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Veröffentlicht am 13.04.2023

Wieso in die Ferne schweifen...

Lieblingsplätze im Bayerischen Wald
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Pandemie und Klimawandel haben einiges verändert, zum Teil auch die Reisegewohnheiten der Deutschen. Viele bleiben im Land und verzichten zum Teil auf Fernreisen. Da bin ich ganz dabei, denn ich finde, ...

Pandemie und Klimawandel haben einiges verändert, zum Teil auch die Reisegewohnheiten der Deutschen. Viele bleiben im Land und verzichten zum Teil auf Fernreisen. Da bin ich ganz dabei, denn ich finde, Deutschland hat wunderschöne Ecken und Plätze, die erkundet werden wollen. Dieser Reiseführer aus dem Gmeiner Verlag gehört zu einer ganzen Lieblingsplätze-Reihe, und für mich ist dies nicht das erste Buch dieser Art. Gerade die sehenswerten Orte im Bayerischen Wald interessieren mich sehr, denn diese Gegend ist quasi direkt in unserer Nachbarschaft. Im Buch wird das Gebiet zwischen Regensburg, Furth im Wald und Passau beschrieben, und die meisten Lieblingsplätze befinden sich innerhalb dieses Dreiecks, ein paar noch in unmittelbarer Nähe. Auf den inneren Buchklappen findet man die Landkarte, auf der alle nummerierten Orte, über die das Buch berichtet, eingezeichnet sind.

Für jede Nummer findet man dann im Buch eine Doppelseite, wobei sich links ein aussagekräftiges Foto befindet und Adressen bzw. Websites aufgelistet sind und es rechts daneben dann die jeweiligen Erklärungen dazu gibt. Im Inhaltsverzeichnis erkennt man anhand kleiner Illustrationen, welche Orte familienfreundlich sind oder wo man besonders gut essen kann. Die Nummerierungen beginnen in Regensburg, und man kann sich quasi anhand der Zahlen von Norden nach Süden durch den Bayerischen Wald arbeiten. Schon beim Lesen bekommt man Lust, diese schönen und interessanten Plätze zu erkunden, denn alles ist detailliert und ansprechend beschrieben. Besonders gut gefällt mir, dass man sich anhand des QR-Codes vorne im Buch das passende eBook downloaden kann. So hat man das gedruckte Buch zum gemütlichen Betrachten und Lesen zuhause, und auf dem Handy oder Tablet hat man dann seinen digitalen Reiseführer dabei und muss sich im Urlaub nicht noch zusätzlich mit Büchern abschleppen. In der eBook-Version lassen sich alle Links direkt anklicken und aufrufen.

Mir gefallen Aufmachung und Gestaltung der Lieblingsplätze-Bücher sehr gut, und obwohl ich schon ein paarmal in der Gegend zu Gast war, kenne ich sehr vieles noch nicht. Mit diesem Buch macht es Spaß, auf Entdeckungsreise zu gehen. Für Alt und Jung gibt es vieles zu entdecken, und ein schöner Urlaub ist damit schon fast garantiert.

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Veröffentlicht am 12.04.2023

Neue Wege nach dem Krieg

Die Kinder von Schönbrunn (Die Schönbrunn-Saga 2)
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Endlich gibt es einen zweiten Teil der Schönbrunn-Saga. Während sich der erste Teil hauptsächlich um Emma dreht, geht es in diesem zweiten Band um ihre Schwester Greta. Man hat sie im ersten Band bereits ...

Endlich gibt es einen zweiten Teil der Schönbrunn-Saga. Während sich der erste Teil hauptsächlich um Emma dreht, geht es in diesem zweiten Band um ihre Schwester Greta. Man hat sie im ersten Band bereits kennengelernt. Zu Kriegszeiten hatten es die Schwestern schwer, und während Emma sich recht resolut durchs Leben schlug, war Greta eher zögerlich und mutlos. Kein Wunder, war ihr frisch Angetrauter doch im Krieg und ließ sie schwanger zurück. Inzwischen ist der Krieg vorbei, aber Gustav ist nicht zu seiner jungen Frau und der kleinen Tochter zurückgekehrt.
Anfangs lebt Greta noch zusammen mit ihrer Schwester und deren Mann im gemeinsamen Elternhaus, aber dort wird es langsam eng, und nach und nach kann Greta die Lethargie abschütteln und ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Als sie im Schlosspark Melanie kennenlernt, die auf dem Weg zu einem Einführungsvortrag der Erzieherinnenschule ist, schließt sich Greta ihr spontan an, und ehe sie sich versieht, schreibt sie sich selbst für den Kurs ein.
In diesem Teil lernt man Greta von einer ganz neuen Seite kennen, denn die junge Frau findet ihren Lebensmut zurück und beginnt, ihr Schicksal selbst zu lenken. Unterstützung erhält sie von Michael Brenner, einem Pädagogen des Kinderheims, in dem sie ihr Praktikum macht. Gerade nach dem Krieg gab es viele Waisen, die zum Teil schwer traumatisiert waren. Sie wurden von den Sozialdemokraten in einem Kinderheim untergebracht und versorgt.
Greta macht ihre Arbeit immer mehr Freude. Sie setzt sich für die Schwächsten ein, und mit ihrem Verständnis für die Heimkinder kann sie viel bewirken.
Mir hat es richtig gut gefallen, wie sich Greta entwickelt, und Melanie ist eine moderne junge Frau, der es gelingt, ihre neue Freundin mitzureißen. Neben Greta kommt aber auch der Rest der Familie nicht zu kurz, denn Emma, ihr Mann, ihre Schwiegermama und ihr Schwager spielen ebenfalls wieder eine wichtige Rolle.
Sehr schön sind die Aufbruchsstimmung nach den Kriegsjahren und der damalige Zeitgeist eingefangen. Frauen haben einen neuen Stellenwert in der Gesellschaft, was sich in ihrem Kleidungsstil und auch im Benehmen niederschlägt. Auch das Thema Kindererziehung erlebt einen Wandel, der Umgang miteinander wird liberaler, auch wenn einige Mitarbeiter im Heim noch die alten Verhaltensmuster an den Tag legen.
Mir hat dieser zweite Teil ausgezeichnet gefallen, den vieles, was im ersten Band noch offen blieb, konnte sich jetzt klären. Meines Erachtens gäbe es aber immer noch Potential für eine weitere Geschichte, denn ein paar der Handlungsstränge wären noch für eine Weiterführung gut.

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Veröffentlicht am 31.03.2023

Ein sehr schön aufgemachtes Buch mit Rezepten für eine gesunde und zugleich schmackhafte Küche

Anti-Entzündungs-Küche
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Ihre eigene Krankheitsgeschichte brachte die Autorin dazu, sich ausführlich mit dem Thema Ernährung und deren Einflüsse auf die Gesundheit zu beschäftigen. Inzwischen ist sie staatlich anerkannte Ernährungsberaterin ...

Ihre eigene Krankheitsgeschichte brachte die Autorin dazu, sich ausführlich mit dem Thema Ernährung und deren Einflüsse auf die Gesundheit zu beschäftigen. Inzwischen ist sie staatlich anerkannte Ernährungsberaterin und ganzheitliche Gesundheitsberaterin. In ihrem kürzlich erschienenen Buch erzählt sie einleitend über sich selbst und ihre gesundheitlichen Probleme und wie es dazu kam, dass sie irgendwann begonnen hat, ihre Ernährung umzustellen. Sie erklärt die Auswirkung von Übersäuerung des Körpers durch diverse Lebensmittel. Anhand von übersichtlichen Tabellen kann man leicht feststellen, welche Lebensmittel eher basisch und welche sauer auf den Organismus wirken und welche Symptome auf eine Übersäuerung hinweisen können. In diesem ersten Teil des Buches bekommt man auch jede Menge Tipps, welche Nährstoffe besonders wichtig sind und was man sonst noch gegen Entzündungen im Körper tun kann. Die Lebensmittelkunde hat die Autorin anschaulich und gut verständlich aufbereitet, und man erfährt interessante Fakten zu gesunden und ungesunden Fetten, über Mikronährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe und auch weiter reichende Tipps bezüglich Heilfasten, Intervallfasten, die Wichtigkeit von ausreichend und gesundem Schlaf und vieles mehr. Hier konnte ich schon einiges für mich mitnehmen, und so setze ich seit zwei Wochen den Rat der Autorin um, täglich auf nüchternen Magen ein großes Glas Wasser mit frisch gepresstem Zitronensaft zu trinken, denn damit beginnt man den Tag mit einer basischen Grundlage, und ich muss sagen, es tut mir ausgesprochen gut.
Aber kommen wir zum praktischen Teil, denn dies ist nicht nur ein interessantes Sachbuch, sondern auch ein tolles Kochbuch. Jedes Gericht ist brillant fotografiert, und die Bilder machen gleich Lust darauf, die Rezepte auszuprobieren. Für jedes Rezept gibt es eine Doppelseite, so dass man jeweils auf einer Seite das Foto und daneben das dazu gehörige Rezept hat. Der Rezeptteil ist übersichtlich gegliedert in die Gruppen Frühstück, Salate und Snacks, Hauptgerichte und Desserts. Auf den ersten Blick sieht man, welche Rezepte glutenfrei, vegetarisch, vegan, Low-Carb oder laktosefrei sind, denn entsprechende kleine Symbole sind jeweils gleich unter der Überschrift zu erkennen. Jedes Rezept ist übersichtlich gegliedert und mit Zeit- und Nährwertangaben sowie der Anzahl der Portionen gekennzeichnet. Es macht Spaß, nach den Rezepten zu kochen, denn alles ist einfach umzusetzen, und die meisten Zutaten sind leicht erhältlich.
Ich hatte vor längerer Zeit schon einmal ein Basen-Kochbuch, das mit damals jedoch nicht überzeugen konnte, denn die Gerichte waren recht eintönig, und es gab auch kaum Bilder dazu. Was für ein himmelweiter Unterschied zu diesem Buch von Saskia Johanna Rosenow! Hier bekommt man richtig Lust darauf, die Gerichte, die so ansprechend dargestellt sind, unbedingt einmal nachzukochen. Ich habe schon einiges ausprobiert, und jedes Rezept konnte mich bisher überzeugen. Alles hat richtig gut geschmeckt und ist dabei gesund. Ich habe viel Neues entdeckt und einige Rezepte schon fest in meinen Speiseplan integriert.
Es sind nicht nur vegetarische und vegane Gerichte im Buch, sondern man findet auch ein paar ausgesuchte Rezepte mit Fisch oder Fleisch, wobei sich für alle, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, ein Austausch der tierischen Produkte gegen pflanzliche Alternativen anbietet, so dass man eigentlich alle Rezepte im Buch gut nutzen kann.
Ich muss gestehen, dass ich die Rezepte nach Lust und Laune kombiniere und die Gerichte aus dem Buch zubereite, für die ich gerade die Zutaten parat habe, und ich scheue mich auch nicht, bei den Gewürzen selbst ein wenig zu experimentieren.
Wer es gerne strukturierter mag, für den empfiehlt es sich vielleicht, die Mahlzeiten nach dem 6-Wochen-Plan, der hinten im Buch eingefügt ist, zu gestalten. Da mich bisher jedes Rezept vollkommen überzeugen konnte, werde ich das Buch sicher sehr häufig zur Hand nehmen und nach und nach alles ausprobieren.

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Veröffentlicht am 27.03.2023

Ein bezauberndes Buch

Federleicht
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Das gebundene Buch fällt schon durch seine schöne Gestaltung ins Auge. Nicht nur auf dem Cover tummeln sich einige der kleinen gefiederten Freunde, sondern auch das Vorsatzpapier ist mit vielen kleinen ...

Das gebundene Buch fällt schon durch seine schöne Gestaltung ins Auge. Nicht nur auf dem Cover tummeln sich einige der kleinen gefiederten Freunde, sondern auch das Vorsatzpapier ist mit vielen kleinen Sperlingen schön gestaltet, und im Buch selbst finden sich zahlreiche Illustrationen von Bernd Pöppelmann. Da ich Vögel (eigentlich alle Tiere) liebe, bin ich an diesem Buch nicht vorbei gekommen. Es ist kein reines Sachbuch, denn im Buch werden zahlreiche Erlebnisse mit einem zutraulichen Spatzenmädchen geschildert. Federchen, wie es seine Gastgeber nennen, ließ sich eines Tages ganz frech auf dem Tisch auf der Terrasse nieder und kostete von den Speisen, die dort aufgetragen waren.
Schnell hat die Familie das kleine Federbällchen lieb gewonnen, und der Autor gibt einige Geschichten aus diesem Sommer zum Besten, wo Federchen quasi zur Familie gehörte. Wir erfahren, wie es dazu kam, wieso Federchen so zutraulich war und vieles mehr über die kleinen Eigenheiten der gefiederten Freunde allgemein. Im sachlichen Teil wird auch angesprochen, was die Menschen den kleinen Tierchen im Lauf der Geschichte alles angetan haben. Mancherorts haben große Herrscher befohlen, die Spatzen auszurotten, weil sie der Meinung waren, die Vögel seien Schädlinge. Es ist interessant zu lesen, was dabei herauskam bzw. welche Folgen diese Maßnahmen auf die Umwelt hatten. Es gab anscheinend auch Menschen, die einen regelrechten Hass auf Spatzen hatten. Das ist für mich unvorstellbar, wie man so kleine, niedliche Federbällchen hassen kann. Heutzutage ist es schon so weit, dass Sperlinge vom Aussterben bedroht sind, weil ihnen gerade in modernen Städten die Lebensgrundlage fehlt. Auch ohne es schwarz auf weiß zu lesen, ist mir das schon aufgefallen. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, wo sich ganze Spatzenschwärme auf den Hinterhöfen getummelt und gebalgt haben, dann ist das zur Gegenwart ein himmelweiter Unterschied. Heutzutage sieht man die kleinen gefiederten Freunde selten. Die Gründe dafür sind ebenso im Buch aufgeführt wie auch viele interessante Informationen über das Sozialleben, die Familiengründung sowie das sonstige Verhalten der Spatzen.
Ein ausführliches Kapitel ist im Buch auch dem Einfluss der kleinen Tiere auf die Kunst und Kultur gewidmet, denn es gibt zahlreiche Fotos, Gemälde, Gedichte, Märchen und Geschichten, in denen die niedlichen Vögel eine Hauptrolle spielen. Hier sind viele Beispiele angegeben, und auch wenn im Buch einige traurige Aspekte aus der Geschichte der Spatzen zur Sprache kommen, so ist es doch insgesamt sehr schön und kurzweilig zu lesen. Viel Wissenswertes wurde hier sorgsam zusammengetragen und liebevoll zusammengestellt, immer auch mit dem Blick auf das Große, Ganze, denn Spatzen sind ein wichtiger Teil der Natur, und die gefiederten Freunde zu schützen, heißt, die Natur zu schützen.
Bleibt zuletzt noch die Frage, was aus Federchen geworden ist. Durch die amüsanten Erzählungen habe ich das Vögelchen schnell in mein Herz geschlossen. Aber so plötzlich wie es aufgetaucht ist, war es auch eines Tages wieder verschwunden, und niemand weiß, was aus ihm geworden ist. Hoffen wir das Beste. Ich würde mir wünschen, dass Federchen eine Familie gegründet und für zahlreiche Nachkommen gesorgt hat.
Das Büchlein ist so ganz nach meinem Geschmack, und ich werde es immer wieder gerne zur Hand nehmen, schon allein, um die bezaubernden und natürlichen Illustrationen zu betrachten.

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Veröffentlicht am 19.03.2023

Die Geschichte über eine mutige Frau, heimliche Heldin in einer dunklen Zeit

Ein Kind namens Hoffnung
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1938 in Berlin: Elly Berger ist Köchin bei der jüdischen Familie Sternberg. Aber eigentlich ist sie viel mehr, denn für Hanns und Sara sowie für deren kleinen Sohn Leon gehört sie zur Familie. Hanns ist ...

1938 in Berlin: Elly Berger ist Köchin bei der jüdischen Familie Sternberg. Aber eigentlich ist sie viel mehr, denn für Hanns und Sara sowie für deren kleinen Sohn Leon gehört sie zur Familie. Hanns ist Arzt und Sara eine begnadete Pianistin. Von Anfang an hat man den Eindruck, dass die resolute Elly für das reale Leben steht, während Hanns und Sara etwas weltfremd erscheinen. Hanns stürzt sich in seine Forschungen und glaubt selbst dann noch nicht an die drohende Gefahr, als die Nazis quasi schon vor seiner Türe stehen. Sara erkennt die Brisanz der Lage etwas früher, kann sich aber auch nicht mehr retten. Als die Eltern verhaftet werden, ist es an Elly, sich um Leon zu kümmern. Sie flieht mit dem Kind und versucht, in ihrem Elternhaus unterzukommen, aber auch dort will man das Judenkind nicht haben, so dass sie wieder auf der Straße steht. In ihrer Not geht Elly eine Vernunftehe ein, um für sich und Leon eine Heimat zu finden und den Jungen in Sicherheit zu wissen. Es steht ihr ein entbehrungsreiches Leben voller Mühsal und Ungewissheit bevor, und immer hegt sie die Hoffnung, dass Leons Eltern eines Tages wieder zurückkehren. Elly verzichtet auf so vieles, und immer steht das Wohl der anderen, in erster Linie Leons, im Vordergrund.

Elly ist ein interessanter Charakter. Sie macht nicht viele Worte, sondern handelt, wie es ihr richtig erscheint. Auch sie macht Fehler, was ja nur allzu menschlich ist, aber ihre Handlungen sind stets von einem starken Mitgefühl getragen, nicht ausschließlich für Leon, sondern grundsätzlich für die Schwächsten. Letztendlich vernachlässigt sie, in dem Trachten, dass es ihrem Schützling Leon gut geht, ihr eigenes Kind. Dies geschieht jedoch nicht, weil sie ihre Tochter nicht lieben würde, sondern ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass sie immer von dem Gedanken begleitet wurde, Leon etwas schuldig zu sein. So wie sie ihr eigenes Wohl stets hintenan stellte, so erwartete sie dies automatisch auch von ihrer Tochter.
Mich hat die Geschichte nachhaltig berührt. Die Autorin schildert die Ereignisse sehr einfühlsam, und ich konnte zwar nicht alles, was Elly getan hat, gutheißen, aber ich habe ihre Beweggründe verstanden. Sie ist wirklich eine heimliche Heldin, der es nicht um offizielle Anerkennung geht, sondern um das Gefühl, menschlich das Richtige zu tun, und dafür ist sie in vielen Situationen über sich hinaus gewachsen. Schicksale wie das der Elly Berger scheint es in der damaligen Zeit nicht selten gegeben zu haben. Um ihr Ziel zu erreichen, musste sie sich beispielsweise auch mit unangenehmen Menschen arrangieren, so zum Beispiel mit Helene Bechstein, bei der es sich um eine historisch reale Person handelt. Ellys couragiertes Auftreten dieser Person gegenüber erforderte viel Mut.
Das Ende des Romans wird seinem Titel gerecht und hat mir sehr gefallen. „Ein Kind namens Hoffnung“ ist Marie Sands Romandebüt, und ich kann nur allzu gut verstehen, wenn sie in einem Interview sagt, dass ihr das Schreiben dieser Geschichte an die Substanz ging. Als Autorin fühlt sie mit ihren Protagonisten und begleitet sie emotional durch alle Höhen und Tiefen. Für mich zeigt Marie Sand hier eine völlig neue Seite dieser Zeit, denn über derartige selbstlose Rettungsaktionen hatte ich bisher noch nichts gehört. Es ist ein gut recherchierter, berührender und meines Erachtens sehr wichtiger Roman.

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