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Veröffentlicht am 15.12.2017

Rassismus ganzheitlich betrachtet

Kleine große Schritte
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Ruth Jefferson ist eine gewissenhafte Säuglingsschwester mit guter Ausbildung, auf die sie stolz ist. Viele Jahre hat sie ihre Arbeit zur vollsten Zufriedenheit der Klinik erledigt. Sie lebt mit ihrem ...

Ruth Jefferson ist eine gewissenhafte Säuglingsschwester mit guter Ausbildung, auf die sie stolz ist. Viele Jahre hat sie ihre Arbeit zur vollsten Zufriedenheit der Klinik erledigt. Sie lebt mit ihrem Sohn in einer „weißen“ Wohngegend und hat weiße Freunde. Sie ist mit ihrem Leben zufrieden, bis Turk Bauer nach der Geburt seines Sohnes darauf besteht, dass Ruth das Baby nicht anfassen darf. Als der Kleine stirbt, beginnt für Ruth ein Albtraum.

Das Hörbuch wird abwechselnd von drei Sprechern gelesen. Beate Rysopp ist die Stimme der Ruth Jefferson, Svenja Pages schildert die Ereignisse aus der Sicht der Anwältin Kennedy McQuarrie, und die Passagen, in denen Turk Bauer zu Wort kommt, werden von Frank Stieren gelesen. Alle drei Sprecher machen ihre Sache sehr gut. Mit ihren Stimmen transportieren sie die vielschichtigen Emotionen, die es im Roman reichlich gibt. Es handelt sich um eine gekürzte Lesung. Die knapp 600 Seiten des Romans wurden hier für 6 CDs mit insgesamt 460 Minuten aufbereitet. Ein Großteil der Handlung dreht sich um den Gerichtsprozess, als Ruth angeklagt wird, am Tod des Säuglings schuld gewesen zu sein. Aus ihrer Sicht schildert Ruth die Ereignisse. Wie stark der Rassismus wirklich noch in unserer heutigen Gesellschaft verankert ist, hat mich erschüttert, denn die Autorin hat eine wahre Geschichte zum Anstoß genommen, diesen Roman zu schreiben. Es ist also nicht so, dass der hier vorkommende Rassismus frei erfunden wäre.
Die Betrachtungsweise der Problematik ist bei Jodi Picoult jedoch eine andere. Sie rollt die Sache von mehreren Seiten auf. Aus Ruths Sicht erfährt man die Situation der benachteiligen schwarzen Hebamme, während Kennedy, die weiße Anwältin völlig neue Erkenntnisse gewinnt, je länger sie den Fall bearbeitet, nämlich dass alles, was den Farbigen zum Nachteil gereicht, im Umkehrfall für die Weißen einen Vorteil bzw. ein Privileg darstellt. Wie sie so treffend schreibt: selbst Ignoranz ist ein Privileg der Weißen. Turk Bauer, der Vater des verstorbenen Säuglings, ist ein Rechtsradikaler, der einen unvorstellbaren Hass auf Ruth entwickelt. Ihr möchte er den Tod seines Kindes anlasten. Dabei ist er in seinem Tun und Denken aber äußerst inkonsequent, denn egal was Ruth auch getan oder gelassen hätte, in jedem Fall hätte man es gegen sie verwenden können. Die geführten Debatten und Verhöre bei Gericht ziehen sich endlos, und manchmal fand ich die Sichtweisen verwirrend, vor allem wenn es darum geht, das Thema Rassismus beim Prozess auszuklammern, wie es Kennedy vorschlägt. Dieses Argument konnte ich beispielsweise gar nicht nachvollziehen, denn es kam ja gerade durch die rassistische Einstellung des Vaters zu dieser Zwickmühle und zum Gerichtsfall. Manchmal hatte ich den Eindruck, die Argumentation würde sich im Kreis drehen. Das Ende war bis zu einem gewissen Grad voraussehbar, aber es bot auch noch einige Überraschungen für mich, besonders weil Turk Bauer hier noch einmal zu Wort kommt. Seine Entwicklung im Verlauf des Romans empfand ich als etwas zweifelhaft.
Abgesehen von diesen kleinen Irritationen, die meines Erachtens durchaus auch von der Kürzung des Textes herrühren können, hat mich die Geschichte sehr beeindruckt und nachdenklich gemacht. Gerade die Lesung durch drei verschiedene Sprecher belebt die Handlung und macht das Hörbuch besonders ausdrucksstark.

Veröffentlicht am 10.12.2017

Eine wunderschöne, außergewöhnliche Liebesgeschichte

Versuchen wir das Glück
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Mit ihrem Roman „In all den Jahren“ hat sich Barbara Leciejewski zuerst quasi in mein Leser-Herz geschrieben, und als ich ungefähr 1 ½ Jahre später „Die Nächte, die Tage und das ganze Leben“ las, hat mich ...

Mit ihrem Roman „In all den Jahren“ hat sich Barbara Leciejewski zuerst quasi in mein Leser-Herz geschrieben, und als ich ungefähr 1 ½ Jahre später „Die Nächte, die Tage und das ganze Leben“ las, hat mich auch dieser Roman begeistert. Kürzlich folgte nun „Versuchen wir das Glück“, und wieder erzählt die Autorin eine außergewöhnliche Liebesgeschichte. Helene und Ludwig begegnen sich in den Achtzigerjahren, und zwischen den beiden Jugendlichen entsteht eine tiefe Freundschaft, aus der mit der Zeit Liebe wird. Beide haben ein Handicap, das sie zum Außenseiter macht. Während Ludwig eine körperliche Versehrung hat, ist Helenes Verletzung seelischer Natur. Gerade durch ihr eigenes Problem können sie den anderen so gut verstehen. Das erste Kennenlernen, wie sie sich einander annähern, das vorsichtige Herantasten und die gegenseitige Offenbarung des jeweils eigenen Traumas, das schildert die Autorin wunderschön und sehr einfühlsam, ohne dabei ins Sentimentale abzugleiten. Besonders lebendig wird die damalige Zeit durch authentische Ereignisse der Achtziger dargestellt, in die Helene und Ludwig verwickelt sind oder die in ihrem Umfeld stattfinden.

Fünfundzwanzig Jahre später begegnen sich die Protagonisten durch einen Zufall auf dem Münchner Hauptbahnhof. Trotz der langen Zeit der Trennung und der verschiedenen Leben, die sie führen, stellt sich sehr schnell wieder eine Vertrautheit ein, als wären sie kein Vierteljahrhundert getrennt gewesen.
Gemeinsam erinnern sie sich, und es gibt viele Rückblicke in die damalige Zeit, als sie ein Liebespaar waren. Kulisse der Handlung in der Gegenwart ist weitgehend Tisch 10 in einer Bahnhofsgaststätte, wo sie sich nach ihrer Begegnung niederlassen. Es „passiert“ nicht wirklich viel in dieser Geschichte, und doch ist sie so reich an Gesprächen und Erinnerungen. Ich fand es faszinierend, mich den Protagonisten immer stärker anzunähern und ihre Lebensgeschichten zu erfahren, über ihre Ängste und Sorgen aber auch über ihre Hoffnungen und Sehnsüchte zu lesen,und über allem steht für beide die Frage, ob man das Glück wohl noch einmal versuchen kann. Mit ihren markanten, unvergleichlichen und liebenswerten Charakteren, dieser ganz besonderen Geschichte und ihrem wunderbaren Erzählstil ist es Barbara Leciejewski erneut gelungen, mein Herz zu erobern.

Veröffentlicht am 09.12.2017

Das Aschenkreuz

Das Aschenkreuz
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Im Jahr 1415 findet die aus Konstanz stammende Serafina Aufnahme in einem Freiburger Beginenhaus. Einige ihrer Mitbewohnerinnen sind ihr gegenüber anfangs argwöhnisch, denn sie spricht nicht über ihre ...

Im Jahr 1415 findet die aus Konstanz stammende Serafina Aufnahme in einem Freiburger Beginenhaus. Einige ihrer Mitbewohnerinnen sind ihr gegenüber anfangs argwöhnisch, denn sie spricht nicht über ihre Vergangenheit, und das macht sie in den Augen einiger Mitschwestern verdächtig. Nachdem Serafina eines Tages dazu kommt, als ein Toter gefunden wird, der dem ersten Anschein nach Selbstmord begangen hat und ein Aschenkreuz auf der Stirn trägt, droht ihr Geheimnis aufzufliegen, denn der hinzu gerufene Stadtarzt Adalbert Achaz ist ebenfalls neu in Freiburg, und kennt sie von einer früheren Begegnung. Trotz ihrer Sorge, er könnte sie verraten, wendet sich Serafina an Achaz und bittet ihn um Hilfe bei ihren Recherchen, denn sie zweifelt am Freitod des jungen Kaufmannssohns. Äußerst beherzt stürzt sich die kluge Frau in die Nachforschungen und damit selbst in Gefahr. Als eine weitere Leiche gefunden wird, die zudem übel zugerichtet ist, gerät der offizielle Verdacht auf Selbstmord ins Wanken. Schnell ist ein vermeintlich Schuldiger gefunden, aber Serafina glaubt nicht an den Tathergang, wie er öffentlich dargestellt wird.
Mehrmals im Handlungsverlauf ist man sich schon sicher, auf der richtigen Spur zu sein, was den Tod am Sohn des Kaufmanns Pfefferkorn angeht. Aber es ergeben sich immer wieder neue Hinweise und Erkenntnisse, nicht zuletzt durch Serafinas Einmischung.
Mit der vorwitzigen und tatkräftigen Begine Serafina hat der Roman eine starke und mutige Heldin, die sich nicht mit begangenem Unrecht abfinden kann und auch nicht so schnell nachgibt, wenn es darum geht, ihre Meinung kund zu tun. Sie ist eine facettenreiche Persönlichkeit, und es gibt aus ihrem früheren Leben sicher noch so manches Geheimnis zu lüften. „Das Aschenkreuz“ ist der gelungene Auftakt einer neuen Reihe, die sich um Serafina und vermutlich auch um Adalbert Achaz drehen wird, denn obwohl Serafina sich für ein keusches Leben als Begine entschieden hat, so knistert es doch von Zeit zu Zeit recht kräftig zwischen ihr und dem attraktiven Stadtarzt. Daher vermute ich, dass Achaz auch weiterhin eine Rolle in Serafinas Leben spielen wird. Man darf sicher auf die Fortsetzung gespannt sein, und ich freue mich jetzt schon auf weitere, spannende Folgen der Serafina-Reihe.

Veröffentlicht am 07.12.2017

Kleiner Streuner - große Liebe

Kleiner Streuner - große Liebe
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Alle Jahre wieder! Ich gebe zu, bei den Weihnachts-Hundebüchern von Petra Schier werde ich regelmäßig zum „Verpackungsopfer“. Wer könnte schon dem hinreißenden Cover widerstehen?! Aber Socke, der süße ...

Alle Jahre wieder! Ich gebe zu, bei den Weihnachts-Hundebüchern von Petra Schier werde ich regelmäßig zum „Verpackungsopfer“. Wer könnte schon dem hinreißenden Cover widerstehen?! Aber Socke, der süße kleine Hund auf dem Titelbild, ist natürlich nicht der einzige Grund, zu diesem Buch zu greifen, denn es gibt darin eine wunderbare Geschichte zu entdecken.
Socke ist ein Findelhund. Als Eva den Kleinen entdeckt, ist er bereits halb verhungert und ausgekühlt. Zusammen mit André, ihrem Kollegen aus der Sozialstation, nimmt sie das Hündchen bei sich auf bzw. bringt es bei André unter, da sie selbst in ihrer momentanen Wohnung keine Tiere halten darf. Dass sie sich hier mit André zusammentut, um dem kleinen Streuner zu helfen, kostet Eva große Überwindung. Waren die beiden doch in der Vergangenheit ein Paar, aber Eva hat die Reißleine gezogen, bevor André, der Frauenheld, ihr das Herz brechen konnte. Schon die Zusammenarbeit in der Sozialstation ist nicht einfach, denn das ehemalige Liebespaar kommt sich immer wieder in die Haare. Dabei würden André und Eva doch so gut zusammenpassen, das ist zumindest die Meinung von Socke und auch von Santa Claus und seinen Weihnachtselfen, die auch diesmal wieder alle himmlischen Hebel in Bewegung setzen, wenn es darum geht, Wünsche zu erfüllen. Aber Eva ist diesbezüglich ein „harter Brocken“. Ob sie bis Weihnachten ihr Glück findet, das erfährt man in den vierundzwanzig Kapiteln (und dem Nachspiel). Diese ideale Aufteilung im Buch sind Fans der weihnachtlichen Hundebücher von Petra Schier bereits von den Vorgängern gewohnt, denn dadurch würde sich das Buch auch sehr gut als literarischer Adventskalender eignen, wenn man denn die Geduld aufbrächte, täglich wirklich nur ein Kapitel zu lesen. Zugegebenermaßen fällt mir das immer schwer, denn einmal angefangen, kann man nur schlecht wieder aufhören zu lesen, und ehe man sich versieht, ist man am Ende angelangt, schon lange vor dem Weihnachtsfest. Aber egal wie man sich beim Lesen entscheidet, ob man die Geschichte in vierundzwanzig Häppchen genießt oder in einem Rutsch quasi verschlingt, weihnachtliche Stimmung, Spannung und Romantik sind vorprogrammiert! Man trifft alte Bekannte aus den Vorjahren wieder, denn auch diesmal spielt sich die Handlung zu einem großen Teil in der Sozialstation ab. Man begegnet dort interessanten Charakteren und wird mit bewegenden Schicksalen konfrontiert. Evas Lebenseinstellung und die Gründe dafür haben mich langfristig beschäftigt und beeindruckt.
Auch in diesem Jahr wartet also wieder ein wundervoller Liebesroman zwischen den schön gestalteten Buchdeckeln, und wenn man hier mit erlebt, wie klein Socke, der dünne, verwahrloste Streuner, nach und nach zu einem satten, glücklichen Hund wird, geht einem das Herz auf. Ich kann dieses schöne Büchlein nur wärmstens empfehlen.

Veröffentlicht am 02.12.2017

Im Schatten des Sommers

Im Schatten des Sommers
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Zwanzig Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden ihrer Familie bekommt die Tierärztin Sophia Mildner einen Anruf der französischen Polizei. Nach deren Bericht wurde bei einem schwer verletzten Mann ein ...

Zwanzig Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden ihrer Familie bekommt die Tierärztin Sophia Mildner einen Anruf der französischen Polizei. Nach deren Bericht wurde bei einem schwer verletzten Mann ein altes Bild von Sophias Mutter gefunden. Die junge Frau möchte endlich Klarheit, was damals mit ihren Eltern und dem kleinen Bruder wirklich geschah. Ohne zu zögern reist sie nach Südfrankreich. Nicolas, der zuständige Polizist, ist nicht begeistert, dass dieser alte Fall, an den sich für ihn schmerzliche Erinnerungen knüpfen, nun wieder aufgerollt wird und auch nicht über Sophias Erscheinen und Einmischung. Das lässt er sie auch deutlich spüren, und die Protagonisten tragen heftige Wortgefechte aus. Letztendlich ist Sophia doch eine nützliche und wichtige Zeugin für die Polizei. Je länger Nicolas und sie zusammenarbeiten, umso mehr wird deutlich, dass ihr Verhältnis nach und nach einen Stellenwert erreicht, der weit über die gemeinsamen Ermittlungen hinaus geht.
Zu Beginn zeigen sich die Protagonisten beide nicht von ihrer besten Seite. Sie können sich einfach nicht vernünftig unterhalten. Schnell merkt man jedoch, dass mehr hinter dem störrischen Verhalten steckt. Sowohl Sophia als auch Nicolas haben in der Vergangenheit Schlimmes erlebt, das ihnen bis heute wie ein Schatten anhängt. Die Zusammenhänge klären sich erst ganz allmählich. Mit über fünfhundert Seiten ist dieser Kriminalroman ziemlich dick, und doch kann ich sagen, dass es keine Längen gibt. Die vielschichtige Handlung hält immer wieder Überraschungen und Wendungen bereit, auf die man nicht gefasst ist. Vieles ist nicht so wie es scheint. Krimis mit blutigen Fällen sind eigentlich nicht mein bevorzugtes Genre, aber dieser hier hat mich absolut positiv überrascht, denn die betreffenden Szenen werden nicht ausgeschlachtet, sonder fügen sich ganz realistisch in den Fall ein. Der Autorin ist es gelungen, mich mit ihrem flüssigen Erzählstil zu fesseln. Ihre Charaktere, auch die in den Nebenrollen, haben Tiefe, und auch einen vierbeinigen Helden hat die Geschichte, nämlich Sophias Labradorrüden Tim, der sich immer wieder durch besondere Menschenkenntnis hervortut und die Handlung erfrischend auflockert.
Die Spurensuche zu dem alten Fall und dem neuen Opfer sowie die Frage, welche Verbindung zwischen beiden besteht, gestaltet sich höchst interessant. Dass Silke Ziegler auch noch eine kleine Romanze in den Roman integriert hat, bereichert diesen ungemein und zeichnet ein noch intensiveres Bild der Protagonisten. Auf 507 Seiten bekommt man hier geballte Spannung und beste Unterhaltung geboten.