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Veröffentlicht am 25.07.2024

Selbstmitleid statt Nostalgie

Geile Zeit
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Im Interview, das zu Beginn des Buches zu finden ist, legt der Autor Niclas Seydack seine Beweggründe dafür dar, dieses Buch geschrieben zu haben. Einerseits möchte er der Generation seiner Eltern erklären, ...

Im Interview, das zu Beginn des Buches zu finden ist, legt der Autor Niclas Seydack seine Beweggründe dafür dar, dieses Buch geschrieben zu haben. Einerseits möchte er der Generation seiner Eltern erklären, warum ihre Kinder so „deprimiert und hoffnungslos“ sind. Auf der anderen Seite richtet sich das Buch an die Millennials selbst, um besser zu verstehen, warum sie so geworden sind wie sie sind.



Kamen anfangs noch einigermaßen nostalgische Gefühle auf, wendete sich das Blatt bald und der Text wurde zu einer gewöhnungsbedürftigen Schilderung der Pubertät aus männlicher Sicht.

Etwas besser gefiel mir dann die Unizeit, als der Autor merkt, dass er doch in der Lage ist, gute Leistungen zu erbringen, allein aufgrund der Tatsache, dass man endlich etwas lernt, das einem Spaß macht. Das konnte ich sehr gut nachempfinden.

Der Rest aber ist eigentlich nur ein Gejammer über die Widrigkeiten und Bedrohungen, mit der die beschriebene Generation zu kämpfen hat.



Insgesamt ist mir das Buch einfach viel zu negativ geraten. Unter einer „geilen Zeit“ hatte ich mir etwas anderes vorgestellt, als noch einmal alle katatrophenähnlichen Nachrichten vom Amoklauf im Münchner Einkaufszentrum bis zum Copiloten, der aus Selbstmordabsicht ein Flugzeug aus Barcelona kommend an einer Felswand zerschellen ließ, aufgelistet zu bekommen.

Ich muss sagen, dass mich ein Buch selten so aufgeregt hat. Wenn die ganze Generation der Millennials so denkt und empfindet wie der Autor, dann haben die hier zitierten „Alten“ meiner Meinung nach recht, wenn sie sagen, die Jugend sei verweichlicht und halte nichts mehr aus. Wir alle sind mit diesen Themen, die hier angesprochen werden konfrontiert worden, ob als Kind, in der Jugend oder im Erwachsenenalter . Und natürlich hat auch einiges davon Auswirkungen auf unser Denken und Handeln. Doch anstatt sich dem positiv dagegenzustellen, versumpft man hier kollektiv in Hilflosigkeit und Erklärungsversuchen, warum man so deprimiert durchs Leben läuft.

Bis zum Schluss hatte ich noch auf etwas Konstruktives, ein Resümee, eine Botschaft o.ä. gewartet. Doch leider bleibt der Autor bei seinem „ wir haben es wirklich nicht leicht gehabt“ Ton und ich frage mich, was uns dieses Buch eigentlich sagen will.



„Geile Zeit“ ist das allererste Buch, das ich leider nur mit einem Stern bewerten kann, da es außer ein paar nostalgischen Momenten, meiner Meinung nach hoffentlich, kein realistisches Bild der Millennials zeichnet. Was für ein Buch sollen dann diejenigen schreiben, die 2024 in der Pubertät stecken? Corona hat sie voll erwischt, Deutschland steht schwächer da denn je, Krieg in Nahost und sogar in Europa! Man könnte die Liste noch ewig weiterführen.

Wir brauchen Strategien, um sich diesen Herausforderungen stellen zu können, keine Erklärungen oder Rechtfertigungen des Verhaltens für Generationen vor uns.

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Veröffentlicht am 21.07.2024

Rasanter und vielschichtiger Thriller

Gefährliches Komplott
7

Mickey Gibson ist alleinerziehende Mutter und arbeitet seit einiger Zeit hauptsächlich im Homeoffice für eine Firma, die sich auf die Suche nach reichen Steuerbetrügern spezialisiert hat. Als ehemalige ...

Mickey Gibson ist alleinerziehende Mutter und arbeitet seit einiger Zeit hauptsächlich im Homeoffice für eine Firma, die sich auf die Suche nach reichen Steuerbetrügern spezialisiert hat. Als ehemalige Polizistin ist sie dafür gut geeignet, vermisst aber hin und wieder die echte Ermittlerarbeit, die sie dann allerdings eher wieder aufnehmen muss als gedacht. Der Anruf einer angeblichen Kollegin stellt Mickeys Leben komplett auf den Kopf. Sie wird gebeten, das Inventar eines großen Anwesens zu begutachten, doch kaum hat sie das Haus betreten, findet sie eine Leiche. Dass Mickey selbst zunächst des Mordes verdächtigt wird, ist bald ihr kleinstes Problem. Es stellt sich heraus, dass Clarisse, die Anruferin, ein gefährliches Spiel mit ihr treibt und Mickey in einen Sog aus Betrug, Gewalt und Lügen hineinzieht.

David Baldaccis neuestes Werk ist mit knapp 500 Seiten wieder einmal kein wirklich kurzer Thriller und er hat mich auf jeder Seite bis zum letzten Drittel komplett begeistert.
Die Story ist nicht einfach nur spannend, sondern bleibt lange äußerst verworren und rätselhaft. Lange Lesepausen sollte man hier nicht einlegen, sonst läuft man Gefahr, den Überblick über die Geschehnisse und Charaktere zu verlieren.
Immer wieder tauchen neue Fragen auf, Details kommen nur Stück für Stück ans Licht.
Besonders Clarisse ist eine sehr interessante Figur, die lange undurchschaubar bleibt.
Sie ist gnadenlos und extrem strukturiert. Mickey auf der anderen Seite ist hin und hergerissen zwischen der Aufgabe, ihre Kinder zu beschützen und das Spiel mitzuspielen, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen.
Die Beziehung zwischen den beiden mitzuverfolgen war genauso spannend wie interessant.
Leider entsprach das Ende dann so gar nicht meinem Geschmack und passt meiner Meinung nach auch nicht zum Rest des Thrillers mit seiner komplexen Handlung.

Gerade weil mich das Buch bis dahin so begeistert hatte, war ich zum Schluss so enttäuscht, dass ich einfach nur vier von fünf Sternen vergeben kann.

Fazit
Nicht nur für eingefleischte Baldacci-Fans geeignet, sondern auch für thrillerliebende Erstleser des Autors, um auf den Geschmack seines Talents, Spannung zu kreieren zu kommen.

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Veröffentlicht am 01.07.2024

Eine kluge Geschichte über Freundschaft, Liebe und den richtigen Zeitpunkt im Leben

Man sieht sich
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Im Jahr 1988 lernen sich Robert und Friedericke kennen. Er ist gerade erst mit seiner Mutter in die Stadt gezogen und neu an der Schule und schon bald entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den ...

Im Jahr 1988 lernen sich Robert und Friedericke kennen. Er ist gerade erst mit seiner Mutter in die Stadt gezogen und neu an der Schule und schon bald entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden. Doch irgendwann merkt Robert, dass er mehr für Frie empfindet, traut sich allerdings nicht, es zu zeigen.
Zwar verlieren sie sich immer wieder aus den Augen, doch ihre Lebenswege kreuzen sich von Zeit zu Zeit. Beide sind wie stille Begleiter füreinander, können scheinbar nicht ganz ohne wenigstens den Gedanken an den anderen; doch für ein gemeinsames Leben reicht es einfach nicht. Bei jedem Treffen liegt ein Knistern in der Luft und scheinbar mühelos knüpfen sie an ihre alte Freundschaft an.

Dieses Hörbuch hat mich jetzt eine Weile begleitet, mit knapp 15 Stunden Spielzeit gehört es schon zu den längeren Exemplaren. Die Sprecherin Katrin Daliot hat mir sehr gut gefallen, sie hat genau den richtigen Ton für diese Geschichte getroffen.

Wir begleiten Robert und Frie von der Schulzeit bis zu dem Zeitpunkt, wo beide 50 Jahre alt sind. Abwechselnd erzählt die Autorin von Frie, die es kaum erwarten kann, ihr Elternhaus zu verlassen und von Robert, der mithilfe seiner Musik, kleinere und größere Schwierigkeiten verarbeitet.
Beide Lebenswege habe ich sehr gern verfolgt. Frie, die einen ausgeprägten Drang nach Selbstbestimmung und Freiheit hat, ist mir genauso sehr ans Herz gewachsen wie Robert mit seiner verlässlichen und sensiblen Art. Auch die Nebenfiguren haben zu der guten Unterhaltung beigetragen, allen voran Generalmajor Selk, der in Roberts Leben eine wichtige Rolle spielt.

Die vielen Stationen eines Lebens werden ebenso klar wie feinfühlig erzählt, sodass sich wahrscheinlich jeder in der ein oder anderen Szene wiederfinden wird.
Manches ging mir zwar ein wenig zu sehr ins Detail, wodurch sich die Handlung ab und zu etwas in die Länge zog, doch das hat mich gar nicht wirklich gestört. Dafür mochte ich die Geschichte einfach zu sehr.
Beeindruckend fand ich, dass der Roman völlig ohne Kitsch auskommt, obwohl es eigentlich ständig um Gefühle geht.

„Man sieht sich“ ist eine wunderschöne, kluge Geschichte über die manchmal „maßlose Anstrengung des Jungseins“, das Erwachsenwerden und die Frage, ob es für alles im Leben den richtigen Zeitpunkt braucht.

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Veröffentlicht am 29.06.2024

Eine wunderschöne Familiengeschichte

Das erste Licht des Sommers
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„Das erste Licht des Sommers“ von Daniela Raimondi ist eigentlich der Fortsetzungsroman von „An den Ufern von Stellata“, den man aber zum Verständnis nicht vorher gelesen haben muss, den Lesegenuss trübt ...

„Das erste Licht des Sommers“ von Daniela Raimondi ist eigentlich der Fortsetzungsroman von „An den Ufern von Stellata“, den man aber zum Verständnis nicht vorher gelesen haben muss, den Lesegenuss trübt es in keinster Weise.

Norma wächst in einem kleinen italienischen Dorf auf, ihre Kindheit ist geprägt von der Suche nach Zuneigung, die ihre Mutter ihr einfach nicht zeigen kann. Zum Glück gibt es jedoch ihre Cousine Donata, die für Norma zur besten Freundin wird und ihr Halt gibt. Auch der Nachbarsjunge Elia, mit dem Norma ganze Tage draußen beim Spielen verbringt, lässt sie die Lieblosigkeit, die zu Hause herrscht besser ertragen.
Nichtsdestotrotz zieht es Norma in ihren Zwanzigern sofort weg aus der Enge des italienischen Dorfes und hinein ins sprudelnde Leben Londons, wo sie regelrecht aufblüht, bis sie eines Tages die Nachricht vom Tode Donatas erreicht. Trost und Liebe findet sie bei Elias, den sie in London wieder trifft, doch das Glück der beiden währt nicht lange.

„Das erste Licht des Sommers“ ist eins dieser Bücher, von denen man hofft, dass sie einfach nie zu Ende gehen. Daniela Raimondi spannt einen großen erzählerischen Bogen, der mit Normas Geburt 1947 beginnt und knapp siebzig Jahre später endet.
Sowohl die faszinierende Schönheit Brasiliens, die lebendige Großstadtatmosphäre Londons, als auch der dörfliche Charme des italienischen Örtchens Stellata haben mich verzaubert und tief eintauchen lassen in Normas Lebensgeschichte. Mit wunderschönen Worten schreibt Raimondi über Höhen und Tiefen des Lebens, schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen, und stellt immer wieder die Frage in den Raum, ob und was man verzeihen kann.
Die Charaktere sind allesamt so klar gezeichnet, dass man von Anfang an das Gefühl hat, mitten unter ihnen zu sein und sich mit dem ein oder anderen tief verbunden fühlt.

Fazit
Eine emotionale, intensive Familiengeschichte mit vielen Facetten, die ich uneingeschränkt empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 29.06.2024

Klassischer Kriminalroman hervorragend gelesen von Uve Teschner

Mord stand nicht im Drehbuch
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Mord stand nicht im Drehbuch“ ist bereits der vierte Band der Reihe „Hawthorne ermittelt“ von Anthony Horowitz.

Nach der Premierenfeier eines Theaterstücks wird die Kritikerin der Sunday Times ermordet ...

Mord stand nicht im Drehbuch“ ist bereits der vierte Band der Reihe „Hawthorne ermittelt“ von Anthony Horowitz.

Nach der Premierenfeier eines Theaterstücks wird die Kritikerin der Sunday Times ermordet aufgefunden. Zuvor hatte sie eine vernichtende Kritik zum besagten Stück veröffentlicht. Was liegt da näher als den Mann zu verdächtigen, der dieses Werk geschrieben hat ? Anthony Hawthorne sieht sich plötzlich als Mordverdächtiger Nummer eins, zumal auch noch sein Messer mit seinen Fingerabdrücken bei der Toten gefunden wurde. Niemand anders kann ihm helfen als Daniel Hawthorne, doch aufgrund von vorausgegangenen Streitigkeiten der beiden, will er sich nicht auf diesen Fall einlassen.

Ich bin mit diesem Buch in die Reihe eingestiegen und hatte keine Probleme, mich zurechtzufinden, ganz im Gegenteil war ich von Beginn an begeistert, was nicht zuletzt an dem hervorragenden Sprecher Uve Teschner lag.
Der Fall ist deutlich verzwickter, als es zunächst den Anschein hat. Ganz klassischer Kriminalroman gibt es einige Verdächtige, viele Gespräche und Ermittlungen in alle Richtungen, die mich bis zum Schluss ziemlich beschäftigt haben. Hawthorne ist einfach brillant. Mit feinem Gespür befragt er alle Beteiligten, lässt nicht locker und entwirrt die Verstrickungen auf beeindruckende Weise.

Hawthorne und Horowitz sind ein besonderes Protagonistenpaar, ihre Dialoge höchst amüsant, was dem Roman genau die richtige Prise Humor verleiht.

Dieses Hörbuch hat mich wirklich bestens unterhalten; sehr empfehlenswert für Freunde des klassischen Krimis und des feinen Humors.

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