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Veröffentlicht am 02.10.2018

Humorvoller Ruhrpott-Krimi

3 Zimmer, Küche, Mord
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Loretta Luchs braucht einen Neuanfang. Sie hat sich fest vorgenommen, ab jetzt ein Leben "mit ohne Morde" zu führen. Die neue Wohnung scheint perfekt zu sein. Kater Baghira fühlt sich äußerst wohl und ...

Loretta Luchs braucht einen Neuanfang. Sie hat sich fest vorgenommen, ab jetzt ein Leben "mit ohne Morde" zu führen. Die neue Wohnung scheint perfekt zu sein. Kater Baghira fühlt sich äußerst wohl und Loretta genießt es, alten Ballast abzuwerfen und ihren Balkon in eine Wohlfühloase zu verwandeln. Doch ausgerechnet von dort sieht Loretta, kaum eine Woche nach ihrem Einzug, einen toten Nachbarn im Hof liegen. Sie wählt den Notruf und schwört, dass sie dieses Mal nicht in die Ermittlungen eingreifen wird, sondern das Feld Kommissarin Küppers überlässt. Doch leider scheint die Kommissarin im Dunklen zu tappen, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Loretta ihre guten Vorsätze schließlich doch über Bord wirft....

"3 Zimmer, Küche, Mord" ist mittlerweile der zehnte Band, in dem Loretta Luchs zufällig in Mordermittlungen gerät und selbst die Initiative ergreift, um bei der Aufklärung zu helfen. Da die Fälle in sich abgeschlossen sind, kann man den aktuellen Ereignissen auch dann problemlos folgen, wenn man noch keinen Teil der Reihe kennt.

Die Ruhrpott-Krimödie wird in der Ich-Form, aus der Sicht von Loretta Luchs, erzählt. Der Einstieg gelingt mühelos, denn Loretta wirkt vom ersten Moment an sympathisch, sodass man ihren Schilderungen gerne folgt. Der Schreibstil ist locker und sehr flüssig zu lesen. Man hat die beschriebenen Szenen beim Lesen lebhaft vor Augen und kann ganz in Lorettas Erlebnisse eintauchen. Man ist dadurch sofort mitten im Geschehen und neugierig auf den Verlauf der Handlung. Die Charaktere wirken ebenfalls sehr lebendig. Alle haben ihre Eigenheiten, die sie besonders machen. Sie wirken keinesfalls überzogen, sondern durchgehend authentisch. Dabei vergisst man auch nie, dass die Handlung sich im Ruhrpott zuträgt, denn einige Protagonisten verwenden den Dialekt der Gegend.

Der Fall selbst ist durchgehend interessant und lädt zum Miträtseln ein. Die Hintergründe sind nicht so leicht zu durchschauen, sodass es bis zum Ende spannend bleibt. Aufgelockert wird das Ganze durch eine wohldosierte Prise Humor, die dafür sorgt, dass man gelegentlich unverhofft schmunzeln muss.

Für mich war das die erste Begegnung mit der äußerst sympathischen Loretta Luchs. Ich hatte bei meinem Quereinstieg in diese Reihe keinen Moment das Gefühl, dass mir Vorkenntnisse fehlen. Denn wichtige Hintergrundinformationen wurden ganz nebenbei in die Handlung eingeflochten, sodass ich mich vom ersten Moment an äußerst "wohl" in dieser Krimödie gefühlt habe. Die lebendigen Charaktere, der flüssige Schreibstil, die kleine Prise Humor und die durchgehend interessante Handlung haben dafür gesorgt, dass ich das Buch in Rekordzeit verschlungen habe und mir demnächst einen weiteren Teil der Reihe gönnen werde. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala vergebe ich deshalb auch alle fünf Sternchen und eine ganz klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 30.09.2018

Fesselnde Einblicke in die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche

Bösland
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Im Alter von dreizehn Jahren hat Ben seine Mutter und den ganzen Ort geschockt, denn er hat sein Freundin, die Apothekertochter, auf dem Dachboden brutal erschlagen. Niemand weiß, warum das geschehen ist, ...

Im Alter von dreizehn Jahren hat Ben seine Mutter und den ganzen Ort geschockt, denn er hat sein Freundin, die Apothekertochter, auf dem Dachboden brutal erschlagen. Niemand weiß, warum das geschehen ist, denn Ben äußert sich nicht zur Tat. Seine Mutter wünscht sich, dass der Einzelgänger Ben, der, außer zum Arztsohn Felix Kux, kaum Kontakte hat, nie geboren wäre. Zu stark sind ihre Scham- und Schuldgefühle. Ben verbringt lange Zeit in Haft. Außerdem wird er jahrelang in einer psychiatrischen Klinik behandelt und später in einer betreuten Wohngruppe darauf vorbereitet, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Das scheint auch gut zu funktionieren, denn Ben lebt zwanzig Jahre ein ruhiges und eher langweiliges Leben. Bis er bei seiner Arbeit im Fotolabor auf eine Aufnahme seines ehemals besten Freundes Felix Kux stößt. Dieser Anblick wühlt ihn auf. Seine Therapeutin rät ihm, sich endlich der Vergangenheit zu stellen. Sie ahnt nicht, was damit ausgelöst wird.....

Bernhard Aichners Stil, die Geschichte von "Bösland" zu erzählen, ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Es gibt recht kurze Kapitel, in denen man abwechselnd dem Erzähler oder Dialogen folgt. Am Anfang beobachtet man alles eher distanziert, da man das Gelesene, und dabei insbesondere den Hauptprotagonisten Ben, nur schwer einschätzen kann. Was ist damals wirklich passiert? Kann man Ben trauen? Durch diese Fragen gerät man schnell in den Sog der Handlung und taucht, gemeinsam mit Ben, ins "Bösland" und die dramatische Vergangenheit ein.

Man bekommt dabei einen Einblick in die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche. Bernhard Aichner gelingt es hervorragend, den Leser, ohne allzu großes Blutvergießen, bei der Stange zu halten, sodass man regelrecht durch das Buch fliegt und kaum glauben kann, was nach all den Jahren offenbart wird. Die Geschichte ist sehr gut konstruiert und muss genauso erzählt werden, damit sie ihre volle Wirkung erzielt, die den Leser ungläubig staunend und geradezu fassungslos fesselt. Die Spannung ist durchgehend spürbar und sorgt dafür, dass man sich erst vom Gelesenen lösen kann, wenn man am Ende angekommen ist.

Obwohl ich zunächst kleine Schwierigkeiten hatte, den Einstieg in die Handlung zu finden, konnte ich das Buch nach kurzer Zeit kaum noch aus der Hand legen. Der hervorragend konstruierte Plot, der seine Spannung schnell entwickelt, und die Einblicke in die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche, haben mich regelrecht gefesselt. Deshalb vergebe ich auf meiner persönlichen Bewertungsskala auch vier von fünf Sternchen und eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 23.09.2018

Interessante Fortsetzung der Reihe, doch leider sehr vorhersehbar

Er will dein Herz (Ein Marina-Esposito-Thriller 7)
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Gemma Adderley hat genug vom Leben an der Seite ihres gewalttätigen Ehemannes. Sie entschließt sich, gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter, in einem Frauenhaus Zuflucht zu suchen. Doch Gemma und ihre Tochter ...

Gemma Adderley hat genug vom Leben an der Seite ihres gewalttätigen Ehemannes. Sie entschließt sich, gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter, in einem Frauenhaus Zuflucht zu suchen. Doch Gemma und ihre Tochter kommen nie dort an. Das Team von DI Phil Brennan wird kurze Zeit später zu einer Frauenleiche gerufen. Die Frau wurde vor ihrem Tod offensichtlich schwer misshandelt. Außerdem fehlt das Herz der Leiche. Marina Esposito wird zur Befragung eines kleinen Mädchens, das allein und völlig verstört aufgefunden wurde, hinzugezogen. Obwohl Marina Esposito, nach den dramatischen Ereignissen des letzten gemeinsamen Falles, auf Abstand zu Phil Brennan geht, scheinen sie bei diesem Fall gemeinsam arbeiten zu müssen, um den Täter zur Strecke zu bringen....

Nach "Entrissen", "Der Stalker", "Stirb mein Prinz", "Jäger", "Morgen früh, wenn du willst" und "Du sollst nicht leben", ist dieser Band bereits der siebte Fall für Phil Brennan und Marina Esposito. Da die Handlungen in sich abgeschlossen sind, kann man den aktuellen Ermittlungen aber auch problemlos folgen, wenn man noch keinen Teil der Reihe gelesen hat. Wenn man aber an der beruflichen und privaten Weiterentwicklung der Charaktere interessiert ist, empfiehlt sich, wie bei jeder anderen Bücherserie auch, die Einhaltung der Reihenfolge.

Der Einstieg in den neuen Fall verläuft gewohnt spannend. Man ist sofort mitten im Geschehen und möchte unbedingt erfahren, wer der Täter ist. Es gibt wechselnden Perspektiven, bei denen man nicht nur die Ermittlungen betrachtet, sondern auch dem Täter über die Schulter schaut. Die Spannung wird bereits früh geweckt, kann aber leider nicht durchgehend gehalten werden. Das liegt sicher auch mit daran, dass Phil Brennan bei diesem Fall nicht gerade in Hochform ist, da ihm die Trennung von Marina stark zusetzt. Das lässt zwar die Charaktere lebendiger wirken, da damit auch das spektakuläre Ende des vorherigen Falls ein wenig weitergeführt wird und zeigt, wie Phil und Marina mit der allgegenwärtigen Bedrohung umgehen, doch die aktuellen Ermittlungen wirken längst nicht so spannend, wie die, der vorherigen Bände.

Erfahrene Thriller-Leser dürften außerdem schnell einen Verdächtigen ausmachen. Es gibt zwar noch einige Spuren, die es zu verfolgen gilt, doch überraschende Wendungen sucht man leider vergeblich. Der Fall wirkt bedauerlicherweise sehr vorhersehbar und wenig spannend. Die Handlung ist zwar durchgehend interessant, da man als Fan der Reihe natürlich auch die Entwicklung im Privatleben von Phil und Marina verfolgt, doch beeindruckende Wendungen, die für Spannung bei den aktuellen Ermittlungen sorgen könnten, gibt es kaum. Durch den flüssigen Schreibstil lässt sich das Buch zwar gut lesen, doch insgesamt gesehen, lässt sich dieser Band wohl eher bei den schwächeren Teilen der Reihe einordnen.

Ich habe bisher alle Bände der Serie mit großer Begeisterung gelesen. Der Anfang des aktuellen Falls konnte mich deshalb auch sofort wieder in den Bann der Ereignisse ziehen, doch die aufgebaute Spannung flachte für mich viel zu schnell ab und der Täter ließ sich, für meinen Geschmack, auch zu früh erahnen. Ich hatte auf eine spannende Wendung gehofft, doch in dieser Hinsicht wurde ich leider enttäuscht. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala vergebe ich deshalb nur drei von fünf Sternchen. Trotzdem werde ich der Reihe die Treue halten, da ich gerne erfahren möchte, wie es mit Phil und Marina weitergeht.

Veröffentlicht am 18.09.2018

Könnte für mich deutlich spannender sein

Dark Lake
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In einer australischen Kleinstadt wird die Highschool-Lehrerin Rosalind Ryan erwürgt an einem See aufgefunden. Detective Gemma Woodstock und ihr Partner Felix McKinnon werden mit den Ermittlungen betraut. ...

In einer australischen Kleinstadt wird die Highschool-Lehrerin Rosalind Ryan erwürgt an einem See aufgefunden. Detective Gemma Woodstock und ihr Partner Felix McKinnon werden mit den Ermittlungen betraut. Gemma kennt die Tote noch aus ihrer Schulzeit, denn die beiden waren Klassenkameradinnen. Schon damals wirkte Rosalind geheimnisvoll und daran scheint sich nichts geändert zu haben. Denn die Ermittlungen ergeben, dass Rosalind anscheinend von allen bewundert wurde, doch richtig gekannt hat sie offensichtlich niemand. Im Verlauf der Ermittlungen muss sich Gemma mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, um den Fall zu lösen....

Die Handlung wird hauptsächlich in der Ich-Perspektive, aus der Sicht von Detective Gemma Woodstock, erzählt. In der Gegenwart beobachtet man die Ermittlungen und bekommt außerdem einen mehr als umfassenden Einblick in das Privatleben der Ermittlerin. Außerdem gibt es immer wieder Rückblicke in Gemmas Vergangenheit. Die zeitliche Zuordnung fällt allerdings leicht, da die Kapitel entsprechend gekennzeichnet sind.

Der Einstieg in diesen Thriller gelingt mühelos, denn die Autorin schafft es vom ersten Moment an, das Interesse an der Handlung zu wecken. Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Szenen vorstellen und deshalb ganz in die rätselhaften Ermittlungen eintauchen. Diese gestalten sich eher schwierig, da Rosalind offenbar niemand richtig gekannt hat. Ein mögliches Motiv, oder gar ein potentieller Täter, sind für Gemma Woodstock und ihren Partner deshalb nur schwer auszumachen. Die Ermittlungen treten deshalb auch eher auf der Stelle. Sie stehen auch nicht richtig im Zentrum der Handlung, da Gemmas Privatleben großen Raum einnimmt. Obwohl man ja, durch die Ich-Form, quasi in ihrer Haut steckt, ahnt man, dass sie Geheimnisse hütet, die nur nach und nach ans Tageslicht kommen, um sich dann mit dem aktuellen Fall zu verbinden. Die Handlung ist zwar interessant und lässt sich auch recht flüssig lesen, doch echte Spannung sucht man hier leider vergeblich. Diese stellt sich erst kurz vor Schluss ein.

Im Großen und Ganzen habe ich mich beim Lesen recht gut unterhalten. Nicht weniger - aber leider auch nicht mehr! Für einen Thriller war mir der Spannungsaufbau einfach zu gering und außerdem nahm das Privatleben von Gemma Woodstock, für meinen Geschmack, viel zu viel Raum ein. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala vergebe ich deshalb auch nur drei von fünf Bewertungssternchen. Da man über Geschmack aber bekanntlich streiten kann, lohnt es sich bestimmt, sich selbst ein Bild zu machen.

Veröffentlicht am 16.09.2018

Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint

Vier.Zwei.Eins.
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Im Sommer 1999 treffen sich tausende Menschen bei einem Festival in Cornwall, um dort die Sonnenfinsternis anzusehen. Mitten unter ihnen sind auch Kit und Laura. Als sich die Schatten auflösen, entdeckt ...

Im Sommer 1999 treffen sich tausende Menschen bei einem Festival in Cornwall, um dort die Sonnenfinsternis anzusehen. Mitten unter ihnen sind auch Kit und Laura. Als sich die Schatten auflösen, entdeckt Laura eine Geldbörse. Bei genauerem Hinsehen meint Laura, Zeugin einer brutalen Vergewaltigung zu sein. Doch der Mann streitet alles ab und die Frau schweigt. Nach der Gerichtsverhandlung steht die Frau plötzlich vor der Haustür von Kit und Laura und drängt sich langsam in ihr Leben. Es geht so weit, dass die beiden ihren Namen ändern, den Wohnort wechseln und streng darauf achten, nie in den sozialen Medien aufzutauchen. Doch nach 15 Jahren scheint sie die Vergangenheit einzuholen.....

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Kit und Laura erzählt und ereignet sich außerdem auf zwei Zeitebenen. Man verfolgt sowohl die aktuellen Ereignisse im Jahre 2015, bekommt aber auch Rückblicke in die Vergangenheit. Da die Kapitel mit dem Namen der jeweils berichtenden Person und dem entsprechenden Datum gekennzeichnet sind, fällt die Orientierung relativ leicht.

Es gelingt der Autorin von Anfang an eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, die zwischen den Zeilen schwebt. Man hat beim Lesen ständig das Gefühl, dass etwas Schlimmes passieren wird. Dadurch wird das Interesse sofort geweckt. Trotz der bedrohlichen Grundstimmung plätschert die Handlung zunächst gemächlich vor sich hin. Denn man bekommt genaue Hintergrundinformationen über Laura und Kit, die die beiden zwar lebendig wirken lassen, aber auf Dauer recht langatmig wirken. Dennoch kann man sich dem Geschehen nicht entziehen, da man unbedingt erfahren möchte, auf was die Geschichte eigentlich zusteuert.

Im Verlauf der Handlung wird klar, dass es Geheimnisse gibt, die nicht so einfach zu entschlüsseln sind. Es gelingt der Autorin hervorragend, falsche Fährten zu legen, denen man nur allzu bereitwillig folgt. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm lesbar. Durch die detaillierten Beschreibungen kann man sich ganz auf die Geschichte einlassen und eigene Schlüsse ziehen. Diese muss man allerdings einige Male überdenken, denn hier ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint und am Ende wird man mit einer ziemlichen Wendung überrascht.

Ich habe mich beim Lesen sehr gut unterhalten und die unterschwellige Bedrohung, die man vom ersten Moment an spürt, genossen. Dennoch hatte ich am Anfang das Gefühl, dass die Geschichte etwas auf der Stelle tritt und nicht richtig in Fahrt kommt. Das hat sich allerdings schnell gelegt, denn dann konnte ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen und wurde mit Wendungen überrascht, die ich nicht vorhergesehen hatte. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala vergebe ich deshalb vier von fünf Sternchen und eine klare Leseempfehlung.