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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2025

Was nach Familienschicksal klingt steigert sich zu einer Katastrophe

Der Sommer, in dem alles begann
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Die Autorin lässt alle drei Frauen sich entwickeln, in die ein oder andere Richtung. Es gab nur wenige Situationen, in denen ich Entscheidungen in Frage gestellt habe. Im Nachhinein ergab aber alles einen ...

Die Autorin lässt alle drei Frauen sich entwickeln, in die ein oder andere Richtung. Es gab nur wenige Situationen, in denen ich Entscheidungen in Frage gestellt habe. Im Nachhinein ergab aber alles einen Sinn. Womit ich hadere, was aber das Buch für mich gerade deshalb besonders macht, weil es eben nicht in den Kitsch abdriftet, ist die Welle auf die es am Ende zubraust. Unaufhaltsam braut sich da etwas Dunkles zusammen, das wird beim Lesen klar. Was am Ende dann passiert, habe ich nicht kommen sehen und es hat mich mit voller Wucht getroffen.

Dennoch oder gerade deshalb war dieses Ende stimmig. Denn genau so ist doch das Leben - unvorhersehbar und leider oft nicht gerecht.

'Ja ... Und dagegen hilft leider gar nichts. Weder die Zeit noch Literatur oder Philosophie. Unsere Toten tragen wir überall mit uns herum.' [Seite 107]

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Veröffentlicht am 14.02.2025

Viel gewollt, gut zu lesen, aber insgesamt zu blass

Berchtesgaden
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Ein Roman der gerade passender nicht sein könnte. Knapp 80 Jahre nach Kriegsende spielt die Geschichte des Buches genau dort. Caroline Otto hat sich die Gegend rund um den Obersalzberg als Hauptschauplatz ...

Ein Roman der gerade passender nicht sein könnte. Knapp 80 Jahre nach Kriegsende spielt die Geschichte des Buches genau dort. Caroline Otto hat sich die Gegend rund um den Obersalzberg als Hauptschauplatz vorgenommen. Die Amerikaner und die Franzosen ringen darum, wer den berüchtigtewn Ort zuerst erreicht. Am Ende machen die Amerikaner das Rennen und bleiben. Interessant der Blick auf die Franzosen als besiegte Sieger und ihrem Anteil an Kriegsverbrechen. Überhaupt bietet das Buch einige wissenswerte Aspekte, die mir mir so noch nicht bekannt oder bewusst waren, die Franzosen waren nur eins der Beispiele. Aber es handelt sich um einen Roman und nicht um ein Sachbuch. Sehr viele Themen der Zeit, wie Judenverfolgung, Frauenlager Ravensbrück, politisch Verfolgte, Homosexualität, Audarbeitung von Kriegsververbrechen, Entnazifizierung, Rassismus werden angeschnitten, aber bei keinem geht es wirklich in die Tiefe. Insgesamt blieben mir die Personen distanziert und auch etwas oberflächlich. Schade. Auf so vielen Seiten wurde viel erzählt aber kaum etwas intensiv. Die Liebe zwischen Sophie und Sam erinnerte mich an 'Stay away from Gretchen, aber hier fehlte das Knistern, die Spannung, die echten Gefühle.
Es ist ein unterhaltsamer, leicht zu lesender Roman, aber bei dem Thema hätte ich mir mehr Gehalt und Intensität und vielleicht den Fokus auf ein Teilgebiet gewünscht.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Die Parallelen der Vergangenheit

Portrait meiner Mutter mit Geistern
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Achtung, ein PS am Anfang: ich habe das Buch als E-Book über @netgalleyde gelesen. Mein Kritikpunkt des fehlenden Stammbaumes gilt nur für diese Version. Im nun gekauften Hardcover ist dieser vorhanden. ...

Achtung, ein PS am Anfang: ich habe das Buch als E-Book über @netgalleyde gelesen. Mein Kritikpunkt des fehlenden Stammbaumes gilt nur für diese Version. Im nun gekauften Hardcover ist dieser vorhanden. Jetzt steht einem erneuten Lesevergnügen nichts im Weg.

Meine Kritik nenne ich vorab: ein Stammbaum wäre hilfreich gewesen. Dadurch dass zwischen diversen Zeiten hin- und hergeswitcht wird und diverse Namen auftauchen, hatte ich manchmal Schwierigkeiten die Personen zuzuordnen. Das verwirrte mich. Wer war jetzt nochmal Carl? Mit wem ist William verwandt und wo tauchte denn jetzt Oscar auf? Interessanterweise konnte ich die Frauen besser zuordnen. Sicher nicht verwunderlich, da auf ihnen der Fokus liegt.

Mehrere Generationen geht Rabea Edel zurück um die Geschichte ihrer Mutter zu erzählen. Mehrere Generationen voller Träume und Hoffnungen, aber auch voller Leiden und Entbehrungen. Wie prägen uns die Wege unserer Ahnen? Eine spannende Studie, die die Autorin hier zeichnet. Spannend, aber oft auch einfach unsäglich traurig. Traurig, ob des Erlebens der Protagonistinnen, aber vor allem auch traurig, wie sich Werdegänge wiederholen.
Beim Lesen wird klar, was in den meisten Familien alles ungesagt bleibt. Wie wenig wir wirklich wissen. Es verursacht Schmerzen, sich zu öffnen, doch am Ende schafft es mehr Freiheiten und mehr Leichtigkeit. Niemand sollte die Vergangenheit alleine mit sich herumtragen.

Dieses Buch hat mich von Beginn an begeistert. Auch wenn ich zwischendurch ein wenig durcheinander war, weil ich Personen verwechselt habe.  Zum Ende hin war ich wieder voll dabei. Die Biographien der Frauen haben mich allesamt fasziniert und bewegt. 'Portrait meiner Mutter mit Geistern' ist kein Buch zum nebenher lesen, es ist aber eines, das ich noch einmal lesen werde.

Der CH Beck Verlag legt mit seiner ersten Roman-Neuerscheinung in diesem Jahr einen fulminanten Start hin. Der nächste Roman liegt hier schon bereit.ich freu mich darauf.

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Veröffentlicht am 17.01.2025

Ein traurig-schöner Wohlfühlroman

Der Markisenmann
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Bittersüß fiel mir als erstes Wort nach dem Lesen dieses Buches ein. Bei Bittersüß denke ich aber nicht unbedingt an den Ruhrpott. Hier spielt die Geschichte, die uns Jan Weiler erzählt. Es ist tatsächlich ...

Bittersüß fiel mir als erstes Wort nach dem Lesen dieses Buches ein. Bei Bittersüß denke ich aber nicht unbedingt an den Ruhrpott. Hier spielt die Geschichte, die uns Jan Weiler erzählt. Es ist tatsächlich mein erstes Buch von Weiler. Dank dem Zwei Seiten Podcast, in dem eins seiner Bücher besprochen wurde, wollte ich nun auch mal etwas von ihm lesen und dank @buecheraufreisen, kam 'Der Markisenmann' als Wanderbuch zu mir.
"Wir fuhren über eine breite Straße, vorbei an Fassaden, von Häusern die aussahen wie Menschen, die sich nicht mehr schick machen, weil sie nichts mehr vorhaben im Leben." (Seite 37, Kims erster Eindruck von Duisburg)

Kim wächst mit dem goldenen Löffel auf, fühlt sich aber nicht gesehen und es kommt zu einer Katastrophe. Konsequenz - sie verbringt die Sommerferien bei ihrem Vater Ronald. Einen Vater von dem sie nichts weiß, außer dass er sie verlassen hat, als sie sich noch nicht an ihn erinnern konnte. Ein Vater, der das ganze Gegenteil lebt, dass Kim gewohnt ist.

Man ahnt vorher, dass Ferien auf einem Schrottplatz zwischen lauter verkappter Seelen nicht das nonplusultra sind, aber dass sich da was drehen wird. Beim Lesen spürt man die schwere Luft des Sommers, die sich in den Schicksalen der Protagonisten widerspiegelt. Trotzdem ist da eine Leichtigkeit über allem, die nur durch das Aufbrechen alter Geheimnisse unterbrochen wird. Mir wurde warm ums Herz, diese kleine Pott-Gemeinschaft zu erleben. Diese vier vier Schrottplatz-Nachbarn Klaus, Achim, Lutz und Oktopus. Sie nehmen Kim in ihrer Mitte auf. Nehmen sie ernst und geben ihr ein völlig neues Gefühl der Selbstwirksamkeit.

Kim erzählt die Geschichte aus zurückblickender Perspektive. Es war der Sommer 2005, das habe ich dank einiger Fußballmomente und Bravo Hits 48 herausfinden können. Dank an Jan Weiler, nach diesem Punkt konnte ich bei meinem Sohn auch einmal mit Fußballwissen punkten. Und sollte doch einmal ein Vertreter bei uns vor der Tür spielen, bin ich nun vertraut mit (betrügerischen) Techniken wie der Neid-Debatte, dem Buddha-Brimborium, der Behörden-Nummer, dem Toilettentrick und der Melanin-Finte. Ihr seid nicht geschult? Lest das Buch.

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Veröffentlicht am 12.01.2025

Feminismus meets Komödie

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Eine feministische RomCom. So könnte man Anika Deckers neuen Roman gut und gerne bezeichnen. Ich gebe zu, ich musste Anika Decker erst einmal googeln, um dann festzustellen,  dass sie die Drehbücher zu ...

Eine feministische RomCom. So könnte man Anika Deckers neuen Roman gut und gerne bezeichnen. Ich gebe zu, ich musste Anika Decker erst einmal googeln, um dann festzustellen,  dass sie die Drehbücher zu einigen der erfolgreichsten deutschen Filmkomödien geschrieben und bei einigen zudem noch Regie geführt hat. Ihr liegt also sowohl das Komische als auch das Romantische. In der Kombi eine Mischung,  die ich in der Buchhandlung meist gleich wieder weglege. Hier war es aber der Titel und das schlichte Cover, dass mir aofort ins Auge gesprungen sind. Es verspricht eben weder den üblichen Schmalz,  als auch den oft unter der Gürtellinie sitzenden Klamauk. Und tatsächlich,  konnte ich sofort in die Geschichte eintauchen. Ich flog nur so durch die Seiten und das obwohl oder vielleicht auch gerade weil mich der Anfang ein wenig an einen typischen Bridget Jones Roman erinnert, zumindest was die Art des Humors betrifft. Witzig, ohne allzu flach zu sein.
Die wechselnde Erzählsicht der Protagonistin Nina und ihrer Schwester Lena (es kommen auch noch weiterer Charaktere zu Wort), gestalten die Geschichte abwechslungsreich und vielfältig.
Als Berlinerin freute ich mich natürlich über den Lokalkolorit und sehe nun das Wiener Caféhaus am Roseneck mit ganz neuen Augen, bin aber genauso enttäuscht,  dass die erwähnten Smoothie-Bars, doch eher der Fantasie entsprungen sind.

Manch Szenen waren mir etwas zu überzeichnet. Die yogaverbiegende, influencende neue Frau des Ex mit ihren reichen Botox-Freundinnen, die hinter der Fassade so unglücklich ist und sich nach 'normalen' Menschen sehnt, zum Beispiel. Sie passt natürlich herrlich in ein komödiantisches Setting, war mir aber leider zu vorhersehbar. Ebenso (Achtung weiterer Spoiler) Lenas Ehemann, der nach einer Kehrtwende ein Feminismus-Seminar besucht, empfand ich als zuviel des Guten. Das mögen aber schon die größten Kritikpunkte meinerseits sein.
Ich habe mich wirklich weitestgehend unterhalten gefühlt. Ob Meetoo und Compliance-Verfahren als Thema im ulkigen Setting das Richtige ist, lässt mich noch etwas zweigespalten zurück. Aber es gab einige Punkte, die ich gut fand. Verliebtsein in der "Mitte des Lebens", jüngerer Mann, beruflicher Durchschnitt ... Das die Protagonistin im gleichen Alter ist, wie ich, hat zusätzlich dafür gesorgt, dass da eine Sympathie und ein Verständnis da war und ich viele Gedankengänge gut nachvollziehen konnte. Manches Mal hätte ich aber gern dazwischen gebrüllt. Als die Kinder wenig Verständnis für eine jüngere Liebe hatten, um nur ein Beispiel zu nennen.
Einiges dazu gelernt habe ich alle Mal. Moncler Jacken sind lebensnotwendig in Zehlendorf (vor diesem Buch, war mir die Marke kein Begriff, aber ich lebe auch am anderen Ende der Stadt), Östrogene wurden früher aus Pferdeurin hergestellt und vibrierende Kästchen können Ehemänner ersetzen.

Ein unterhaltsames Buch mit ernsten Absichten, dass nicht schwer daherkommt und die perfekte Lektüre für zwischendurch ist.

Mein liebstes Zitat: "Ich würde lieber einfach so gut aussehen, ohne Zusatz."

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