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Veröffentlicht am 20.04.2022

Die verrückten 70er

Rückwärts laufende Hunde
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Der Titel rückwärts laufende Hunde im Rote Katzen Verlag hat ein Alleinstellungsmerkmal. Da Hunde nicht rückwärts laufen, nur wenn sie Angst haben, und es auch sonst keinen Begriff dafür gibt, hat sich ...

Der Titel rückwärts laufende Hunde im Rote Katzen Verlag hat ein Alleinstellungsmerkmal. Da Hunde nicht rückwärts laufen, nur wenn sie Angst haben, und es auch sonst keinen Begriff dafür gibt, hat sich der Rote Katzen Verlag (auch ein sehr eigener Name) sich einen besonderen Titel ausgesucht. Im Roman kommt mehrmals der Begriff „rückwärts laufende Hunde“ vor – immer für bestimmte Wolkenformationen.

Das Buch über Joe Ahlers beginnt mit 1970 und zieht sich über vier Kapitel bis zum Jahr 1980. Es ist auch ein ‚coming to age‘ - Roman in den 70ern und alles, was dort so passierte, taucht auf:
Zu Joe – er verliert seinen Vater vor seiner Geburt (der Vater wollte bei einem Verkehrsunfall auf einer Autobahnbrücke helfen und wurde von einen Kleintransporter über die Leitplanke geworfen).Joe wächst mit seiner Mutter Victoria auf, die eine Schönheitsfarm aufmacht, jedoch immer unter finanziellen Problemen leidet. Joe erkennt Gudrun Enssling als Gast bei ihnen, durchwühlt ihr Gepäck und findet eine Knarre, Gudrun entdeckt ihn in ihrem Zimmer und gibt ihm 10.000 DM, wenn er die Schnauze hält. Dafür rettet Joe mal wieder die Schönheitsfarm seiner Mutter. Nicht das erste Mal und nicht das letzte Mal. Beim Rauchen im Wald überfällt ein Penner Joe und Ralle. Sie wehren sich und meinen, den Aggressor getötet zu haben. Am nächsten Tag jedoch ist er weg. Im nächsten Kapitel 1975 nähert sich Joe der holden Weiblichkeit (in Form von Sunny, in der er schon immer verknallt war). Peinlicher Kondomkauf in der Apotheke, Joe völlig schüchtern, der Apotheker ‚Fromms oder Blausiegel‘? Joe dreht eine Ehrenrunde in der Schule und er hat einen Freund im Wald, der in so einer ausgebauten Garage hockt, Sperrmüllmöbel und Hanf zieht, von Afghanistan träumt. Im dritten Teil haut Joe nach Christiania ab, um das freie Leben in Dänemark zu genießen und vor allem einer sehr unbequemen Wahrheit zu entweichen. Joe kann nicht riechen und nicht schmecken und wird trotzdem in Dänemark eine Kochausbildung machen. Und da gibt es noch ein dänisches Mädchen…

Das Leben ist voller Überraschungen!

Wäre es nicht niedergeschrieben, ich hätte tatsächlich vergessen, dass es damals solche Zigarettenmarken wie ‚Reval, Rothändle, HB, Ernte 23‘. Wann und warum sind die denn verschwunden? Da ich keine Raucherin bin, ist mir das nicht aufgefallen. Aber Begriffe wie ‚fahr nicht wie das HB – Männle in die Luft‘, die heutzutage keiner mehr bsteht.

Der Roman erinnert an vieles, was damals war und hat insofern wirklich die Möglichkeit ein Kultbuch zu werden. Es ist einfach alles drin – die RAF (Gudrun Enslin), der VW – Käfer, unser Marihuana Konsum, das Ausflippen, die Musik, Woodstock, freie Liebe und sich nicht binden, anders sein wollen als die alten Spießer.

Der Lesestil ist so etwas lustig und leicht lesbar. Die Seiten flutschen einem nahezu durch die Finger. Das Titelbild hat natürlich einen hohen Wiedererkennungswert – der bunte Bulli und darüber die rückwärts laufenden Hunde...

Muss man als Kind der 70er Jahre gelesen haben, um zu wissen, wir waren damals ein geiler Haufen! Und den nachfolgenden Generationen ins Bett gelegt – wir waren damals ein geiler Haufen und Ihr könnt echt was von uns lernen!

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Veröffentlicht am 15.04.2022

Nachkriegszeit, nach einer wahren Begebenheit

Ein Präsident verschwindet
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„Jeder Schurke ist in seiner eigenen Geschichte ein Held“ (S. 290)

Im Juli 1954 verschwindet Verfassungsschutzpräsident Otto John. Kurze Zeit darauf taucht er in Ost-Berlin auf und gibt eine Presserklärung ...

„Jeder Schurke ist in seiner eigenen Geschichte ein Held“ (S. 290)

Im Juli 1954 verschwindet Verfassungsschutzpräsident Otto John. Kurze Zeit darauf taucht er in Ost-Berlin auf und gibt eine Presserklärung ab. Ist er freiwillig dort? Oder wurde er von ostdeutschen Agenten entführt? Auf Wunsch von Bundeskanzler Konrad Adenauer übernimmt der BKA Polizist Philipp Gerber die Ermittlungen. Zeitgleich ist auch die Journalistin Eva H. verschwunden, zufälligerweise die Freundin von Gerber. Doch dann sieht man sie, zusammen mit John, in Ost-Berlin. Was für eine Sache läuft da? Gerber leidet darunter, dass seine Freundin, in die er sehr verliebt ist, in diese seltsame Angelegenheit verwickelt ist. Nun sollen BKA und die Organisation Gehlen zusammen arbeiten, was beiden Seiten nicht passt. Schlag auf Schlag passieren mehrere Morde...Selbst Eva soll einen Barbesitzer getötet haben.

Wieder ein gelungenes Buch von Ralf Langroth:
Allein schon das Umschlagsbild – in grünlichschwarz zwei Grenzer, ‚Achtung, Sie verlassen den Sektor West-Berlin‘, kontrollieren eine schwarze Limousine, die mit der Schnauze Richtung Osten steht. Diese beängstigende Situation, die viele erleben mussten, die zwischen Ost und West pendelten. Auf dem Umschlagsinnenbild – die Karte von Berlin mit den Sektorengrenzen. Der Roman, geschrieben nach einer wahren Begebenheit, dazu im Schlussteil ein informatives Nachwort des Autors.

Der Romanheld, Philipp Gerber, ein sympathischer und verliebter Polizeikommissar mit Vergangenheit, hält auf knapp 360 Seiten auf Trab. Es sind große Leistungen von Autor:innen, Wahres mit Fiktion zu verbinden und kleine Meisterwerke zu schaffen. Langroth ist das auch zum zweiten Mal (nach der ‚Akte Adenauer‘) gelungen.

Hier in seinem zweiten Buch in der Adenauer Zeit, „Ein Präsident verschwindet“, hat Langroth eine Geschichte ausgegraben, die in Vergessenheit geraten ist. Wie beim ersten Buch der Serie hat der Autor punktgenau recherchiert. Ein spannender Thriller, der an die grausame Historie der deutsch-deutschen Geschichte erinnert.

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Veröffentlicht am 15.04.2022

Evelyn

Die sieben Männer der Evelyn Hugo
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Was ist es? Ein Lebensbuch, eine Biografie, ein Einblick in die Glamourwelt Hollywoods, ein spannender Roman über eine aufregende Frau?

Klappentext, Titel, die Leseprobe und auch das Umschlagsbild machen ...

Was ist es? Ein Lebensbuch, eine Biografie, ein Einblick in die Glamourwelt Hollywoods, ein spannender Roman über eine aufregende Frau?

Klappentext, Titel, die Leseprobe und auch das Umschlagsbild machen neugierig auf den Roman. Schon bei der Leseprobe ahnte ich, dass da etwas dahinter steckt, was vorrangig anders dargestellt wird. Evelyn ist sehr bestimmend und bestimmt. Der Roman steckt voller Überraschungen, denn so einfach ist das halt alles nicht. Evelyn hat sieben Männer verbraten. Evelyn ist die sexy Superfrau.
Im Buch werden Themen behandelt, die man sonst eher unter den Tisch kehrt.

Taylor Jenkins Reid hat einen guten und leicht lesbaren Schreibstil. Ein Stil, der die Neugierde auf die nächsten Seiten hochhält.
Und deswegen auch, weil das ‚glamour girl‘ Evelyn im Film zu Hause, der Roman läuft ab wie ein Film. „Die sieben Männer der Evelyn Hugo“ - die englische Originalausgabe wird von New York Times als ‚bestseller‘ bezeichnet, aber es stimmt schon, was die amerikanischen Pressestimmen dazu sagen – man durchläuft die Intrigen und Gemeinheiten des ‚biz‘, doch dazu kommt noch Loyalität, Freundschaft, Treue und Liebe. Am Liebsten mag ich den Vergleich mit Liz Taylor, die dagegen blass aussieht, was Evelyn Hugo alles durchlebte, doch Taylor war eine reale Person und Evelyn eine großartige Erfindung. Ich liebe Autor:innen, die so etwas vermögen! Mögen Sie Liz Taylor? Die Wenigsten werden ja sagen, aber kennen und bewundern tun sie viele. Mögen Sie Evelyn Hugo? Das liegt auf der gleichen Linie… Nicht jede:r Titelheld:in muss geliebt und gemocht werden, aber hinreißend und vereinnahmend können sie schon sein.

Eine deutsche Literaturkritikerin sagte immer: Lesen! Sag ich auch…

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Veröffentlicht am 15.04.2022

Langeoog und Mallorca (Herz Schmerz)

Inselblau
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Svea weiß nicht so richtig was sie in ihrem Leben will. Ihr Großvater möchte, dass sie nach Langeoog zurückkehrt, wo sie seit dem Tod der Eltern nicht mehr war. Ihr Freund Tobias machte ihr den zweiten ...

Svea weiß nicht so richtig was sie in ihrem Leben will. Ihr Großvater möchte, dass sie nach Langeoog zurückkehrt, wo sie seit dem Tod der Eltern nicht mehr war. Ihr Freund Tobias machte ihr den zweiten Hochzeitsantrag, aber sie will nicht. Svea erbt, eine Spelunke, die auch noch Spelunke heißt, und dazu gibt es auch noch einen Pächter, der nicht so ganz ohne ist. Aber wie immer im Leben, kommt nichts ohne Komplikationen. Und Svea ist gut im Nichtverstehen oder im Missverstehen... Zum Glück gibt es ihre Freundin Wibke. Und ihr Jugendtraum von einer eigenen Bar auf Mallorca, und einen Jugendschwarm...

Wie immer in 'Herz Schmerz' Romanen, entwickelt sich auch in diesem Roman sehr viel Romantik. Ereignisse und ungeklärte Gefühle überstürzen sich, für die andere ein ganzes Leben brauchen. Leichte Unterhaltungskost, die sich leicht bei einem Urlaub (auf Langeoog oder auf Mallorca) lesen lässt.

Die Beschreibungen der beiden Inseln, die eine friesisch und mit Watt, die andere spanisch mit Tapa, sind sehr schön - das macht Lust auf sowohl wie auch...

Svea dagegem möchte man gerne öfters an den Haaren packen und sagen, 'wach doch auf, Mädel!' Der Großvater, Wibke und so viele Beteiligte dagegen wirken talentiert und im großen Ganzen reif. Gut lesbar und wenn einem etwas Zorn auf eine der Hauptheld:innen packt, dann hat die Autorin wohl was richtig gemacht.

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Veröffentlicht am 14.04.2022

Mord hinter Klostermauern

Ostseekreuz
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Eva Almstädt schreibt Krimis, die an der Ostsee spielen (mit schönen Landschaftsbeschreibungen, die aber auch eine aufregende Krimikulisse bieten). Dabei spielt die Kripofrau Pia Korittki die tragende ...

Eva Almstädt schreibt Krimis, die an der Ostsee spielen (mit schönen Landschaftsbeschreibungen, die aber auch eine aufregende Krimikulisse bieten). Dabei spielt die Kripofrau Pia Korittki die tragende Rolle, an ihrer Seite steht ihr Geliebter und Kollege Martens (mit dem sie früher wohl eine on off Beziehung hatte). Ihr geschiedener Mann und der Sohn Felix spielen ebenfalls mit. Pia ist eine starke Frau, die sich nichts bieten lässt und Zusammenhänge klar erkennen kann. In einem Vorläuferbuch wurde sie von einem manipulierenden Schwerverbrecher gefangen gehalten, was sie traumatisiert hatte (sie leidet an posttraumatischen Störungen). Der Verbrecher, Mark Albrecht Lohse, ist auf der Suche nach Pia (weil er einen perfiden Plan hat).

Daher wird Pia freigestellt und soll sich ein sicheres Versteck suchen. Das Versteck ist ein Kloster, in das nicht nur sie, sondern auch noch fünf weitere Klostergäste sich von ihrem Berufalltag die Nase freipusten lassen wollen. Im Kloster zu sein, heißt sich dem Klosteralltag der Mönche anzupassen: Früh aufstehen, früh ins Bett gehen, beten oder meditieren, geistlichen Beistand suchen, im Kloster mitarbeiten (ORA ET LABORA ET LEGE). Lege steht für lesen. Es gibt eine hervorragend Klosterbibliothek. Diese sucht Pia gerne auf, sie setzt sich mit der kleinen Klostergemeinschaft auseinander und lernt die einzelnen Mönche kennen (die meisten schon etwas älter). Pia arbeitet im Klosterforst mit und das hilft ihr ungemein. Die ‚labora‘ tut ihr gut. Dagegen ist die ‚ora‘ nicht ganz so ihr Ding.
Doch bald findet sich ein toter Mönch in der Klosterkirche, ausgerechnet derjenige, den alle mochten, ein sehr integrer Mann und der als der nächste Prior gehandelt wurde. Nachdem der erste Tote auftaucht, wird es richtig turbulent mit noch weiteren Toten und erstaunlichen Zusammenhängen.

Nicht allzu weit weg von aktuellen Diskussionen…
Unterdessen hängt sich ihr Geliebter an die Ferse von Lohse, der ein gewiefter Verbrecher ist und der in den Süden Europas abhaut, bis es zu einem gewaltigen 'show down' kommt. Einige ‚gleich haben wir ihn‘ - Momente lassen die Verfolgung aufregend werden.

Ostseekreuz ist der 17. Fall von Pia Korittki, das heißt die Kommissarin dürfte schon eine Fangemeinde haben. Für mich war es mein erster Fall. Es liest sich flüssig und mit spannenden Momenten, wenn man die ersten 100 Seiten überwunden hat. Die Autorin hat über das Klosterleben (Mönchskloster) intensiv recherchiert. Klöster haben heutzutage Rekrutierungsprobleme und sind fast am Aussterben – auch das wird thematisiert. Gleichzeitig bieten viele Klöster Aufenthalte in ihren Gemäuern an, wo gestresste Menschen des 21. Jahrhundert eine Auszeit nehmen können.

Die Ostsee wird eher am Rande erwähnt: Das Kloster liegt an der Ostsee, früher näher, doch die Bucht ist versandet. Der Strand spielt eine Rolle, wird aber nicht intensiv genutzt aufgrund der eher rauen Jahreszeit. Da oft der Entführungsfall angesprochen wird (Pia traumatisiert) wäre interessant den 16. Fall parallel zu lesen.

Gute Unterhaltungsliteratur – denn der Krimi liest sich einfach, flüssig, logisch aufgebaut, ohne sprachliche Stolperfallen und nachvollziehbar.

Das Umschlagsbild (krimimäßig, denn bei Krimis wird gerne solch ein Landschaftsbild gezeigt): Eine am Meer gelegene Landschaft, mit einer Klosterruine (nomen est omen, deutet das auf das etwas marode Klosterleben mit seinen ‚brüderlichen‘ Fallen?) Dunkle Wolken sind aufgezogen (was auch gerne bei Krimilandschaften gezeigt wird), das Böse lauert irgendwo… Das Landschaftsbild ist sehr schön!

Der Titel passt sich in die Reihe der Almstädt‘schen Titel ein, wo oft ein 'Ostsee' auftaucht, dieses Mal eben weil die Morde im Kloster passieren, das Kreuz.

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