High-Fantasy Funke ohne prasselndes Feuer
The Fury of Kings
The Fury of the Kings hat viele Elemente, die ich liebe. Ein High-Fantasy Setting, ein nordisch angehauchtes Land, viele Legenden und Mythen, mysteriöse Magie und eine explosive politische Ausgangssituation, ...
The Fury of the Kings hat viele Elemente, die ich liebe. Ein High-Fantasy Setting, ein nordisch angehauchtes Land, viele Legenden und Mythen, mysteriöse Magie und eine explosive politische Ausgangssituation, da der König einen brüchigen Frieden verwaltet, der zu fallen droht. Eine perfekte Mischung, oder?
Vor Jahrzehnten wurde der Frieden mit den Nachbarn bitter erkämpft. Doch als der Trohnfolger ermordet wird, stürzt Erland in eine Tiefe Krise. Der alternde König zieht sich zurück und wird immer unberechenbarer. Krieg mit West-Erland droht, denn die Mutter des jungen Lord zieht an gefährlichen Fäden, um ihr Reich für ihren Sohn Raymund zu stärken. Gleichzeitig droht aus der ferne dunkle Magie …
Ich mochte das Setting wirklich sehr. Im Umschlag des Buches befindet sich eine Orientierungskarte, die wir auch rege im Laufe des Romans bereisen. Die unterschiedlichen Städte, Bräuche und Gewohnheiten habe ich sehr genossen und mich gefreut, wenn das Setting gewechselt hat und ein weiterer Teil der Karte aufgedeckt wurde. Ich mag es einfach, wenn die Figuren nicht nur statisch im Trohnsaal rumhocken.
Die Atmosphäre war düster und bedrohlich - natürlich, es droht Krieg, Schlachten werden geschlagen. Für mich war es nicht zu düster, sondern verstärkte für mich das ganze Bedrohungsgefühl, dass die Lage jederzeit kippen könnte. Das hat der Autor richtig gut dargestellt.
Es gibt viele PoVs, denen der Leser abwechselnd folgt. Fiel es mir schwer, diese auseinander zu halten? Nein, jeder war einzigartig und hatte seine eigenen Wünsche, Träume und Ziele. Ich mochte übrigens die weibliche Fraktion deutlich lieber als die männliche - ansonsten ist es bei mir andersherum. Besonders gern habe ich Pherrys Strang verfolgt - ihre aufgeweckte neugierige Art hat mich oft zum Lachen gebracht. Genauso Helana, die zwischen Freiheitsliebe und Pflichtgefühl hin und her geworfen wird. Genauso mochte ich eine Diebestruppe, die unerwartet zu Geld kommt.
Doch das sind noch lange nicht alle! Da gibt es noch Raymund, den jungen trunksüchtigen Lord, da gibt es noch Osian, der sich als Adelsspross beweisen will, da gibt es noch die junge Braut von König Hessian … ihr merkt was, oder? Trotz dessen, dass ich keine Schwierigkeiten hatte, die Charaktere zu definieren, konnte ich mich dennoch nicht wirklich an sie binden. Dafür waren es einfach zu viele, dafür waren sie mir nicht gut genug ausgearbeitet. Auf mich haben sie leider stereotypisch gewirkt - für tiefer gehende Charakterbildung war auch einfach keine Zeit, da sich der Autor um zu viele Figuren auf einmal kümmern musste. So schickte er sie immer wieder auf Aktionen, deren Ende ich mir schon ausmalen konnte und wofür ich sie manchmal hätte schütteln können. Wirklich …
Witzigerweise lässt der schale Geschmack von Genervtheit nach, je mehr Abstand ich von dem Buch bekomme. Es ist kein schlechtes Buch, es ist sogar eine gute Geschichte mit reichlich grauen Charakteren, bei denen man sich nicht sicher sein kann, auf welcher Seite sie gerade stehen. Der Autor wollte nur zu viel in das Buch hineinpacken - und dafür solche Sachen wie Charakterbuilding vernachlässigt - und das hat mich bei der Lektüre immer wieder rausgeworfen.
Ich empfehle es für jeden, der High-Fantasy und graue Charaktere mag. Gebt ihm eine Chance - vielleicht entfacht der Funke bei euch sein Feuer, der bei mir leider verglüht ist.