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Veröffentlicht am 19.07.2024

Täter, Gehilfe, Opfer

Das Gefühl von Leichenkälte
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Der neue Fall führt Libby und Julie nach Sacramento. Die dortigen Ermittler haben in einem bizarren Fall , um Unterstützung gebeten . Ein Unbekannter hat ihnen Leichteile zugeschickt, die definitiv zu ...

Der neue Fall führt Libby und Julie nach Sacramento. Die dortigen Ermittler haben in einem bizarren Fall , um Unterstützung gebeten . Ein Unbekannter hat ihnen Leichteile zugeschickt, die definitiv zu zwei verschiedenen Personen gehören. Möglicherweise handelt es sich um einen Serienmörder. Nur gibt es keinerlei Hinweise auf die Identität der Opfer. Libby und Julie bemühen sich, die Opfer ausfindig zu machen, um einen Ansatzpunkt für die weitere Ermittlung zu erhalten. Die Vermutung liegt nahe, dass die Opfer aus der sozial unteren Schicht der Drogenabhängigen, Prostituierten und Obdachlosen stammen, die nicht so schnell vermisst werden. Die Erkenntnisse aus den Nachforschungen fand ich erschütternd. Slums und die dort herrschenden Zustände verbinde ich mit Dritte-Welt-Länder, aber nicht mit Amerika. Ich werde eines besseren belehrt. Nach und nach können mögliche Opfer ausgemacht werden und Libby und Julie sind in der Lage, ein Profil zu erstellen. Das lässt das schlimmste vermuten und führt zu der Erkenntnis, dass es ein psychopatischer Täter sein muss, der nicht freiwillig aufhören wird. Rätsel gibt weiterhin der Absender der Leichenteile auf. Es scheint sich um einen Unterstützer des Täters zu handeln. Hat er Skrupel bekommen ?

Mit akribischer Recherche , fundierten psychologischen Kenntnissen und das kleine Quäntchen Glück kann der Fall gelöst werden. Dieses Mal hat mich das Ausmaß des Schreckens fast überfordert. Es war nicht nur die sadistische Behandlung der Opfer, sondern auch das Umfeld des Täters. Seine Gefühlskälte und Selbstüberschätzung waren unbeschreiblich. Als er verhört wird, sonnt er sich geradezu in der Aufmerksamkeit der Ermittler. Und es gibt ein Opfer, das mich nicht kalt ließ, weil es selbst Schuld auf sich geladen und das mich im Nachklang weiter beschäftigt hat.

Ein sehr emotionaler und dabei fesselnder Thriller der Autorin, den ich mit klopfendem Herzen gelesen habe.

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Veröffentlicht am 15.07.2024

Einige werden das Buch lieben, andere hassen

Ich liebe Schlager
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Thomas - Thommi - Andras war es von Anfang an vorbestimmt, ein Schlagerfan zu werden, wurde er doch bereits im vorgeburtlichen Stadium mit der Schlagerwelt vertraut gemacht. So erfüllt das Thema Schlager, ...

Thomas - Thommi - Andras war es von Anfang an vorbestimmt, ein Schlagerfan zu werden, wurde er doch bereits im vorgeburtlichen Stadium mit der Schlagerwelt vertraut gemacht. So erfüllt das Thema Schlager, neben seinem Beruf als Statistiker, sein gesamtes Leben. Daher ist seine Mitgliedschaft im Verein "Schlager ist geil" e.V. keine Überraschung. Als das Vereinsjubiläum ansteht, plant Thommi eine besondere Überraschung - einen Exclusiv -Bericht mit und über Roli, den Kaiser in der Vereinszeitung. Dass sein Plan, Roli bei seinem Konzert in Dresden zu treffen, völlig aus dem Ruder läuft, war beileibe nicht Thommis Schuld sondern die Verkettung unglücklicher und nicht vorhersehbarer Umstände. Die daraus entstandenen Folgen führen zu Thommis Schlager-Burnout und den Beuch in der psychosomatischen Klinik Johann Strauss und des weiteren zu einem neuen Blickwinkel auf die Schlagerwelt.

Wenn man für die Schlagerwelt brennt und möglicherweise voller Freude und Begeisterung zu dein Konzerte seines Stars, gerne auch mehrfach, reist, sollte man das Buch besser nicht lesen. Entgegen des Buchtitels neigt der Autor eher zu einer distanzierten und zynischen Betrachtungsweise des Themas. Mir persönlich hat die Geschichte gut gefallen, auch wenn ich manchen Schlager mitsingen kann und Erinnerungen damit verbinde.

Thommi ist für mich der Typ Looser. Sein Lebensinhalt ist der Schlager, er trinkt gerne Alkohol und manchmal auch zu viel, ist bindungsunfähig und lässt nichts anbrennen. Dabei glänzt er mit profunden Wissen aus dem Schlageruniversum, das mich wirklich beeindruckt hat. Für mich war das Unternehmen "Interview mit Roli, dem Kaiser " ein absolutes Highlight. Witzig, voller absurder Wendungen und dabei ein entlarvender Blick auf das Schlagerbusness. In Thommis Klinikaufenthalt waren interessante Informationen über die Arbeitsweise von Liedtextern eingebaut. Auch das war witzig und unterhaltsam. Das Ende der Geschichte war für mich überraschend, aber treffend und passte perfekt zur Geschichte.

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Veröffentlicht am 15.07.2024

Auf der Jagd nach dem Kandinsky

Die Farbe der Sterne
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Vorneweg, wer einen klassischen Krimi erwartet mit Verbrechen, Ermittlungen und dem Sieg der Gerechtigkeit , sollte überlegen , ob er das Buch lesen will. Es ist eher die Geschichte eines verhinderten ...

Vorneweg, wer einen klassischen Krimi erwartet mit Verbrechen, Ermittlungen und dem Sieg der Gerechtigkeit , sollte überlegen , ob er das Buch lesen will. Es ist eher die Geschichte eines verhinderten Verbrechens mit vielen unerwarteten Wendungen, einer wilden Verfolgungsjagd und dem Marder Giacomo in einer tragenden Rolle.

Leo Sailer erbt das heruntergekommene Familienhotel am Kochelsee von seinem Vater Johannes, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hat.. Der Vater wollte das Hotel verkaufen, um dem Sohn diese Bürde zu nehmen und er hatte Julia angestellt, die dafür die Finanzen ordnen sollte. Dann gibt es noch Margarete, Leos Tante, die mangels Alternativen sich mit Gin vergnügt. Hinzu kommt das Faktotum Marco und sein Haustier Giacomo, besagter Marder.

Auf der anderen Seite befindet sich der zwielichtige Farkas, der das Hotel unbedingt haben will, wenn es sein muss auch mit unlauteren Mitteln. Das Pärchen Zäk und Toto, Kunstdiebe, die hier ihre große Chance wittern.

Über dem Empfangstresen hängt seit ewigen Zeiten das Bild "Sternennacht über dem Kochelsee", die Kopie eines verschollenen Gemäldes von Kandinsky. Per Zufall findet Leo in einem Geheimversteck den echten Kandinsky, das der Künstler seinem Urgroßvater geschenkt hatte. Um das Original , das im Ausland verkaufen werden soll, was aber wegen gesetzlicher Bestimmungen nicht geht, soll nun die Kopie ins Spiel kommen. Leider für die Beteiligten, aber zu meiner großen Freude werden die Bilder vertauscht. Jetzt versucht jeder in den Besitz des Originals zu kommen. denn meist hat er nur die Kopie in Händen, das nun wieder loszuwerden und gegen das echte Bild zu tauschen gilt. Die Geschichte gipfelt in einer wilden Verfolgungsjagd und endet in meinen Augen absolut passend und wie das ganze Buch mit Augenzwinkern und Humor.

Der Roman war für mich sehr unterhaltsam und witzig. Manchmal wurde auch die Grenze des guten Geschmacks überschritten. Das sollte man aushalten können. So bekomme ich Einblicke in das Seelenleben des Marders, der der Handlung immer wider eine neue , turbulente Richtung gibt. Oder ich werde Zeuge wie Margarte mit allen Mitteln versucht, den unwilligen Farkas in ihr Bett zu bekommen. Mich hat es amüsiert, wie aus Kleinigkeiten sich unaufhaltsam neue Katastrophen entwickelt haben. Ein wenig hat mich das Buch an alte Louis de Funes Filme erinnert. Mir hat das Buch viel Spaß gemacht und ich war sehr gespannt, was als nächstes passieren wird.

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Veröffentlicht am 13.07.2024

Wenn aus Feinden Freunde werden

Don't kiss Tommy. Eine Liebe in der Stunde Null
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Stunde Null in Bad Oeynhausen. Der Krieg ist zu Ende und ich begleite drei junge Frauen in die neue Zeit. Annes Eltern haben vor dem Krieg ein angesehenes, traditionsreiches Hotel geführt. Der Hotelbetrieb ...

Stunde Null in Bad Oeynhausen. Der Krieg ist zu Ende und ich begleite drei junge Frauen in die neue Zeit. Annes Eltern haben vor dem Krieg ein angesehenes, traditionsreiches Hotel geführt. Der Hotelbetrieb kam in den Kriegsjahren zum Erliegen. Nun ist Anne davon überzeugt, dass sie das Hotel in kurzer Zeit wieder eröffnen und zu neuem Glanz führen kann. Ihre Schwester Iris ist mit einem überzeugten Nationalsozialisten verheiratet. Rosalie stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Sie erhofft sich eine sorglose Zukunft an der Seite eines englischen Soldaten. Doch was kümmern die Sieger die Träume der Besiegten. Die Innenstadt von Bad Oeynhausen wird kurzerhand zum britischen Hauptquartier erklärt und die Einwohner müssen ihre Häuser räumen.
Anne und Iris finden Unterkunft in einer Baracke. Rosalie wird von Helmut und dessen Vater auf deren Bauernhof aufgenommen. Nun geht es darum , zu überleben. Das Leben aller drei Frauen erfährt durch die britische Besatzung eine völlig neue Richtung und Träume erfüllen sich, wenn auch anders als erwartet.
Mich hat das Thema des Romans gereizt. Was hat die Stunde Null für die Betroffenen bedeutet ? Die Autorin bringt mir diese Zeit lebendig und anschaulich näher. Durch die drei Frauen lerne ich unterschiedliche Blickwinkel auf die damaligen Ereignisse kennen.
Besonders berührt hat mich Rosalie, die sich ein besseres Leben erhofft und bitter enttäuscht wird. Ich habe sie dafür geliebt, dass sie nie aufgibt, sich zwar beugt, aber nicht brechen lässt. Dass sie ihren Platz im Leben findet und auch Glück, hat mich deshalb von Herzen gefreut . Anne hatte von den dreien die am höchsten fliegenden Ziele. Um so größer ist ihre Wut und Verbitterung, als die Engländer ihr Hotel in Besitz nehmen. Als sie durch Zufall eine Stelle als Übersetzerin in der Militärverwaltung erhält, verändert sich ihre Sichtweise. Iris blieb für mich blass. Vielleicht lag es daran, dass ihr Ehemann die Szenen mit ihr beherrscht. Er war und bleibt ein überzeugter Nazi. Um so mehr hat mich ihre Entscheidung überrascht, denn so viel Mut hätte ich ihr nicht zugetraut.
Auch die Natur trägt ihren Anteil zur großen Not bei. Ein Hochwasser setzt Teile der Stadt und landwirtschaftlichen Flächen unter Wasser. Der Winter ist besonders hart und der Sommer zu trocken, was zu Ernteausfällen und zu einer Verschärfung der Versorgungslage führt. Wie sich die Menschen gegen diese Schicksalsschläge stemmen und versuchen zu überleben, war sehr emotional. Mein Respekt vor der Leistung der Betroffenen und dem Bemühen der Militärregierung ist gewachsen. Dabei unterhält der Roman auf das beste und nach all dem Schrecken und Entbehrungen gibt es das wohl verdiente Happyend.

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Veröffentlicht am 09.07.2024

Spiegelbild der sozialen Verhältnisse in Italien von 1950 - 1968

Die geheimnisvolle Freundin
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Selten empfand ich den Titel und die Inhaltsangabe eines Romans so wenig zutreffend wie hier. Das ist ärgerlich, weil es Erwartungen weckt, die das Buch nicht erfüllen kann und der Leser dadurch enttäuscht ...

Selten empfand ich den Titel und die Inhaltsangabe eines Romans so wenig zutreffend wie hier. Das ist ärgerlich, weil es Erwartungen weckt, die das Buch nicht erfüllen kann und der Leser dadurch enttäuscht wird. Und Leser, die genau so etwas gerne lesen, nehmen es gar nicht erst in die Hand.

Die Autorin erzählt Ninas Geschichte, eine Geschichte von Leid, Ungerechtigkeit, missbrauchter Freundschaft und innerer Befreiung. Nina wird gleich nach der Geburt in einem Nonnenkloster abgegeben. Sie ist ein Findelkind und Mädchen und steht damit in der Hierarchie des Waisenhauses ganz unten. Das Leben dort ist geprägt von Strenge, Disziplin, Entbehrungen, starren Moralvorstellungen, fehlender Liebe und Ungerechtigkeit. Als die Waise Lucia ins Kloster kommt, ändert sich Ninas Leben. Sie fühlt sich für Lucia verantwortlich, beschützt sie und übt zu ihren Gunsten Verzicht. In meinen Augen hat Lucia Ninas Liebe nicht verdient. Lucia ist verwöhnt, selbstgefällig, manipulativ und immer auf ihren Vorteil bedacht. Als Nina für Lucia auf die Möglichkeit einer Adoption verzichtet, verlässt Lucia das Kloster ohne Abschied. Nina bleibt zurück. Nina verlässt fast erwachsen das Waisenhaus und wird Arbeiterin in der ortsansässigen Tabakfabrik, dem größten Arbeitgeber am Ort. Als die Eigentümer Entlassungen und sogar die Schließung des Werkes planen, wehren sich die Arbeiterinnen mit Streik. Und Nina, die aus Selbstschutz ihr Herz nicht mehr verschenken wollte und nur auf ihr eigenes Wohl bedacht war, lernt Freundschaft und Solidarität kennen. Es ist das Jahr 1968 und die Welt ist im Umbruch.

Der größte Teil des Romans schildert Ninas Leben im Waisenhaus. Ich habe das als sehr belastend empfunden, weil die Zustände in meinen Augen unmenschlich und nicht Kind gerecht waren. Bildung beschränkt sich auf das notwendigste. Die Welt draußen hält keinen Einzug. Ich konnte Nina nur bewundern, das sie sich nicht brechen lässt. So bleibt Nina nach dem Auszug aus dem Kloster nur die Stelle als ausgebeutete Dienstmagd und als erster Schritt der Selbstbestimmung die Arbeit in der Fabrik. Nina ist intelligent und wissbegierig und lernt , die Welt draußen zu begreifen. Dass Nina am Ende so was wie Glück findet, hat mich sehr berührt. Bezeichnend dafür ist das Bild, das die Autorin am Ende beschreibt. Es ist ein einzigartiger Moment der Hoffnung und Befreiung.

Für mich war das Buch lesenswert, auch wenn es über weite Strecken nur schwer zu ertragen war, aber es zeigt nach meinem Dafürhalten ein realistisches Bild der damaligen Zeit.

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