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Veröffentlicht am 15.09.2016

Feinfühlig erzählt

Winklers Traum vom Wasser
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Gebundene Ausgabe: 488 Seiten
Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (21. Juli 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3406691614
Originaltitel: About Grace
Preis: 19,99€
auch als E-Book erhältlich

Feinfühlig erzählt

Inhalt:
David ...

Gebundene Ausgabe: 488 Seiten
Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (21. Juli 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3406691614
Originaltitel: About Grace
Preis: 19,99€
auch als E-Book erhältlich

Feinfühlig erzählt

Inhalt:

David Winkler ist Meteorologe. Sein Leben wird vom Wasser bestimmt. Sei es der Regen, sei es die Form von Schneekristallen, sei es das Meer, das ihn auf seiner Flucht an einen fremden Ort spült. Denn auf Winkler lastet der Fluch zu träumen, und manche dieser Träume werden wahr. So träumt er auch den Tod seines Babys, das während eines Hochwassers in den Fluten umkommt, während Winkler vergeblich versucht es zu retten. Als es dann wirklich zu einer Überflutung kommt, weiß Winkler sich nicht anders zu helfen, als Frau und Kind zu verlassen und möglichst weit wegzugehen, damit der Traum nicht Wirklichkeit werden kann. Doch kann er dadurch Grace’ Tod wirklich verhindern? Jahrelang ist es ihm unmöglich, herauszufinden, ob seine Frau und seine Tochter leben. Jahre, in denen er sich mit dem Leben arrangiert, aber doch immer nur ein Ziel kennt …

Meine Meinung:
„Winklers Traum vom Wasser“ ist bereits 2005 auf Deutsch erschienen. Nachdem es jahrelang vergriffen und Anthony Doerrs Roman „Alles Licht, das wir nicht sehen“ 2014 ein Riesenerfolg war, wurde das Buch nun bei C.H.Beck neu aufgelegt. Sehr zu meiner Freude!

Schon sprachlich ist der Roman ein Fest. Er lässt sich sehr geschmeidig lesen und wartet dabei doch immer wieder mit exquisiten Formulierungen auf, die einem auf der Zunge zergehen. Doerr benutzt eindringliche Bilder, die sich sofort im Kopf festsetzen. Es fällt schwer, sich während der Lektüre von der Geschichte zu lösen, denn sie fesselt ungemein.

Dabei ist sie gar nicht so aufregend und spannend erzählt. Doch das ist auch nicht notwendig. Vielmehr überzeugt der Autor durch feinfühlige Beschreibungen seiner Charaktere, der Landschaften und der Natur. Er nimmt die Beziehungen zwischen den Menschen unter die Lupe. Es ist wirklich erstaunlich, wie tief er dabei vordringt. So führt er uns sehr nah am Protagonisten Winkler durch den Roman. Wir tauchen ganz weit in seine Gedanken und Gefühle ein, und auch wenn man nicht sein ganzes Verhalten gutheißen kann, so kann man es doch zumindest nachvollziehen und verstehen, warum er so und nicht anders handelt.

Das Buch ist in sechs Teile gegliedert. Jeder Teil erzählt einen bestimmten Abschnitt von Winklers Leben, an dessen Ende jeweils eine Wende eintritt. Es beginnt mit der Kindheit und endet im Alter. Nebenbei lernt man noch viele Menschen kennen, die alle etwas Besonderes an sich haben. Ich muss sagen, mir haben die Nebencharaktere mindestens genauso gut gefallen wie der Protagonist selbst. Auch sie sind detailliert ausgearbeitet und wirken sehr authentisch. Einige davon würde ich wirklich sehr gerne kennenlernen und beneide Winkler in dieser Hinsicht fast ein wenig.

Fazit:
Sprachlich wunderschön, tiefgründig und sehr feinfühlig erzählt. Ein Lesegenuss!

★★★★★

Herzlichen Dank an Literaturschock und den C.H.Beck Verlag, die mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellten.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Mit gemischten Gefühlen gelesen

Liebes Leben
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Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (23. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596520619
Originaltitel: Dear Life
Preis: 12,00 €

Mit gemischten Gefühlen gelesen

„Liebes ...

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (23. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596520619
Originaltitel: Dear Life
Preis: 12,00 €

Mit gemischten Gefühlen gelesen

„Liebes Leben“ beinhaltet vierzehn Erzählungen, wovon die letzten vier stark autobiographisch geprägt sind, wie die Autorin selbst schreibt. Für mich waren es mit die schwächsten Geschichten in diesem Buch. Ihnen fehlt es doch ziemlich an Dramatik. Ich fand sie eher langweilig als spannend und besonders.

Auch die übrigen Erzählungen waren ziemlich durchwachsen. Während mich einige, zum Beispiel „Zug“ oder „Dolly“ wirklich in ihren Bann ziehen und begeistern konnten, habe ich mich durch andere mehr durchquälen müssen.

Die Erzählungen sind aus verschiedenen Leben gegriffen und befassen sich mal mit langen Lebensabschnitten, mal nur mit kurzen Ausschnitten. Oft spielt auch der Tod oder eine Krankheit eine große Rolle – schließlich gehört dies alles ja auch zum Leben.

Die Beschreibungen sind recht atmosphärisch. Man wird direkt in die jeweilige Zeit versetzt, aber die Handlung ist oft sehr unspektakulär. Nicht einmal die Sprache fand ich besonders gelungen, was möglicherweise aber auch an der Übersetzung liegt. Was von Kritikern gelobt wird, nämlich dass Munro erzählt, ohne auf Chronologie Wert zu legen, hat mir beim Lesen zuweilen Schwierigkeiten bereitet, weil die Zeitsprünge total unvermittelt kamen.

Wieder einmal habe ich mich nach dem Lesen gefragt, warum ein Autor den Nobelpreis und im Fall von Alice Munro auch noch viele andere Auszeichnungen bekommen hat.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine märchenhaft magische Geschichte voller Überraschungen

Der Winter der schwarzen Rosen
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Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
Verlag: cbt (5. Oktober 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3570163641
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Preis: 16,99 €

Eine märchenhaft magische Geschichte ...

Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
Verlag: cbt (5. Oktober 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3570163641
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Preis: 16,99 €

Eine märchenhaft magische Geschichte voller Überraschungen

Inhalt:

Liljann und Tajann sind Zwillingsschwestern, doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Während Liljann ein Schicksal im gefährlichen Grauland vorherbestimmt ist, strebt Tajann nach Macht und einem Leben am Hof der Lady Jamala. Liljann muss sich gegen eine obsessive Liebe wehren, während Tajann mit dem Junglord glücklich ist. Doch schnell kann sich das Schicksal wenden …

Meine Meinung:
Obwohl „Der Winter der schwarzen Rosen“ in derselben phantastischen und magischen Welt angesiedelt ist wie „Faunblut“, „Ascheherz“ und „Der dunkle Kuss der Sterne“, ist es ein Einzeltitel. Es sind keinerlei Vorkenntnisse nötig. Wir begegnen hier neuen Charakteren und neuen Landstrichen. Der Roman spielt lange Zeit nach „Der dunkle Kuss der Sterne“. Die Handlung ist in sich abgeschlossen, jedoch trifft man immer wieder auf bekannte Figuren aus der Vergangenheit, auf bekannte Gegenden, bekannte Magie, wenn man die anderen Bücher gelesen hat. Für das Verständnis ist das nicht notwendig, es gibt aber ein schönes Gefühl von Nach-Hause-kommen.

Nina Blazon konnte mich auch mit ihrem neuesten Fantasyroman wieder vollkommen überzeugen. Es ist jedes Mal ein tolles Lesevergnügen. Die Autorin beherrscht es, mit der Sprache wundervolle Bilder zu malen, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen, sondern sich zu einem farbenprächtigen Film verbinden. Dabei ist die Geschichte alles andere als farbenfroh, sie ist größtenteils recht düster. Zu gewaltsam ist die Herrschaft von Lady Jamala, zu gierig die Liebe von Volok. Und zu aussichtslos der Kampf gegen bzw. die Flucht vor den beiden. So lechzt man als Leser nach den wenigen glücklichen Momenten, die die beiden Protagonistinnen erleben dürfen.

Liljann und Tajann wechseln sich beim Erzählen ab. Anfangs hat mich das verwirrt, weil ich kaum einen Unterschied bemerkte, bis ich mir die Sache dann genau angesehen habe. Die Schriftart ist geringfügig anders und auch die Erzählzeit. Liljann erzählt größtenteils in der Vergangenheit, Tajann in der Gegenwart. Dadurch, dass beide in der Ich-Form erzählen, lernt man als Leser auch beide sehr gut kennen und fühlt mit beiden mit. Scheint anfangs die eine Schwester sympathischer, lernt man doch auch bald die andere zu verstehen. Sehr schön ist es, mitzuerleben, wie die beiden sich entwickeln. Am Ende ist keine mehr so, wie sie am Anfang war.

Nina Blazon gelingt es wieder einmal, die Leser an der Nase herumzuführen und nach Strich und Faden zu täuschen. Ständig muss man seine Meinung, wer nun gut und wer böse ist, revidieren. Nichts ist so, wie es scheint. Es gibt immer mehr als eine Wahrheit. Auch an Spannung wurde hier nicht gespart. Manche Szenen sind so nervenaufreibend, dass ich fast vergaß zu atmen. Dafür wäre ich bei anderen fast dahingeschmolzen, so schön und rührend sind sie. Mystische Geschichten innerhalb des Buches runden die Handlung perfekt ab.

Fazit:
Anspruchsvolle Jugendfantasy, auch für Erwachsene bestens geeignet ?

★★★★★

Herzlichen Dank an cbt für das Leseexemplar für die Leserunde auf leserunden.de und an Nina Blazon für die Begleitung der Leserunde.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Solider Krimi

Mörderische Angst
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Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 2 (20. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596032402
Originaltitel: The Dead will tell
Preis: 9,99 €

Solider Krimi

Inhalt:
Painters ...

Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 2 (20. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596032402
Originaltitel: The Dead will tell
Preis: 9,99 €

Solider Krimi

Inhalt:

Painters Hill, 1979. Ein missglückter Raubüberfall kostet eine ganze Amisch-Familie das Leben, nur der 14-jährige Sohn Billy überlebt. Das Verbrechen wird nicht aufgeklärt.

Painters Hill, 2014. Ein Mann wird erhängt in seiner Scheune aufgefunden. Selbstmord? Mord? Chief of Police Kate Burkholder ermittelt. Schon bald finden sich bedrohliche Nachrichten an verschiedene Leute und weitere Tote folgen …

Meine Meinung:
„Mörderische Angst“ ist bereits der 6. Teil der Reihe um Kate Burkholder. Ich kenne die vorhergehenden Bände nicht, was ich aber nicht als störend empfand. Burkholders berufliche und private Entwicklung spielt keine so große Rolle, dass man sie unbedingt von Anfang an mitverfolgen müsste. Und der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen.

Mir gefiel der Schreibstil ganz gut. Der Roman lässt sich gut und flüssig lesen. Dadurch dass Kate Burkholder als Ich-Erzählerin fungiert, ist man natürlich ganz nah an dieser Protagonistin dran und bei den Ermittlungen hautnah dabei. Allerdings werden einige Abschnitte auch aus einer anderen Perspektive erzählt. So weiß der Leser immer mehr als die Polizistin. Das fand ich weniger gelungen, denn es nimmt doch sehr viel von der Spannung. Überhaupt hätte ich von einem Thriller mehr Spannung erwartet, atemberaubende Spannung, die meinen Adrenalinspiegel ansteigen lässt. Die habe ich hier leider nicht gefunden. Ich will damit nicht sagen, dass das Buch nicht spannend ist, aber es fehlte mir eben der Thrill.

Aber die Geschichte ist gut konstruiert und hält einige Überraschungen parat, was mir sehr gut gefallen hat.

Die Charaktere wirken authentisch. Vor allem die Amischen werden sehr gut dargestellt. Die Atmosphäre des Misstrauens zwischen den Amischen und den „Englischen“ kommt deutlich heraus.

Fazit:
„Mörderische Angst“ ist ein solider Krimi ohne große Mängel, aber nicht wirklich herausragend. Das gewisse Etwas hat mir einfach gefehlt.

Kate Burkholder-Reihe:
1. Die Zahlen der Toten
2. Blutige Stille
3. Wenn die Nacht verstummt
4. Tödliche Wut
5. Teuflisches Spiel
6. Mörderische Angst

★★★★☆

Veröffentlicht am 15.09.2016

Vielfältige Weiterführung der Wandler-Dystopie

Vollendet – Die Rache
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Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Verlag: FISCHER Sauerländer (25. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3737350471
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Unsouled
Preis: im ...

Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Verlag: FISCHER Sauerländer (25. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3737350471
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Unsouled
Preis: im Buchhandel vergriffen
als E-Book erhältlich

Dies ist bereits der 3. Band der Vollendet-Reihe. Man sollte die ersten beiden Bände unbedingt gelesen haben, um der Handlung folgen zu können. Achtung: Meine Rezension kann SPOILER zu den Vorgängerbänden enthalten.

Vielfältige Weiterführung der Wandler-Dystopie

Inhalt:

Nachdem die jugendlichen Wandler vom Flugzeugfriedhof geflüchtet sind, versuchen Connor und Lev sich zu Sonia durchzuschlagen, wo sie auf ein sicheres Versteck und Hilfe hoffen. Risa ist auf sich allein gestellt, und Cam lehnt sich gegen Roberta auf. Währenddessen reißt Starkey immer mehr Macht an sich und boykottiert damit Connors Bemühungen auf Frieden.

Meine Meinung:
Nachdem ich von Band 1 und 2 restlos begeistert war, schwächelt der 3. Band nun etwas, aber wirklich nur etwas. Er beginnt einfach ein bisschen geruhsamer, ist insgesamt weniger actionreich und energiegeladen. Die Handlung kommt nicht so rasant vorwärts und bietet nicht so viel Neues wie in den Bänden davor. Und doch ist dieser Band notwendig, um alles für das große Finale in Band 4 vorzubereiten, die Charaktere entsprechend aufzubauen und sie mit dem Wissen zu versorgen, das sie für den entscheidenden Kampf brauchen werden.

Dabei wechselt die Perspektive wie gewohnt zwischen den einzelnen Charakteren. Zuweilen waren es mir fast zu viele Wechsel, denn kaum hatte man sich in den einen Handlungsstrang eingelesen, wurde man schon wieder an den nächsten Schauplatz katapultiert und musste sich dort von Neuem orientieren. So hat man aber eine Vielzahl von Erzählsträngen, die die Geschichte in viele Richtungen weiterführen. Und auch wenn die einzelnen Protagonisten voneinander getrennt unterwegs sind, sind ihre Wege doch irgendwie miteinander verwoben.

Shusterman beantwortet mit diesem Band einige Fragen, aber längst nicht alle. Er gibt uns Einblick in die Hintergründe der Umwandlung und spart mal wieder nicht an Gesellschaftskritik. Gerade wenn es um den Verbundmenschen Camus Comprix geht, wird es auch richtig philosophisch. Was macht einen Menschen, ein Individuum aus? Kann Cam als Mensch gelten, oder ist er ein Ding? Ist er viele Menschen oder ein einzelner?

Der Schluss ist recht befriedigend und gibt Hoffnung, dass sich im Abschlussband der Reihe vielleicht doch noch alles zum Guten wenden könnte.

Ob und wann der 4. Band auf Deutsch erscheint, ist mir leider nicht bekannt. Ich hoffe, es dauert nicht mehr allzu lange. Ansonsten bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als zum englischen Titel „Undivided“ zu greifen.

★★★★☆