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Veröffentlicht am 07.08.2025

Paris unter deutscher Besatzung

Der Barmann des Ritz
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Eines der nobelsten Hotels von Paris ist das Traditionshotel Ritz. Berühmt in dem Hotel ist auch ihre Hemingway Bar, wo der trinkende Schriftsteller gerne seine Zeit verbrachte. Und von dieser Bar ist ...

Eines der nobelsten Hotels von Paris ist das Traditionshotel Ritz. Berühmt in dem Hotel ist auch ihre Hemingway Bar, wo der trinkende Schriftsteller gerne seine Zeit verbrachte. Und von dieser Bar ist der Barmann Frank Meier besonders bekannt.

Im vorliegenden Buch schreibt der Autor Philippe Collin, ein französischer Journalist, in seinem ersten Roman über die deutsche Besetzung von Paris 1940 bis 1944 aus dem Blickwinkel des Barmanns vom Ritz.
Das Besondere daran ist, Frank Meier ist jüdisch (obwohl sein Vater ihn nicht beschneiden ließ und ihm einen österreichischen Namen verpasste. Denn Vater Meier, der osteuropäische Pogrome erlebte, wollte, dass sein Sohn frei von der Bürde einer jüdischen Religion aufwächst).

Nun tauchen die Größen der Nazi Wehrmacht im Ritz auf (sind auch von der Ritz Witwe gerne gesehen, denn sie bringen Geld und ziehen weitere illustre Kundschaft an). Ein Barmann hört alles, sieht alles und bleibt doch irgendwie unsichtbar, außer man spricht ihn direkt an und will etwas von ihm (einen ‚Drink’, einen Gefallen, einen Wett Tipp für das Pferderennen). Diese Gefallen z.B. gipfeln auch darin Pässe für Verfolgte zu besorgen, jüdische Pariser, einen britischen Piloten, Mündel von ihm. Er kümmert sich um einen Barjungen, ebenfalls jüdisch, und um eine schöne jüdische Amerikanerin, aufmüpfige Ehefrau eines der wichtigen Männer vom Ritz Direktorium. Er wird in einen Geheimgang eingeweiht und ermöglicht durch diesen die Flucht des Barjungen.

Im Laufe des Romans leidet man mit Frank Meier mit, den er weiß nie, finden die Nazis raus, dass er auch jüdischer Herkunft ist, finden die raus, dass er verfolgten Menschen hilft, finden die raus, dass hinter der Fassade des höflichen Barmanns, der anscheinend taub und stumm ist, ein wohlweislich kluger Überlebenskünstler steckt?
Anhand dieses Einzelschicksals wird einem wieder die Perversion der Minderheiten hassenden Nazis vor Augen geführt. Umso wichtiger, weil in den momentan undemokratischen Zirkeln wieder solche Ideologien hochgehalten werden.

Im Anhang dieses informativen Romans befinden sich auch einige Fotos mit Informationen zu real existierenden Personen der damaligen Epoche. Auf dass solche Zeiten nie wieder auferstehen, doch leider scheint die Menschheit nicht sehr gelehrig zu sein.

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Theresia Graw schreibt über Rachel Carson und ‚Silent Spring’

In uns der Ozean
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Was für eine Überraschung ist dieses großartige Buch von Theresia Graw: Sie lässt uns teilhaben am turbulenten Leben der Naturwissenschaftlerin und Bestseller Autorin Rachel Carson. Sensibel beschrieben ...

Was für eine Überraschung ist dieses großartige Buch von Theresia Graw: Sie lässt uns teilhaben am turbulenten Leben der Naturwissenschaftlerin und Bestseller Autorin Rachel Carson. Sensibel beschrieben verknüpft die Autorin die diversen Stränge im Leben der Rachel Carson.

Rachel Carson stammt aus einer einfachen Familie, wo sie die Einzige ist, die brilliert. Der Vater unterstützt sie, doch verkalkuliert sich mit Aktien und verschuldet die Familie. Als er stirbt, muss Rachel ihren Doktorandenplatz aufgeben, um ihre Herkunftsfamilie zu ernähren (eine Schwester mit zwei Kindern, wo der Mann wegläuft, einen nutzlosen Bruder und die Mutter). Glücklicherweise, obwohl auch in den USA Frauen nicht besonders gefördert werden, erhält sie einen Arbeitsplatz bei dem sie ihr Interessensgebiet Ozeanologie einbringen kann (zwar nicht wissenschaftlich, aber immerhin etwas mit ‚dem Meer’).
Ihre poetische Beschreibfähigkeit von wissenschaftlichen Themen, in erster Linie zum Leben im Meer, beweist sie zunehmend durch unterschiedliche Publikationen. Auf diese Weise schreibt sie vor allem für Laien, die fasziniert sind von ihrer Darstellungskraft. Großartig – wie ihr erster Aufsatz zur Makrele beschrieben wird.
Weltweit bekannt wird sie aber dann durch ihr Buch zum Einsatz von DDT, dem Pestizid, dass in den 50ern bis 70ern des letzten Jahrhundert breitflächig eingesetzt wurde, ohne ausreichende Untersuchungen zu den Auswirkungen auf Natur und Mensch. Sie veröffentlicht ‚Silent Spring’ (Der stumme Frühling). Die entsprechenden Lobbyisten der Chemiewirtschaft greifen Rachel Carson massiv an, aber sie bleibt standhaft. Und noch heute müssen wir gegen Montesano und Co kämpfen.

Wer als Kind der 70er Jahre kennt nicht DDT, das auch damals in Deutschland verboten wurde. Durch das Buch von Theresia Graw lerne ich auch die Hintergründe kennen.
Der Roman folgt der Biografie von Rachel Carson mit fiktiven Elementen. Heutzutage ist Rachel Carson, auch nach ihrem Tod, immer noch eine auflagenstarke Autorin, geschätzt und mit Preisen bedacht (auch postum), selbst ein Asteroid wurde nach ihr benannt.

Es ist der Autorin mit ihren umfangreichen Recherchen zu danken, dass sie Rachel Carson auch einem deutschen Lesepublikum bekannt macht. Dem Buch wünsche ich eine breite Leserschaft!

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Veröffentlicht am 07.08.2025

'Seascraper' – Sinn und Sinnfinden

Der Krabbenfischer
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Je kürzer, umso gehaltvoller ein Buch! Meine Erfahrung mit einigen Büchern in letzter Zeit.

Wie bringt der Autor Benjamin Wood ein ganzes Leben (auf 222 Seiten) auf Papier? Ein Leben, in dem sich scheinbar ...

Je kürzer, umso gehaltvoller ein Buch! Meine Erfahrung mit einigen Büchern in letzter Zeit.

Wie bringt der Autor Benjamin Wood ein ganzes Leben (auf 222 Seiten) auf Papier? Ein Leben, in dem sich scheinbar nicht viel tut, und doch sehr viel tut, und auf einmal noch viel mehr. Weil da plötzlich dieser Regisseur auftaucht, Edgar Acheson, wie er sich nennt.

Thomas Flett in Longferry, England in den 1960ern: Einem Küstenort, wo sich nicht viel bewegt, außer dem Nebel. Ein Krabbenfischer, der mit seinem Pferd und Netzen, am Ufer fischt. Eine harte Arbeit. Ein armseliges Leben. Und er ist noch der einzige, alle anderen fahren bereits mit Motorbooten hinaus. Doch Thomas Flett wurde von seinem 'Pop', dem Großvater, auf diese Arbeit trainiert. Was für eine andere Arbeit sonst könnte der Einundzwanzigjährige machen, der früh die Schule verlassen musste? Doch er singt und spielt Gitarre in seiner kargen Freizeit. Da ist seine 'Ma', und dazu fällt einem nur ein, diese Mutter missbraucht ihren Sohn für ihr verfehltes Leben. Einen Vater gibt es nicht. Die Mutter wurde mit fünfzehn von ihrem Lehrer geschwängert und macht nun ihren Sohn für ihr kaputtes Leben verantwortlich. Der Vater wurde von Pop zusammengeschlagen und in die Flucht getrieben.
Doch der Sohn, trotz seiner harten Arbeit, macht sich Gedanken, er ist verliebt in die ältere Schwester Joan seines Freundes Harry, traut sich jedoch nicht ihr das zu sagen (er nennt es höflich sein). Und er hat Sehnsüchte. Und dann tritt urplötzlich Edgar in sein Wohnzimmer. An einem Tag ändert sich sein Leben und am anderen Tag ändert es sich wieder …

Natürlich sind einige Szenen dabei, wo ein vernunftbegabter lesende Mensch sich fragt, warum hat 'er' die verdammten Fußnägel nicht geschnitten und warum lässt sich die Mutter so gehen und warum terrorisiert sie ihren Sohn so? Aber wenn ein schreibender Mensch es schafft nicht nur Sympathie für seine Charaktere zu erschaffen, sondern auch das Gegenteil, Ekel und Ablehnung, dann hat er oder sie alles richtig gemacht.

Mit den wenigen Szenen und den wenigen, im Roman auftretenden, Figuren, zaubert Wood eine Meeres- und Menschenlandschaft, wo der lesende Mensch zuerst denkt „oh, wie trostlos“. Doch die tiefgründigen Gedanken von Thomas Flett und die Ereignisse dieses einen, ersten, Tages bringen viel hervor. Und wie Thomas Flett hinterfragt man sich beim Lesen, was ist der Sinn des Lebens? Und wie weiter?
Und doch liegt viel Schönheit in Woods Worten und es liegt viel Hoffnung darin. Wie weiter?

Dazu auf Benjamin Woods website das Lied, was Thomas Flett singt...
http://www.benjaminwood.info/seascraper-by-thomas-flett.html

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Veröffentlicht am 03.07.2025

Sensibler Kurzroman über die Liebe im Besonderen

Die Geschichte des Klangs
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Gibt es im Leben eines jeden Menschens diese eine Liebe, die das ganze Leben hindurch hält und deren Erinnerung wie ein Lebensfaden durch das Leben zieht? Beziehungsweise, diese Liebe mit all ihren Facetten ...

Gibt es im Leben eines jeden Menschens diese eine Liebe, die das ganze Leben hindurch hält und deren Erinnerung wie ein Lebensfaden durch das Leben zieht? Beziehungsweise, diese Liebe mit all ihren Facetten vergisst man nie?

Schon das Kennenlernen ist ein besonderes Erlebnis: Da sitzt einer am Klavier und spielt, selbstvergessen. Und ein anderer hört zu und sieht den Musiker, ist so angetan, dass er seine Freunde alleine weiterziehen lässt. Eine Männerfreundschaft beginnt. Eine kurzzeitige Männerliebe, auf musikalischem Boden. Der eine singt, der andere komponiert. Dann beginnt der Erste Weltkrieg.
Lionel muss zu Hause helfen, sein Bruder ist im Krieg (und kehrt nie wieder zurück), sein Geliebter David zieht auch in Krieg. Nach dem Krieg Juni 1919 kommt ein Brief „Mein lieber silberzüngiger Konföderierter....“ und der Einladung mit ihm und den Walzen 'auf Walz' zu gehen.
Herrliche zwei Monate lang ziehen die beiden jungen Männer durch die wilde Natur 'New Englands', sammeln Balladen, produzieren Phonographenwalzen. Sie lieben sich, übernachten unter dem freien Himmel und erleben eine schöne Zeit in der Natur, mit singenden Menschen vor Ort und vor allem mit sich. Beide sind bisexuell, lieben Männer wie Frauen gleichermaßen. Es gibt nur diesen einen Sommer! Und Davids Geheimnis. Und es wird nie wieder so sein wie in den herrlichen zwei Monaten. Am Ende seines Lebens tritt Lionel, inzwischen anerkannter Sänger und Autor einiger Musikbücher, in einer Fernsehsendung auf. Das ist nun der Auftritt von Annie in dem Buch und die Geschichte bekommt eine neue Wendung.

Es ist nicht nur aufregend von Phonographenwalzen zu hören (eine technische Errungenschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts), sondern auch von bemerkenswerten Musikern zu hören (die nach Gehör singen können, so wie Lionel, der sogar die Töne als Farben und Geschmack feststellt) und David, der überall seine Noten hinschreiben musste, die ihn ständig umwabberten (sogar auf Klowände). Die Geschichte von Lionel und David ist wortgewaltig, aber ausgesprochen sensibel und mit wunderschönen Sprachbildern beschrieben! Dass das Büchlein ein sehr dünnes ist, stört überhaupt nicht. Im Gegenteil, es ist komprimiert geschrieben, steckt voller Lebensweisheiten und es eignet sich ausgesprochen gut zum Wiederlesen.

Knackige 104 Seiten! Passt hervorragend in jede Tasche für Fahrten auf der Schiene.
„Die Geschichte des Klangs“, Ben Shattuck, Hanser Verlag

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Veröffentlicht am 03.07.2025

Der Wundergarten, der heilt und Segen bringt

Der Garten der kleinen Wunder
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Bei der Leseprobe hat mich der Text zu erst einmal sehr neugierig gemacht: Was steckt hinter diesen Frauen? Welches Schicksal? Was hat das alles mit dem Garten zu tun? Und wer ist dieses Mädchen am Zaun?

Bei ...

Bei der Leseprobe hat mich der Text zu erst einmal sehr neugierig gemacht: Was steckt hinter diesen Frauen? Welches Schicksal? Was hat das alles mit dem Garten zu tun? Und wer ist dieses Mädchen am Zaun?

Bei den Beschreibungen des Gartens wollte ich sofort losrennen, um diesen Wundergarten zu suchen. Wo ist er? Kann ich diese Zauberpflanzen, dieses märchenhafte Arrangement, diese tolle Atmosphäre auch erleben? Es gibt durchaus solch ähnliche Gärten in meiner näheren Umgebung zu besichtigen, gegen Eintritt und in der Gemeinschaft vieler zu betreten. Doch das ist ein käufliches Erlebnis für kurze Zeit und nicht zu vergleichen mit dem, was im Roman beschrieben wird. Die tiefe Ruhe, die Achtsamkeit, die Herstellung des seelischen Gleichgewichtes.
Also bleibt es eher mein Wunschtraum einem solchen Garten näher kommen zu dürfen.

Die Geschichte um die beiden Victorias (Vica und Toya), um Bär, Wille, Florian und Mickie ist ein schönes Leseerlebnis. Die heilende Natur, die Kraft der Pflanzen.

Doch was mich dabei störte ist das "ihr und wir". Es gibt viele schüchterne Menschen
(die stille Menschen genannt werden, oder Introvertierte, doch das ist eher so ein Fachbegriff). Es gibt schüchterne Menschen, die sich mit der Zeit zu sehr selbstbewußten Menschen entwickeln, die dann vielleicht als die Lauten bezeichnet werden, doch eher die Kraft gefunden haben sich zu behaupten. Mal sind Menschen schüchtern, still, in sich zurückgezogen. Mal sind sie laut und setzen sich massiv durch. Das Einseitige ist das einzige, was mich stört. Ihr da, wir da.
Natürlich gibt es diejenigen, die anscheinend schon immer wie Bulldozzer durch die Gegend walzen und andere umfahren. (Vielleicht etwas zu viele in den letzten Jahren). Doch wer aufmerksam sich umschaut und Blicke wechselt, findet diejenige mit dem verschmitzen und süßen Lächeln. Findet Vica, Toya, Bär, Wille.

Das Cover finde ich sehr ansprechend und rückt das Buch sofort in das Genre 'Wohlfühlbuch', durch die Farben, durch die Zeichnungen. Das richtige Buch für ein verregnetes Pfingstwochenende.

Frau Patricia Koelle – Wolken wird als bekannte Autorin bezeichnet. Für mich ist es ihr erstes Buch, was ich von ihr gelesen habe. Ich finde den Stil ganz angenehm, wenn auch manchmal leicht ausschweifig.

„Der Garten der kleinen Wunder“, Patricia Koelle – Wolken, Verlag Rowohlt

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