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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.02.2026

Leichte Literatur

Wir Freitagsmänner
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Leichte Literatur

Eigentlich lese ich solche Bücher eher selten. Diesmal habe ich nur zugegriffen, weil ich den Klappentext und auch die Hörprobe klasse fand. Der Sprecher Christoph Maria Herbst macht ...

Leichte Literatur

Eigentlich lese ich solche Bücher eher selten. Diesmal habe ich nur zugegriffen, weil ich den Klappentext und auch die Hörprobe klasse fand. Der Sprecher Christoph Maria Herbst macht seine Sache wirklich gut, liest gut betont und verleiht den verschiedenen Figuren Charakter. Ich habe ihm sehr gerne gelauscht. Das Hörbuch ist ungekürzt und hat eine Laufzeit von 6 h 34 min.

Trotz des ernsten Themas - die Wechseljahre des Henri Albers - ist der Roman dank seines leichten Schreibstils sehr locker zu genießen. Der Humor ist fast genau auf meiner Wellenlänge. Immer wieder musste ich schmunzeln oder gar laut lachen. Henri fand ich größtenteils sympathisch. Und auch seine Hündin Bobby ist herzallerliebst.

Henri ist geschieden, aber aktuell wieder auf der Suche nach einer Partnerin. Bei einem sehr kuriosen Date lernt er zufällig Emily kennen und ist quasi schockverliebt. Doch Emily hat ganz andere Interessen. Mit diversen Tricks versucht Henri, sie für sich zu gewinnen. Das war zunächst ganz lustig, am Ende war mir Henris Aufdringlichkeit aber definitiv zu viel. Darüber konnte ich dann nicht mehr lachen.

Interessant fand ich jedoch die Gedanken zu den Wechseljahren des Mannes. Als Frau habe ich mir da ehrlich gesagt noch keine großen Gedanken dazu gemacht. Hier konnte ich einiges dazulernen.

★★★★☆

Veröffentlicht am 24.02.2026

Atmosphärisch dicht

Fünf Fremde
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Atmosphärisch dicht

Nordseeinsel Neuwerk, August 1995. Während eines Schullandheimaufenthalts verschwinden die Teenager Isa und Janosch. Nach Tagen wird Isa gefunden, so traumatisiert, dass sie kein Wort ...

Atmosphärisch dicht

Nordseeinsel Neuwerk, August 1995. Während eines Schullandheimaufenthalts verschwinden die Teenager Isa und Janosch. Nach Tagen wird Isa gefunden, so traumatisiert, dass sie kein Wort spricht. Was mit Janosch geschah, bleibt ungelöst.

Dreißig Jahre später treffen verschiedene Personen auf Neuwerk aufeinander. Manche kennen sich von früher, andere sind sich bis dahin fremd, doch alle haben irgendwie mit dem Fall von damals zu tun. Ihr Zusammentreffen ist kein Zufall …

Der Anfang dieses Buches ist einfach großartig. Es hat mich sofort gepackt und ich fand mich auf der kleinen Nordseeinsel wieder, die ich zwar nicht in Wirklichkeit kenne, aber nach dieser Lektüre zu kennen glaube, so lebensecht wird sie und ihre Bewohner beschrieben.

Die Ereignisse werden so intensiv und atmosphärisch geschildert, dass man meint, mittendrin dabei zu sein. Nicht nur die ungeklärten Vorkommnisse in der Vergangenheit, sondern auch solche in der Gegenwart lassen einen hin und wieder zusammenzucken. Ein Übriges tut ein fürchterlicher Orkan, der das Fortkommen auf und von der Insel unmöglich macht.

Aus wechselnden Perspektiven und in zwei Zeitebenen (1995 und 2025) setzt sich nach und nach ein komplexes Bild der ganzen Handlung zusammen. Man kann dabei sehr gut miträtseln, wer und was hinter der ganzen Geschichte steckt. Einiges habe ich dabei schon früh vermutet, anderes konnte mich überraschen. Aber leider erschien mir die Auflösung zu konstruiert und unwahrscheinlich. Da spielen schon ziemlich viele Zufälle und nicht nachvollziehbares Handeln mit.

Nichtsdestotrotz hat mir das Buch aufgrund seiner vielen spannenden Elemente und der lebendigen Erzählweise gut gefallen.

★★★★☆

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 24.02.2026

Schuld, Magie und Liebe

Das White Octopus Hotel
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Schuld, Magie und Liebe

Als Eve Shaw auf ihrer Arbeitsstelle von einem fremden alten Herrn besucht wird, der denselben Namen trägt wie Eves Lieblingskomponist Max Every, hat sie das unheimliche Gefühl, ...

Schuld, Magie und Liebe

Als Eve Shaw auf ihrer Arbeitsstelle von einem fremden alten Herrn besucht wird, der denselben Namen trägt wie Eves Lieblingskomponist Max Every, hat sie das unheimliche Gefühl, ihn zu kennen. Doch das scheint unmöglich. Und nun bittet dieser Max Every sie auch noch, ins White Octopus Hotel in den Schweizer Bergen zu reisen. Eves Recherchen ergeben, dass das Hotel bereits vor über achtzig Jahren geschlossen wurde. Trotzdem macht sie sich auf den Weg und landet in einem eleganten Grand Hotel mit mysteriösen Gegenständen, Zeitreisezimmern und vielen Geheimnissen.

Mich konnte Eves Geschichte richtig packen, denn sie ist weitaus tiefgründiger als es der erste Anschein erahnen lässt. Seit vielen Jahren plagt Eve sich mit Schuldgefühlen und zieht sich immer mehr in sich zurück. Das Auftauchen des Fremden rüttelt sie auf, zumal es auch das Gerücht gibt, dass man im White Octopus Hotel die Zeit zurückdrehen könnte. Könnte Eve den Tod ihrer kleinen Schwester damit ungeschehen machen? Auch Max Every trägt eine schwere Last. Im Ersten Weltkrieg hat er so viel Leid mit ansehen müssen, was ihm zuweilen den Lebensmut nimmt.

Obwohl beide Protas schier unter ihrer Last zu zerbrechen drohen, schafft Alexandra Bell es, eine hoffnungsvolle Atmosphäre zu kreieren. Mit einem leichten Schreibstil und der sanften Entwicklung einer Romanze ist dieses Buch einfach schön und sehr berührend. Allerdings hatte ich beim Hören leichte Schwierigkeiten, den Zeitreisesprüngen zu folgen. Hier gibt es einiges an Hin und Her. Das Buch handelt in drei Zeitebenen: Gegenwart (2016), 1935 und 1918. Anfangs fand ich dies verwirrend, später hatte ich mich daran gewöhnt. Es hat mir sogar sehr gut gefallen, wie die verschiedenen Zeitstränge miteinander verwoben sind. Je mehr man die Verbindungen aufdeckt, desto mehr Überraschungen kommen auch zum Vorschein.

Ich habe das Hörbuch gehört, gesprochen von Sarah Dorsel und Sebastian Fischer. Beide machen ihre Sache sehr gut, lesen gut betont und transportieren mit ihrer Stimme die Atmosphäre zu den Hörenden. Der Text ist ungekürzt, die Lauflänge beträgt 10 h 49 min.

Gerne empfehle ich diese magische und berührende Geschichte weiter.

★★★★☆

Veröffentlicht am 20.02.2026

Hat was, aber leider nicht genug

Unser Haus mit Rutsche
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Hat was, aber leider nicht genug

Layla Beni Sayed hadert mit sich und ihrem Leben. Verschiedene berufliche Ansätze waren nicht von Erfolg gekrönt. Auch die Schriftstellerei läuft ihr nicht einfach von ...

Hat was, aber leider nicht genug

Layla Beni Sayed hadert mit sich und ihrem Leben. Verschiedene berufliche Ansätze waren nicht von Erfolg gekrönt. Auch die Schriftstellerei läuft ihr nicht einfach von der Hand. In Gesprächen mit ihrer Psychotherapeutin und ihrem Hausarzt kommt sie sich selbst näher.

In episodischen Rückblenden begleiten wir Layla durch ihre außergewöhnliche Kindheit in Saarbrücken. Behütet von einer französischstämmigen Mutter und einem irakischen Vater, der oft auf Reisen ist, verläuft ihr Leben anders als das ihrer Freundinnen. Amir, der Vater, ist eine schillernde Person, in gewisser Weise ein Traumtänzer, der seiner Familie die tollsten Träume ausmalt, wie zum Beispiel das Haus mit Rutsche in Bagdad. Doch immer wieder kommt etwas dazwischen, beispielsweise der Golfkrieg, wodurch Amir arbeitslos wird und nicht wieder auf die Beine kommt.

Wir haben an bestimmten Ereignissen Anteil, aber auch am ganz gewöhnlichen Alltag dieser Familie - alles betrachtet durch die Augen des Kindes Layla. Vieles hätte ich mir tiefgründiger und intensiver gewünscht, aber klar, ein Kind begreift die Dinge nicht so wie ein Erwachsener. So empfand ich vieles als eher belanglos, was für die kleine Layla eine große Bedeutung hatte. Nichtsdestotrotz war es interessant, einen Blick in diese bunte Familie (auch auf die weiteren Familienangehörigen in Frankreich und im Irak) zu werfen und das Aufeinanderprallen der grundverschiedenen Kulturen zu beobachten.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, zuweilen mit einer Prise Humor gewürzt, sodass man fast über die zum Teil schlimmen Ereignisse hinweg getäuscht wird.

Die Handlung in der Gegenwart gefiel mir bei Weitem nicht so gut wie die in der Vergangenheit. Laylas Gedanken haben mich hier verwirrt und vor allem die wiederkehrenden Suizidgedanken fand ich verstörend.

Das Buch erschien im Februar 2026 im Carl Hanser Verlag.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 17.02.2026

Das war nicht meins

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Das war nicht meins

Das Ende des Kalten Krieges muss gefeiert werden. Zu diesem Anlass trifft man sich im Garten der Botschaft der Russischen Föderation in Rom. Der alternde Doppelagent Dieter Germeshausen, ...

Das war nicht meins

Das Ende des Kalten Krieges muss gefeiert werden. Zu diesem Anlass trifft man sich im Garten der Botschaft der Russischen Föderation in Rom. Der alternde Doppelagent Dieter Germeshausen, der unter den neuen Umständen um seine Lebensgrundlage fürchtet, hat einen letzten Plan, bevor er sich zurückziehen will. Doch dazu braucht er den jungen Dichter Jakob Dreiser, der im Gegensatz zu Germeshausen gut mit Worten umgehen kann. Gemeinsam reisen sie nach Kasachstan, damit Germeshausen das große Geld scheffeln kann. Doch Jakob Dreiser ist von seiner neuen Spionagetätigkeit so begeistert, dass er Germeshausens Anweisungen spontan in den Wind schlägt und auf eigene Faust handelt …

Von Kristof Magnusson habe ich bereits „Das war ich nicht“ gelesen, und das gefiel mir um Längen besser. Mit „Die Reise ans Ende der Geschichte“ konnte ich leider nicht viel anfangen. So witzig wie im Klappentext versprochen, fand ich das Buch bei Weitem nicht. Die Charaktere sind slapstickartig überzeichnet, dabei aber erstaunlich eindimensional und nichtssagend bis unglaubwürdig.

Nach einem spannenden Anfang, wo Germeshausen einen Giftanschlag erleidet, geht es erst mal recht gemächlich in der Vergangenheit weiter. Über Seiten wird die Party im Garten der russischen Botschaft beschrieben, ohne dass etwas Wesentliches geschieht. Ganz langsam werden hier Germeshausen und Dreiser zusammengeführt. Das hätte für meinen Geschmack ruhig etwas schneller passieren dürfen. Und die Story zieht sich auch danach in die Länge. Erst gegen Ende kommt dann etwas Tempo und auch Spannung auf. Und dann ist plötzlich Schluss, ohne dass die Geschichte ans Ende gekommen wäre - zumindest empfinde ich es so.

Sprachlich ist der Roman sehr in Ordnung, auch die Idee ist toll. Doch leider schaffte der Autor es nicht, mir die Figuren nahe zu bringen.

★★★☆☆