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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.08.2025

Was ist das für ein Ende?

Heimat
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Ich muss zugeben, ich habe erst vor einiger Zeit von den sogenannten TrafWifes erfahren. Als ich mir ein Instagram Profil einer dieser selbsternannten TrafWifes anschaute, dachte ich erst, dass es sich ...

Ich muss zugeben, ich habe erst vor einiger Zeit von den sogenannten TrafWifes erfahren. Als ich mir ein Instagram Profil einer dieser selbsternannten TrafWifes anschaute, dachte ich erst, dass es sich um Satire handelt. Um so überraschter, ja regelrecht schockiert war ich, als es sich als absolut wahr herausstellte. Schockiert, weil es so fern meiner eigenen Einstellung zu Rollenbildern und Lebenswünschen verläuft.

Im Buch wird die Tradwife von Karolin verkörpert und als Leserin fragte ich mich öfter, ist sie jetzt wirklich Tradwife und/der AFD-Symphatisantin oder ist sie gefangen in einer Rolle, in die sie bestimmte Lebensumstände hineingezwungen haben? Die Protagonistin Jana, eine Zugezogene, verfällt Karoline bzw. ihrer Lebensweise. Ich konnte mich in Jana hineinversetzen, obgleich ich sie nur in Ansätzen verstehen konnte. Der Wunsch nach Zugehörigkeit, das schlechte Gewissen den eigenen Kindern gegenüber, eine unglückliche Beziehung & das alles kann die eigene Einstellung beeinflussen, dass ist mir bewusst.

Ich habe 'Heimat' gern gelesen. Hannah Lühmanns Schreibstil machte es mir auch sehr leicht. Und doch spürte ich eine Fremdheit mit dem Thema und es kam.mir.n8cn5 ganz auserzählt vor.
Womit ich aber wirklich hadere, ist das Ende. Das war mir irgendwie zu offen, zu weird oder böse, zu sehr Hollywood.
Da bleiben zu viele Fragen.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Hätte mehr erwartet

Morbidly Yours
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Ich habe mich bookfluencen lassen und wollte dabei mal über den Genrerand schauen. Außerdem suchte ich etwas locker, leichtes für den Urlaub.

Dass 'Morbidly yours ' vorhersehbar sein wird, war mir vorher ...

Ich habe mich bookfluencen lassen und wollte dabei mal über den Genrerand schauen. Außerdem suchte ich etwas locker, leichtes für den Urlaub.

Dass 'Morbidly yours ' vorhersehbar sein wird, war mir vorher klar. Eine klassische Friends to Lovers Geschichte. Hätte ich schon Mal erwähnt, dass ich solche Tropes überhaupt nicht mag? Na egal. Irgendwie klang die Geschichte witzig und ein bisschen Romance und Spice kann ja auch Mal ganz nett sein.

Es gab Romance, es gab Spice, eigentlich von allem ein bisschen, aber das bisschen war manchmal auch over the top. Heißt, das ich es leider nicht anregend und noch weniger überzeugend fand. Ein bisschen Rosamunde Pilcher für ... ja, weiß ich eigentlich auch nicht.

Ich dachte, dass es vielleicht etwas seicht sein wird und ich durch die Seiten fliege, aber der Schreibstil war teilweise zäh und langweilig. Dabei waren die Charaktere der Protagonist*innen durchaus sympathisch, aber leider auch nicht immer ganz stimmig. Callum ist zurückhaltend und schüchtern, hatte seit Jahren keine Freundin und ist dann im Bett die Granate. Lark ist eine junge Witwe, die scheinbar den Tod ihres Gatten nicht verwunden hat, weil sie sich schuldig fühlt. In ihrer Fälligkeit nimmt mal ihr das nicht immer ab.

Ich dachte erst, ich bin zu alt, für diese Art von Buch. Jedoch hat es meine Tochter (16) direkt im Anschluss gelesen und auch ihr Urteil ist eher ernüchternd.

Schön fand ich, dass nonbinäre Personen eine Rolle spielen und dass Pronomen they verwendet wird.

Kurzfazit: Ein Roman, der mit Spice und Witz wirbt, der aber bei mir nicht punkten konnte.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Liebe, die nicht sein darf

Die Geschichte des Klangs
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"Es muss einen zerreißen, damit man spürt, wie der Riss heilt."

Ein Buch, auf dass ich nur durch Zufall gestoßen bin, als ich nach Geschichten passend zum Pride Month suchte. Ein Buch, dass viel mehr ...

"Es muss einen zerreißen, damit man spürt, wie der Riss heilt."

Ein Buch, auf dass ich nur durch Zufall gestoßen bin, als ich nach Geschichten passend zum Pride Month suchte. Ein Buch, dass viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat.

Es ist eine leise, aber umso bewegendes Liebesgeschichte, du nicht gleich als solche zu erkennen ist. Ich musste diese Buch aufmerksam lesen um alle Zwischentöne zu erkennen. In zwei Teilen wird uns eine Geschichte erzählt, die sich erst im weiteren Verlauf zusammenfügt. Und erst im zweiten Teil, der Jahrzehnte später spielt, ist mir vieles zum ersten Teil richtig klar geworden.

Ich fand 'Die Geschichte des Klangs' nicht ganz einfach zu lesen und bin erst im zweiten Teil komplett eingetaucht, aber dann trieb es mir auch die Tränen in die Augen, ein Zeichen, dass der Autor mich in seinen Bann ziehen konnte.

Eine zarte Erzählung mit Tiefgang.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Prosa mit Spannung

Der Junge im Taxi
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'Ich betrachtete die Gesichter im vergänglichen Wirbel des Festes, im dringlichen Sog des Aperitifs, der genossen werden musste ... .' (Seite 170)


Der Großvater stirbt und Simon der Protagonist erfährt, ...

'Ich betrachtete die Gesichter im vergänglichen Wirbel des Festes, im dringlichen Sog des Aperitifs, der genossen werden musste ... .' (Seite 170)


Der Großvater stirbt und Simon der Protagonist erfährt, dass es einen verleugneten Onkel gibt. Onkel M. ist ein Besatzungskind. Während seiner Zeit als Soldat am Bodensee, zeugte Simons Großvater ein Kind mit einer Deutschen. Allein 10.000 Besatzungskinder mit französischen Vätern wurden in der Nachkriegszeit registriert. Insgesamt geht die Zahl in die Hunderttausend. Vielen von ihnen mussten mit Stigmatisierung und Ausgrenzung leben. Das ein Teil der Identität fehlte wurde nicht berücksichtigt. Bücher über Besatzungskinder gibt es inzwischen häufiger. Hier wird die andere Seite beleuchtet.

Während des ganzen Buches ging mir dieser Gedanke nicht aus dem Kopf. Wie muss es sich anfühlen, wenn man so etwas in seiner Familie erfährt? Von den Menschen, denen man am Meisten vertraut. Denen man ein behütetes und privilegiertes Leben zu verdanken hat. Wenn man sich über Herkunft nie Gedanken machen muss.

Ich kann gut verstehen, dass Simon nicht ruhen kann, eher er mehr erfahren hat. Aber ein Teil der Familie, allen voran die Großmutter blenden das Thema aus, mehr noch, in der Vergangenheit sollte man nicht graben.

Hilfe bekommt Simon vom angeheirateten Onkel Franz. Und so beobachten wir Simon von außen, wie er doch in der Vergangenheit gräbt und sich vieles selbst zusammen reinen muss. Der Gedanke, um diesen verleugnet Sohn lässt ihn nicht los und als Leserin dachte ich selbst oft, wann lernen wir Onkel M. kennen. Die Suche nach dem geheimnisvollen Onkel ist gleichzeitig eine Suche nach der eigenen Geschichte, dem Heimatbegriff und der Frage, was Herkunft eigentlich bedeutet. Wie schnell können Lebenswege sich ändern und vollkommen unterschiedlich verlaufen.

Sylvain Prudhomme schreibt ruhig und philosophisch. Vieles spielt sich in seinen eigenen Gedanken ab. Konversationen werden nicht durch Anführungszeichen unterbrochen. Alles fließt ineinander über. Das passt so wunderbar zum Thema, denn alles hängt zusammen und ist, wenn auch auf unsichtbare Weise, miteinander verwoben.

Trotz des ruhigen, essayartigen Stils, findet sich ein leichter Spannungsbogen. Ob Simons Suche erfolgreich ist, müsst ihr aber selbst lesen.

Und wieder einmal muss ich es einfach sage: Wie schön ist die französische Sprache? Ich mag den Bodensee, aber Urlaub am Lac de Constance klingt doch gleich viel mondäner.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Familientraumata über Generationen hinweg

Blinde Geister
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"Die Stille zu viert gehört für mich zu den großen Momenten." (Seite 31)

Lina Schwenk präsentiert uns hier ein ruhiges Buch, dass aber dennoch voll aufwallender Kräfte ist. Eine kleine feine Familiengeschichte, ...

"Die Stille zu viert gehört für mich zu den großen Momenten." (Seite 31)

Lina Schwenk präsentiert uns hier ein ruhiges Buch, dass aber dennoch voll aufwallender Kräfte ist. Eine kleine feine Familiengeschichte, so mutet es zunächst an, mit Eltern, die bis ins hohe Alter voller Liebe sind, die sich immer halten und brauchen. Karl und Rita, geprägt vom Krieg. Mit Ängsten und Traumata, die ihr Leben im Allgemeinen nicht beeinflussen, das Familienleben im Kleinen aber schon. Eine Einzelfallgeschichte, die zeigt, wie die Nachkriegsgeneration mit den Wunden der Eltern zu kämpfen hat und diese Traumata übernimmt bzw. verinnerlicht.

Rita und Karl sind liebende Eltern, aber sie merken nicht bzw erst spät, wie sich der Krieg in ihren Köpfen vor allem auf ihre jüngere Tochter Olivia auswirkt. Olivia, die lange, die engen Räume ihrer Kindheit sucht und sich nie wirklich davon befreien kann. Scheinbar erst mit der übernächsten Generation setzt ein Heilen ein. Ein Heilen, dass durch einen weiteren Krieg in Europa bedroht ist.

Lina Schwenk vermag es auf nicht einmal 190 Seiten, mehr als ein halbes Jahrhundert Familiengeschichte, teilweise fragmentartig aber doch immer ganz rund zu erzählen. Ein Snackbook, dass den Namen nicht verträgt, weil es keinen Snacks sondern eher einem Mehr-Gänge-Menü entspricht.

Und ich freue mich sehr, dass Lina Schwenk mit 'Blinde Geister' für den Deutschen Buchpreis nominiert ist.

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