Profilbild von Klusi

Klusi

Lesejury Star
offline

Klusi ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Klusi über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.06.2019

Mode ist vergänglich, Stil niemals

Coco Chanel
0

Das Modelabel „Chanel“ ist wohl jedem ein Begriff, doch wer steckt dahinter? Gabrielle, wie Coco Chanel mit bürgerlichem Namen hieß, konnte auf einen erstaunlichen Werdegang zurück blicken. Im Waisenhaus ...

Das Modelabel „Chanel“ ist wohl jedem ein Begriff, doch wer steckt dahinter? Gabrielle, wie Coco Chanel mit bürgerlichem Namen hieß, konnte auf einen erstaunlichen Werdegang zurück blicken. Im Waisenhaus aufgewachsen hatte sie schon frühzeitig außergewöhnliche Ideen. Sie passte sich nicht an, sondern entwickelte ihren ganz eigenen, unkonventionellen Stil, der viele Jahre später weltberühmt wurde. Sie ließ sich nicht in gesellschaftliche Formen der 20er Jahre zwängen, und auch in der Mode sagte sie dem Korsett den Kampf an. Sie revolutionierte die Damenmode und schuf legere Kreationen, die ihren Trägerinnen Bewegungsfreiheit ließen und doch chic waren.
Gabrielle, die Unternehmerin erlangte Weltberühmtheit weit über ihren Tod hinaus. Viele Klassiker gehen auf ihre Entwürfe zurück.
Gabrielle, der Mensch, wird in dieser Romanbiographie sehr lebendig vorgestellt. Sie war eine schillernde Persönlichkeit mit vielen Facetten. Der Autorin ist es gelungen, sie farbig zu charakterisieren und viele ihrer Wesenszüge ausdrucksvoll darzustellen.
Chanels Leben war sowohl von schweren Verlusten als auch von großen Erfolgen geprägt. Zum Thema „Männer“ könnte man sagen, Coco konnte langfristig nicht mit ihnen leben, aber auch nicht ohne sie.


Die Autorin entführt ihre Leser gekonnt in die Zwanziger Jahre, und man lernt nicht nur eine vielschichtige Frau kennen, sondern auch ihr Umfeld, die Menschen, die ihr nahe standen, ihre Freunde und Bekannten, das alles wird authentisch ausgeleuchtet und mit Leben gefüllt.
Sicher hat sich nicht alles genau so ereignet, wie es im Buch beschrieben wird, denn die Lücken der Romanbiographie hat die Autorin mit Fiktion gefüllt, aber insgesamt ist Nadine Sieger ein glaubhaftes und umfangreiches Charakterbild dieser besonderen, charismatischen Frau gelungen, deren Entwürfe und Ideen die Modewelt nachhaltig beeinflusst haben.
Das gebundene Buch ist wunderschön aufgemacht und enthält zahlreiche Fotografien aus Cocos Leben.

Veröffentlicht am 18.06.2019

Liebe geht durch den Garten

Liebe geht durch den Garten
0

Anna sehnt sich nach Ruhe und Erholung, nach einer Idylle in der Natur, nach einem Rückzugsort für sich und ihre beiden Söhne. Dies alles hofft sie, in einem Schrebergarten zu finden und bewirbt sich kurzerhand ...

Anna sehnt sich nach Ruhe und Erholung, nach einer Idylle in der Natur, nach einem Rückzugsort für sich und ihre beiden Söhne. Dies alles hofft sie, in einem Schrebergarten zu finden und bewirbt sich kurzerhand für ein ziemlich verwildertes Grundstück mit einer völlig verwahrlosten Laube.
Ihre Träume lösen sich erst einmal in Luft auf, als sie das Gartenhaus zum ersten Mal von innen sieht, denn es ist in einem erbarmungswürdigen Zustand. Auch kann sie ihre Söhne nicht so recht mit ihrer Euphorie für dieses Idyll anstecken, denn die vermissen einen Stromanschluss, weil sie lieber am Computer spielen als in einem Garten.
Ihren Gartennachbarn Paul, der ihr beim Räumen der Laube und bei schwereren Gartenarbeiten hilft, betrachtet sie mit gemischten Gefühlen, denn schönen Männern hat Anna abgeschworen, und doch fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Paul ist ein eher schweigsamer Typ, aber sie hat den Eindruck, er könnte sie ebenfalls mögen...bis die Anwältin Sabine Rodenberg auf den Plan tritt. Sie hat ebenfalls einen Schrebergarten in der Anlage und kümmert sich auffallend intensiv um Paul, was in Anna plötzlich eifersüchtige Gefühle weckt.

Ulrike Hartmann hat in diesem bezaubernden Roman die Atmosphäre einer Kleingartenanlage perfekt getroffen! Als Kind bin ich quasi in einer solchen Anlage aufgewachsen, denn meine Eltern hatten einen Garten. Bei den Schilderungen der Autorin musste ich oft schmunzeln, denn alles was sie schreibt wirkt sehr authentisch und gibt die Stimmung sehr gut wieder. Die unterschiedlichen Charaktere sind alle fein und lebendig gezeichnet und ihre Eigenschaften bestens auf den Punkt gebracht. So sind sie halt, die Schrebergärtner, völlig unterschiedlich und bunt, nur eines haben sie offensichtlich gemeinsam: die Liebe zu ihrem Garten und zur Natur.
Ich habe dieses Buch mit großem Vergnügen gelesen, denn es ist wunderbar kurzweilig und amüsant geschrieben. Auch wenn die Autorin aufzeigt, dass die Kleingartenidylle oft gar nicht so beschaulich ist und auch wenn es einige ernste Momente gibt und sich so manche „Katastrophe“ im Roman anbahnt, so ist es doch insgesamt eine Geschichte, in die man eintauchen und sich wohlfühlen kann. Am besten liest man dieses Buch natürlich ganz gemütlich in einem Liegestuhl, an einem schattigen Plätzchen im Garten.

Veröffentlicht am 17.06.2019

Das perfekte Urlaubsbuch - nicht nur für Rom-Reisende!

Pizza Amore
0

Mit ihrem Roman „Pizza Amore“ entführt uns Brigitte Kanitz nach Rom, genauer gesagt in die Vatikanstadt, denn dort hofft Sina, Hilfe zu finden. Die norddeutsche Grundschullehrerin leidet unter einer Menschen-Phobie, ...

Mit ihrem Roman „Pizza Amore“ entführt uns Brigitte Kanitz nach Rom, genauer gesagt in die Vatikanstadt, denn dort hofft Sina, Hilfe zu finden. Die norddeutsche Grundschullehrerin leidet unter einer Menschen-Phobie, die sich in einer Essstörung äußert, und diese Phobie hat sie ihrem Onkel Thilo zu verdanken, der als Kardinal im Vatikan lebt, und sie hofft, dass er auch wieder etwas dagegen tun kann. Sinas Nachbarin Esther, verwitwete Schulrektorin im Vorruhesand, muss ihre ganze Überredungskunst aufbieten, um die junge Frau zu dieser Romreise zu bewegen, denn Sina würde sich am liebsten einigeln, vor allem nach einem peinlichen Vorfall während eines Sommerfestes der Schule. Die erste Zeit nach ihrer Ankunft in Rom meidet sie auch Menschenansammlungen, während sich die zweiundsechzigjährige Esther hoffnungslos in einen jungen Schweizer Gardisten verknallt. Auch Sina hat sich unrettbar verliebt, seit sie den schönen Pietro das erste Mal auf einem Foto gesehen hat. Aber auch ihre Liebesgeschichte hat einen Haken, denn Pietro lebt, wie Sinas Onkel, in der Vatikanstadt und ist Priester.
Während Esther, wenn sie nicht gerade um ihren jungen Offizier herum schleicht, ihre Freundin Sina schon in eine Lovestory à la „Dornenvögel“ verstrickt sieht, hat diese ganz andere Sorgen, denn ihre Angststörung lässt sich gar nicht so einfach überwinden, und ob Onkel Thilo ihr wirklich helfen kann?

Ich habe diesen Roman wieder mit großem Vergnügen gelesen, denn er hat alles, was man sich von einer humorvollen Urlaubs- und Sommerlektüre erwartet. Die Charaktere sind originell und gut gezeichnet, und die Atmosphäre der Ewigen Stadt hat die Autorin in all ihren Facetten wunderbar eingefangen. Die Story ist erfrischend und humorvoll geschildert, und es kommt zu einigen kuriosen Begebenheiten, die mir so manches Schmunzeln entlockt haben. Natürlich kommt auch die Romantik nicht zu kurz, wenn sich auch vieles nicht so entwickelt wie gedacht, und so kam mir zuletzt der Spruch in den Sinn: „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“.
Von mir bekommt „Pizza Amore“ eine glatte Leseempfehlung, denn es ist die ideale Urlaubslektüre, nicht nur für Rom-Reisende.

Veröffentlicht am 16.06.2019

Gut geschriebener historischer Unterhaltungsroman

Das Haus der gefallenen Töchter
0

Was der Heilerin Jenna in ihrem Heimatdorf widerfährt, ist geradezu unglaublich. Sie, die den Menschen nur helfen möchte und dies auch in vielen Fällen könnte, da sie viel über die Heilkunst der Kräuter ...

Was der Heilerin Jenna in ihrem Heimatdorf widerfährt, ist geradezu unglaublich. Sie, die den Menschen nur helfen möchte und dies auch in vielen Fällen könnte, da sie viel über die Heilkunst der Kräuter weiß, wird der Hexerei bezichtigt. Genau genommen hat sie es sich aber selbst eingebrockt, denn ziemlich am Anfang der Handlung lässt sie ihre Nachbarin wirklich in dem Glauben, zaubern zu können. Auch wenn sie später versucht, ihre Aussage zu korrigieren, so ist der Schaden doch schon angerichtet. Eine Frau, die zur damaligen Zeit lebte und die allgemeine Einstellung kannte, wird sich wohl gehütet haben, über sich selbst einen falschen Ruf zu verbreiten, denn sie kannte ja eigentlich die damit verbundenen Risiken. Trotzdem konnte ich mit ihr fühlen, und ich schreibe ihre manchmal etwas naive Handlungsweise ihrer Jugend und Unerfahrenheit zu. Ihr weiterer Weg, als sie bei einer Gauklergruppe Unterschlupf findet, ist schön und realistisch dargestellt. Die Charaktere, denen sie begegnet, sind sehr plastisch und lebendig beschrieben, und die Atmosphäre beim fahrenden Volk kann man direkt nachvollziehen. Ihre Anwesenheit stößt nicht bei allen Mitgliedern der Gruppe auf Gegenliebe. Als Jenna dann in eine Falle tappt und festgenommen wird, lernt sie ihm Haus der gefallenen Töchter die Dirne Ursula kennen. In diesem Haus sollen die Frauen Buße tun und ihre Sünden bereuen. Das Leben dort ist alles andere als ein Honigschlecken und fordert den Frauen viel Kraft ab. Hier begegnen sie auch Elisabeth, der Ehefrau des Patriziers Hermann Quattermart, der ein sehr engagierter Förderer des Frauenhauses ist, nicht von ungefähr, denn er liebt heimlich die Dirne Ursula. Seine Frau ist ihm bei seinen Plänen nur lästig, und das lässt er sie auch spüren. Letztendlich geht es allen Frauen, geliebt oder nicht, ziemlich gleich, denn egal ob Heilerin, Hure oder Ehefrau aus Patrizierkreisen, keine von ihnen hat irgendwelche Rechte, keine hat etwas zu sagen, das wird einem beim Lesen sehr deutlich bewusst.
Elisabeth kann den gefangenen Frauen nicht zur Freiheit verhelfen, und wiederum ist sie mit ihren eigenen Problemen völlig auf sich gestellt.
Jenna, Ursula und die anderen Frauen schmieden Pläne, wie sie aus dem Haus entkommen können. Währenddessen ist Amando, ein junger Mann von der Gauklertruppe, auf der Suche nach Jenna, denn er liebt sie.
Die Handlung ist weitgehend spannend und kurzweilig. Zwar sind historische Eckdaten recht sparsam eingearbeitet, aber die fiktive Geschichte hat einen hohen Unterhaltungswert. Zum Schluss wurde dem Zufall recht stark auf die Sprünge geholfen, was ich dann doch nicht so ganz glaubwürdig fand. Aber letztendlich hatte ich schöne, interessante Lesestunden mit dem Roman, denn bis auf ein paar Szenen, die ich etwas an den Haaren herbei gezogen fand, hat mir Jennas Geschichte gut gefallen.

Veröffentlicht am 06.06.2019

Der Zauber von Somerset hat auch mich berührt

Der Zauber von Somerset
0

Amber und Finian, zwei vom Schicksal enttäuschte Menschen, wollen in einem wunderschönen Cottage in Somerset zur Ruhe kommen und zu sich selbst finden. Was sie nicht wissen: durch einen dummen Zufall wurde ...

Amber und Finian, zwei vom Schicksal enttäuschte Menschen, wollen in einem wunderschönen Cottage in Somerset zur Ruhe kommen und zu sich selbst finden. Was sie nicht wissen: durch einen dummen Zufall wurde ihr Cottage doppelt vermietet. Nach anfänglicher Verwirrung, als sich der Irrtum mit der Doppelbuchung herausstellt, beschließen sie, eine Wohngemeinschaft auf Zeit zu versuchen, denn beide brauchen ihre Auszeit sehr dringend. In Ambers Leben gab es einen schweren Schicksalsschlag, den sie verarbeiten muss, und Finians Ehe ist am Ende, und er hofft, sich hier in der ländlichen Abgeschiedenheit auf seine Arbeit konzentrieren zu können, denn der Schriftsteller muss Abgabetermine einhalten, ohne Rücksicht auf seine persönlichen Probleme. Die beiden Bewohner gehen sich meist aus dem Weg, nur die Pflege des Gartens und eines alten Pferdes, das im Stall des Cottages lebt, übernehmen sie gemeinsam, aber im Lauf der folgenden Wochen verbringen sie immer mehr Zeit zusammen. Sie erfahren mehr über den jeweils anderen, und sie werden mit diversen Tierschicksalen konfrontiert, die sie nicht kalt lassen. Ehe sie es recht begreifen, erhält ihre Wohngemeinschaft Zuwachs durch drei weitere Pferde und eine scheue Hündin, die vor ihrem unsympathischen Besitzer flüchtet. In der wundervollen Landschaft Somersets und durch die gemeinsame Sorge um die Tiere erfahren die beiden verletzten Seelen Heilung und können neue Kraft schöpfen. Auch fühlen sich Amber und Finian immer mehr zueinander hingezogen, aber dann werden sie von ihrem früheren Leben eingeholt.

Amber und Finian kommen abwechselnd zu Wort und erzählen ihre Sichtweise der Dinge. Mir waren sie beide ungemein sympathisch, und vor allem die vierbeinigen Protagonisten habe ich sehr ins Herz geschlossen. Pippa Watson hat eine wundervolle Art, die Landschaft zu beschreiben und die Situationen rund um das schöne Cottage zu schildern. Ich habe diesen Roman sehr genossen, denn man spürt, dass er mit viel Gefühl und Herzenswärme geschrieben ist. Es ist ein bezaubernder Roman, der zum Eintauchen und Träumen einlädt. Obwohl die Protagonisten beide ihr Päckchen zu tragen haben, ist die Stimmung in der Geschichte weitgehend positiv. In der traumhaften Kulisse der südenglischen Landschaft erfahren Amber und Finian den Zauber Somersets, dem man sich auch beim Lesen nicht entziehen kann. Es ist ein richtiger Wohlfühl-Roman, in dessen Kulisse ich gerne noch länger verweilt wäre. Bis zuletzt gelingt es der Autorin, die Spannung aufrecht zu erhalten und ihre Leser immer wieder zu überraschen.

Hinter dem Pseudonym Pippa Watson steckt die deutsche Autorin und Hundetrainerin Mirjam Müntefering. Ich kannte bisher nur ein Jugendbuch von ihr, das ich vor vielen Jahren gelesen habe und an das ich mich gerne erinnere. Das aktuelle Lese-Erlebnis in Somerset hat bewirkt, dass gleich noch einige Bücher der Autorin auf meine Wunschliste gewandert sind, denn der gefühlvolle, detailreiche Schreibstil sagt mir sehr zu, und ich möchte gerne noch mehr in dieser Art lesen.