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Veröffentlicht am 15.02.2020

Lebendige Geschichtslektion, die Spaß macht

Raffael - Das Lächeln der Madonna
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Raffael wächst im Hause seines Onkels in Urbino auf, der das außergewöhnliche Talent seines Neffen für die Malerei entdeckt. Sehr jung lässt sich Raffael zum Meister ausbilden, um die Werkstatt seines ...

Raffael wächst im Hause seines Onkels in Urbino auf, der das außergewöhnliche Talent seines Neffen für die Malerei entdeckt. Sehr jung lässt sich Raffael zum Meister ausbilden, um die Werkstatt seines verstorbenen Vaters zu leiten. Kaum in diesem Beruf angekommen, muss er aus politischen Gründen fliehen und gelangt über prägende Aufenthalte in Perugia, Siena und Florenz nach Rom, wo er sich mit seiner Gabe zum Superstar der Malerei entwickelt.

Ich kann es kaum glauben, dass dieses Buch ein Debüt sein soll! Es wirkt in seiner sprachlichen und inhaltlichen Ausarbeitung vollkommen rund, und in jedem Satz spürt man die liebevolle Sorgfalt des Autors. Ich bin begeistert!
Schon das wunderschöne Cover ist ein Schmuckstück für das Bücherregal. Die farbenprächtige Landkarte im inneren Buchdeckel sieht sehr hochwertig aus, genau wie die gewählte Schriftart. Alles passt perfekt zum Thema.
Noah Martin hat mich in den ersten Kapiteln die Atmosphäre der einfachen und schwierigen Zeit Urbinos zum Ende des 14. Jahrhunderts wahrnehmen lassen, in die Raffael Sanzio hineingeboren wurde. Später dann, auf dem Weg die Karriereleiter des jungen Malers hinauf, erhielt ich Einblicke in die Herstellung von Fresken und Farben, die Ohnmacht der einfachen Bürger gegen den Klerus und den Adel, bis hin zu den unfassbaren Ränkeschmieden, politischen Auseinandersetzungen und zutiefst weltlichen Ausschweifungen des Papstes und seiner Getreuen. Die Beschreibungen von Orten, Personen und Handlungen sind sehr bildlich und gelungen, nie langweilig. Mir war, als wäre ich stets mitten im Geschehen dabei.
Es war mir nicht klar, wie nahe sich die Künstler Raffael, Michelangelo und Leonardo da Vinci als Freunde und Gegner in der Kunst wirklich waren, und welchen Stellenwert die Malerei in dieser Zeit hatte. Es muss atemberaubend und aufregend gewesen sein. Natürlich gab es auch Schattenseiten dieser Epoche, auch dies wird hier keinesfalls verschwiegen.
Die Figur des Raffael war mir in seiner Bodenständigkeit sehr sympathisch, allerdings bin ich mir nicht ganz im Klaren darüber, ob er sein Genie nur als Mittel zum Zweck gesehen hat. Hier fehlte mir etwas die Leidenschaft und Freude für die Arbeit, die ich nur in den Momenten fühlen konnte, in denen er seine geliebte Margherita gemalt hat. Vielleicht war es so, wer weiß? Besonders ins Herz geschlossen habe ich Raffaels Freund Daniele, der über die ganzen Jahre seine Rolle als Geistlicher aufrichtig und würdevoll gelebt, und sich dabei immer einen wachen Blick auf das Richtige bewahrt hat.
„Raffael - Das Lächeln der Madonna“ ist nicht nur eine Erzählung über den Werdegang des Malers Raffael Sanzio, sondern auch ein Porträt über das Lebensgefühl zum Beginn der Renaissance mit ihren politischen Machtspielen und der aufstrebenden Entwicklung von Kunst und Bildung. Die gute Recherche des Autors macht den Roman glaubhaft zu einer lebendigen Geschichtslektion.

Mir hat das Buch viel Freude gemacht und mich sogar dazu verführt, über eine Reise nach Rom nachzudenken. Ich würde mir weitere historische Romane dieser Art wünschen, die mich der Kunst näher bringen!

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Veröffentlicht am 10.02.2020

Ein Autor, den man sich merken sollte!

Feuerland
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Es beginnt ganz harmlos. Ein Überfall auf ein Uhrengeschäft ist für die Stockholmer Kommissarin Vanessa Frank der Opener zu einer komplexen Verbrecherjagd, die bis in das Netzwerk einer Organmafia führt. ...

Es beginnt ganz harmlos. Ein Überfall auf ein Uhrengeschäft ist für die Stockholmer Kommissarin Vanessa Frank der Opener zu einer komplexen Verbrecherjagd, die bis in das Netzwerk einer Organmafia führt. Vertrauen kann sie niemandem, denn das organisierte Verbrechen hat alle möglichen Behörden infiltriert. Als jedoch ein Mädchen aus ihrem Bekanntenkreis verschwindet, ist umgehendes Handeln angesagt.

Dieses Buch hat bei mir großen Eindruck hinterlassen. Noch immer bin ich über die Gräueltaten erschüttert, die der Autor seine beide Protagonisten aufdecken lässt. Ich saß mit Tränen in den Augen im meinem Lesesessel und konnte die unfassbaren Szenen, die sich im Zuge des Finales ereigneten, deutlich vor mir sehen und mitfühlen. Dabei kann ich mich nicht erinnern, dass es mir bisher bei einem Thriller so ergangen wäre.
Pascal Engman hat mir mehr das Gefühl gegeben bei einer Dokumentation dabei zu sein, als eine fiktive Geschichte zu lesen. Der ehemalige Journalist nimmt sich dem Thema in einer Ernsthaftigkeit an, die ich in allen Charakteren, Handlungen oder Schauplätzen erkennen konnte. Glaubhaft zeigte er mir psychopathische Figuren, deren zutiefst menschenverachtende Taten so ganz nebenbei auf der Tagesordnung stehen, ebenso als würde ich meinen regelmäßigen Einkauf erledigen. Als wäre es ganz natürlich und notwendig. Und genau das ist für mich das Besondere: Oberflächlich gesehen ein ruhiges Buch, schnörkellos, kontrolliert und durchdacht, darunter aber brodelt eine Vielfalt von Abscheulichkeiten, die mich mit Entsetzen erfüllt haben und die doch immer spürbar präsent waren.
Die Protagonisten Vanessa und Nicolas sind dem Autor sehr gut gelungen. Trotz der Ausbildung in einer Spezialeinheit und furchtloser Rettungsmissionen bleibt Nicolas bodenständig. Entschlossen tut er was nötig ist und wozu er sich berufen fühlt, ohne ein Heldenmythos zu bedienen. Vanessa ist eine nüchterne und zielgerichtete Person, wobei diese Eigenschaften ihre Unerschrockenheit klarer hervorheben. Beide haben Ecken und Kanten, sind jedoch frei von Klischees, klar in ihren Überzeugungen und durchweg sympathisch.

Man merkt der Geschichte an, dass das Grundgerüst um die Fiktion sehr gut recherchiert wurde. Das Vorwort weißt bereits darauf hin, und fordert geradezu auf, sich über die Vorfälle in den deutschen Kolonien in Südchile näher zu informieren. Ein wahnsinnig guter Thriller, den ich wirklich empfehlen kann!

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Veröffentlicht am 06.02.2020

Strategisch, politisch und ein durchweg mysteriöser Silyen

Dark Palace – Die letzte Tür tötet
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Luke wird zum Anwesen von Lord Crovan gebracht, wo er seine Strafe ableisten soll. An Flucht ist nicht zu denken, der grausame Lord hat das Anwesen mit Geschick gesichert. Aus diesem Grund versuchen ihn ...

Luke wird zum Anwesen von Lord Crovan gebracht, wo er seine Strafe ableisten soll. An Flucht ist nicht zu denken, der grausame Lord hat das Anwesen mit Geschick gesichert. Aus diesem Grund versuchen ihn die Widerstandskämpfer, mit ihren beiden Ebenbürtigen Meilyr und Boudina, aus seiner misslichen Lage zu befreien. Lukes Schwester Abigail schließt sich der Gruppe an, obwohl ihr Herz noch an Jenner Jardine hängt. Und Silyen? Der verfolgt augenscheinlich ganz andere Ziele...

Dieser zweite Band der Dark-Palace-Reihe konnte mich nicht ganz so überzeugen wie der erste. Während ich „Zehn Jahre musst du opfern“ regelrecht verschlungen habe, empfand ich „Die letzte Tür tötet“ stellenweise langatmig, so dass ich ab und an pausieren musste. Die Geschichte gestaltet sich nun politischer und strategischer, die Lage wird für die Widerstandskämpfer immer gefährlicher, das Tempo und die Brisanz ziehen an.

Interessanterweise gibt es unerwartete Todesfälle, hier dürfen auch Helden sterben! Dieser Verlauf der Handlung hat mich zwar irgendwie erschreckt, aber gleichzeitig wurden die Figuren gefordert Lösungen und Möglichkeiten zu finden, um ihre Ziele weiter verfolgen zu können. Sie wirkten dadurch lebendig und präsent.

Mein Lieblingscharakter dieses Bandes ist Silyen! Ihn empfinde ich als höchst spannend und verkannt. Trotz seiner scheinbaren Grausamkeit mag ich ihn. Er ist ungreifbar, mysteriös, steht irgendwie mit einem Bein im Universum. Er ist wie ein Kind, das seine eigene Welt entdecken will, und ich glaube seine Taten offenbaren irgendwann ein großes Ganzes. In manchen Momenten entdecke ich durchaus Menschlichkeit in ihm. Sein wahres Sein wird dem Leser wahrscheinlich im Abschlussband offenbart. Und den möchte ich unbedingt lesen! Denn ich bin gespannt, ob es dem Widerstand gelingen wird, die gnadenlose Herrschaft der Jardines zu stürzen.

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Veröffentlicht am 01.02.2020

Da hat Tyler sie mal wieder `rumgekriegt...

DARK LOVE - Dich darf ich nicht begehren
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Bereits in den ersten beiden Bänden der Reihe habe ich nicht wirklich verstanden, warum die Beziehung zwischen Eden und Tyler solch ein Problem sein soll. Die beiden sind ja nicht blutsverwandt. Dieses ...

Bereits in den ersten beiden Bänden der Reihe habe ich nicht wirklich verstanden, warum die Beziehung zwischen Eden und Tyler solch ein Problem sein soll. Die beiden sind ja nicht blutsverwandt. Dieses „Problem“ wird auch hier ganz schön aufgebauscht.

Beim Lesen dieses dritten Bandes hatte ich ständig das Gefühl ich müsste die Protagonistin einmal richtig durchschütteln, damit sie aufwacht. Tyler hat zum Ende des letzten Teils mal wieder seine Ego-Nummer abgezogen und sich ein Jahr nicht gemeldet. Nun taucht er ohne Vorankündigung wieder auf, schnippt mit dem Finger und Eden läuft ihm schon wieder hinterher. Ich verstehe es nicht und es hat mich auch wütend gemacht. Ein charmantes, manchmal auch dramatisches hin und her in Liebesromanen finde ich ja ok und es gehört auch irgendwie dazu, allerdings hört es bei mir auf, wenn der/die Autor/-in die Botschaft vermittelt, dass man für die Liebe alles stehen und liegen lassen, sich sozusagen aufgeben soll. Eden zeigt sich für mich als schwache Persönlichkeit, die ihren eigenen erlittenen Verletzungen nur wenig Beachtung schenkt. Zu Anfang des Buches hat sie es noch geschafft die Grenzen gegenüber Tyler abzustecken, bis er sie durch Methode wieder `rumkriegt. Ich verstehe es nicht.

Ich hatte den Eindruck, dass in diesem Band nicht wirklich viel passiert, und das wenige ist mir viel zu künstlich dramatisiert. Gegen den Schreibstil von Estelle Maskame ist nichts einzuwenden, er lässt sich angenehm lesen, auf den Folgeband werde ich allerdings gerne verzichten.

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Veröffentlicht am 29.01.2020

Leider viel zu nüchtern für eine Liebesgeschichte

Unsere Liebe für immer
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Kate reist zu Studienzwecken nach Irland und lernt dort Ozzie kennen. In dieser schönen rauhen Natur verlieben sich die beiden Hals über Kopf und heiraten. Nun sehen sie sich in der Situation, sich noch ...

Kate reist zu Studienzwecken nach Irland und lernt dort Ozzie kennen. In dieser schönen rauhen Natur verlieben sich die beiden Hals über Kopf und heiraten. Nun sehen sie sich in der Situation, sich noch gar nicht richtig zu kennen. Und so manches Ereignis lässt Kate an ihrer Herzensentscheidung zweifeln.

Das Buch lockte mich mit seinem wunderschönen Cover, dem romantischen Klappentext und der einladenden Leseprobe. Ich las den Prolog, der eine alte irische Sage wiedergibt und war wie gebannt und voller Freude auf die Geschichte. Ich erwartete eine innige und leidenschaftliche Liebesgeschichte voller tiefgreifender Momente, wie das Bild auf dem Cover verspricht. Aber leider haben sich meine Erwartungen nicht erfüllt.
Die ersten Kapitel ertasteten sich mühselig den Weg in die Geschichte, und leider wurde es mit der Zeit auch nicht besser. Obwohl der Autor seine Gabe ausgezeichnet einsetzt, um die einzigartige Natur Irlands zu beschreiben, konnte er mir keine Emotionen entlocken. „Eine Liebe so stürmisch wie der Ozean“ (Klappentext) hat sich für mich nicht gezeigt. Und darum geht es doch im Buch, um die Liebe. Mir fehlten die Funken, die sich in der Phase des Verliebens zeigen sollten, stattdessen bekam ich einfach nur nüchterne Fakten auf den Tisch. Mir war die ganze Geschichte viel zu sachlich, meine Gedanken sind während des Lesens mehrmals abgeschweift. Gelegentlich hätte ich am liebsten den Text abgeschält, um nachzusehen, was darunter ist, wie bei einer Zwiebel.
Die Protagonisten Kate und Ozzie waren mir zu schwammig dargestellt, die wenigen erkennbaren Interaktionen zwischen den beiden zu knapp beschrieben. Es fehlte die Stimmung zwischen den Zeilen, die Ahnung was die beiden bewegt. Leider sah ich nur die Oberfläche, was meines Erachtens die komplette Geschichte der Beziehung und vor allem damit die Nachvollziehbarkeit von Kates Entscheidungen zerstört hat.

Kurzum, der Klappentext hat mich in die Irre geführt. Ich habe eine emotionsgeladene Liebesgeschichte erwartet, die ich am Ende nicht bekommen habe. Die Beschreibungen der Natur sind allerdings wirklich sehr gelungen. Wer so etwas mag, könnte sich vielleicht für dieses Buch erwärmen.

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