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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.12.2025

Kreativität und Humor gehen hier Hand in Hand

Palace of Ink & Illusions, Band 1 - Der Kuss der Muse
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Eins vorweg: Ich liebe die Sprecherin Corinna Dorenkamp. Ihretwegen habe ich schon öfter zu Hörbüchern gegriffen, bei denen ich mir inhaltlich noch nicht ganz sicher war – und bisher habe ich es kein einziges ...

Eins vorweg: Ich liebe die Sprecherin Corinna Dorenkamp. Ihretwegen habe ich schon öfter zu Hörbüchern gegriffen, bei denen ich mir inhaltlich noch nicht ganz sicher war – und bisher habe ich es kein einziges Mal bereut. So auch hier bei Palace of Ink and Illusions.

Der Einstieg in die Geschichte ist überraschend humorvoll. Die ersten 30 bis 40 Seiten habe ich quasi durchgehend gelacht. Danach schlägt die Story zwar ernstere Töne an, was der Spannung und der Handlung definitiv guttut, aber der Humor verschwindet nicht komplett. Stattdessen taucht er immer wieder punktuell auf und setzt genau die richtigen Schlaglichter, ohne die Atmosphäre zu brechen.

Und diese Atmosphäre lebt vor allem vom Setting. Die Story fühlt sich wirklich erfrischend anders an. Natürlich begegnet man Charaktertypen, die man so oder ähnlich schon kennt – das Rad muss ja auch nicht neu erfunden werden. Aber das Setting ist absolut chef’s kiss. Wir bewegen uns in der modernen Welt, treffen auf griechische Musen, sprechende Bücher und personifizierte Zensuren. Sabine Schoder sprüht hier nur so vor Ideen und scheut sich nicht, ihre Kreativität voll auszuleben. Das zeigt sich auch im Plot, der immer wieder überraschende Wendungen nimmt und clever Haken schlägt.

Ich freue mich jetzt schon riesig auf Band zwei und kann ihn kaum erwarten. Eventuell muss zur Überbrückung jetzt auch noch The Romeo and Juliet Society von der Autorin einziehen. Die Reihe hatte mich schon länger gereizt, aber ich hatte befürchtet, sie könnte mir nicht ernst genug sein. Wenn sie jedoch eine ähnlich gute Balance findet wie Palace of Ink and Illusions, könnte auch das ein echtes Highlight für mich werden.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Zu viel Schatten, zu wenig Substanz

The Deathless One
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„Deathless One“ ist eines dieser Bücher, bei denen man sehr schnell merkt: Entweder es funktioniert für einen – oder gar nicht. Der Einstieg ist hart und direkt: Jessamine wird ermordet, und wir sind sofort ...

„Deathless One“ ist eines dieser Bücher, bei denen man sehr schnell merkt: Entweder es funktioniert für einen – oder gar nicht. Der Einstieg ist hart und direkt: Jessamine wird ermordet, und wir sind sofort mitten im Geschehen. Rückblicke, Kontext oder ein richtiges Gefühl für die Welt davor gibt es kaum. Stattdessen sammelt man Informationen häppchenweise, was für mich eher verwirrend als spannend war und dem Worldbuilding nicht gerade geholfen hat.

Das Buch setzt stark auf feminine Rage und Rachefantasie, aber mir fehlte dafür das emotionale Fundament. Jessamine soll ihr Volk lieben und für ihr Reich kämpfen, wirkt aber erstaunlich ahnungslos, was die tatsächlichen Probleme angeht. Dadurch fühlte sich ihre Motivation weniger wie Fürsorge und mehr wie verletzter Stolz an. Auch ihre Charakterentwicklung ist extrem abrupt: von „lieb und sanft“ zu „rächende Hexe“ in gefühlt wenigen Seiten.

Die Romance war für mich der größte Knackpunkt. Insta-Lust vom Feinsten, inklusive Shadow-Daddy-Gott Elric, der eher wie ein edgy Teenager mit Hormonen als wie ein uralter Gott wirkt. Dass er sie sehr früh schon will, während Jessamine gleichzeitig oft kindlich und trotzig rüberkommt, hat das Ganze für mich eher unangenehm als prickelnd gemacht. Chemie ersetzt hier leider keine echte Entwicklung.

Stilistisch ist das Buch repetitiv und wenig fein gearbeitet – bestimmte Bilder und Begriffe tauchen gefühlt im Dauerschleifenmodus auf. Sobald die beiden Hauptfiguren aufeinandertreffen, tritt der Plot größtenteils auf der Stelle, bevor am Ende alles sehr hastig abgewickelt wird.

Unterm Strich: Gute Grundidee, aber schwache Umsetzung. Wer Dark Romantasy mit Shadow Daddy, Rache-Plot und viel Fokus auf Stimmung statt Tiefe liebt, könnte hier durchaus Spaß haben. Für mich blieb „Deathless One“ jedoch hinter seinem Potenzial zurück – zu unausgereift, zu insta-lastig und emotional nicht überzeugend genug.

Einziger unangefochtener Pluspunkt beim Hörbuch: Die Sprecherin Viola Müller, die auch schon die "Book of Azrael"-Reihe vertont hat. Ihretwegen habe ich mich ursprünglich für diese Medium entschieden und dies auch nicht bereut. Abwechslungsreich und gefühlvoll, ohne dabei gekünstelt zu wirken!

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Absolut mein Fall!

House of Hollow - Ein Horror-Fantasy-Roman
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Nachdem ich Invocations geliebt habe, musste ich natürlich ein weiteres Buch von Sutherland lesen – und House of Hollow hat mich direkt in einen Sog aus düsterer Märchenatmosphäre, unheimlicher Magie und ...

Nachdem ich Invocations geliebt habe, musste ich natürlich ein weiteres Buch von Sutherland lesen – und House of Hollow hat mich direkt in einen Sog aus düsterer Märchenatmosphäre, unheimlicher Magie und bizarr-schöner Bildsprache gezogen.

Die Geschichte rund um die drei Hollow-Schwestern ist gleichzeitig grotesk, zart, grimmig und wunderschön. Sutherland schreibt Horror, der nicht schockt, sondern unter die Haut kriecht: ein Knistern im Nacken, ein Schauder den Rücken hinunter, dieses subtile Unbehagen, das einen trotzdem weiterlesen lässt, weil es einfach zu gut ist. Die Mischung aus Dark Fairy Tale, Mystery und Magical Realism funktioniert hier perfekt – sogar für Leute, die dem Genre sonst misstrauen.

Die Atmosphäre ist das Herzstück des Romans: moosige, modrige, blumige, halb-verrottete Schönheit, die sich wie ein grauer Schleier über alles legt. Gleichzeitig entfaltet sich die Handlung mit kleinen Hinweisen und clever versteckten Brotkrumen, bis die letzten Twists einen mit voller Wucht treffen.

Wenn man den Stil mag – poetisch, düster, ein bisschen surreal –, dann ist House of Hollow ein absoluter Volltreffer. Ein Standalone, das sich anfühlt wie ein modernes Grimm-Märchen mit kaputten Kanten und glänzenden Dornen.

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Medea glänzt – doch ihre Größe bleibt im Off

Medea
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„Medea – Die Hexe von Kolchis“ ist ein eigenständiges Retelling, das Medea kompromisslos in den Mittelpunkt stellt. Sie ist keine Figur, die man mögen soll, doch gerade ihre Härte und Widersprüchlichkeit ...

„Medea – Die Hexe von Kolchis“ ist ein eigenständiges Retelling, das Medea kompromisslos in den Mittelpunkt stellt. Sie ist keine Figur, die man mögen soll, doch gerade ihre Härte und Widersprüchlichkeit wirken schmerzhaft realistisch. Auch Jason ist überzeugend dargestellt: ein narzisstischer Mann, dessen Manipulation und Anspruchshaltung viel zu vertraut wirken.

Trotz Medeas späterer Vergehen bleibt ihre innere Logik nachvollziehbar. Man versteht, warum sie handelt, wie sie handelt, selbst wenn man sich wünscht, sie würde es nicht tun. Was allerdings anstrengend ist: Gerade am Anfang verliert sich Medea in endloser Schwärmerei für Jason. Diese innere Schmachterei zieht sich unnötig und bremst die Geschichte.

Sehr stark gelingt dem Buch die Darstellung einer Welt, die Frauen klein hält. Viele Szenen lösen echte feminine rage aus, weil sie so präzise zeigen, wie patriarchale Strukturen funktionieren. Ein besonderes Highlight ist Hekate, die Medea ihre Macht verleiht. Ihre Auftritte sind atmosphärisch, kraftvoll und rundum gelungen.

Problematisch bleibt jedoch die Gewichtung der Motivation. Medeas gesamtes Handeln kreist fast durchgängig um Jason. Sie opfert, kämpft und klammert sich an diese Liebe viel zu lange. Gerade in einem modernen Retelling wäre es schön gewesen, ihr neben der romantischen Besessenheit weitere Beweggründe zu geben. Die wirklich große, mächtige Medea, die man aus der Mythologie kennt, erscheint erst ganz zum Schluss und bleibt eher im Hintergrund, was wie eine verpasste Chance wirkt.

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Veröffentlicht am 25.11.2025

Bitte einmal in Adult

Bitten
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Verliebt habe ich mich damals in das wunderschöne lila Cover der deutschen Ausgabe. Die Tatsache, dass es um Werwölfe geht, hat mich neugierig gemacht und so informierte ich mich vorab über das Buch; vielleicht ...

Verliebt habe ich mich damals in das wunderschöne lila Cover der deutschen Ausgabe. Die Tatsache, dass es um Werwölfe geht, hat mich neugierig gemacht und so informierte ich mich vorab über das Buch; vielleicht hätte ich das besesr nicht getan.
Denn zumindest im englischen Bereich wird „Bitten“ als YA-Fantasy verkauft. Und das trifft es leider absolut nicht. Der Inhalt wirkt deutlich erwachsener, düsterer und expliziter, als es das Label vermuten lässt. Gore, sexualisierte Anspielungen, Sprache, Themen: Alles schreit nach 18+, während die Protagonistin mit ihren 17 Jahren mitten in Szenen steckt, die sich für ein Jugendbuch einfach falsch anfühlen. Für ein Publikum ab 14 ist das definitiv fehl am Platz.

Die Grundidee hat Potenzial: Vanessa wird nach dem Mord an ihrer besten Freundin von einem Werwolf gebissen und landet in einer brutalen, hierarchischen Wolfsgesellschaft voller Regeln, Intrigen und Machtspielchen. Murder-Mystery, Hofdynamik, dunkles Setting – eigentlich viel Stoff für eine spannende Dark Fantasy. Nur weiß das Buch nicht so recht, was es sein will. YA? Romance? Highschool-Drama? Dark Fantasy? Von allem ein bisschen, aber nichts davon ausgearbeitet.

Der Mittelteil verliert sich in Teenie-Zickereien und Eifersuchtsszenen, während der Mordplot nebenbei verpufft. Die Welt wirkt gleichzeitig überfrachtet und unterentwickelt, Informationen werden einfach hingeworfen. Vanessa selbst wirkt nach der Verwandlung wie ein neuer Mensch – weniger Weiterentwicklung, mehr kompletter Charakter-Umbau.

Unterm Strich: „Bitten“ steckt voller guter Ansätze, scheitert aber an Ton, Zielgruppendefinition und strukturellem Chaos. Wären die Figuren älter, das Genre klarer und der Highschool-Ballast konsequenter gestrichen, hätte daraus eine richtig starke Dark-Fantasy-Geschichte werden können. So bleibt es ein wilder Genre-Mix, der mehr verspricht, als er hält.

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