Angst vor dem Altern
Der Preis der TreueIn 'Der Preis der Treue' spricht in endlosen Monologen ein vierundfünfzigjähriger Mann davon in Alix verliebt zu sein. Seit einem Jahr. Er ist verheiratet (was Alix gut passt) und er liebt seine Frau, ...
In 'Der Preis der Treue' spricht in endlosen Monologen ein vierundfünfzigjähriger Mann davon in Alix verliebt zu sein. Seit einem Jahr. Er ist verheiratet (was Alix gut passt) und er liebt seine Frau, mit der er eine Tochter hat.
Am Morgen des Tages als er mit seiner Marseiller Familie nach New York fliegen will, sitzt er in seinem Arbeitszimmer und will eine Entscheidung treffen.
Unter der Woche ist er in Paris und bei seiner Geliebten, am Wochenende bei seiner Familie in Marseille.
Er ist verliebt in Alix (die einzige mit Namen, alle anderen bleiben namenlos), ist sexuell von ihr angezogen. Er liebt seine Frau, doch nach so viel Jahren Ehe ist eben der Glimmer nicht mehr da.
Es ist wie es ist, keine neue Entdeckung, denn viele ältere Männer haben Angst vor dem Altwerden (die Altersflecken, Hörprobleme, Gebrechlichkeit). Das überdeckt man mit einer jungen saftigen Geliebten. Der Reiz des Lebens... wieder selbst jung fühlen. Doch ... hallo? Es ist nicht so. Und seine Selbstzweifel beginnen... was wenn sie einen anderen kennenlernt? Der Ich - Erzähler erzählt nur von sich. 174 Seiten lang. Ein langer Monolog. Kurze Kapitel. Weiße Seiten. Große Schrift (als wär' das Buch extra für den Vierundfünfzigjährigen mit schon leichten Leseproblemen geschrieben). Schnell durchgelesen, aber auch nicht so tiefgründig, also auch wieder schnell vergessbar...
Was sagt mir das Buch? Ich kenne eher die Realität, Freundinnen (nein, nein, keine Jüngeren), die sich verheiratete Liebhaber halten... Ältere Männer, die sich Geliebte halten, sogar Kinder mit ihnen zeugen... Ältere Männer, die sogar die jungen Frauen heirateten... ist doch alles da... immer wieder. Nichts Neues unter der Sonne.
Und warum schrieb Diane Brasseur dieses Büchlein? Ihr Debütroman. Dreiecksbeziehungen abgedroschen, wie gesagt nichts Neues. Durchlebt sie selbst so eine Dreiecksbeziehung? Ist sie die junge Geliebte und versucht den Blickwinkel ihres älteren, verheirateten Liebhabers?
Die Autorin schreibt sonst Skripte für Drehbücher, daher der abgehakte Stil.
Das Umschlagsbild passt zur Situation 'Treue - Untreue', eine junge Frau, lasziv sitzend, halb angezogen, auf einem Bett, mit Zigarette, der Blick - wie nach dem Sex - lüstern auf ihren Geliebten...
Ich!
Interessant mal die Perspektive... und das in Zeiten von Polyamorie (halt, das sind ja die Jungen, nicht die Verheirateten...). Liest sich mal frisch, mal nachdenklich, aber nicht unbedingt lebensverändernd...