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Veröffentlicht am 07.03.2023

Vater, Mutter, zwei Töchter

Irgendwann in Marrakesch
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Tja, wenn das so einfach wäre - Vater, Mutter, zwei Töchter... Vater in Marokko, Mutter im Norden von Deutschland verstorben, die eine Tochter lebt noch in Deutschland, die andere in London...

In diesem ...

Tja, wenn das so einfach wäre - Vater, Mutter, zwei Töchter... Vater in Marokko, Mutter im Norden von Deutschland verstorben, die eine Tochter lebt noch in Deutschland, die andere in London...

In diesem Roman auf knapp 400 Seiten ist alles drin was so ein Drama braucht... Vater, Großspuhr, Diplomat, charmant, auf großem Fuß lebend; Mutter, eher verzagt, Selbstmord... Töchter, die eine kommt nach dem Vater, die andere schreibt ein Buch über die Familie (und katapultiert sich damit aus den verbliebenen Familienbanden). Doch dann - der Vater liegt im Sterben.

Und durch dieses familiäre Zusammentreffen wird viel aufgedeckt, denn so manches blieb ungesagt... Dazu kommt eine neue Liebe, Ehen zerbrechen, die Tochter der einen Tochter wird flügge und geht ihren eigenen Weg.

Es ist alles drin, was so in einem Leben drin stecken könnte... Homosexualität, verratene Liebe, verbotene Liebe, viel Tod, Politik, Putschversuche... gescheiterte Lebensentwürfe... Betrug, Veruntreuung... Reiche und weniger Reiche. Freundschaften, wahre und weniger wahre... Überfälle, versuchte Mordanschläge, durchgeführte Mordanschläge...

Wie gesagt, alles ist drin... Dazwischen viel zu dem Land Marokko, da sitzt man gemütlich bei einer Tachine und bei viel gesüßtem Minze - Tee, da ruft der Muezzin zum Abendgebet, da weht der Saharawind... Das heißt, viel Lokalkolorit.

Wer ein nettes Büchlein dazwischen lesen möchte, einfach mal ausspannen und nicht an viel Ernsthaftes denken, sondern vom Strom der Worte mitreißen lassen - der liegt bei dem Roman richtig... sich in ein anderes Leben (bzw. in ein paar andere Leben) hineindenken und sich vom eigenen, eventuellen schweren, Leben ablenken lassen...

Danach taucht man wieder auf und denkt, na so schlimm ist ja mein eigenes Leben gar nicht, nach dem was die alles mitmachen mussten, und trotzdem haben sie neue Wege gefunden... also so eine Art Vorbildfunktion, von wegen gib' nicht auf, oder wenn das Leben dir nur Zitronen gibt, mach' halt Limonade daraus!

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Veröffentlicht am 05.03.2023

Thea, Otto, Nella & Cornelia - ein Haus mit Geheimnissen

Das Haus an der Herengracht
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Amsterdam, Beginn des18.Jhdts: Thea Brandt hat eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater namens Otto. Etwas Unerhörtes zu dieser Zeit, dann waren auch noch Vater und Mutter unverheiratet. Nella (Petronella ...

Amsterdam, Beginn des18.Jhdts: Thea Brandt hat eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater namens Otto. Etwas Unerhörtes zu dieser Zeit, dann waren auch noch Vater und Mutter unverheiratet. Nella (Petronella Oortmann) ist die Tante, die den Bruder ihrer Mutter heiratete. Onkel Johannes Brandt wurde hingerichtet, ertränkt. Die Mutter starb bei Theas Geburt.
Der Roman beginnt mit Theas 18. Geburtstag. Ihr einziges Glück sei sich gut zu verheirateten. Doch Thea ist verliebt, sie liebt das Theater. Rebecca - die Hauptdarstellerin vieler Stücke - ist mit ihr befreundet. Und da ist Walter... Bei einem Ball soll sie Interessenten um ihre Hand bekannt gemacht werden...

Thea tritt anfänglich als verwöhntes, aber gleichzeitig intelligentes und mutiges, Gör auf. Die Erwachsenen um sie haben immer alles für sie getan, auch wenn deren Mittel und Möglichkeiten (eine verarmte und in Ungnade gefallene Kaufmannsfamilie) Grenzen aufwiesen. Am Anfang möchte man die junge Frau öfters mal schütteln, von ihrem Tun abhalten. Aber das gehört zur Dramaturgie des Romans, ebenso wie der Reifeprozess der Heranwachsenden. Tante Nella widmet ihr Leben dem Haushalt und hat eben nur eines im Sinn – eine reiche Heirat für Thea. Sie versperrt sich allem Anderen. Otto, der Vater, ist nicht gerade glücklich in der Lebensführung, doch er liebt seine Tochter über alles. Und Cornelia ist die Perle im Haus, die hart arbeitet, sie verköstigt mit Leckereien und seelischen Pein lindert.

Es ist keine einfache Lektüre, aber wohl ein Sittenbild der damaligen Zeit. Was für Möglichkeiten gab es zu jener Zeit für Frauen? Die Gesellschaft ist heuchlerisch, missgünstig und orientiert sich nur an Statussymbolen. Gewählte Worte! Reichhaltiger Text, auch mit philosophischem Anspruch. Das Buch erfordert Durchhaltevermögen, doch das wird belohnt! Der englische Titel lautet: The House of Fortune. Das bedeutet schon etwas und birgt auch Hinweise - ist das Haus in der Herengracht damit gemeint oder ein anderes? Es ist keine leicht verdauliche Kost, sondern hat literarischen Anspruch.

Das Umschlagsbild sieht aus wie ein Puppenhaus und soll wohl den etwas komplizierten Haushalt zeigen. Es gibt ein Vorläuferbuch, welches Nellas Ankommen in der Herengracht beinhaltet. Das Buch ist ein historischer Roman. Auf Logik darf der Roman nicht untersucht werden. Denn da würde man auf einiges stoßen, was so nicht sein kann. Es passieren mysteriöse Dinge, Unbekannte treten auf und die Akteure entwickeln verwirrende Gefühle …

Jessie Burton (Schauspielerin und Autorin) hat ein Vorgängerbuch geschrieben (was aber nicht unbedingt zum Verstehen dieses Romans notwendig ist) – 'Die Magie der Kleinen Dinge'. In Realität hat die Autorin im niederländischen Rijksmuseum in Amsterdam ein Puppenhaus mit Miniaturen gesehen (ein außergewöhnliches Stück Kunst). Das Puppenhaus gehörte Petronella Oortman, verheiratet mit dem Amsterdamer Kaufmann Johannes Brandt. Das Modell entsprach einem tatsächlichen Hauspalast eines reichen Patrizier in Amsterdam und kostete in der Anfertigung genauso viel wie ein solches Haus. Burton wurde durch dieses Puppenhaus zu den beiden Romanen inspiriert. Jessie Burton hat für den ersten Roman viele Preise erhalten.

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Veröffentlicht am 05.03.2023

Nachkriegsnorwegen, Erinnerungen - Juni, Lilla, Thekla

Als Großmutter im Regen tanzte
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Der Regen ist der Applaus des Lebens! Dazu der Titel: Als Großmutter im Regen tanzte... (wer noch nie barfuß im Regen tanzte versteht das vielleicht nicht...) Der Titel - hat was mit Kraft und Freude zu ...

Der Regen ist der Applaus des Lebens! Dazu der Titel: Als Großmutter im Regen tanzte... (wer noch nie barfuß im Regen tanzte versteht das vielleicht nicht...) Der Titel - hat was mit Kraft und Freude zu tun, dabei ist der Text ziemlich ernst... über eine ernste und harte Zeit. Doch gut, das diese auch aufgearbeitet wird.

Sehr schönes Umschlagsbild - die junge Frau, die am Wasser sitzt und sinnierend darüber schaut; Erinnerungen, über jemanden, Verstorbene.

Es sind die Kleinigkeiten. Lilla, mit denen man sich an sie erinnert. Alle gehen, wir gehen alle, doch was bleibt... Juni erbt das Haus ihrer verstorbenen Großeltern, auch ihre Mutter Lilla starb erst kürzlich. Beim Sichten der vorhandenen Dinge findet Juni ein ihr unbekanntes Foto. Es zeigt Großmutter Tekla mit einem deutschen Soldaten. Wie ist die Geschichte zu diesem Bild? Dazu noch ein Brief an die Großmutter aus dem Jahr 1946 mit einem deutschen Poststempel.

„Als Großmutter im Regen tanzte“ erzählt die jeweilige Geschichte, aus dem Blickwinkel von Juni und Tekla. Und damit die Geschichte der drei Frauen (Großmutter Tekla, deren Tochter Lilla (Mutter von Juni) und Enkelin Juni. Theklas Lebensweg (Zweiter Weltkrieg) ist nicht leicht verdaubar und macht sehr nachdenklich. Thekla folgt ihrem deutschen Soldaten nach Deutschland, nach Demmin.

Die Situation in Deutschland und vor allem diejenige der im Osten liegenden Stadt Demmin (Brandenburg) damals und heute ist gut recherchiert. Die Geschehnisse sind seriös und auch, wo es nicht anders ging, brutal mit aller Offenheit erzählt. Zugleich ist es ein Roman über die Kraft der Liebe.

Der fiktive Roman ist sehr gut recherchiert, auch anhand von Zeitzeugen. Die Autorin Trude Teige ist nach Demmin gefahren. Ich hatte noch nie von der Stadt gehört und selbst dann viel noch nachgelesen und über das schreckliche Unglück dort gelesen (Hintergründe und mögliche Beweggründe). Die Berichterstattung zur deutsch-norwegischen Geschichte (da ich norwegische Freund:innen habe) war mir wichtig. Rundum ein schön geschriebener und zutiefst berührender historischer Roman.

Trude Teige, Als Großmutter im Regen tanzte, Roman, eBook, Fischer Verlag

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Veröffentlicht am 05.03.2023

Blutland - Ukraine, 2014

Rote Sirenen
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Jedes Land hat seine Höhepunkte in der Geschichte und Tiefpunkte, unter der das ganze Volk litt und beinahe zugrunde ging. Das weiß die deutsche Geschichte gut genug zu berichten Doch manche Völker, die ...

Jedes Land hat seine Höhepunkte in der Geschichte und Tiefpunkte, unter der das ganze Volk litt und beinahe zugrunde ging. Das weiß die deutsche Geschichte gut genug zu berichten Doch manche Völker, die nie sehr groß und mächtig waren, die wurden oft von anderen Völkern überrollt und unterdrückt, so z.B. Polen. Aber auch die Ukraine. Erst in letzter Zeit wird das Thema 'Hungersnot' und 'Hungertod' (Holodomor) in der Ukraine auch außerhalb des Landes thematisiert. Die große Hungersnot in Irland (wo die Briten eine unheroische Rolle spielten) ist gut aufgearbeitet worden. Doch so lange die UdSSR existierte wurde das Leid der ukrainischen Bevölkerung unterdrückt. Jetzt, wo die Ukraine wieder von Russland überfallen wurde und in einen unsäglichen Krieg gezwungen, ist es an der Zeit die Leiden und die Kultur des ukrainischen Volkes darzustellen.
Victoria Belim geht in ihrem Buch „Rote Sirenen“ ihrer eigenen Familiengeschichte nach.

Victoria Belim geht mit 15 Jahren aus der Ukraine in die USA, heute lebt sie in Brüssel. 2014 reist sie nach längere Zeit wieder in die Ukraine. Sie will ihre Großmutter sehen und sie will mehr von ihrer Familie erfahren (Herkunftsfamilie). Dabei muss sie sich durch die leidvolle Geschichte der Ukraine im 20. Jahrhundert (Stalin, Holodomor und Zweiter Weltkrieg) gedanklich kämpfen.

Valentina setzt sich mit Onkel Wladimir auseinander (alte UdSSR und Amerika) - die alte Garde und neues Wissen. Per Email. Beide Seiten sind streng mit der anderen Seite. Doch dann im Dorf, Erinnerungen an die Jugend: So gut wie jede Familie beklagt verlorene Familienmitglieder. Wo ist Urgroßonkel Nikodim abgeblieben, was ist mit ihm geschehen? Keiner redet über ihn. Die Autorin möchte erfahren was ihm zustieß. Doch Großmutter Valentina wehrt das ab. Dagegen werkeln Großmutter und Enkelin gemeinsam im Garten, besonders im Kirschgarten (der an Urgroßmutter Asja erinnert und von Großmutter Valentina gehegt und gepflegt wird). Doch das große Familiengeheimnis steht zwischen ihnen.

Emotional sehr anrührig. Nebenbei erfährt man sehr viel über das ukrainische Leben und die Traditionen.
Stark auffälliges Umschlagsbild, auffällig rot-pink golden – gleichzeitig aber auch schön mit diesen Hähnen (der Hahn – Symbol des ukrainischen Widerstands).

„Rote Sirenen – Geschichte meiner ukrainischen Familie“, Victoria Belim, Aufbau-Verlag, übersetzt (Englisch) von Ekaterina Pavlova, Januar 2023

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Veröffentlicht am 01.03.2023

Dritter Teil der Rachejagd – der Höhepunkt und die Auflösung!

Rachejagd - Zerstört
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Und es geht gleich spannend weiter: Bereits im Prolog wird an die gemeinsame Schulzeit erinnert – Anna, Nick, Roger, Paigne. Vier Freunde, die eng zusammen waren und viel gemeinsam erlebten... Vor 15 Jahren. ...

Und es geht gleich spannend weiter: Bereits im Prolog wird an die gemeinsame Schulzeit erinnert – Anna, Nick, Roger, Paigne. Vier Freunde, die eng zusammen waren und viel gemeinsam erlebten... Vor 15 Jahren. Roger ist bereits tot (im zweiten Teil). Leben noch drei...

Da ist jemand misshandelt worden, ein Samuel. Der voller Hass ist, dazu ist er ein reicher Kerl (Geld verdirbt bekanntlich den Charakter, oder?). Ob er der Strippenzieher ist, der jenige, der alles so gemein aus Rache eingefädelt hatte und all' diese Menschen ermorden ließ, der 'Werkzeuge' manipulierte und so gut wie jeden ans Messer lieferte?

Schlag auf Schlag passieren wieder schreckliche Dinge, Vorfälle mit Mord und Totschlag, mit Feuer und Nervengas. Wieder werden Freunde ermordet, wieder gibt es viel Leid und Schmerz. Genauso wie es der Strippenzieher will... er, der Rächer.

Doch einfach ist es eben nicht – denn auch hinter den Kulissen wird manipuliert und an den Strippen gezogen. Wer ist denn nun wirklich?

Ein Werk über 1.200 Seiten dermaßen spannend aufzuziehen, verlangt ganz schön ausgefeilte Techniken, Strategie und Disziplin. Immer wieder tauchen Namen auf, die bereits in den früheren Bänden behandelt wurden (jedoch – so verstehe ich es – sind die Bände unabhängig von einander lesbar, man versteht schon was früher passierte; wobei ich natürlich alle Bände kenne)

Nica Stevens und Andreas Suchanek, das Autorenpaar, haben wirklich ein ausgefeiltes Werk präsentiert, das viele vergnügliche Lesestunden beschert. Eigentlich eher ein rauschhaftes Lesen, denn wer einmal begonnen hat in die Geschichte einzutauchen hat Probleme wieder nach Luftschnappend an die Oberfläche zu kommen. Es wird alles aufgetischt, was das Genre Thriller zu bieten hat – Grausames in die letzten Details ausgearbeitet. Aber auch unendliche Freundschaft (wirklich? Oder sind da auch Verräter dabei?)

Und dann fragt sich der lesende Mensch - könnte das in der Realität auch so passieren? Nein, ganz bestimmt nicht, denn so wie ich die deutsche Kripoarbeit mitbekommen habe, wird intensiv recherchiert. Und es gibt nicht den perfekten Mörder – eine Spur übersieht auch ein Perfektionist... Doch das hier ist ein Roman, Fiktion, und der Spannung wegen wird hier einiges stehengelassen, was – um es ganz klar zu sagen – die Ermittlungsbeamt:innen nicht übersehen würden. Die Dramatik ist unglaublich, aber wie gesagt – es ist Fiktion!

Ein Superthriller, der es wert ist, dass jede Seite gelesen wird.

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