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Veröffentlicht am 03.09.2018

Das Herz des Löwen

Das Herz des Löwen
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Das Schöne an Mac P. Lornes Romanen ist, dass es keinen langatmigen Einstieg gibt. Schon nach wenigen Sätzen ist man wieder mitten im Geschehen. Das ging mir bereits im ersten Band „Die Pranken des Löwen“ ...

Das Schöne an Mac P. Lornes Romanen ist, dass es keinen langatmigen Einstieg gibt. Schon nach wenigen Sätzen ist man wieder mitten im Geschehen. Das ging mir bereits im ersten Band „Die Pranken des Löwen“ so, und auch diesmal war es nicht anders. Ich war von der ersten Seite an fasziniert von dieser Geschichte um eine außergewöhnliche Freundschaft zwischen einem König und einem Geächteten, nämlich zwischen Richard Löwenherz und Robin Hood. Robin ist nicht nur Richards Schutzengel, sondern auch sein Vertrauter und Ratgeber. Zusammen mit den Gefährten aus dem Sherwood Forest begleitet Robin den König auf einen langen und gefährlichen Kreuzzug ins Heilige Land, der viele Opfer fordert.

Robin ist ein Rebell, und immer wieder kommt sein Widerspruchsgeist zu Tage. Erstaunlicherweise lässt sich König Richard darauf ein und hört auf Robins Ratschläge, was ihm nicht nur einmal das Leben rettet.

Es kommt zu so manchem verbalen Schlagabtausch zwischen dem König und seinem Vasallen, wobei sich Robin des öfteren fast um Kopf und Kragen redet. Diese Wortgefechte habe ich regelrecht genossen, denn Robins gesunder Menschenverstand und seine Ansichten empfand ich als sehr wohltuend, da sie so völlig frei von Falschheit und Dünkel beschrieben sind.

Die Ereignisse während des Kreuzzugs nehmen den größten Teil des Romans ein, und es kommt immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Kreuzrittern und den muslimischen Kriegern Saladins.

Wenn Robin hofft, nach dem Kreuzzug zur Ruhe zu kommen, hat er sich geirrt, denn König Richard gerät in Gefangenschaft, und so warten weitere riskante Abenteuer auf unseren Helden. Im letzten Viertel der Handlung kehren wir wieder in den vertrauten Sherwood Forest und die umliegende Gegend zurück. Robin Hood hat sich verändert, aber auch in der Heimat kommt er nicht zur ersehnten Ruhe mit seiner geliebten Marian, sondern hier erwarten ihn ungeahnte Herausforderungen und ein paar traumatische Erlebnisse.

Beschäftigt man sich ein wenig mit dem historischen Hintergrund, so stellt man fest, dass gerade die Szenen, die im Roman unfassbar erscheinen, der Wahrheit entsprechen. Der Autor bewegt sich sehr nahe an den historischen Fakten, wobei seine Erzählung keinen Moment lang trocken oder langatmig wirkt, sondern Mac P. Lorne besitzt die besondere Gabe, die historische Kulisse mit pulsierendem Leben zu füllen und dabei Freude und Leid geradezu greifbar zu machen. Heute ist der offizielle Erscheinungstermin des dritten Teils, und ich freue mich, dass es ein Wiedersehen mit Robin und seinen Lieben geben wird. Ich bin sehr gespannt, welche Abenteuer den sympathischen Helden dann erwarten.

Veröffentlicht am 28.08.2018

Jagdsaison in Brodersby

Jagdsaison in Brodersby
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Seit ich den ersten Teil „Das Schweigen von Brodersby“ gelesen habe, war ich schon gespannt und wartete voller Ungeduld auf die Fortsetzung. Auch der zweite Teil der Landarzt-Krimi-Reihe hat mich nicht ...

Seit ich den ersten Teil „Das Schweigen von Brodersby“ gelesen habe, war ich schon gespannt und wartete voller Ungeduld auf die Fortsetzung. Auch der zweite Teil der Landarzt-Krimi-Reihe hat mich nicht enttäuscht.
Über die Protagonisten habe ich schon beim ersten Teil einiges geschrieben, und viele von ihnen kommen auch diesmal wieder zum Einsatz. Die Autorin charakterisiert ihre Protagonisten sehr feinfühlig und dabei gründlich. Jan und seine Lena kommen sehr sympathisch rüber. Bei Jan merkt man, dass er Freude an seinem Beruf als Landarzt hat, dass ihm aber der gewisse Kick fehlt, denn sehr viel Spannendes haben seine Praxis und die Patienten meist nicht zu bieten. Das ändert sich, als im Wald, bei der Gänsejagd, ein Mann erschossen wird. War es Unfall oder Absicht? Das fragt sich Jan immer wieder. Er findet heraus, dass der Tote zu einer Gruppe Tierschützer gehörte und dass auch sein Freund Felix mit von der Partie war. Felix kennen wir ebenfalls bereits aus dem ersten Band. Jan ist nicht nur ein guter Freund, sondern auch der Arzt und Vertraute des schwer kranken und sehr tierlieben Mannes, und die Dialoge zwischen den beiden Freunden sind meist sehr erfrischend, weil sie stets eine gute Portion Humor enthalten.
In der Vergangenheit, während eines Afghanistan-Einsatzes, als er zu einer Sondereinheit gehörte, musste Jan zusehen, als sein bester Freund verblutete und er ihn nicht retten konnte. Das wirft er sich immer wieder selbst vor, obwohl es ja nicht seine Schuld war. Kaum ist er nun in Brodersby etwas zur Ruhe gekommen, meldet sich Andrea, die Witwe seines damals verstorbenen Freundes, mit ihrer Tochter an. Jan wird erneut mit dem schrecklichen Erlebnis der Vergangenheit konfrontiert, und alte Wunden werden aufgerissen. Auch stellt Jan fest, dass Andrea sich verändert hat, und sie verbirgt etwas vor ihm. Daneben machen ihm diverse Krankheitsfälle der Einwohner, nach der „Behandlung“ eines ominösen Wunderheilers, zu schaffen. In diesem Krimi treffen viele verschiedene Fakten zusammen, und man muss erst nach und nach sortieren, wo es Verbindungen gibt und wie die Zusammenhänge sind.
Jans und Lenas Alltag wird wieder gewaltig aufgemischt, und nach und nach kommen auch Jans Freunde wieder zum Einsatz. Es sind ehemalige Kampfschwimmer, Polizisten und Angehörige von diversen Sonderkommissionen. Man könnte sagen, es sind harte Kerle mit Herz und Verstand. Ihre Einsätze und Ermittlungen in Brodersby laufen auch diesmal teilweise recht unkonventionell ab. Mir gefällt die Mischung in den Büchern der Autorin. Da geht es um interessante Menschen, es gibt jede Menge Action und Hochspannung, aber auch die landschaftliche Schönheit um Brodersby sowie Lokalkolorit und die Liebe kommen nicht zu kurz. Es macht einfach Spaß, diese Landarzt-Krimis zu lesen, und ich hoffen dringend auf weitere Bände.

Veröffentlicht am 25.08.2018

Eine Papiermacherin kämpft um ihre Existenz

Das Geheimnis der Papiermacherin
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Da der Roman während des Dreißigjährigen Krieges in Nürnberg spielt, war ich gleich neugierig, denn Geschichten aus Franken, in diesem Fall Mittelfranken, reizen mich ganz besonders.
Im Mittelpunkt des ...

Da der Roman während des Dreißigjährigen Krieges in Nürnberg spielt, war ich gleich neugierig, denn Geschichten aus Franken, in diesem Fall Mittelfranken, reizen mich ganz besonders.
Im Mittelpunkt des Romans steht Anna. Da ihr Vater dem Alkohol und dem Glücksspiel verfallen ist, versucht die junge Frau mit allen Mitteln, die Papiermühle der Familie zu retten, denn diese stellt ihre Existenzgrundlage dar. Es ist schwierig für Anna, genügend Lumpen aufzutreiben, um damit Papier herstellen zu können, so dass sie nicht immer ganz legitime Wege geht.
Dabei kommt sie ihrem Konkurrenten Bartholomäus in die Quere, was für sie und ihre Freunde gefährlich werden kann.
Wie Bartholomäus‘ Bruder Johann zu der Sache steht und welche Rolle er in diesem Fall spielt, kann Anna anfangs gar nicht abschätzen, und ihr Misstrauen ist auch durchaus verständlich.
Die Charaktere sind durchweg sehr intensiv beschrieben, so dass man sich als Leser ein klares Bild von ihnen machen kann. Wer auf welcher Seite steht, ist, zumindest teilweise, für den Leser sehr viel früher erkennbar als für Anna.
Es ist klar, dass zur damaligen Zeit andere Gesetze herrschten und vieles völlig anders gehandhabt und betrachtet wurde als heutzutage, aber so einige Handlungen, auch wenn sie nach dem Motto „Rächer der Bösen, Beschützer der Guten“ erfolgten, haben mich doch gestört, denn auch wenn hinter mancher Tat eine gute Absicht steckte, war sie deshalb doch nicht rechtens. Anna repräsentiert ein, für ihre Zeit, starkes Frauenbild. Sie setzt alles daran, ihre Papiermühle zu retten. Manche ihrer Reaktionen erscheinen im ersten Moment gefühllos, aber der Eindruck täuscht. Grundsätzlich haben mich die Charaktere schon überzeugen können, mit ein paar Einschränkungen.
Sehr gut haben mir die ausführlichen Erläuterungen zur damaligen Papierherstellung gefallen. Diese Passagen waren richtig interessant, und ich habe viel Neues erfahren. Das Lokalkolorit ist für mein Empfinden im Roman nicht allzu ausgeprägt, denn Annas Geschichte hätte auch in einer beliebigen anderen Stadt passieren können.
Insgesamt betrachtet sorgt der Roman aber für viele kurzweilige, interessante und zum Teil auch lehrreiche Lesestunden.

Veröffentlicht am 18.08.2018

Humorvoller Krimi mit viel Lokalkolorit und Frauenpower

Yasemins Kiosk
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Im Mittelpunkt des Krimis stehen drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich doch gut verstehen. Als im Altpapiercontainer neben Yasemins Kiosk eine männliche Leiche gefunden wird und ...

Im Mittelpunkt des Krimis stehen drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich doch gut verstehen. Als im Altpapiercontainer neben Yasemins Kiosk eine männliche Leiche gefunden wird und der Fall von der Polizei als Suizid oder Unfall abgelegt werden soll, ist das für Dorothee, Yasemin und Nina ein Grund, selbst die Initiative zu ergreifen und Nachforschungen anzustellen, denn Yasemin kennt den Toten und glaubt nicht, dass der junge Mann drogensüchtig gewesen ist. Was die drei Frauen alles anstellen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen, ist fesselnd und sehr amüsant erzählt. Dass sie sich durch ihre Recherchen noch gegenseitig bei ihren Problemen helfen bzw. von ihren Sorgen ablenken, sind schöne Nebeneffekte, die die Handlung zusätzlich interessant machen und beleben.
Das ist ein Krimi mit viel Lokalkolorit, in dem es allgemein recht unblutig zugeht. Die Geschichte ist mit jeder Menge Humor gewürzt, und sogar ein klein wenig Romantik gibt es, denn Nina, die beurlaubte Polizistin, hat einen hartnäckigen Verehrer und das, wo sie der Männerwelt doch mittlerweile abgeschworen hat.
Wenn man nicht gerade die Aktionen der drei Frauen verfolgt, wird man mit Passagen konfrontiert, die aus der Sicht eines Unbekannten geschildert sind. Dieser Fremde ist derjenige, der zu Beginn des Krimis die Leiche im Altpapiercontainer entsorgt hatte. Er berichtet aus seiner Sicht, nicht nur über die Sache mit dem Toten, sondern er träumt auch von einer gemeinsamen, glücklichen Zukunft mit seinem „Engel“. Die Story entwickelt sich insgesamt kurzweilig, und nach und nach klären sich auch die Zusammenhänge, bis im Finale alle Fäden zusammenlaufen und der Fall gelöst wird. Ein wirklich gelungenes Debüt mit einem guten Schluss, allerdings hat es mich ein wenig traurig gestimmt, dass die Geschichte so schnell zu Ende war. Vielleicht überrascht uns die Autorin ja irgendwann mit einem neuen Fall für dieses außergewöhnliche „Ermittlerteam“ mit Frauenpower.

Veröffentlicht am 13.08.2018

Der geheime Garten

Frances Hodgson Burnett, Der geheime Garten (Neuübersetzung)
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Die kleine Mary ist ein verzogenes Kind. Sie ist in Indien aufgewachsen und wurde mehr oder weniger von Bediensteten „erzogen“, denn ihre Eltern kümmerten sich kaum um sie. Als sie während einer Choleraepidemie ...

Die kleine Mary ist ein verzogenes Kind. Sie ist in Indien aufgewachsen und wurde mehr oder weniger von Bediensteten „erzogen“, denn ihre Eltern kümmerten sich kaum um sie. Als sie während einer Choleraepidemie sowohl Vater und Mutter als auch ihr Kindermädchen verliert, holt ihr Onkel und Vormund, Mr. Archibald Craven, sie zu sich nach England. Sie soll künftig auf Schloss Misselthwaite, dem alten Anwesen ihres Onkels, leben. Anfangs sieht es nicht so aus, als könne sich Mary in ihrem neuen Heim eingewöhnen, denn auch hier hat sie nur Kontakt zum Personal, und der Onkel will sie nicht sehen. Sie ist viel allein, und Martha, das Dienstmädchen, schickt sie nach draußen, damit sie an der frischen Luft spielen soll. Bei ihren Streifzügen entdeckt sie so manches Geheimnis und begegnet Menschen, durch die sich ihre Sichtweise und ihr Verhalten verändert. Zusammen mit Marthas Bruder Dickon und ihrem Cousin Colin entdeckt sie eine verborgene Welt und beginnt, geheime Pläne zu schmieden, von denen die Erwachsenen nichts wissen, mit überraschendem Ergebnis…

Das Buch erschien erstmalig bereits im Jahr 1911, und gemäß der Zeit, in der die Geschichte spielt, wirkt manches doch ziemlich nostalgisch. Eigentlich ist es ein Kinderbuch, aber die schöne, blumige Sprache macht es eher für Erwachsene zum Lesegenuss. So manchmal blitzt der erhobene Zeigefinger auf und lässt die Handlung etwas betulich wirken. Der Schreibstil ist zum Teil ausschweifend, was gerade bei jungen Lesern vermutlich schnell Langeweile aufkommen lässt. Als Kinderbuch ist es meiner Meinung nach heutzutage nur bedingt geeignet, wenn, dann eher für größere Schulkinder. Seine Berechtigung hat dieses Buch jedoch in jeder Klassikersammlung, denn die Beschreibungen, die Charakterisierungen und auch die Handlung, mit ihrer besonderen Aussage, alles in Bezug zu der Zeit betrachtet, als das Buch entstanden ist, sind wunderschön und auf jeden Fall lesenswert.