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Veröffentlicht am 19.04.2025

Seelenverwandtschaft und die Macht der ersten Liebe

Verliebt in Stockholm
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In dem Stand-alone-Liebesroman „Verliebt in Stockholm“ von Anna Lönnqvist kreuzen sich in Schwedens Hauptstadt nach 14 Jahren völliger Funkstille unvorhergesehen die Wege von Mira und William. Damals hat ...

In dem Stand-alone-Liebesroman „Verliebt in Stockholm“ von Anna Lönnqvist kreuzen sich in Schwedens Hauptstadt nach 14 Jahren völliger Funkstille unvorhergesehen die Wege von Mira und William. Damals hat ihre jugendliche Liebe nach einem fatalen Ereignis ein ebenso jähes Ende gefunden wie auch ihre Zukunftspläne. Trotz der Geschehnisse und ihrer traumatischen Jugend haben Mira und William sich unabhängig voneinander zielstrebig ein neues Leben in Stockholm aufgebaut. Doch plötzlich bringt eine Schulterverletzung Miras hoffnungsvolle Karriere als Violinistin in Gefahr, ihre Beziehung mit dem Stargeiger Alessandro bleibt eher oberflächlich und die mehrfachen und unerwünschten Begegnungen mit William bringen sie durcheinander und fördern verdrängte Gefühle an die Oberfläche.
Das stilisierte Cover zeichnet ein angenehm harmonisches Bild von der schwedischen Hauptstadt mit den beiden Protagonisten im Vordergrund und ruft ein behagliches Gefühl in mir hervor.
Anna Lönnqvist beweist einen angenehm leicht zu lesenden Schreibstil. Zwar kommt die Handlung zu Beginn ein wenig schleppend in Fahrt, nach wenigen kurzen Kapiteln ändert sich dies jedoch und die Geschichte gewinnt an Brisanz. Durch die Erzählperspektive in Ich-Form lassen sich Miras intensiv dargestellten Gefühle und Gedanken gut nachfühlen. Die Handlung verläuft dabei in zwei Zeitsträngen: der Vergangenheit vierzehn Jahre zuvor im nordschwedischen Lulea und der Gegenwart in Stockholm. In Anbetracht des Genres ist es nicht schwer den Ausgang des Romans zu erraten, aber ehrlich gesagt wäre ich vermutlich auch enttäuscht, wenn ich mich für einen solchen Roman entscheide und etwas anderes als ein Happy End bekomme. Der Weg dorthin ist für die beiden Protagonisten allerdings durchaus steinig und gepflastert mit Sorgen, Schuldgefühlen, häuslicher Gewalt, Traumata und vor allem Einsamkeit. All das sorgt im Zusammenspiel mit den Sprüngen in der erzählten Zeit für Spannung, zumal der Leser lange rätseln darf, welches Ereignis in der Vergangenheit zu einem solchen Bruch geführt hat.
Interessant sind auch die beiden Protagonisten. Beide mussten sich von ihren ursprünglichen Zukunftsplänen überraschend verabschieden und haben auf verschiedene Arten ihr Leben umgekrempelt. Trotzdem bleibt die charakterliche Wandlung bei beiden deutlich hinter meiner Erwartung zurück. Denn obgleich beide sich ein vernünftiges Leben eingerichtet haben und sich von ihrem familiären Druck befreit haben, bleiben doch Unsicherheit, Schuldgefühle zurück. Vor allem aber haben beide noch immer Schwierigkeiten sich anderen gegenüber zu öffnen und anzuvertrauen und leiden unter einem allgegenwärtigen Gefühl von Einsamkeit. Bei Mira bricht dies umso mehr hervor, als sie es nicht mehr mit dem Geigenspiel kompensieren kann. Der Roman zeigt eindrucksvoll wie leicht Probleme und vor allem Missverständnisse sich durch offene Worte aus der Welt schaffen lassen oder eben durch verschweigen Einfluss auf den Lebensweg nehmen. Die Romantik kommt dabei natürlich trotzdem nicht zu kurz.
Insgesamt ein kurzweiliger Roman, der vor allem in der vergangenen Erzählzeit schwerwiegende Themen anschneidet, diese aber mit der Gegenwart aussöhnt und ein wohliges Lesegefühl hinterlässt.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Missverständnissen keine Chance geben

Das Wuschelmonster - The Fluffy Monster
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Schöne Bilderbücher mit einer lehrreichen Botschaft und einer herzerwärmenden Geschichte haben es mir angetan. Da ich aber nun mal nicht gerade der Zielgruppe dieser Bücher entspreche, habe ich für Ingo ...

Schöne Bilderbücher mit einer lehrreichen Botschaft und einer herzerwärmenden Geschichte haben es mir angetan. Da ich aber nun mal nicht gerade der Zielgruppe dieser Bücher entspreche, habe ich für Ingo Blums zweisprachiges Bilderbuch „Das Wuschelmonster - The Fluffy Monster“ natürlich Experten im Alter von drei bis acht Jahren zu rate gezogen.
Die liebevoll gestalteten Illustrationen von Olha Taran konnten auf ganzer Linie überzeugen und Wuschel sofort das Herz der Kinder gewinnen, weil er „voll süß, aber ein bisschen traurig“ aussieht. Die Empathie meiner jungen Profis wurde also schon bei den ersten Bildern sofort entfacht und es wurde eifrig mitgefiebert. Auch die Geschichte, die Wuschel in sein Einsiedlerleben auf den höchsten aller Bäume getrieben hat, spricht die Kinder an und bietet einen wunderbaren Anknüpfungspunkt, um über Vorurteile und Missverständnisse zu sprechen – und natürlich darüber, dass gemeinsam alles noch viel schöner ist. Auf kindgerechte Art und Weise lernen die Kinder, dass persönliche Vermutungen und Wahrnehmungen nicht immer der Wahrheit entsprechen und mitunter hinterfragt und gemäß der neuen Erkenntnisse verändert werden müssen.
In dieser Aufregung um Wuschels Geschichte geht der kranke Eichhörnchenfreund Kenny fast ein wenig unter. Die Freude über seine Genesung ist natürlich trotzdem groß. Bei der in vielen Teile ziemlich fantasievollen Geschichte, stoßen meine Zuhörer sich jedoch an der allzu realitätsfernen Darstellung, der stundenlang mühsam kletternden Eichhörnchen. Schließlich haben sie alle schon Eichhörnchen gesehen und wissen, wie flink die geschickten Kletterer sind. Von dieser Kleinigkeit abgesehen konnte das Bilderbuch allerdings auf ganzer Linie punkten. Die Kinder mit Englisch als Erstsprache freuten sich, den Inhalt des Buches mühelos zu verstehen. Alle übrigen Kinder lauschten der fremden Sprache neugierig und aufgeschlossen und konnten der Handlung dank des deutschen Textes ebenso folgen. Da das Text-Bild-Verhältnis sehr gelungen gewählt wurde, ist es problemlos möglich die kurzen Texte in beiden Sprachen vorzulesen. Die Texte lesen sich flüssig vor und sind der Zielgruppe in ihrer Verständlichkeit absolut angemessen. Aprospos Verständlichkeit: Zum Schluss gibt es auch noch einige Verständnisfragen zum Text, die sich natürlich problemlos durch eigene Fragen noch ergänzen lassen.
Weiteres Zusatzmaterial steht über einen QR-Code bereit: über eine Audio-Datei kann man sich die Geschichte vorlesen lassen oder ein zum Buch passendes zweisprachiges Lied anhören. Schöner ist es natürlich immer, wenn eine vertraute Person, Eltern oder Freunde den Kindern vorlesen. Trotzdem ist die Audio-Datei eine gute Möglichkeit, falls gerade niemand Zeit hat oder man das Buch gern ein zweites, drittes, viertes Mal anschauen möchte. Das Lied wertet das ohnehin schon tolle Bilderbuch noch einmal auf und macht (nicht nur den Kindern) richtig Laune.
Dieses wunderschöne Bilderbuch ist ein wirkliches (Vor-)Lesevergnügen für Groß und Klein mit einer wertvollen Botschaft in gelungener zweisprachiger Ausführung. So lassen sich Kinder für Bücher begeistern.
Übrigens gibt es das Bilderbuch auch noch in der Variante Deutsch-Französisch.

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Ein Appell für zweite Chancen in schöner Ostseeatmosphäre

Zum Glück gibt's Wunder
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„Zum Glück gibt’s Wunder“ ist der zweite Teil aus Katie Jay Adams ‚Meer für dich-Reihe‘. Das in verschiedenen Pinktönen gestaltete Cover zeigt eine Unterwasserwelt mit Fischen, Seesternen und allerlei ...

„Zum Glück gibt’s Wunder“ ist der zweite Teil aus Katie Jay Adams ‚Meer für dich-Reihe‘. Das in verschiedenen Pinktönen gestaltete Cover zeigt eine Unterwasserwelt mit Fischen, Seesternen und allerlei Meerespflanzen und passt damit hervorragend zu dem in Türkistönen ebenso gestalteten ersten Teil der Reihe. Abgesehen von der starken Meerverbundenheit verrät das Cover inhaltlich hingegen nichts. Wer den ersten Teil - so wie ich - bereits gelesen hat, wird beinahe alle Bewohner des kleinen Ortes Büdnitz an der Ostsee wiedererkennen. Alle anderen Leser nimmt Hauptfigur Saskia nach jahrelanger Abwesenheit mit in ihre Heimat und stellt ihnen die weiteren Charaktere vor. Vielleicht sogar ein leichter Vorteil, auf den ich später noch zurückkomme.
Da ihr Freund Henry beruflich in Deutschland zu tun hat, macht auch Ärztin Saskia von London aus einen Abstecher in ihren Heimatort an der Ostsee. Gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrem Vater will sie einen Nachfolger für die Arztpraxis ihrer verstorbenen Mutter finden und außerdem deren Aquamarinring suchen, der sie in den Stürmen des Lebens beschützen soll. Doch nichts läuft wie geplant: Henrys Job zieht sich in die Länge, Praxisnachfolger und Ring bleiben gleichermaßen unauffindbar, Ex-Mann Nick kreuzt immer wieder ihre Wege und ihre beste Freundin Tine scheint auch belastende Probleme mit sich rumzuschleppen. Saskia braucht dringend ein Wunder um endlich guten Gewissens in ihr neues Leben zurückzukehren. Aber will sie das überhaupt noch?
Der 240 Seiten umfassende Roman liest sich sehr flüssig und ist von Katie Jay Adams mit hoher atmosphärischer Dichte verfasst. Wie für einen Wohlfühlroman üblich, kommt die ganz große Spannung nicht auf und der Ausgang ist durchaus vorhersehbar. Trotzdem gibt es einige Spannungsspitzen, denn wenn zwei neu vergebene Ex-Partner aufeinander treffen und noch immer die Funken fliegen bleibt das nicht aus. Gerade wegen ihrer hohen Aktualität gut gefallen haben mir auch die Problematik des Ärztemangels in den ländlichen Gebieten und die ungeprüfte Darstellung bzw. Aufnahme von Informationen aus den (Sozialen) Medien. Obwohl Saskia einen großen Bogen um Klatschpresse und Social Media macht, muss auch sie die Auswirkungen am eigenen Leib erfahren. Natürlich kommt bei ‚Meer für dich‘ auch das Meer nicht zu kurz und lädt mit einigen überaus bildhaften Eindrücken dazu ein dem Wellenrauschen zu lauschen und das Salz in der Luft zu schmecken.
Geschrieben ist der Roman in der Ich-Perspektive, wodurch Saskias Gedankengänge, Beweggründe und Gefühle für den Leser sehr transparent sind und man unweigerlich mit der sympathischen Hauptfigur mitfühlt. Eigentlich liebt Saskia ihr Heimatdorf und ihre Familie sehr und so hat sie vor allem ihrer Familie und ihrer besten Freundin, der alleinerziehenden Tine gegenüber oft ein schlechtes Gewissen. Doch nach ihrer Trennung von Nick zog es sie möglichst weit weg, da sie seine Nähe nicht mehr aushalten konnte. In ihrer neuen Beziehung mit dem reichen Adligen Henry III. schätzt sie vor allem die Ausgeglichenheit und Sicherheit, die er ihr bietet. Allerdings ist es ausgerechnet Nick, der sie bei ihren Angelegenheiten in Büdnitz enorm unterstützt und der alte Gefühle wieder aufflammen lässt. Doch Nick ist mittlerweile mit der arbeitswütigen Anwältin Belle zusammen, die gleichzeitig Kollegin ihres Vaters ist und viel Zeit mit ihrem Bruder Tobias verbringt.
Zu den großen Sympathieträgern unter den Charakteren zählen aus meiner Sicht außerdem Nick, Tine und vor allem ihre Tochter Leni. Vielleicht dreht sich der nächste Teil ja um die letzteren Beiden.
Mein persönlicher kleiner Wermutstropfen ist leider Belle, die ich doch im ersten Teil schon ziemlich lieb gewonnen hatte. Zwar bekommt sie im zweiten Teil nicht allzu viel Raum und verhält sich stets liebenswürdig und freundlich, wirkt aber aus Saskias Sicht ziemlich oberflächlich. Auch Tines Idee, dass sie irgendwann wieder zurück nach Bayern gehen könnte, passt irgendwie nicht so recht zu der Belle, die in Büdnitz doch scheinbar eine neue Heimat gefunden hatte. Allerdings ist sie auch wirklich die einzige Figur, bei der meiner Meinung der Übergang zum zweiten Teil der Reihe nicht ganz harmonisch vonstatten geht.
„Zum Glück gibt’s Wunder“ ist ein wundervoller Roman, der die Wohlfühlatmosphäre mit einem gewissen Maß an Tiefgang verbindet und der Mahnung auf die eigenen Gefühle zu vertrauen und zweite Chancen zu ergreifen.

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Ein Leben für die Musik – eine fiktionale Geschichte um historische Musikvirtuosen

Die Melodie der Lagune
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Selten hat mich ein Roman derartig gefangen genommen, wie „Die Melodie der Lagune“ von Harriet Constable. Dabei wäre mir das Buch beim ersten schnellen Blick über das Cover beinahe nicht aufgefallen. Auf ...

Selten hat mich ein Roman derartig gefangen genommen, wie „Die Melodie der Lagune“ von Harriet Constable. Dabei wäre mir das Buch beim ersten schnellen Blick über das Cover beinahe nicht aufgefallen. Auf den zweiten Blick hat mich die Raffinesse umso mehr begeistert: Das vorherrschende Blau zieht sich in seichten Wellen, die nach unten hin Nuance um Nuance dunkler werden über den Einband, durchbrochen von dem F-Loch einer Geige, das den Blick auf zwei historische Bilder des Markusplatzes in Venedig freigibt. Ein Cover, das großartig zur Handlung des Romans passt.
Das zentrale Motiv ist natürlich die Musik, die das Leben von Protagonistin Anna-Maria bestimmt. Eigentlich handelt es hier in meinen Augen um einen regelrechten Liebesroman – einen Roman von der Liebe zur Musik. Aber auch Rollenverteilung, Freundschaft, Erfolg und Leistungsdruck, Leben und Überleben in Venedig sind mehr als nur Zwischentöne.
Der Schreibstil von Harriet Constable hat aber eine sehr eigene Note. Mitunter wechseln sich kurze Hauptsätze mit sehr komplexen Satzgefügen ab und Namen werden oft durch Pronomen ersetzt. Wirklich spektakulär sind aber die Melodien, die von der Protagonistin in Bilder und Farben gefasst und mit enormer Intensität an die Leser weitergegeben werden. Überhaupt verleiht Harriet Constable ihrem Roman eine beeindruckende atmosphärische Dichte, u. a. lässt sie ihre Leser in einigen wenigen aber eindrücklichen Darstellungen den mitunter sehr perspektivlosen venezianischen Alltag im 18. Jahrhundert erleben, und hält für den Leser jede Menge Emotionen bereit. Für mich war „Die Melodie der Lagune“ kein Pageturner – ich habe im Gegenteil recht lange an dem Roman gelesen. Obwohl ich doch dringend wissen wollte, wie die Handlung fortgeführt wird, brauchte ich immer wieder Zeit um die Ereignisse des Romans auf mich wirken zu lassen, emotional zu verarbeiten und für mich zu bewerten. Hier ist definitiv Tiefgang statt seichter Unterhaltung angesagt.
Mit teils überraschenden Wendungen und Anna-Marias steter Anspannung, die im vierten und letzten Teil des Buches zur Eskalation führt, ergibt sich eine stimmige Spannungskurve.
Besonders viel zur Wirkung des Romans tragen die zwei Hauptcharaktere Anna-Maria und ihr Lehrer, die auf Basis historischer Personen geschaffen wurden, bei. Beide sind kaum als sympathisch zu bezeichnen, durchlaufen bis zum Ende des Romans jedoch deutliche Entwicklungen – positiv wie negativ. Anna Maria della Pietà wächst als Waisenkind im Ospedale della Pietà unter ihrem Lehrer Antonio Vivaldi zum Geigenvirtuosen heran, erlangt internationalen Ruhm und führt den Titel Maestro. Ansonsten ist von ihr kaum etwas überliefert, sodass Harriet Constable ihr Leben mit einer fiktiven Geschichte, wie sie ähnlich stattgefunden haben könnte, füllen kann. Anna Maria ist schon als Kind geradezu besessen von einer großen Karriere als Musikerin, die sie nicht nur bekannt, sondern in den Köpfen der Menschen unsterblich macht. Ihr Glück findet die selbstbewusste Anna Maria neben der Musik, die für sie nicht nur hörbar, sondern vor allem in allen Nuancen der Farbpalette sichtbar ist, einzig in der Gegenwart ihrer beiden besten Freundinnen. Mit Auftauchen des Lehrers und ihrem ersten Geigenunterricht kennt Anna Marias Ehrgeiz keine Grenzen mehr, mit unbeirrbarer Zielstrebigkeit arbeitet sie an ihrer Karriere und stellt ihre Musik über alles. Als sie dadurch gleich beide Freundinnen verliert, wird sie in ihrer Einsamkeit und von Schuldgefühlen geplagt nur noch verbissener, verspürt noch größeren Erfolgsdruck und sieht ihre Konkurrenz regelrecht als Feind an. Angestachelt wird Anna Marias Verbissenheit durch ihren Lehrer, der ihr Talent erkennt, sie intensiv fördert und sich immer wieder für sie stark macht. Während er zunächst noch einen freundlichen Eindruck macht, beginnt er bald seine Schülerin zu manipulieren. Die Manipulationen fallen bei Anna Maria, die seine Aufmerksamkeit genießt auf fruchtbaren Boden, sodass sie sich von den anderen Mädchen des Orchesters immer mehr distanziert und stattdessen vom Lehrer nur allzu bereitwillig zum Komponieren eingespannt wird. Doch auch der Lehrer duldet keine Konkurrenz neben sich und als Anna Maria ihm immer mehr den Rang abzulaufen droht, offenbart er narzisstische Züge und demoralisiert sie immer mehr. Nachdem großen Enttäuschungen laufen Anna Lenas Emotionen völlig aus dem Ruder. Doch ihr Ausbrauch fördert Unerwartetes zu Tage und ermöglicht ihr ebenso Schlussstrich wie Neuanfang.
„Die Melodie der Lagune“ bricht mit unheimlicher Wucht über die Leser hinein. Nicht nur für Musikliebhaber ein unheimlich interessanter Roman mit bemerkenswertem Tiefgang. Für mich ein absoluter Favorit.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Alte Wunden und neue Liebe auf der Sonneninsel Fehmarn

Sommernachtsküsse auf Fehmarn
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„Sommernachtsküsse auf Fehmarn“ ist der Auftakt zu Kira Hofs Ostsee-Liebesroman-Reihe. Der Roman besticht auf den ersten Blick mit einem hübschen, verspielten Cover, das die (Urlaubs)Idylle der Ostseeinsel ...

„Sommernachtsküsse auf Fehmarn“ ist der Auftakt zu Kira Hofs Ostsee-Liebesroman-Reihe. Der Roman besticht auf den ersten Blick mit einem hübschen, verspielten Cover, das die (Urlaubs)Idylle der Ostseeinsel gut einfängt. Allerdings macht das idyllische Setting nur einen kleinen Teil des Romans aus. Hinweise auf die eigentlich Handlung sind dem Cover kaum zu entnehmen.
Marie ist mit ihrem ruhigen Leben auf der beschaulichen Insel Fehmarn eigentlich sehr zufrieden. Auch die sich anbahnende Beziehung mit dem ortsansässigen Tierarzt Jörn macht nun langsam zarte Fortschritte. Nie hätte die Mittzwanzigerin damit gerechnet, dass Ben – Feriengast in der Pension ihrer Eltern und plötzlich zudem noch ihr Kunde im Immobilienbüro – ihr sorgsam geregeltes Leben so dermaßen durcheinander wirbeln könnte. Doch nicht nur Maries Gefühle geraten in Aufruhr. Dunkle Schatten aus der Vergangenheit breiten sich - nicht nur - über Ben und Marie aus. Ob die tragischen Ereignisse der Vergangenheit um der glücklichen Zukunft willen nun endlich überwunden werden können?
Kira Hof beweist einen Schreibstil der sich angenehm flüssig lesen lässt. Vor allem zu Beginn fängt die Autorin die Atmosphäre der beliebten Sonneninsel Fehmarn sehr bildhaft ein und macht Lust auf einen Abstecher ans Meer. Große Spannung lässt der Roman nicht aufkommen, auch wenn es in Maries Leben plötzlich deutlich aufregender zugeht. Lediglich kurz vor Schluss lässt sich ein kleiner Spannungshöhepunkt ausmachen. Für dieses Genre ist die geringe Spannung in meinen Augen allerdings vollkommen ok. Schließlich ist auch bereits zu erahnen, wie der Roman ausgeht. Ein wenig schade finde ich, dass Kira Hof die gewählte Ich-Erzählperspektive nicht noch intensiver nutzt, um Maries Gefühlswelt greifbarer zu machen. Das Trauma, dass sie nach dem Tod ihrer Schwester mit sich herumträgt wird zwar immer wieder angerissen, bleibt in meinen Augen aber doch ein wenig oberflächlich. Ein anderes Ereignis in der Vergangenheit von Maries Vermieterin und Oma-Ersatz Hilde ist so vorhersehbar, dass es beinahe schon wieder überrascht. Die Figuren wirken (fast) allesamt sympathisch, könnten jedoch etwas mehr Tiefe vertragen. Maries beste Freundin und Mitbewohnerin Franzi bringt mit ihrer lebhaften Art Schwung in die Handlung. Tierarzt Jörn scheint ein absoluter Schatz zu sein, erhält aber im Roman wenig Raum seinen Charakter zu entfalten. Zu ihren Eltern hat Marie offenbar ein harmonisches Verhältnis. Sie bieten ihr stets Rückhalt, drängen sie zu nichts und zeigen viel Verständnis für ihre Tochter – manchmal vielleicht mehr als gut für Marie ist. Ben ist Schauspieler in einer Schaffenskrise. Einen Plan wie sein Leben sich nach seiner Auszeit weiterentwickeln soll, muss er noch entwickeln. Aber noch etwas anderes belastet sein Gewissen und immer wieder auch sein Verhältnis zu Marie. Marie selbst führt ein ruhiges, geregeltes Leben mit wenig Raum für Überraschungen. Sie übernimmt gern die Verantwortung für die Theatergruppe und zeigt meistens viel Verständnis für ihre Mitmenschen. Das Trauma, dass sie durch den Tod ihrer Schwester erlitten hat, konnte sie nie so recht bewältigen, sondern hat viel mehr gelernt im geregelten Alltag damit umzugehen. Doch nun gerät sie immer mehr in eine Ausnahmesituation, in der Verdrängung keine Option mehr ist. Sowohl Ben als auch Marie müssen sich mit ihren qualvollen Gefühlen auseinandersetzen.
„Sommernachtsküsse auf Fehmarn“ ist ein angenehm geschriebener, wirklich unterhaltsamer Roman, der den Leser in Urlaubsstimmung versetzt. Insgesamt konnte mich das Buch leider nicht ganz in seinen Bann ziehen, weil ich mir hier und da ein bisschen mehr Tiefe gewünscht hätte. Trotzdem war es auch für mich eine angenehme und lesenswerte Lektüre.

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