Profilbild von Knabber

Knabber

Lesejury Star
offline

Knabber ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Knabber über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.09.2024

Exotisches Setting

Die Zeitdetektive, 4, Die gefiederte Schlange
0

Die Zeitdetektive gibt es schon sehr lange, sowohl als Hörspiel als auch als Buch. Nun scheint der Verlag gewechselt zu haben und die Bücher sind etwas moderner gestaltet. Wobei mir aber die ...

Die Zeitdetektive gibt es schon sehr lange, sowohl als Hörspiel als auch als Buch. Nun scheint der Verlag gewechselt zu haben und die Bücher sind etwas moderner gestaltet. Wobei mir aber die alten Cover besser gefallen haben.

Dieser Fall führt Kim, Julian, Leon und ihre schlaue Katze ins Jahr 906 n. Chr. nach Chichén Itzá, eine Stadt der Maya. Dort lernen sie viel über die Kultur und Errungenschaften des Volkes zur damaligen Zeit. Die Kinder können außerdem bei diesem Fall wieder ihr detektivisches Können unter Beweis stellen.
Gut fand ich, dass die zahlreichen Fremdwörter am Ende des Buches erklärt wurden. Auch die Illustrationen haben mir gut gefallen. Das exotische Setting hat mir ebenfalls Spaß gemacht, allerdings ist das Umfeld nichts für zarte Gemüter. Zum Beispiel geht es in dem stattfindenden Ballspiel recht brutal zur Sache und Themen wie Menschenopfer spielen eine Rolle. Aber so war das damals und deshalb fand ich das authentisch und gut erzählt.
Ganz im Gegensatz zu den Handlungen der Hauptcharaktere. So waren die Kinder einerseits Diener, andererseits durften sie beim Festmahl dabei sein. Das war für mich nicht ganz stimmig. Der Fall hat mir deshalb nicht so gut gefallen wie andere aus der Reihe, da nicht immer alles ganz logisch war.

Trotzdem ist die Geschichte spannend und wird nie langweilig. Man bekommt mit diesem Buch viele Infos über die Zeit der Mayas und eine aufregende Lesezeit.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.09.2024

Unterhaltsames Verwirrspiel

Klippo
0

Klippo lebt allein bei seinen Eltern, wird zu Hause unterrichtet und hat keine Freunde, außer sein Hermelin Red. Da er es nicht anders gewohnt ist, hinterfragt er nicht, weshalb ihn seine Eltern zu Hause ...

Klippo lebt allein bei seinen Eltern, wird zu Hause unterrichtet und hat keine Freunde, außer sein Hermelin Red. Da er es nicht anders gewohnt ist, hinterfragt er nicht, weshalb ihn seine Eltern zu Hause verstecken und er sich sein Wissen über die Welt nur aus Büchern aneignen darf. Erst als sie eines Tages vor den Salpetern fliehen müssen, erfährt Klippo, dass seine Eltern keine normalen Eltern sind.

Sie sind Spione und haben den Zorn des Anführers der Salpeter geweckt, der sich nun an ihnen rächen will, indem er Klippo tötet. Deshalb flieht Klippo mit seinen Eltern auf ein Schiff und segelt zu einer verborgenen Insel im Nebel, auf der er sicher sein soll. Sie verstecken ihn in einem alten Turm, doch Klippo ist es leid, sich immer einsperren zu lassen. Er erkundet die Insel und trifft dort auf ein Mädchen, das ihm etwas erzählt, das sein Leben erneut auf den Kopf stellt. Klippos Abenteuer ist noch nicht vorbei.

Mir gefiel es richtig gut, dass die Geschichte so viele Wendungen hat. Zwar war nicht alles überrschend für mich, aber die Spannung blieb immer hoch und die Story hatte ein gutes Tempo. Klippo muss einiges durchmachen, zumal er sich sehr leicht von anderen beeinflussen lässt. Aber was will man erwarten, wenn man sein ganzes bisheriges Leben von den Eltern isoliert wurde. Klippo hat ja kaum Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen und ich finde, das kommt hier sehr gut rüber.

Ein Highlight war natürlich das Hermelin Red, das ich ab der ersten Zeilen sofort ins Herz geschlossen hatte. Toll, dass das Buch auf jeder Seite eine Zeichnung von Red hat, so dass ein Daumenkino entsteht. Eine tolle Idee, an der ich viel Spaß hatte.
Weniger gut hat mir leider das Cover gefallen. Es ist sehr dunkel geraten und hat dann noch einen metallisch-spiegelnden Überzug. So kann man das Motiv, das eigentlich gut zur Geschichte passt, kaum erkennen. Sehr schade.

Den Autor Tobias Goldfarb kannte ich bisher nicht, bin aber durch Klippo jetzt neugierig auf seine Reihe über den Drachen Spekulatius geworden. Denn der Autor hat in Klippo vielfältige Charaktere entworfen und eine märchenhafte Atmosphäre geschaffen, die mich fesseln konnte.

Das Geheimnis rund um Klippo hat mich vor allem deshalb gut unterhalten, weil es so abwechslungsreich ist. Ich hätte mir sogar einige Stellen noch länger gewünscht, zum Beispiel die Ereignisse auf der Distrukta. Hier ging es mir etwas zu schnell, obwohl viele gute Ideen da waren. Aber das zeigt nur, wie ungern ich die Charaktere am Ende losgelassen habe, und dass ich gerne mehr Zeit mit ihnen verbracht hätte.

Klippo ist eine tolle Abenteuergeschichte für alle, die sich gerne überraschen lassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.08.2024

Für mich leider zu viel Politik und zu wenig Abenteuer

Freya und das Vermächtnis der Strandpiraten
0

Freya wohnt bei ihrer Oma, die eine Pension direkt an der Strandpromenade betreibt. Leider ist das Städtchen etwas veraltet, da es sich die Pflege der Gebäude nicht mehr leisten kann. Eines Tages taucht ...

Freya wohnt bei ihrer Oma, die eine Pension direkt an der Strandpromenade betreibt. Leider ist das Städtchen etwas veraltet, da es sich die Pflege der Gebäude nicht mehr leisten kann. Eines Tages taucht Geschäftsfrau Ms Oleander auf und will die Promenade kaufen, um dort modernere Gebäude zu errichten und die alten abzureißen. Der Bürgermeister scheint keine Wahl zu haben, doch die Kinder stemmen sich mit Petitionen und Protesten gegen den Vertragsabschluss.

Als Freya den Jungen Teddy kennenlernt, erfährt sie, dass es wahrscheinlich einen alten Schatz in den Höhlen am Strand gibt, der die Stadt retten könnte. Freya muss ihre zahlreichen Ängste überwinden, um den Schatz zu finden und sich wieder mit ihrer Freundin Lin zu vertragen. Aber die Zeit läuft, denn in wenigen Tagen gehören die Promenade und der darunter liegende Schatz Ms Oleander.

Leider brauchte die Geschichte für meinen Geschmack viel zu lange, um in Fahrt zu kommen. Die erste Hälfte des Buches dreht sich nur um die geplante Modernisierung. Die Kinder müssen Unterschriften sammeln und sich was einfallen lassen, sonst tut das in diesem Dorf offensichtlich keiner. Die Schule erwartet von ihnen Vorschläge, anstatt sich selbst zu einzubringen oder Eltern zu mobilisieren. Die Autorin legt viel Wert darauf, dass die Kinder in dieser Geschichte sich engagieren sollen. Nicht nur gegen die Modernisierung, sondern auch in umweltpolitischen und gesellschaftlichen Themen. Mir war das zu viel gewollt und zu konstruiert. Es kann aber gut sein, dass gerade über diese Themen viele gerne lesen, die vielleicht auch selber aktiv sind.

So richtig anfreunden konnte ich mich auch mit den Figuren bis zum Schluss nicht. Freya hat mindestens drei verschiedene Ängste, kann aber schließlich alle problemlos meistern, weil sie es will. Sie kam mir manchmal wie acht und dann wieder wie sechzehn Jahre alt vor und das hat mich verwirrt.
Auch Ms Oleander kommt nicht so böse oder unheimlich rüber, wie sie geschildert wird. Sie telefoniert häufig mit jemandem, der für immer unbekannt bleibt, und wird immer wieder als Insekt bezeichnet. Das reichte mir nicht, um sie als bedrohlich zu empfinden.
Ich konnte auch keine innere Bindung zum Schicksal der Pension oder der Promenade entwickeln. Es wurde zwar immer behauptet, dass die alten Gebäude mehr Charme hätten, aber was die Kinder an Erinnerungen oder Lebensqualität durch die Modernisierung verlieren würden, kam für mich nicht genug rüber.

Mir fehlte lange Zeit die Abenteuergeschichte, die ich eigentlich dem Titel nach erwartet hatte. Die begann dann in der zweiten Hälfte des Buches aber doch noch, und das war dann richtig gut. Die Suche nach dem Schatz hat mir Spaß gemacht, hier waren die Kinder auch in ihrem Element und wirkten nicht so deplatziert. Dieser Teil der Geschichte war spannend und unterhaltsam, nur leider zu kurz.

Das Buch hatte einfach einen anderen Schwerpunkt, als ich mir vorgestellt hatte. Deshalb war es nicht so ganz meins, aber ich kann mir vorstellen, dass die Geschichte anderen besser gefällt als mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.08.2024

Turbulent und humorvoll - Ein perfektes Sommerbuch mit einzigartigen Charakteren

Pi mal Daumen
0

Wir befinden uns an der Uni im Studiengang Mathematik. So weit, so unspannend. Aber dann begegnen wir dem hochbegabten Oscar und der fünfzigjährigen Moni und möchten nie mehr woanders sein als ...

Wir befinden uns an der Uni im Studiengang Mathematik. So weit, so unspannend. Aber dann begegnen wir dem hochbegabten Oscar und der fünfzigjährigen Moni und möchten nie mehr woanders sein als im Hörsaal, um die beiden zu beobachten.

Die beiden Protagonisten sind einfach ne Wucht: Er ist strukturiert, Einzelgänger, intelligent und ehrgeizig. Sie hat zu viel Schminke im Gesicht, ist hilfsbereit, äußerst kontaktfreundig und geplagt von einem chaotischem Familienleben. Dazu kommt der Altersunterschied: Oscar ist sechzehn und Moni über fünfzig, aber sie haben beide den gleichen Traum: Ein Abschluss in Mathematik.

Oscar hält Moni schon wegen ihres äußeren Erscheinungsbildes für dumm und hat Mitleid mit ihr, da sie das Studium niemals schaffen wird. Moni wiederum sorgt sich um den kleinen Jungen mit den autistischen Zügen, ob er denn auch genug Schlaf und zu essen bekommt. Aus der Zweckgemeinschaft entwickelt sich allmählich eine ganz besondere Freundschaft.

Die Story ist flott und witzig erzählt. Immer wieder musste ich über Oscars pragmatische Herangehensweise schmunzeln, während ich Moni am liebsten als Mutti oder Omi adoptiert hätte. Moni ist in ihrer Familie irgendwie für alles zuständig: Haushalt, Kochen, Kinder betreuen. Da bleibt eigentlich keine Zeit fürs Studium, wie Oscar treffend feststellt: "Ihre Familie behindert Sie offensichtlich. Warum verlassen Sie sie nicht einfach?" (Zitat, Seite 48). Die Familie wäre auch aus anderen Gründen nicht glücklich, von Monis Studium zu erfahren, und so hält sie es geheim. Sie braucht erst Oscar, um zu lernen, für sich selbst einzustehen.

Oscar hilft ihr bei den Hausaufgaben und beim Lernen, und stellt schnell fest, dass Moni gar nicht so dumm ist. Vor allem ist sie sehr beliebt bei Kommilitonen und Lehrpersonal. Sie trägt dazu bei, dass auch Oscar in den Genuss sozialer Kontakte kommt, obwohl er das gar nicht für nötig hält. Bis plötzlich sein großes Mathe-Vorbild als Wissenschaftler an die Uni kommt und Moni sich mit ihm bestens versteht.

Oscar wird immer mehr in Monis Leben hineingezogen und die Verwicklungen sind spannend, überraschend und humorvoll geschrieben. Ich konnte dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen, denn auch mich hatte Moni innerhalb von wenigen Seiten um den Finger gewickelt.

Ich fand die beiden Figuren fantastisch - das beste Pärchen seit "Alte Sorten" von Ewald Arenz. Auch hier gab es diese erfrischende Kombination von jung und alt, von weise und ambitioniert und gegenseitigem herausfordern. Für mich war dieses Buch eine Überraschung und eines meiner Jahreshighlights 2024.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.08.2024

Ein berührendes und gleichzeitig informatives Buch

Fenster ohne Aussicht
0

Der Krimiautor Dror Mishani veröffentlicht mit diesen Seiten sein Tagebuch, das er am 7. Oktober 2023 begonnen hat - dem Tag, an dem Israel von Terroristen der Hamas angegriffen wird. Er selbst ist an ...

Der Krimiautor Dror Mishani veröffentlicht mit diesen Seiten sein Tagebuch, das er am 7. Oktober 2023 begonnen hat - dem Tag, an dem Israel von Terroristen der Hamas angegriffen wird. Er selbst ist an diesem Tag nicht im Land und erlebt das Geschehen von außen und in Sorge um seine Familie.

Als er wenig später nach Israel zurückkehrt, findet er sein Land verändert vor. Seine Tochter hat Angst, vor die Tür zu gehen und schaut sich alle Einzelheiten des Angriffs im Fernsehen an. Sein Bruder ist überzeugt, dass der Konflikt in der Region diesmal eskalieren wird. Und sein Sohn sitzt vor seinem Computerspiel, als wenn gar nichts passiert wäre. Was ist also der richtige Umgang mit dem Erlebten? Gibt es den überhaupt oder verarbeitet jeder das auf seine eigene Art?

Mishani versucht, in den folgenden Monaten seine Gefühle zu ordnen: Muss der Krieg in Gaza aufhören? Was wird aus den vielen verschleppten Geiseln? Und warum ist der Hass zwischen Palästinensern und Israel so groß?
Als Jude versucht Mishani Antworten in der Bibel zu finden, als Schriftsteller in der Literatur. Er findet Parallelen im Buch Hesekiel, die er zunächst nicht ertragen kann und sich dann dem Klassiker Ilias zuwendet. Aber erst das biblische Buch Richter wird ihm ein Augenöffner über die Geschichte seines Volkes und schließlich ist er auch bereit, den Versen in Hesekiel ins Auge zu sehen. Ist dieser Krieg das, was Gott will? Oder sind die Menschen vielleicht selbst für ihr Handeln verantwortlich?

Mich haben die Zeilen von Dror Mishani immer wieder überrascht und zum Nachdenken gebracht. Er schreibt sehr behutsam und schildert das Geschehene nicht in all seiner Grausamkeit und trotzdem, ohne etwas zu verbergen. Seine Erlebnisse und Erfahrungen tragen dazu bei, die Situation und Zerrissenheit, in der Israel sich aktuell immer noch befindet, ein Stück weit besser zu verstehen. Und auch der Blick auf die Gegenseite fehlt nicht, die Sicht der Palästinenser, der Machthaber und des Militärs.

Wer sich für das Volk Israel und den Konflikt in Nahost interessiert, bekommt hier einen sehr persönlichen Eindruck von einem westlich geprägten, jüdischen Autor und seinen Erlebnissen in der Zeit nach dem Schwarzen Shabbat. Ich fand das Buch sehr berührend und gleichzeitig informativ.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere