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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.02.2023

Schwere Kost

Als Großmutter im Regen tanzte
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Juni nimmt eine Auszeit auf einer kleinen norwegischen Insel, auf der sie das Haus ihrer Großmutter Tekla geerbt hat. Sie findet alte Fotos und beginnt, Fragen zu stellen. Die Geschichte der Großmutter ...

Juni nimmt eine Auszeit auf einer kleinen norwegischen Insel, auf der sie das Haus ihrer Großmutter Tekla geerbt hat. Sie findet alte Fotos und beginnt, Fragen zu stellen. Die Geschichte der Großmutter wird geschildert, die sich in einen deutschen Soldaten verliebte und Norwegen nach dem Krieg verließ. Sie reisen nach Demmin, wo seine Familie einen Hof besaß. Parallel weitererzählt wird die Geschichte Junis, die aus einer gewalttätigen Ehe geflohen ist und sich nun auf den Weg nach Deutschland macht, um nach Spuren ihrer Großmutter zu suchen.

Was wie eine besinnliche, fast poetische Erinnerungsreise beginnt, führt zu einer Schilderung der Brutalitäten, die russische Soldaten in dem ostdeutschen Städtchen Demmin begingen. Aus Angst vor den Massenvergewaltungungen oder mit der Erfahrung dessen nahmen sich hier viele hundert Menschen das Leben, meist Frauen, die ihre Kinder mitnahmen. Die Gräueltaten werden aus moderner Sicht erklärt, fast könnte man sagen: gerechtfertigt. Wie die Menschen danach damit gelebt haben, wird eindringlich geschildert, aus der Perspektive von Tekla und aus der der nachforschenden Enkelin. Doch auch die Nachkriegszeit in Deutschland mit ihren Erinnerungen, Schuldzuweisungen und Dingen, die verschwiegen werden, sind Gegenstand der Geschichte Junis.

Das ist schwere Kost. Die Autorin hat gründlich in Deutschland und Norwegen recherchiert. Wer sich dem aussetzen möchte, ist zum Schluss erneut dankbar für den Frieden in unserem Land. Eine gute Geschichte aus schlimmen Zeiten.

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Veröffentlicht am 06.02.2023

Gemächlich und sehr regional

Aufblattelt
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Isabella und Ferdinand sind ein Liebespaar, und sie engagieren sich dafür, dass der Wald nicht abgeholzt wird. Deshalb haben sie sich dort festgekettet. Der Wald gehört allerdings Ferdinands adligem Vater. ...

Isabella und Ferdinand sind ein Liebespaar, und sie engagieren sich dafür, dass der Wald nicht abgeholzt wird. Deshalb haben sie sich dort festgekettet. Der Wald gehört allerdings Ferdinands adligem Vater. Isabella, Mitglied des "Clubs der grünen Daumen", lebt in einer Kommune im Dorf. Doch die Liebe ist groß, es wird geheiratet und ganz langsam nimmt die Mordsgeschichte Fahrt auf.

Dies ist ein ungewöhnlicher Krimi, denn die Morde sind fast ein Nebenschauplatz. Die Ermittler lernen wir erst im zweiten Drittel kennen. Mindestens ebenso wichtig sind die Treffen des Gartenclubs, bei denen über Blumen und Kräuter, deren Eigenheiten und Verwendung referiert wird. Und ebenso wichtig sind Sprache, Gerichte und Eigenheiten des südlichen Burgenlandes.

Das ist unterhaltsam zu lesen. Die Menschen sind lebendig und anschaulich dargestellt. Viele sind ein bisschen schrullig und manche sprechen mit starkem Akzent. Überhaupt ist die Sprache des Romans lokal geprägt, und es gibt immer wieder Wörter, die ins Hochdeutsche keinen Eingang gefunden haben. Es werden zahlreiche Themen angesprochen, die die Menschen bewegen. Das ist interessant, modern und vielfältig.

Dies ist der dritte Gartenkrimi aus dem Burgenland, ein vierter ist in Vorbereitung. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 30.01.2023

Eine Fortsetzung

Die Töchter der Ärztin
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Berlin, zwischen zwei Weltkriegen. Antonia Thomasius und Henriette Vandenberg sind die Töchter der Ärztin Ricarda Thomasius, deren Geschichte und Vorgeschichte schon im Band "die Ärztin" erzählt wurden. ...

Berlin, zwischen zwei Weltkriegen. Antonia Thomasius und Henriette Vandenberg sind die Töchter der Ärztin Ricarda Thomasius, deren Geschichte und Vorgeschichte schon im Band "die Ärztin" erzählt wurden. Es werden zwei Geschichten parallel erzählt:
Antonia reist auf den Spuren der Mutter nach Afrika. In einem Krankenhaus in Daressalam will sie ihr praktisches Jahr absolvieren, um anschließend ihre medizinische Ausbildung mit der Dissertation abzuschließen. Die Stadt war deutsche Kolonie und ist seit dem Ende des Ersten Weltkrieges in britischer Hand. Das Krankenhaus selbst behandelt nur weiße Patienten. Für die Schwarzen baut Antonia ein eigenes Buschkrankenhaus auf.
Inzwischen lebt Henriette als Ärztin mit eigener Praxis in Berlin. Es gibt zahlreiche Rückblicke, in denen die Geschichten der Familie genannt werden. Doch wer jetzt erst einsteigt, war eben nicht dabei und die Skandale und Katastrophen, die schon passiert sind, bleiben eine Aufzählung.
Das Hin und Her zwischen Afrika und Berlin ist etwas lästig. Die Protagonistinnen sind starke, sympathische Frauen mitten im Leben. Ein gemütlicher Schmöker um Frauen zu jener Zeit.

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Veröffentlicht am 24.01.2023

Sehr spannender, gut recherchierter Antarktis-Thriller

Der Riss
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Antonia Rauwolf, Vulkanologin, kommt auf die antarktische Neumayer-Station, um Vulkane zu untersuchen, die in der Westantarktis entdeckt wurden. Aber zunächst macht sie sich auf die Suche nach ihrem im ...

Antonia Rauwolf, Vulkanologin, kommt auf die antarktische Neumayer-Station, um Vulkane zu untersuchen, die in der Westantarktis entdeckt wurden. Aber zunächst macht sie sich auf die Suche nach ihrem im Eis verschollenen Bruder. Doch auch eine Gruppe mordender Diamantensucher ist unterwegs.
Das Ganze ist ein wilder Ritt mit sehr unterschiedlichen Protagonisten: Da sind die Wissenschaftler*innen und die Faszination des eisigen Kontinents, und auf der anderen Seite die Diamantensucher, die nur an Reichtümern interessiert sind und dafür über Leichen gehen. Das ist sehr spannend erzählt, und die Gefahr für die Beteiligten ist groß. Cliffhanger unterbrechen den Lesefluss immer wieder. Das Erzähltempo ist sehr hoch, man kommt buchstäblich kaum zu Atem.
Die Diamentensucher wirken manchmal etwas albern vor dem Hintergrund einer globalen Gefahr, auch wenn diese nicht so richtig erklärt wird. Schön wäre es gewesen, mehr über die Zusammenhänge und die einzigartige Natur zu erfahren. Doch dies ist ein Spannungsroman, und als solcher ist er durchaus gelungen.

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Veröffentlicht am 16.01.2023

Jung , frei und unentschlossen

Ohne mich
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Das Leben ist nicht einfach, wenn man gerade zu Ende studiert hat und darüber hinaus frisch getrennt ist. Zwischen Studium, Party, Drogen, Sex und Praktikum scheint die Erzählerin vollkommen verloren. ...

Das Leben ist nicht einfach, wenn man gerade zu Ende studiert hat und darüber hinaus frisch getrennt ist. Zwischen Studium, Party, Drogen, Sex und Praktikum scheint die Erzählerin vollkommen verloren. Sie schildert ihre wirre Gefühle und Gedanken, und machmal fragt sie sich, wo soll es hingehen und warum.
Die Ich-Erzählerin ist ebenso namenlos wie ihr Ex, der nur als "der Ehemann" bezeichnet wird. Sie beschreibt das Jahr, das nach dieser Trennung ins Land geht. Das ist flüssig geschrieben und lässt sich gut lesen. Eine echte Geschichte ist es nicht, eher die Darstellung eines Schwebezustandes und einer Lebensweise: Die Studierenden leben in Wohngemeinschaften, gehen nachts auf Partys und nehmen sehr viel Alkohol und Drogen zu sich. Manche gehen nach Berlin oder ins Ausland, andere in die Provinz. Oder sie bleiben. Nicht alle schließen das Studium ab.
Ganz am Ende hat die Erzählerin eine Idee davon, worauf es ankommt, und dass in dieser ganzen Zeit doch wichtige Dinge passiert sind. Endlich nennt sie auch ihren Ex wieder beim Namen. Seine Funktion hat er nicht mehr inne.
Ein Buch für Studierende und solche, die es einmal waren.

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