereignisse. Denn der Autor versteht es hervorragend, die Kenntnisse, die er als Journalist und Frankreich-Korrespondent erworben hat, so lebendig in die Handlung einfließen zu lassen, dass man die Bedrohung zwischen den Zeilen spüren kann. Im Verlauf der Handlung kommt es zu einigen actionreichen und brutalen Szenen. Hier sticht besonders Zoe hervor, die Zwillingsschwester, die als Profi-Killerin für die korsische Mafia arbeitet. Sie scheint eine unerbittliche und nahezu unverwundbare Killerin zu sein, die immer alles in Rekordzeit erfasst und ihren Gegnern dadurch die entscheidende Sekunde voraus ist. Diese Szenen lesen sich äußerst rasant, wirken allerdings auf Dauer arg konstruiert und etwas unglaubwürdig. Das tut der Spannung allerdings keinen Abbruch, denn man verfolgt gebannt das Geschehen und mag das Buch deshalb kaum aus der Hand legen.

Ein Thriller, der zwar stellenweise etwas konstruiert wirkt, aber durch das rasante Tempo überzeugen kann.

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Veröffentlicht am 12.04.2020

Ein eher gemächlicher Auftakt

Die Galerie am Potsdamer Platz
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Berlin, 1930: Nach dem Tod ihrer Mutter zieht es Alice Waldmann nach Berlin. Sie will dort ihre Großmutter Helena aufsuchen und herausfinden, warum diese den Kontakt vollkommen abgebrochen hat. Doch Helena ...

Berlin, 1930: Nach dem Tod ihrer Mutter zieht es Alice Waldmann nach Berlin. Sie will dort ihre Großmutter Helena aufsuchen und herausfinden, warum diese den Kontakt vollkommen abgebrochen hat. Doch Helena bleibt hartherzig und zeigt Alice die kalte Schulter. Ihre Tante Rosa kann sie allerdings überreden, der Familie und Berlin eine Chance zu geben und nimmt Alice bei sich auf. Da die Waldmanns einst angesehene Kunsthändler waren, lässt Rosa ihre Kontakte spielen und schon bald entdeckt Alice ihr Talent als Fotografin. Als Alice den Deutsch-Iren John kennenlernt und gemeinsam mit ihren Onkeln davon träumt, die einstige Galerie wiederzueröffnen, scheint eine glanzvolle Zukunft zum Greifen nahe. Doch dann kommen alte Geheimnisse ans Tageslicht und die Nazis drängen an die Macht....

Dieser historische Roman bildet den Auftakt der Galeristinnen-Saga und führt direkt ins pulsierende Berlin. Das Leben in der Stadt und die Kunstszene werden so lebendig beschrieben, dass man das Gefühl hat, selbst in diese aufregende Zeit einzutauchen. Die unterschwellige Bedrohung, die bereits von den an die Macht drängenden Nazis ausgeht, fließt dabei glaubhaft in die Handlung ein. Der Einstieg in den Roman gelingt deshalb mühelos.

Doch leider können die Charaktere nicht richtig überzeugen. Besonders Alice, die Hauptprotagonistin, macht es einen nicht gerade leicht. Obwohl sie sicher eine starke Frau ist, die weiß was sie will und ihren Weg gehen wird, wirkt sie stellenweise so naiv, trotzig und kindisch, dass man sich kaum mit ihr identifizieren kann und beim Lesen das ein oder andere Mal genervt mit den Augen rollt. Auch die anderen Akteure wirken eher wie hölzerne Statisten, die beliebig in der Handlung umhergeschoben werden können, ohne dabei Tiefe zu zeigen. Deshalb betrachtet man das Geschehen auch eher distanziert.

Alte Geheimnisse sollen für Dramatik und Spannung sorgen, das gelingt auch teilweise sehr gut. Doch insgesamt gesehen, wirken diese Wendungen etwas zu konstruiert und nur bedingt glaubhaft. Die Szenen, in denen man in die Kunstszene eintaucht, strotzen allerdings vor Lebendigkeit und sind durchgehend interessant.

Ein eher gemächlicher Auftakt, der darauf hoffen lässt, dass sich die Reihe steigern kann.

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Veröffentlicht am 10.04.2020

Atemberaubender Reihenabschluss

Prinzessin der Elfen 5: Verlorene Gefühle
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Endlich scheint es den Feinden der Völker gelungen zu sein, Lucy in eine willen- und emotionslose Marionette zu verwandeln, die von den Ältesten kontrolliert wird. Nichts erinnert mehr an die mutige und ...

Endlich scheint es den Feinden der Völker gelungen zu sein, Lucy in eine willen- und emotionslose Marionette zu verwandeln, die von den Ältesten kontrolliert wird. Nichts erinnert mehr an die mutige und empathische Prinzessin von früher. Selbst die Gefühle für ihre große Liebe Daan scheinen sich in Gleichgültigkeit und Hass verwandelt zu haben. Daan ist verzweifelt, denn der Plan der Ältesten scheint aufzugehen. Doch tief in ihrem Innern beginnt Lucy sich gegen den Zwang des Banns aufzulehnen....

" Prinzessin der Elfen - Verlorene Gefühle" ist der fünfte und damit finale Band der Reihe um Lucy, die Kronprinzessin der Elfen. Auch dieser Band wird in der Ich-Form, hauptsächlich aus Lucys Sicht, geschildert. Wobei es gelegentlich Perspektiven gibt, in denen man ihrer großen Liebe Daan, dem Kronprinzen der Kobolde, oder anderen Hauptcharakteren über die Schulter schaut. Der erneute Einstieg in die magische Welt der Natura gelingt mühelos. Denn dieser Teil knüpft beinahe nahtlos an den spannenden Cliffhanger, mit dem der vorherige Band endete, an.

Man mag kaum glauben, wie sehr sich die empathische Lucy verändert hat. Durch die verwendete Perspektive bekommt man hautnah mit, wie emotionslos sie handelt. Sie ist eine Marionette der Ältesten geworden, die deren Ansichten nicht nur teilt, sondern entschieden befürwortet. Ihr nahes Umfeld reagiert ebenso entsetzt wie man selbst. Dennoch verfolgt man gebannt, die fortschreitenden Intrigen des Ältestenrates und die Bemühungen von Lucys Freunden und Mitstreitern, nicht nur zu Lucy durchzudringen, sondern die Macht der Ältesten zu brechen.

In diesem Band verknüpfen sich die losen Handlungsfäden, die sich durch alle Bände ziehen, gekonnt und schlüssig miteinander. Beim Lesen darf man einige Überraschungen erleben und nebenbei die wunderbar beschriebene Welt der Natura genießen. Die Spannung steigert sich stetig und gipfelt in einem atemberaubenden Finale.

Ein großartiger Abschluss der faszinierenden Reihe!

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Veröffentlicht am 08.04.2020

Spannender Küsten-Krimi

Nebelmeer
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Die Erinnerungen an einen sechs Jahre alten und noch immer ungeklärten Leichenfund am Schellbruch werden wach, als am Priwallstrand eine bereits skelettierte Frauenleiche entdeckt wird. Birger Andresen ...

Die Erinnerungen an einen sechs Jahre alten und noch immer ungeklärten Leichenfund am Schellbruch werden wach, als am Priwallstrand eine bereits skelettierte Frauenleiche entdeckt wird. Birger Andresen wird mit den Ermittlungen betraut. Doch neue Erkenntnisse lassen zunächst auf sich warten, da niemand weiß, um wen es sich bei der Leiche handelt. Offenbar wurde sie nicht vermisst gemeldet. Spuren an den Knochen deuten allerdings darauf hin, dass sie einen äußerst gewaltsamen Tod gestorben ist. Als eine weitere Leiche auftaucht, meldet sich eine junge Frau bei der Polizei, die Angst hat, dass es sich um eine Freundin handeln könnte. Da sich ihr Verdacht nicht bestätigt, schenken die Ermittler ihren Bedenken, dass ihre Freundin möglicherweise in großer Gefahr schweben könnte, zunächst keinen Glauben.....

"Nebelmeer" zählt zu den Küsten-Krimis, in denen Birger Andresen ermittelt. Man kann diesem Fall auch dann problemlos folgen, wenn man noch keinen Teil der Reihe gelesen hat, da der Autor wichtige Hintergrundinformationen zu den Charakteren in die Handlung einfließen lässt.

Ohne langatmiges Vorgeplänkel, wird man sofort mitten ins Geschehen geworfen und beobachtet die unermesslichen Qualen einer Frau, die offenbar gegen ihren Willen irgendwo festgehalten und grausam misshandelt wird. Dadurch ist das Interesse an diesem Fall sofort geweckt. Man möchte unbedingt erfahren, wie sich diese brutalen Szenen mit den aktuellen Ermittlungen verbinden werden. Birger Andresen und sein Team tappen zunächst im Dunkeln. Es gibt kaum Ermittlungsansätze, kein Puzzleteilchen scheint zu passen. Gemeinsam mit den Ermittlern versucht man den Vorgängen auf den Grund zu gehen und dabei schaut man in tiefste menschliche Abgründe, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Die früh aufgebaute Spannung steigert sich stetig, um schließlich in einem rasanten Finale zu gipfeln, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint. Spannung und Nervenkitzel sind garantiert, sodass man das Buch erst aus der Hand legen kann, wenn man am Ende angekommen ist.

Ein durchweg spannender Küsten-Krimi, bei dem man in tiefste menschliche Abgründe blickt!

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