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Veröffentlicht am 14.09.2023

Mord oder Selbstmord`?

Schwarzwaldfrost
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November im Schwarzwald ist eine triste Angelegenheit - Nebel, Regen und niedrige Temperaturen. Die Zeit für Depressionen und so scheint der Selbstmord des Unternehmers Adrian auf einem Parkplatz in Donaueschingen ...

November im Schwarzwald ist eine triste Angelegenheit - Nebel, Regen und niedrige Temperaturen. Die Zeit für Depressionen und so scheint der Selbstmord des Unternehmers Adrian auf einem Parkplatz in Donaueschingen nicht ungewöhnlich. Zumal seine Firma in finanziellen Schwierigkeiten steckt.

Da es einige Ungereimtheiten gibt, nehmen Kriminalhauptkommissarin Ines Sandner und ihr Team von der Villinger Kriminalpolizei trotzdem Ermittlungen auf. Brisanz erhält der Fall, als die Ermittler herausfinden, dass Adrians Ehefrau entführt wurde. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.

Ich mag die Krimis der Autorin ausgesprochen gern. Sie sind packend geschrieben. Die Handlung überzeugt durch Realitätssinn, unerwartete Wendungen und der sympathische Ermittlerin Ines mit einem manchmal turbulenten Familienleben. Zu meiner Freude bekommt Ines dieses Mal eine neue Ermittlerin an die Seite gestellt - Emma ! Emma ist etwas älter und sagen wir mal auch etwas speziell, was ihre Kleidung anbetrifft. Sie hat eine erstklassige Vernehmungstaktik und nichts bringt sie so schnell aus der Ruhe. Sie ist die perfekte Ergänzung zu Ines und bringt eine gute Portion trockenen Humors in die Handlung.

Der andere Pluspunkt ist, die Krimis spielen in meiner Heimat. Ich habe die Autorin noch nie bei einer falschen Ortsbeschreibung oder sonstigen ärgerlichen Unstimmigkeiten ertappt.

Auch dieser Fall erfüllt meine Erwartungen vollkommen und überrascht mich zudem mit einer unerwarteten Erzählweise. Die Autorin wechselt immer wieder die Zeitebenen. Dabei schildert sie die Ereignisse, die schließlich zur Tat auf dem Parkplatz geführt haben in der Rückschau. Das fand ich fesselnd, denn ich hatte dadurch einen Wissensvorsprung und einen anderen Blick auf die laufenden Ermittlungen.

Wer nun denkt, dass die Lösung damit vorhersehbar war, irrt gewaltig. Am Ende gibt es nochmals eine dramatische Entwicklung, die erneut ein anderes Licht auf den Fall wirft

Für mich ist das Buch ein sehr guter Regio - Krimi, der sicher auch Leser in seinen Bann ziehen wird, die den Schwarzwald nicht kennen.

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Veröffentlicht am 11.09.2023

Über allem die Liebe !

Das Collier mit der Herzblume
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Die Autorin erzählt zwei Liebesgeschichten auf zwei verschiedenen Zeitebenen.

Die 15jährige Charlotte lebt 1943 im kleinen deutschen Ort Hangeck. Trotz Krieg hat sie eine fast unbeschwerte Zeit. Das wird ...

Die Autorin erzählt zwei Liebesgeschichten auf zwei verschiedenen Zeitebenen.

Die 15jährige Charlotte lebt 1943 im kleinen deutschen Ort Hangeck. Trotz Krieg hat sie eine fast unbeschwerte Zeit. Das wird von einem Tag auf den anderen alles anders. Das Nazi-Gift findet Eingang in die Dorfgemeinschaft. Charlottes Vater wird verhaftet. Ihre beste Freundin Ilse wird in die Schweiz geschickt. Und das schlimmste, Paul, Charlottes große Liebe, muss fliehen, weil er jüdische Wurzeln hat. Charlotte heiratet einen anderen, bekommt Kinder, kann Paul aber nie ganz vergessen.

Nach ihrem 90zigsten Geburtstag bittet Charlotte ihre Enkelin Hannah, mit ihr in die alte Heimat Hangeck zu reisen. Zufällig trifft Hannah dort einen jungen Mann. Beide finden sich sympathisch und tauschen Adressen aus. Die Geschichte, die 1943 in Hangeck begann, findet nach einigen Schwierigkeiten ein berührendes Ende.

Ich bin in meiner Meinung zum Roman zweigeteilt, so wie die Geschichte selbst. Charlottes Schicksal im Jahr 1943 hat mich stark berührt. Ich habe mit ihr die Schmetterlinge im Bauch gefühlt, wenn sie sich mit Paul getroffen hat. Paul musste man einfach lieben - gutaussehend, verständnisvoll, treu und fürsorglich. Ich habe mit Charlotte gelitten, als ihre Welt auf den Kopf gestellt wurde - Verlust der Freundin, Verlust der großen Liebe, ohne zu wissen, ob es ein Wiedersehen gibt, Angst um den Vater und zuletzt der Verlust der Heimat.

Das war spannend, emotional und mitreißend.

Der Teil, der in der Gegenwart spielt, erzählt erneut eine schöne Liebesgeschichte. Auch hier scheint das Schicksal in Gestalt einer missgünstigen Verlobten sich gegen die Verliebten zu stellen. Doch die Verluste von damals sind nun der Schlüssel zum Glück. Es gibt einige sehr romantische Szenen und die Beschreibungen der Schweizer Bergwelt machen Lust, sie sich einmal selbst anzusehen.

Ich fand es auch berührend, dass am Ende zusammen kommt, was zusammen gehört.

Was mich gestört hat, die Ereignisse im Jetzt waren allzu vorhersehbar. Die Vergangenheit spielte nur noch eine Nebenrolle, die die beiden Handlungsstränge verband.

Hat mich das Buch gut unterhalten ? Kann die Autorin gut erzählen ? Beide Fragen kann ich mit gutem Gewissen mit Ja beantworten.

Kurz gesagt, wer gerne eine romantische Liebesgeschichte liest, bei der die Liebe erst auf Umwegen den Sieg davon trägt, bei der sich die Handlung über mehrere Generationen erstreckt, ein wenig historisches Ambiente dazu kommt und am Ende die Liebe siegt, kann mit diesem Roman nichts falsch machen.

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Veröffentlicht am 09.09.2023

Manchmal geht die Liebe Umwege

Blütenzauber im Casa della Flora (Verliebt in Italien)
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Die Autorin entführt mich erneut in das kleine italienische Dorf Camaiore, wo ich zu meiner Freude viele bekannte Gesichter treffe.

Im Gegensatz zu mir, ist Lorella über ihre Rückkehr wenig begeistert, ...

Die Autorin entführt mich erneut in das kleine italienische Dorf Camaiore, wo ich zu meiner Freude viele bekannte Gesichter treffe.

Im Gegensatz zu mir, ist Lorella über ihre Rückkehr wenig begeistert, muss aber, weil die Firmung ihres Neffen ansteht. Lorella hat das Dorf vor acht Jahren verlassen, weil es ihr zu eng war und sie die Welt sehen wollte. Verlassen hat sie nicht nur das Dorf, sondern auch ihre Schwester mit Familie und ihre große Jugendliebe Pasquale.

Schnell merkt Lorella, dass sich ihre Sicht auf die Welt geändert hat. Sie fühlt sich im Dorf angekommen und möchte bleiben. Auch das Herzklopfen beim Anblick von Pasquale ist zurück. Nur ist der mit einer anderen verlobt.

Lorella steht vor der Herausforderung, für sich eine Möglichkeit zu finden, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und alte Wunden zu schließen.

Ich habe die beiden anderen Bände der Reihe gelesen und war jedes Mal von der anrührenden Liebesgeschichte begeistert und habe das Buch mit einem Seufzer beendet. Und nicht anders war es auch jetzt.

Vielleicht war diese Geschichte noch etwas besser, weil ich Lorella so gut verstehen konnte, was ihren Weggang als junges Mädchen betrifft, als auch den Wunsch zuhause wieder Wurzeln zu schlagen. Diese Gefühlslage schildert die Autorin sehr anschaulich ohne gefühlsduselig zu werden. Mir hat imponiert, wie sich Lorella der Herausforderung stellt, ihren Platz in der Gemeinschaft und die Liebe ihres Lebens zurückzuerobern. Dabei erfährt sie Unterstützung von all den liebeswerten Dorfbewohnern, die ich bereits in den anderen Bänden ins Herz geschlossen habe.

Den Rahmen für die unterhaltsame Erzählung, bei der eine Prise Humor für manches Schmunzeln sorgt, bildet die traumhafte Landschaft der Toskana. Gelegentlich schwelgt die Autorin in so lebendigen Bildern, dass ich meinte, ich könnte den Lavendel und Thymian riechen.

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Veröffentlicht am 04.09.2023

Loulou de la Falaise - nicht nur Männer können Mode

Der Glanz der Zukunft. Loulou de la Falaise und Yves Saint Laurent
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Ich liebe Bücher, die in unterhaltsamer Form Frauen ins Rampenlicht rücken, die im Schatten großer Männer stehen und deshalb zu Unrecht nicht wahrgenommen werden.
Dem Roman von Michelle Marly ist dies ...

Ich liebe Bücher, die in unterhaltsamer Form Frauen ins Rampenlicht rücken, die im Schatten großer Männer stehen und deshalb zu Unrecht nicht wahrgenommen werden.
Dem Roman von Michelle Marly ist dies in jeder Hinsicht perfekt gelungen.
Loulou war die Muse der Ikone der Modedesigner Yves Saint Laurent. Doch ich habe ihren Namen nie gelesen und das obwohl sie eine wichtige Rolle in Saint Laurents Leben gespielt hat, sowohl in persönlicher als auch beruflicher Hinsicht.
Der Roman schildert in fesselnder Weise ihren Werdegang und gibt anschauliche Einblicke in das Leben der englischen Upper Class und schillernden Modewelt der 60ziger und siebziger Jahre.
Loulou ist die Tochter des erfolgreichen Fotomodells Maxime. Da Maxime wenig von ihrer Mutterrolle hält, wächst Loulou bei ihrer konservativen adligen Großmutter in London auf. Loulou fühlt sich durch die strengen Verhaltensregeln eingeengt und streift lieber über die Londoner Flohmärkte in Camden Town auf der Suche nach bunten ausgefallenen Kleidungsstücken.
Nach einer gescheiterten Ehe mit einem irischen Knight, die sie mit 17 eingeht, landet sie nach verschiedenen Stationen wie Marokko und New York in Paris und lernt dort Saint Laurent kennen und wird fester Bestandteil seines Freundeskreises. Das ist nicht so ungewöhnlich, wie es auf den ersten Blick aussieht. Loulou hatte durch ihre Mutter und ihre adlige Herkunft von Anfang an Kontakt zur gehobenen Klasse und Künstlerkreisen. So war sie mit Brian Jones und den Gettys bekannt und ging bei Andy Warhol ein und aus.
Mir waren beide Welten unbekannt und ich war gleichzeitig fasziniert und manchmal auch unangenehm berührt durch deren Lebensweise. Geld spielte keine Rolle. Wer welches hatte, gab es aus. Wer nicht, ließ sich von Freunden durchfüttern. Alkohol und Drogen gehörten dazu. Abends traf man sich auf Partys oder in angesagten Clubs.
Loulou bewegt sich in diesen Kreisen wie ein Fisch im Wasser. Sie hat nichts gelernt, kann aber durch ihr freundliches Wesen, ihre Empathie und ihren ausgeprägten Sinn für Farben, Formen und Stil überzeugen.
Obwohl ich sie für eher oberflächlich halte, hat sie meinen Respekt verdient mit ihrem unerschütterliche Optimismus und ihrem überragenden Stilempfinden. Keine Überraschung, dass Saint Laurent seine Entwürfe gemeinsam mit ihr überarbeitet und ihr letztendlich die Verantwortung für die Pret-a- Porter Linie Rive Gauche überträgt.
Ein tolles Buch über eine außergewöhnliche junge Frau, das mich sehr gut unterhalten konnte und mir Einblicke in mir bis dahin fremde Gesellschaftskreise ermöglicht hat.

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Veröffentlicht am 02.09.2023

Ein äußerst spannender und ungewöhnlicher Weihnachtskrimi

Rattenweihnacht
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Schon der Beginn der Geschichte gibt Rätsel auf. - eine Frau, die plötzlich in einem kleinen Dorf auf dem Spielplatz sitzt und ihr Gedächtnis verloren hat. Eine Mutter, die ihren erwachsenen Söhnen -zwei ...

Schon der Beginn der Geschichte gibt Rätsel auf. - eine Frau, die plötzlich in einem kleinen Dorf auf dem Spielplatz sitzt und ihr Gedächtnis verloren hat. Eine Mutter, die ihren erwachsenen Söhnen -zwei Brüder - den Haushalt gemacht hat, verschwindet spurlos. Zudem erhalten die beiden Brüder anonyme Drohbriefe. Die Gerüchteküche im Dorf brodelt.

Die ersten Seiten des Buches lösten in mir Weihnachtsgefühle aus. Es schneit. Ein kleines Mädchen entdeckt die fremde Frau, gibt ihr den Namen Maria und nimmt sie mit nach Hause.

Die Autorin fängt die Atmosphäre in einem kleinen Dorf, in dem jeder jeden kennt, gut ein. Das zeigt sich für mich in den Gesprächen der Dorfbewohner , die über Maria diskutieren. Es war das typische und nicht immer menschenfreundliche Geschwätz der Leute. Natürlich darf die unbeliebte Klatschbase, die ihre Nase überall hineinsteckt, nicht fehlen.

Mir war Maria sympathisch und deshalb war ich um so mehr entsetzt, dass man sie bei den Brüdern, die im Dorf nicht für ihre Menschenfreundlichkeit bekannt sind, einquartiert. Tatsächlich wird Maria nicht mit offenen Armen empfangen, sondern misstrauisch beäugt.

Die Situation wird immer bedrohlicher und das Gefühl, dass etwas Böses im Dorf ist, verstärkt sich. An Heiligabend kommt es zur Eskalation. Auch wenn das Ende nicht korrekt im herkömmlichen Sinne ist, war ich vollkommen zufrieden damit und fand , dass die himmlische Gerechtigkeit gesiegt hat.

Ein Krimi, der die üblichen Wege verlässt und dabei gut unterhält und eine packende Geschichte erzählt und den man zu jeder Jahreszeit lesen kann.

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