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Veröffentlicht am 07.02.2026

Sklavenhandel im 21.Jahrhundert- Wenn der Mensch zur Ware wird...

Waldmann
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" Waldmann - Flucht in den Tod " ist der Start einer neuen Krimireihe von Thomas Ziebula, einem Autor, der das Krimimilieu beherrscht, durch hervorragende Recherche- Arbeit überzeugt und brisante gesellschaftsrelevante ...

" Waldmann - Flucht in den Tod " ist der Start einer neuen Krimireihe von Thomas Ziebula, einem Autor, der das Krimimilieu beherrscht, durch hervorragende Recherche- Arbeit überzeugt und brisante gesellschaftsrelevante Themen anpackt.
Das Buch ist im Januar 2026 bei Ullstein erschienen.

In Bonn verschwindet eine junge Ukrainerin und ein Mann der Öffentlichkeit wird im Appartement der Verschwundenen tot aufgefunden.
Das ist die Ausgangssituation für Hauptkommissar Johann Waldmann, der nach einer langen Auszeit, wieder zurück in seinen Dienst der Bonner Mordkommission kehrt.
Zeitgleich verfolgt eine Unbekannte in einem gestohlenen Polizeiwagen eine dunkle Limousine, indem sie das verschwundene Mädchen vermutet.
Die Spurenlage ergibt, dass es hier um Menschenhandel und Zwangsprostitution geht und dass dieses grausame Ausbeutungssystem weit über die Grenzen Deutschlands reicht.
Und plötzlich ist Waldmann zurück in seinem Albtraum und in seinem Kopf erscheint der Tag, der sein Leben aus allen Fugen gerissen hat. Vor 7 Jahren verschwand seine Frau im Tumult eines Basars in Lagos und bis heute gibt es keine Spur von ihr....

Mein Leseeindruck:
Krimiliteratur vom Feinsten, von einem Autor, der viele Genren bedienen kann, aber hier mal wieder zur Höchstform aufgelaufen ist.
Sein Schreibstil ist fließend- packend; man wird geradezu ins Buch hineingezogen und befindet sich plötzlich mit Waldmann, seinem Team, einer Fluchthelferin und einer Journalistin im Wettlauf gegen das Böse.
Doch der Gegner ist mit allen Wassern gewaschen und verfolgt seine Ziele gnadenlos.
Dieser Auftakt zu einer neuen Krimiserie enthält jede Menge Stoff, um weiter geschrieben zu werden und auch das Ende lässt Fragen offen...
Mit Waldmann hat Thomas Ziebula eine Charakterfigur erschaffen, mit der man sich trotz Ecken und Kanten , als Leser automatisch verbündet und dessen Schicksal zutiefst berührt.
Eine weitere starke Haupt-Protagonistin ist Suse, die o.g ."Fluchthelferin", die sich mit unkonventionellen Methoden für die Befreiung der ukrainischen Mädchen einsetzt.
Nebenfiguren, Schauplätze und Handlung sind detailliert, in bildhaft- emotionaler Sprache wiedergegeben, so dass man das Gefühl hat, alles hautnah mitzuerleben und zu erleiden.
Die Seiten rauschen geradezu an einem vorbei und man kann gar nicht anders als dem durch viele kurzweilige Wendungen gesetzten Spannungsbogen bis zum Ende zu folgen.

Mein Fazit:
Auftakt gelungen: Hochaktuelle Spannungsliteratur in Bestform.
Fortsetzung erwünscht.

























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Veröffentlicht am 02.06.2025

COSIMA- Auf der Suche nach Wahrheit

Die Erbin
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Dieses neue Buch " die Erbin" von "Claire Winter " , erschienen im April 2025 bei Heyne, habe ich mit großer Freude erwartet...
Viele ihrer bekannten Bücher sind zu Bestsellern avanciert und auch ihr neuestes ...

Dieses neue Buch " die Erbin" von "Claire Winter " , erschienen im April 2025 bei Heyne, habe ich mit großer Freude erwartet...
Viele ihrer bekannten Bücher sind zu Bestsellern avanciert und auch ihr neuestes Werk überzeugt durch eine unterhaltsam- fesselnde Familiengeschichte mit sorgfältig recherchiertem Hintergrund.

Im Mittelpunkt steht Cosima Liefenstein, "die Erbin" einer angesehenen Kölner Industriellen Firma, die eine Stiftung für benachteiligte Frauen gründet und damit ins Interesse der Öffentlichkeit gerät.
Dabei kommt es auch zur Begegnung mit dem Journalisten Leo Markgraf, der in der Vergangenheit der Liefensteins gräbt. Ein Anwalt und Freund Markgrafs, Karl Weber war vor kurzem noch auf einer Veranstaltung der Firma Liefenstein, auf der er das Oberhaupt Theodor Liefenstein öffentlich beleidigte und Anschuldigungen gegen die Firma erhob . Kurz darauf war Weber tot. Leo Markgraf glaubt nicht an einen Unfall...

Der Roman spielt in zwei Zeitebenen: Die Gegenwart des Jahres 1957 und die Zeit ab November 1929.
Der ständige Wechsel der Zeiten hält dem Spannungsbogen stand und vervollständigt das Bild der fiktiven Unternehmensfamilie Liefenstein, die sowohl im Nationalsozialismus wie auch danach es verstand, ihre Interessen erfolgreich zu vertreten.
Einzig Cosimas früh verstorbener Vater Edmund widersetzte sich den opportunistichen Firmenzielen und kritisierte sowohl das NS- Regime, sowie das kooperative Verhalten seiner Familie.
Als Cosima zufällig alte Briefe ihres Vaters findet und Nachfragen stellt, stößt sie auf eine Mauer des Schweigens.
Auf der Suche nach der Wahrheit werden alte Machstrukturen sichtbar und totgeglaubte Ideologie erwacht zum Leben.

Claire Winters Schreibstil ist auch hier wieder gewohnt flüssig und packend. Die Kapitel sind kurz gehalten und beide Zeitebenen forcieren die Geschichte und Geschehnisse Schritt für Schritt zu einem Gesamtbild. Man folgt mühelos dem Spannungsbogen vom Anfang bis zum Ende und die Seiten dieses dramatischen Familien- Epos fliegen geradezu an einem vorbei.
Die Charaktere sind lebendig dargestellt und ihre Entwicklungen und Veränderungen kann man sehr gut nachvollziehen.
Die Geschichte der hier beschriebenen Familie Liefenstein steht als Beispiel für das Verhalten vieler Unternehmen und ihrer Zusammenarbeit mit der nationalsozialistischen Regierung. Zwangsarbeit, Ausbeutung und Übernahmen von jüdischem Eigentum waren damals an der Tagesordnung.
Der Roman zielt aber nicht nur auf äußere Auswirkungen, sondern geht tiefer und zeigt Konflikte und Zerwürfnisse auch innerhalb der Familie.

Mein Fazit:
Emotionale hochspannende Historie mit überzeugenden Protagonisten und Nebenfiguren, verwebt zu einer dramatischen Familiengeschichte mit erschreckend aktuellem Zeitbild.
Eine gelungene sehr gut recherchierte Kombination von wahren und fiktiven Charakteren und Begebenheiten gegen das Vergessen.


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Veröffentlicht am 25.08.2024

Bathseba - Kampf um Liebe und Zukunft

Die Löwin von Jerusalem
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" Bathseba- Die Löwin von Jerusalem " ist ein biblisch- fiktionaler Roman aus der Feder von Ruben Laurin und ist im August 2024 bei Lübbe erschienen.

Wir tauchen ein in die Zeit 1000 vor Christi und erleben ...

" Bathseba- Die Löwin von Jerusalem " ist ein biblisch- fiktionaler Roman aus der Feder von Ruben Laurin und ist im August 2024 bei Lübbe erschienen.

Wir tauchen ein in die Zeit 1000 vor Christi und erleben die uns von der Bibel bekannte Liebesgeschichte von Bathseba und David vorwiegend aus der Perspektive einer um ihre Zukunft und Liebe kämpfenden Frau.

Mein Leseeindruck:
Ruben Laurin gelingt es auch hier den Leser durch seinen atmosphärischen dichten und fesselnd- fließenden Schreibstil in die Handlung zu binden.
Insbesondere die prophetischen Einschübe der Engelsgestalt, die uns Lesern Einblicke in die Zukunft gewähren finde ich sehr gelungen.
Sprachgeschichtlich habe ich allerdings Probleme bei den eher modern- vulgären Aussagen des Joab. Dies verdeutlicht mir einerseits zwar die bewusst eingesetzte derbe Charakterbeschreibung des unsympathischen Kriegsherren, andererseits passt es für mich nicht ins biblische Sprachbild, wenn ich der Empfehlung des Autors folgend, das zweite Samuel- Buch lese, dass die historische Quelle bietet.

Die Handlung selbst ist in Anlehnung an die den meisten Lesern bekannte Geschichte von David und Bathseba, wobei die schriftstellerische Freiheit und Fiktion überwiegt.
So wird hier die mögliche Jugendgeschichte und erste Begegnung der Beiden, lange vor der berühmten Badegeschichte erzählt.
Hier liegt auch die Verbindung zum Titel des Romans, der auf eine starke Frau hinweist. Bathseba rettet Davids Leben, indem sie ihn vor einer gefährlichen Löwin beschützt und dabei ihr eigenes Leben riskiert. Diese Begegnung ist für beide zukunftsweisend , auch wenn es erstmal danach aussieht, dass sie nicht zusammen kommen können.

Die Charaktere dieser beiden Hauptprotagonisten zeigen eine altersgemäße und nachvollziehende Entwicklung, haben mich aber emotional nicht so berührt, sodass ich bei den hier erzählten Ereignissen nicht mittendrin war, weder David noch Bathseba haben meine Sympathie erwirkt.

Die historischen Schau- und Kampfplätze hingegen sowie die Schilderung der gesellschaftlichen Hintergründe und die damit verbundenen Personendarstellungen waren für mich nachvollziehbar und ich habe mich beim Lesen gedanklich in den Geschehnissen wiedergefunden. Dem Wechsel der Zeitebenen konnte ich folgen, da ich die Ursprungsgeschichte gut kenne.

Personenregister, Zeittafel, Wörter- Glossar und Kartendarstellungen sind eine hilfreiche Unterstützung um das Inhaltliche besser einzuordnen und die verschiedenen Handlungsstränge zu verstehen.

Mit dem " Happy- End" des Romans kann ich mich nicht so anfreunden, auch wenn ich die schriftstellersiche Freiheit und die menschlich nachvollziehbaren Erklärungen im Nachwort nachempfinden kann.
Die Qualität des Romans wäre für mich durch ein realistisches der historisch- biblischen Quelle entsprechendes Ende erhöht.

Mein Fazit:
Beim Lesen auch das 2.Samuel Buch der Bibel miteinbeziehen, um ein vollständiges Bild des hier dargestellten biblisch-inspirierten Lesestoffs zu bekommen.



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