Profilbild von Lilli33

Lilli33

Lesejury Star
offline

Lilli33 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lilli33 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Für Ärzte, Patienten und ganz normale Menschen :-)

Leben ist nicht schwer
0

Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 2 (20. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596031146
Originaltitel: Alors Voilà!
Preis: 12,99 €

Für Ärzte, Patienten und ganz normale ...

Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 2 (20. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596031146
Originaltitel: Alors Voilà!
Preis: 12,99 €

Für Ärzte, Patienten und ganz normale Menschen

Baptiste Beaulieus Schriftsteller-Karriere begann mit einem Blog, in dem er von seinem Alltag in der Notaufnahme eines französischen Krankenhauses berichtete. Nun hat er seine Erlebnisse und die seiner KollegInnen zu einem Roman zusammengefügt. Doch nach wie vor bleibt der Tagebuch- bzw. Blogcharakter seiner Erzählung bestehen. Wir begleiten den damals 27-jährigen Assistenzarzt während einer Woche bei seiner Arbeit zwischen Notaufnahme und Palliativstation, wo er immer wieder seine Lieblingspatientin besucht. Er nennt die rothaarige Frau die Feuervogelfrau. Auch für die anderen Patienten und für manche Kollegen hat er eigene klang- und bedeutungsvolle Namen, wie zum Beispiel Chefin Pocahontas oder Frau Zuspruch.


Eingebettet in die Rahmenhandlung, die hauptsächlich daraus besteht, dass der junge Arzt die Patientin in Zimmer 7 bis zum Tod begleiten will bzw. sie solange am Leben erhalten will, bis deren Sohn eintrifft, sind unzählige Anekdoten und kleine Geschichten über die unterschiedlichsten Patienten, aber auch über die Kollegen, mit denen er die Feuervogelfrau erfreut und der todkranken Frau ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Viele dieser Geschichten sind recht witzig, einige traurig, andere machen nachdenklich.

Baptiste Beaulieu erzählt mit einer enormen Leichtigkeit, er verpackt die zum Teil schlimmen Schicksale in Ironie und Sarkasmus und vermittelt so zwischen Leben, Krankheit und Tod. Er schreibt witzig und charmant, aber nie respektlos. Selbst wenn er die älteren Herrschaften Oma und Opa nennt, wirkt das bei ihm sehr liebevoll.

Dieses Buch empfinde ich als Mut machend, als ein Plädoyer für das Leben und für Mitmenschlichkeit. Es wirbt um Verständnis für die oft überarbeiteten Ärzte und für die Nöte der Patienten. Eine wunderbar warmherzige Lektüre, die ich einfach jedem empfehlen möchte, egal ob er selbst Arzt ist, ob er Patient ist oder es erst später werden wird.

★★★★★

Veröffentlicht am 15.09.2016

Sind wir nicht alle Helden?

Das Morgen ist immer schon jetzt
0

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: cbj (27. Juni 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3570172667
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
Originaltitel: The Rest of Us Just Live Here
Preis: 16,99€
auch ...

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: cbj (27. Juni 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3570172667
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
Originaltitel: The Rest of Us Just Live Here
Preis: 16,99€
auch als E-Book erhältlich



Sind wir nicht alle Helden?

Meine Meinung:

Patrick Ness hat es mir nicht leicht gemacht, in diesen Jugendroman hineinzufinden. Ich hatte anfangs das Gefühl, ins eiskalte Wasser geschubst zu werden, ohne irgendwelche Erklärungen zu bekommen, und ich bin mir auch jetzt, nachdem ich das Buch zu Ende gelesen habe, nicht wirklich sicher, ob ich den Roman richtig verstehe. Dem Lesevergnügen tut dies allerdings keinen Abbruch. Man kann das Buch auf jeden Fall genießen, wenn man sich einfach mal fallen lässt und kein Problem damit hat, 5 gerade sein zu lassen.

In diesem Buch werden zwei Handlungen erzählt. Zum einen haben wir die Geschichte von Mikey, der als Ich-Erzähler fungiert. Der 17-Jährige steht kurz vor dem Highschool-Abschluss. Seine Tage verbringt er mit seinen Schwestern Mel und Meredith und seinen Freunden Jared und Henna. Auf die Eltern ist er eher nicht gut zu sprechen – die Familie ist schon ziemlich verkorkst. Aber das sieht wahrscheinlich die Mehrheit der Jugendlichen für sich ebenso. Seit ewigen Zeiten ist Mikey in Henna verliebt, doch traut er sich nicht, ihr dies zu sagen. Und Henna weiß auch gar nicht wirklich, was sie selbst eigentlich will. Jared ist ein wunderbarer Freund, wie man sich keinen besseren wünschen kann. Und auch Mel steht ihrem Bruder stets zur Seite, obwohl sie mit eigenen Problemen zu kämpfen hat.

Wären wir also bei den Problemen. Davon gibt es in diesem Jugendbuch reichlich. Mikey leidet unter einer Zwangsstörung, die ihm ziemlich zu schaffen macht. Auch Mel hat ein psychisches Problem. Jared hat eine besondere Gabe, aber auch er ist damit nicht ganz glücklich. Und Hennas Eltern haben Pläne mit ihrer Tochter, die dieser überhaupt nicht zusagen.

Daneben ereignen sich in der kleinen Stadt mysteriöse Dinge. Immer wieder tauchen blaue Lichter auf, Kinder kommen zu Tode. Die Clique um Mikey sieht mehr, als die Erwachsenen wahrnehmen, nämlich Vampire, Zombies oder Seelenesser, die die Menschen bedrohen. Dabei handelt es sich bei „Das Morgen ist immer schon jetzt“ eigentlich nicht um einen Fantasyroman. Stehen diese aggressiven Wesen also für etwas anderes? Zum Beispiel für die ganz alltäglichen Schrecken, die ein Jugendlicher auf seinem Weg zum Erwachsenen erlebt?

Der zweite Erzählstrang ist nun tatsächlich die Zusammenfassung eines Fantasyromans mit einem Prinzen und einer jahrtausendealten Liebe und Helden, die die Welt retten müssen. Am Anfang eines jeden Kapitels wird ein Stück dieser Fantasy erzählt. Und irgendwie ist diese Fantasygeschichte auch immer wieder mit Mikeys Geschichte verzahnt. Mikey, der gerne ein Held sein möchte, der Angst hat, dass er nicht gebraucht wird, der Angst hat, dass er seine Freunde mehr braucht als sie ihn.

Nicht nur Mikey, auch die anderen Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Auch die weniger sympathischen Figuren konnte ich gut nachvollziehen. Sie wirken alle sehr authentisch und bis zu einem gewissen Grad absolut alltäglich. Genau solche Menschen kenne ich selbst auch. Mikey und seine Freunde entwickeln sich im Laufe des Romans, wachsen an den Herausforderungen des Alltags. Dies wird sehr schön dargestellt und macht Jugendlichen, die vor ähnlichen „normalen“ Problemen stehen, Mut, sich ihrem Leben und ihrer Zukunft zu stellen.

Mal davon abgesehen, dass ich teilweise von der Handlung verwirrt war und die Fantasygeschehnisse nicht einordnen konnte, fand ich dieses Buch großartig. Der Schreibstil des Autors ist einfach klasse. Er schafft damit eine wunderbar dichte Atmosphäre. Zwar ist der Hintergrund eher düster, doch trotzdem gelingt es Patrick Ness, mit seinem Roman Hoffnung zu verbreiten. Zwischen den Zeilen gibt es so vieles zu entdecken. Und für mich bleibt ein wundervolles Fazit:

Nicht jeder muss die Welt retten. Den meisten bleibt nichts anderes übrig, als ihr Leben zu leben, so gut sie eben können, Dinge zu tun, die ihnen wichtig sind, tolle Freunde zu haben, ein besseres Leben anzustreben und die Menschen um sie herum aufrichtig zu lieben. (S. 218)

Wir müssen nicht die Welt retten, um Helden zu sein. Wir alle sind die Helden unseres eigenen Lebens, und das ist spannend und überraschend genug!

Nicht so gelungen finde ich die Altersempfehlung des Verlags von 12 Jahren. Sicher sind Kinder und Jugendliche verschieden reif, aber die 12-Jährigen, die ich kenne, wären mit diesem Buch hoffnungslos überfordert. Ich würde es eher ab 14 Jahren empfehlen.

★★★★☆

Vielen Dank an den cbj Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Nicht ganz so witzig wie der 1. Band, aber okay

Die ganze nackte Wahrheit
0

Broschiert: 288 Seiten
Verlag: FISCHER Scherz; Auflage: 1 (26. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3651000247
Originaltitel: Pants are everything…when you’re definitly NOT a nudist
Preis: 14,99 €

ACHTUNG: ...

Broschiert: 288 Seiten
Verlag: FISCHER Scherz; Auflage: 1 (26. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3651000247
Originaltitel: Pants are everything…when you’re definitly NOT a nudist
Preis: 14,99 €

ACHTUNG: SPOILER ZU BAND 1

Nicht ganz so witzig wie der 1. Band, aber okay

Inhalt:

Für Michael Swarbrick geht immer alles schief. Nach seinem Ritt mit dem Esel und seinem (Nackt-)Bad im Meer mit seinem Schwarm Lucy King wird Michael verhaftet und der Schule verwiesen. Im Internet wird er als Nudist berühmt, dabei liegt ihm nichts ferner. Er ist weder ein Nudist, noch will er berühmt sein. Und zu allem Übel kommt auch sein Bruder Steven wieder nach Hause …


Meine Meinung:
Es ist wohl besser, wenn man den 1. Band zuvor gelesen hat, denn einige grundlegende Dinge werden hier nicht noch einmal groß erläutert, sind aber für den Verlauf der Handlung wichtig.

Mark Lowery knüpft hier nahtlos an den 1. Band, „Das peinlichste Jahr meines Lebens“, an. Im gleichen Stil wie im Vorgängerband erzählt Michael uns seine Geschichte. Diesmal wechseln sich seine Gedanken zu den peinlichen Erlebnissen mit seinem Praktikumsbericht ab. Denn Michael muss ein Praktikum absolvieren, um sich zu rehabilitieren – ausgerechnet bei seinem „Lieblings“-Psychologen Chas. Der 49-jährige Möchtegern-Jugendliche sorgt wieder für witzige Szenen.

Auch wenn Michael und einige andere Personen sich ein bisschen weiterentwickeln und die Ereignisse andere sind als im 1. Band, bietet dieses Buch doch nicht viel Neues. Man kann die Charaktere nun schon ziemlich gut einschätzen, sodass die Handlung in weiten Teilen etwas vorhersehbar ist. Der Knalleffekt fehlte mir hier ein bisschen. Nichtsdestotrotz denke ich, dass Leser, die sich beim Lesen des Vorgängers amüsiert haben, durch die frische und humorvolle Schreibweise von Mark Lowery auch hier auf ihre Kosten kommen werden.

Die Reihe:
1. Das peinlichste Jahr meines Lebens
2. Die ganze nackte Wahrheit

★★★★☆

Veröffentlicht am 15.09.2016

Berührend und schockierend

Jeden Tag ein bisschen mehr
0

Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: FISCHER FJB; Auflage: 1 (24. September 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3841422293
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Lies Like Love
Preis: ...

Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: FISCHER FJB; Auflage: 1 (24. September 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3841422293
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Lies Like Love
Preis: 16,99 €

Berührend und schockierend

Inhalt:

Audrey ist 16, als sie mit ihrer Mutter Lorraine und ihrem 5-jährigen Bruder Peter umziehen muss, in ein verlottertes Haus in der Pampa, irgendwo in England. Audrey ist nicht wie andere Mädchen. Sie ist krank und muss jede Menge Tabletten schlucken. Immer wieder muss sie zum Arzt, und ihre Mutter kümmert sich rührend um sie. Soziale Kontakte hat sie praktisch nicht, in der Schule fehlt sie krankheitsbedingt oft und hat große Lücken. Als sie den Nachbarjungen Leo kennenlernt, scheint sich das Glück für Audrey zu wenden.


Meine Meinung:
Selten kann mich ein Buch von Anfang an so sehr in seinen Bann ziehen wie „Jeden Tag ein bisschen mehr“. Schon der erste Satz klingt so unglaublich und macht den Leser neugierig auf das, was dahintersteckt.
Ich bin dreimal gestorben, bevor ich fünf Jahre alt war. (S. 11)

Und genauso unglaublich ist dann die ganze Geschichte, die folgt. Und doch gibt es so etwas auch in der Realität immer mal wieder. Doch auch wenn die Situation ziemlich unglaublich und ausweglos erscheint, ist es umso wichtiger, genau hinzuschauen und zu helfen, so gut es geht. Genau das tut Leo. Dieser fast 18-jährige Junge, der selbst schon viel Schmerz erlebt und gerade einen Weg gefunden hat, sich in seinem Leben neu einzurichten, hat feine Antennen, was Audreys Probleme angeht. Und dazu ein großes Herz am rechten Fleck, sodass er ihr ein wirklich guter Freund und eine große Stütze sein kann. Leo ist der eigentliche Held in dieser Geschichte. So einen Leo, der hundertprozentig zu einem hält, wünsche ich jedem Menschen.

Doch nicht nur Leo, auch Audrey selbst, war mir sehr sympathisch. Trotz aller Widrigkeiten sorgt sie liebevoll für ihren kleinen Bruder, ist ihm fast wie eine Mutter. Doch sie leidet natürlich sehr unter ihrer Krankheit, unter „dem Ding“, wie sie es nennt, das ihr seltsame Dinge einflüstert, das will, dass sie sich selbst etwas antut, das daran schuld ist, dass ihr ständig übel ist. Audreys Zustand schwankt zwischen klar und benebelt, zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Als Leser kann man das fast am eigenen Körper nachempfinden.

Das Buch ist unterteilt in 3 Teile, die verschiedene Abschnitte in Audreys Leben beinhalten. Erzählt wird über einen Zeitraum von 11 Monaten, September bis Juli. Diese Einteilung nach Monaten fand ich sehr gelungen, da man so ein sehr gutes Gefühl dafür bekommt, wie viel Zeit inzwischen vergangen ist. Louisa Reid wechselt zwischen zwei Erzählperspektiven, die sich in der Schriftart unterscheiden und zudem mit „Audrey“ bzw. „Leo“ überschrieben sind. Dabei erzählt Audrey in der Ich-Form. Leos Perspektive übernimmt ein personaler Erzähler. Es hat mir sehr gut gefallen, dass wir die Sicht von zwei Personen kennenlernen, denn so wird die Handlung noch mehr abgerundet. Zum Teil überschneiden sich die zwei Erzählungen und wir lesen dasselbe Ereignis aus der Sicht beider Protagonisten, aber es gibt auch vieles, was nur einer von ihnen erlebt.

Louisa Reid schreibt wahnsinnig subtil und emotional. Sie schafft damit eine ganz besondere Atmosphäre, die mich an dieses Buch gebunden hat. Ich konnte mich kaum davon losreißen, und innerhalb von 24 Stunden war es ausgelesen. Doch dies ist ein Buch, das mich noch längere Zeit beschäftigen wird. Es gibt viele Anstöße zum Nachdenken und zum Recherchieren.

Ich habe beim Lesen eine breite Palette von Gefühlen erlebt. Ich habe mit den Protagonisten gebangt, war mit ihnen glücklich oder verzweifelt, hoffnungsfroh und am Boden zerstört. Ich war traurig, energiegeladen, mutig und verliebt, dann wieder mutlos, schwach und verzagt. Ich habe Wut in mir verspürt und auch Unglauben. Es war also ein wirkliches Wechselbad der Gefühle. Wenn auch die Geschichte eher bedrückend wirkt, ist doch das Ende einigermaßen versöhnlich und hoffnungsfroh.

Bei der Altersempfehlung sollte man sich an die Vorgabe des Verlags halten. Für die meisten 14-Jährigen ist das Buch sicher gut lesbar. Jüngere können mit der Thematik noch überfordert sein. Nach oben hin sind allerdings keine Grenzen gesetzt. Das Buch ist für Jugendliche wie auch für Erwachsene ein Juwel.

★★★★★

Veröffentlicht am 15.09.2016

Sorry, Ms Gilbert, aber das war nix!

Big Magic
0

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 2 (21. September 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596033706
Originaltitel: Big Magic
Preis: 14,99 €

Sorry, Ms Gilbert, aber das ...

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 2 (21. September 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596033706
Originaltitel: Big Magic
Preis: 14,99 €

Sorry, Ms Gilbert, aber das war nix!

Auszug aus dem Klappentext:

Mit BIG MAGIC schenkt uns die Autorin eine begeisternde Liebeserklärung an die Macht der Inspiration, die aus jedem von uns einen kreativen Menschen machen kann.
Warum nicht endlich einen Song aufnehmen, ein Restaurant eröffnen, ein Buch schreiben?
Elizabeth Gilbert vertraut uns die Geschichte ihres Lebens an – und hilft uns, endlich an uns selbst zu glauben.


Meine Meinung:
So magisch das Cover auch wirkt, dieses Buch konnte mich beim besten Willen nicht be- oder verzaubern.

Die Beschreibung des Buches hört sich für mich nach einem Ratgeber, gepaart mit autobiographischen Elementen, an. Ich hatte Tipps und Tricks erwartet, wie ich die gemäß der Autorin in jedem Menschen, also auch in mir, schlummernden kreativen Schätze heben kann. Die bekam ich leider nicht. Was ich aus dem Buch herausgezogen habe, ist Folgendes: Vertraue dir und deinen Fähigkeiten und mache das, was dir gefällt und was du für richtig hältst. Nur ist das für mich nichts Neues, das versuche ich schon immer. Auch sonst spart die Autorin leider nicht an Allgemeinplätzen (Wenn du nicht tun kannst, wonach du dich sehnst, tu einfach etwas anderes. S. 290) und vor allem auch nicht an Wiederholungen. Manche Dinge scheinen E. Gilbert so wichtig zu sein, dass sie sie alle paar Seiten wiederholt, zum Beispiel, welch ungeheuren Erfolg ihr Buch „Eat Pray Love“ hatte.

Der Untertitel „Nimm dein Leben in die Hand und es wird dir gelingen“ klingt ja ganz nett, aber leider gibt es auch hier von der Autorin keinerlei Hilfe, wie ich das anstellen soll. Mir scheint, die Voraussetzungen sind nicht für alle Menschen gleich, und viele haben einfach nicht die Möglichkeiten wie Elizabeth Gilbert und ihre Familie und Freunde. Dafür kann es die unterschiedlichsten Gründe geben, seien sie finanzieller oder anderer Art.

Ihre Thesen untermauert die Autorin mit Geschichtchen und Anekdoten von Freunden, Familie und bekannten Künstlern. Diese sind zum Teil ganz nett zu lesen, wirkten aber zuweilen auch etwas zusammengewürfelt auf mich.

Wird anfangs der Begriff der Kreativität noch sehr weit gefasst (siehe Klappentext: Eröffnung eines Restaurants), schwenkt der Fokus bald auf die schaffenden Künste ein, speziell die Schriftstellerei, und ganz speziell die Schriftstellerin Elizabeth Gilbert. Sie erklärt in diesem Buch selbst, dass sie nicht für ihre Leser schreibt, sondern für sich selbst. Dies merkt man leider auch sehr stark. Denn obwohl sie den Leser mit „du“ anspricht, geht sie überhaupt nicht auf seine Bedürfnisse ein, sondern erzählt nur aus ihrem eigenen Leben, ihren eigenen Erfahrungen. Manchmal hatte ich den Eindruck, sie hat dieses Buch geschrieben, um sich selbst Mut zu machen und bei der kreativen Stange zu halten.

Womit ich auch nichts anfangen konnte, waren ihre esoterischen Entgleisungen. Ich habe zwar schon viel Fantasie, aber Ideen sind für mich beim besten Willen keine kleinen Wesen mit einem eigenen Willen und Bewusstsein, die von Haus zu Haus hüpfen und sich einen Menschen aussuchen, der sie verwirklicht, wie Gilbert sie auf S. 45 beschreibt.

Ganz am Schluss erzählt Gilbert die beste ihrer Geschichten und bringt auf einer einzigen Seite das Wesentliche des Buches auf den Punkt. Abgesehen von den letzten 10 Seiten fand ich dieses Werk ziemlich enttäuschend. Für mich war es verlorene Lebens- und Lesezeit. Eine Leseempfehlung kann ich leider nicht aussprechen, ich wüsste nicht, für wen. Aber natürlich darf sich gerne jeder selbst eine eigene Meinung bilden

Trotzdem vielen Dank an den Fischer Verlag und LovelyBooks für das Rezensionsexemplar.

★★☆☆☆