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Veröffentlicht am 16.09.2025

Ein Strudel aus Manipulation, Lügen und Gewalt

No Way Home
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„No Way Home“ ist für mich der erste Roman des Autors T. C. Boyle. Gerade eben den Roman beendet, bin ich mir noch unschlüssig, ob er mir nun gefällt oder nicht. Fesselnd finde ich ihn allerdings allemal. ...

„No Way Home“ ist für mich der erste Roman des Autors T. C. Boyle. Gerade eben den Roman beendet, bin ich mir noch unschlüssig, ob er mir nun gefällt oder nicht. Fesselnd finde ich ihn allerdings allemal.
Das Cover wirkt eher unscheinbar, passt aber inhaltlich gut zum Roman: Am rechten Rand des Buches sind verschwommen Gesicht und Arm einer Frau dargestellt. Dahinter sind offenbar die Wüste Nevadas und die Hochhäuser L. A. als Setting angedeutet.
Nach dem Tod seiner Mutter reist der junge Arzt Terry von L. A. nach Nevada um Beerdigung und Erbschaftsangelegenheiten zu regeln. Dort lernt er Bethany kennen, die nach der Trennung von Ex-Freund Jesse aktuell obdachlos ist. Die beiden verbringen eine gemeinsame Nacht miteinander und Bethany quartiert sich anschließend ohne Terrys Wissen im Haus seiner Mutter ein. Es entwickelt sich eine toxische Dreiecksbeziehung voller Selbstsucht, Lügen und Gewalt, denn auch Jesse kann nicht von Bethany lassen.
T. C. Boyle zeigt in seinem Roman auf eindrucksvolle Weise, welche Macht und welchen Einfluss die Liebe und die Eifersucht auf Menschen haben kann – und wie sie Leben in Trümmer legt. Es ist nicht die Handlung die mich an den Roman fesselt - an einigen Stellen hätte für meinen Geschmack ruhig ein wenig gestrafft werden können - sondern viel mehr das Bedürfnis die Protagonisten in ihrer Verblendung zu schütteln und ihnen das Realitätsbewusstsein zurückzugeben, insbesondere Terry. Boyles Schreibstil liest sich sehr gefällig, interessant sind vor allem die verschiedenen Sichtweisen von Terry, Bethany und Jesse auf ein und dasselbe Ereignis. Hier offenbaren sich auf faszinierende Weise Egozentrik, verschrobene Selbstwahrnehmung, vielleicht sogar Selbstbetrug und das bedenkenlose Streben nach dem eigenen Vorteil. Es zeigt sich aber auch, dass die Protagonisten aus zwei vollkommen verschiedenen Welten mit anderen Moral- und Wertvorstellungen kommen. Während Terry eigentlich ein sehr vernunftbezogenes, bodenständiges Leben führt, leben Bethany und Jesse in den Tag hinein. Manchmal ziemlich hitzköpfig und oft verantwortungslos, nehmen sie nur allzu gern jeden Spaß mit, der sich ihnen bietet. Dass jemand wie Jesse junge Menschen unterrichtet, ist meiner Meinung nach ein ziemlich erschreckender Gedanke. Ebenso erschütternd ist es aber auch, wie Bethany es immer wieder gelingt den eigentlich so rationalen Terry trotz aller einschneidenden Folgen immer wieder um den Finger zu wickeln und zu manipulieren.
„No Way Home“ watet weder als unterhaltsame feel-good Literatur noch mit großartiger Handlung auf, offenbart aber stattdessen eine ausgesprochen interessante Charakter- und Beziehungsstudie. Ziemlich befremdlich, aber eben doch greifbar und vor allem packend.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

In Villa Wittlow fliegen die Fetzen

Meine Sommer mit Marx
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„Meine Sommer mit Marx“ ist der Auftakt zu Fee Tauts „Lavnitz-in-Love-Reihe“. In diesem ersten Teil kehrt Sessy nach zehn Jahren zurück in die ländlich gelegene Villa Wittlow, der älteren Freundin Edith. ...

„Meine Sommer mit Marx“ ist der Auftakt zu Fee Tauts „Lavnitz-in-Love-Reihe“. In diesem ersten Teil kehrt Sessy nach zehn Jahren zurück in die ländlich gelegene Villa Wittlow, der älteren Freundin Edith. Hier hat die quirlige Sessy einst einen Sommer mit der abenteuerlustigen Edith und dem vernünftigen Marx verbracht, bevor sie in die Welt hinauszog. Doch das Wiedersehen mit Marx verläuft ganz anders als Sessy es sich erhofft hat.
Das Cover ist in Orangetönen gehalten, fängt bereits einige Charakterzüge der beiden Protagonisten gelungen ein und zeigt auch noch die Villa als Setting des Romans.
Fee Tauts Schreibstil lässt sich angenehm flüssig lesen. Die Handlung spielt sich auf zwei Zeitebenen ab, wobei der Sommer vor 10 Jahren überwiegend aus Marx Perspektive und der gegenwärtige Sommer aus Sessys Sicht erzählt wird. Dies ändert sich erst kurz vor Ende des Romans, wenn die Sicht und Gefühle beider Protagonisten auf Situationen aus beiden Sommern deutlich werden. Der Ansatz ist ebenso wie die beiden Figuren selbst sehr interessant. Allerdings hätte ich mir bei einzelnen Ereignissen schon wesentlich eher beide Blickwinkel gewünscht. Spannungen gibt es im Verlauf des Romans jede Menge, denn zwischen den beiden ungleichen Protagonisten fliegen immer wieder mächtig die Fetzen. Die Handlung ist dafür aber meiner Meinung nach leider doch eher ein wenig enttäuschend – es passiert einfach nicht viel. Das Drama um die komplizierte und intensiv dargestellte Beziehung zwischen Sessy und Marx tröstet aber darüber ein wenig hinweg.
Als besonders interessant habe ich die Figuren des Romans wahrgenommen, insbesondere Sessy und Marx. Weder Sessy noch Marx waren für mich echte Sympathieträger. Trotzdem haben beide mich sowohl einzeln als auch in ihrer Beziehung zueinander fasziniert. Sessy ist behütet aufgewachsen, ziemlich verwöhnt und daran gewöhnt ihren Willen zu bekommen. Sie ist quirlig, oft sehr direkt, manchmal rebellisch und handelt mal impulsiv ohne mögliche Konsequenzen in Betracht zu ziehen, mal manipulativ. Obwohl Sessy sich selbst eine Wandlung von der „alten Sessy“ zur „neuen Sessy“ attestiert, blitzt doch immer wieder der trotzige Teenager von vor 10 Jahren durch. Dabei wirkt sie mit der Erwartungshaltung nach 10 nahezu kontaktlosen Jahren wieder mit offenen Armen in der Villa empfangen zu werden ziemlich egozentrisch, aber auch naiv. Dass Marx sich ebenfalls weiterentwickelt oder gar mit ihr abgeschlossen haben könnte, kommt Sessy gar nicht erst in den Sinn. Ihr Ziel ist es Marx ganz für sich zu gewinnen – etwas, was ihr in der Vergangenheit verwehrt geblieben ist.
Marx ist das glatte Gegenteil von der aufgedrehten Sessy. Er ist ruhig und besonnen, seine Vergangenheit und sein ausgesprochen geringes Selbstwertgefühl quälen ihn sehr und er traut sich stets wenig zu. Phasenweise wirkt er mit seinen düsteren Gedanken beinahe ein wenig depressiv. Für die wenigen Menschen, die in seinem Leben wichtig sind, ist er die Zuverlässigkeit in Person. Alle anderen prallen an den dicken Mauern, die Marx um sich errichtet hat ab, doch Sessy bringt sein mühsam erreichtes inneres Gleichgewicht wieder einmal gefährlich ins Wanken.
Die Beziehung zwischen den beiden grundverschiedenen Protagonisten macht deutlich, wie hilfreich eine offene und ehrliche Kommunikation doch ist und welche Dramen sich abspielen können, wenn eben diese fehlt.
Insgesamt ist der Roman sicher kein glanzvolles literarisches Highlight, lässt sich aber sehr angenehm und mit Freude lesen und besticht mit anregenden Charakter- und Beziehungsstudien.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Ein Leben zwischen Luxus und Menschlichkeit

Cartier. Der Glanz von Gold
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„Cartier – Der Glanz von Gold“ ist der zweite Band von Sophie Villards Familien- und Unternehmenssaga rund um die Cartiers. Auch wer den ersten Band, so wie ich, noch nicht gelesen hat, findet trotz allerlei ...

„Cartier – Der Glanz von Gold“ ist der zweite Band von Sophie Villards Familien- und Unternehmenssaga rund um die Cartiers. Auch wer den ersten Band, so wie ich, noch nicht gelesen hat, findet trotz allerlei Personen schnell in die Handlung.
Das Cover besticht mit seinen weißen und goldenen Farben mit schlichter Eleganz und passt damit wunderbar zu der Marke Cartier und dem Schmuck den Jeanne im Laufe des Romans entwirft. Der Buchtitel hebt sich in goldenen Glitterbuchstaben deutlich hervor.
Nach Ende des Ersten Weltkrieges blicken die Cartiers voller Tatendrang in die Zukunft. Während seine jüngeren Brüder mit ihren Ehefrauen in die Filialen nach New York und London zurückkehren, erwecken Louis und seine langjährige Freundin, Vertraute und Designerin Jeanne die Pariser Filiale zu neuem Leben. Doch während das Geschäft in den wilden 20ern boomt, gibt es im Privatleben der Cartiers einige Unwegsamkeiten und vor allem Jeanne trifft es hart. Als dann die Weltwirtschaftskrise hereinbricht, bleibt auch das Geschäft der Cartiers nicht verschont.
Sophie Villards Saga eröffnet ihren Lesern einen interessanten Blick auf die Familie Cartier, sowie das Unternehmen und seine Stardesignerin. Historische Fakten werden mit fiktionalen Ideen angereichert und gelegentlich ein wenig angepasst. Dieser zweite Band der Saga beginnt mit dem Ende des Ersten Weltkrieges am 11. November 1918 in Paris und endet mitten im Zweiten Weltkrieg im Frühjahr 1942 in New York und umfasst damit einen ziemlich langen Zeitraum. Sophie Villard erzählt die Geschichte auf mehreren Handlungsebenen an den verschiedenen Orten und mit Blick auf die verschiedenen Personen. Der Roman lässt sich sehr flüssig lesen und bietet mit einigen überraschenden Wendungen, dem teils ungewissen Ausgang und den vielen Erzählsträngen durchaus Spannungspotenzial – vor allem für diejenigen Leser, die mit der Unternehmensgeschichte weniger vertraut sind. Etwas bedauerlich ist meiner Meinung nach nur, dass der Prolog schon recht viel vom Ausgang der Saga vorwegnimmt. Während der Lektüre trifft man auf viele berühmte, historische Persönlichkeiten, allen voran aber auf einige starke Frauen, die teils ehrgeizig und karriereorientiert sind und für ihre Rechte oder ihre Familie bereit sind zu kämpfen.
Insbesondere Pierre Cartiers Frau Elma hat einiges zu tun ihren Gatten von unüberlegten Handlungen abzuhalten. Ihre souveräne und gewitzte Art macht sie zu einer Sympathiefigur. Ebenso wie die Londoner Cartier Verkäuferin Miss Winter, die sich gemeinsam mit einer Kollegin der Konkurrenz für Frauenrechte einsetzt. Auch Coco Chanel und die ungarische Gräfin Jacquelin Almásy wissen genau, was sie wollen und verfolgen ehrgeizig ihre Ziele. Im Mittelpunkt des Buches stehen aber zweifelsfrei Louis Cartier und Jeanne Toussaint. Louis ist der älteste der drei Cartier Brüder und trägt auch als kreativer Kopf zuverlässig und souverän die größte Verantwortung. Das Verhältnis zu seiner erwachsenen Tochter ist schwierig, das zu seiner Ex-Frau noch schwieriger. Mit Jeanne hat er seit Jahren eine Vertraute und Geliebte an seiner Seite. Das Verlangen, das er plötzlich für die junge Gräfin Almásy entwickelt und sein Wunsch aus den bekannten Strukturen auszubrechen, wirkt beinahe wie eine Midlife-Crisis. Seine Gefühle sind Louis kaum vorzuwerfen, seine Rücksichtslosigkeit und Hinhaltetaktik mit der er beide Frauen im Unklaren lässt, machen ihn mir aber im Verlauf des Buches herzlich unsympathisch. Jeanne, die in ihrem Beruf sowohl kreativ als auch rational wirkt, erscheint in Bezug auf ihre große Liebe Louis mitunter verblendet und naiv, erhofft sie doch seit geraumer Zeit einen Heiratsantrag. Mit ihrem erbitterten beruflichen Gegner Moreau hat Jeanne es auch nicht leicht, ist dem Unternehmen Cartier aber mit allergrößter Loyalität und Passion ergeben. Immer wieder ist sie es, die rettende Ideen und Entwürfe hervorbringt. Auf eine angemessenen Anerkennung ihrer Tätigkeit wartet Jeanne jedoch lange. In den schweren Zeiten stehen ihre Freunde, allen voran Coco Chanel ihr stets zur Seite.
Alles in allem bietet der zweite Teil der Familiensaga einen gelungenen Einblick hinter die Kulissen der Luxusmarke Cartier – spannend und mit Spannungen. Für alle Luxusliebhaber und an der Entwicklung von Familienunternehmen Interessierte ein unbedingtes must-read und auch Freunde historischer Romane kommen hier voll auf ihre Kosten.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Manchmal braucht es einen Perspektivwechsel

A Taste of Cornwall: Eine Prise Liebe
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„A Taste of Cornwall – Eine Prise Liebe“ ist der behagliche Auftaktsroman zu Katharina Herzogs neuer Cornwall-Reihe: Für die erfolgreiche Londoner Restaurantkritikerin Sophie folgt plötzlich eine Katastrophe ...

„A Taste of Cornwall – Eine Prise Liebe“ ist der behagliche Auftaktsroman zu Katharina Herzogs neuer Cornwall-Reihe: Für die erfolgreiche Londoner Restaurantkritikerin Sophie folgt plötzlich eine Katastrophe auf die nächste. Erst zieht ihre lebenslustige Mutter bei ihr ein, dann findet sie sich nach einer desaströsen Restaurantkritik mitten in einem medialen Shitstorm wieder, wird schließlich auch noch nach Port Haven „strafversetzt“ mit dem Auftrag das heruntergekommene Pub Smuggler’s Inn in ein Spitzenrestaurant zu verwandeln und ganz nebenbei lässt die pubertäre Tochter auch noch ihre chronisch schlechte Laune an ihr aus. Einzig Koch Lennox unterstützt Sophie im Umgang mit dem exzentrischen Personal und den verschrobenen Dorfbewohnern Port Havens.
Das hübsche Cover mit der außergewöhnlichen Teekanne auf blauem Hintergrund regt unmittelbar zum Schmunzeln an und deutet treffsicher auf das hin, was den Leser hier erwartet – ein unterhaltsamer Wohlfühlroman mit viel Cornwallflair, erfrischenden Charakteren und einer großen Prise Liebe.
Durch Katharina Herzogs bildlichen und atmosphärischen Schreibstil fühle ich mich beinahe nach Port Haven versetzt und kann den heruntergekommenen Pub quasi vor mir sehen. Auch die Figuren werden mit ihren verschiedenen Charakterzügen wunderbar dargestellt und sind teilweise sehr vielschichtig angelegt. In den insgesamt 360 Seiten, die sich locker-leicht runterlesen, werden so einige Themen angeschnitten: angefangen bei der Macht der Medien und vor allem Social Media, über Eltern-Kind-Beziehungen, Vorurteile, Neubeginn, Großstadt vs. Fischerdorf und natürlich die Liebe. Sehr eindrücklich sind mitunter auch die Gedanken und Gefühle beschrieben – allen voran bei Protagonistin Sophie, aber auch bei Lennox und dem geheimniskrämerischen Model Annabelle, um die sich der zweite Band der Cornwall-Reihe dreht. Kleine Spannungsspitzen hat der Roman durchaus zu bieten, schließlich tritt Sophie mehr als einmal ins Fettnäpfchen. Doch genretypisch und in Erwartung eines Happy-End bleibt das Spannungsniveau überschaubar.
Die Charaktere haben allesamt ihre Eigenheiten und sind teils liebenswert schrullig. Sophies exzentrische Mutter Tanya, die auf Feng-Shui, pflanzliche Behandlungsmethoden und ihren eigenwilligen Kater Thomas behütet, schenkt dem Roman so frische und amüsante Momente. Tochter Riley ist ein typisch mürrischer Teenager und von dem Umzug in die Einöde, in der es ihr schwerfällt Fuß zu fassen, alles andere als begeistert. Doch in ihrer großen Tierliebe und ihrer Hilfsbereitschaft, wenn es darauf ankommt, zeigt sich ihr gutes Herz. Sehr rätselhaft tritt Model Annabelle in Erscheinung, die kurz nach ihrer Restauranteröffnung und Sophies fataler Kritik von der Bildfläche der Öffentlichkeit in eine Privatklinik verschwindet. Sie erscheint jedoch weit weniger oberflächlich als es das gängige Klischee über die Glanz- und Glamourbranche vermuten lässt. Ich bin sehr gespannt, welche Geheimnisse sich im zweiten Teil offenbaren. Der gutmütige Koch Lennox meint es offensichtlich gut mit Sophie und ist bereit zu vermitteln. Zwischen den beiden ist weit mehr als nur ein Knistern auszumachen. Doch auch ihn verfolgen die Dämonen seiner Vergangenheit und die Sorge, ob Sophie Port Haven nicht bald wieder den Rücken kehrt. Sophie selbst ist in meinen Augen vor allem zu Beginn nicht uneingeschränkt sympathisch, was sie meiner Meinung nach nur authentischer macht. In London ist sie eine perfektionistische Karrierefrau, wie sie im Buche steht, die unter dem Shitstorm in den Sozialen Medien leidet und es braucht für sie einen Neubeginn in Port Haven um die wahren Werte in ihrem Leben zu erkennen und über alte Trauma hinwegzufinden. Zwar ist ihr Ehrgeiz auch hier ungebrochen, doch ihr Fokus und ihre Erkenntnisse verändern sich nach und nach immens und dann ist da auch noch Lennox, für den sie weit mehr als nur Freundschaft empfindet. Doch die Chance mit neuer Jobperspektive zurück nach London zu gehen lockt und ist allgegenwärtig.
Ein überaus gelungener Wohlfühlroman, der zwar nicht durch großen Tiefgang, dafür aber mit unheimlich liebenswert verschrobenen Charakteren, ganz viel Atmosphäre und jede Menge Liebe besticht – ein absolut lesenswerter Sommerroman mit viel Cornwallfeeling für eine wundervolle Auszeit vom Alltag.

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Veröffentlicht am 06.07.2025

Verlockende Gaumenfreuden und ganz viel Liebe

Zweite Chancen à la carte
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Der Liebesroman „Zweite Chancen á la carte“ von Sophie Beaumont entführt seine Leser in die französische Küche. Das Cover ist hübsch, wenngleich etwas unscheinbar, und deutet auf die kulinarischen Highlights ...

Der Liebesroman „Zweite Chancen á la carte“ von Sophie Beaumont entführt seine Leser in die französische Küche. Das Cover ist hübsch, wenngleich etwas unscheinbar, und deutet auf die kulinarischen Highlights im schönen Paris hin.
In der Pariser Kochschule Morel kreuzen sich die Lebenswege der drei ungleichen Protagonistinnen. Alle drei stehen an einem Wendepunkt in ihrem Leben, beruflich wie privat. Während die Frauen sich Stück für Stück neu orientieren, eröffnet sich ihnen auch in der Liebe eine zweite Chance. Bleibt die Frage, ob das Trio ihre Chancen auch nutzt.
Sophie Beaumont beweist in ihrem Roman eine außerordentliche atmosphärische Dichte, sodass ich mich beim Lesen regelrecht nach Paris versetzt gefühlt habe. Ebenso anschaulich beschreibt sie die Speisen und Gerichte im Verlauf des Romans. Teilweise kann einem hier schon das Wasser im Mund zusammenlaufen. Kochbegeisterte Leser werden hier möglicherweise ein paar Rezepte vermissen. Was der Handlung meiner Meinung nach ein wenig fehlt ist die Spannung. Zwar kommt es immer wieder zu Angriffen auf Sylvies Kochschule, doch diese wirken ebenso wie darauffolgende Detektivarbeit in meinen Augen ein wenig konstruiert. In Sachen Liebe gibt es auf den knapp 350 Seiten aber natürlich auch einige Hindernisse und Missverständnisse zu bewältigen. Und genretypisch erwartet man auch eher einen überschaubaren Spannungsbogen.
Die Autorin wählt drei Frauen unterschiedlichen Alters und mit sehr verschiedenen Lebensstilen als Protagonistinnen aus. Dadurch ermöglicht sie ihren Lesern einen vergleichsweise individuellen Zugang zu ihrem Roman. Persönlich hätte mir gewünscht, dass die drei Handlungsstränge, die über weite Teile des Buches eher nebeneinander herlaufen, noch stärker miteinander verknüpft werden. Trotzdem bieten alle drei Figuren interessante Geschichten. Die australische Künstlerin Gabi ist die jüngste der drei Damen. Sie steckt mitten in einer Schaffenskrise, zweifelt an ihren Fähigkeiten und sucht Ablenkung von ihren Problemen. Eingestehen möchte sie das vor anderen allerdings auf keinen Fall. Sie nimmt selten ein Blatt vor den Mund – außer wenn es um sie persönlich geht - und nutzt diesen Charakterzug auch um ihre eigenen Unsicherheiten zu überspielen. Zwischen ihr und dem Käsehändler Max knistert es vom ersten Augenblick an. Die Funken fliegen rasant, doch was hält Max‘ altehrwürdige Familie von Gabi? Sylvie ist die älteste im Trio. Die sympathische Mutter eines erwachsenen Sohns ist Inhaberin der Kochschule. Ihre Beziehung mit dem egozentrischen Claude macht sie zunehmend unglücklich und die böswilligen Angriffe auf ihre Kochschule bringen sie fast zur Verzweiflung. Gut, dass ihr liebenswerter Nachbar und bester Freund Serge immer ein offenes Ohr für sie hat. Auch zu ihrem Sohn Julien, der aktuell in Australien weilt, hat Sylvie ein absolut vertrauensvolles und lockeres Verhältnis. Zeitweise habe ich beim Lesen ein wenig über ihre mütterliche Lockerheit gewundert mit der sie alle Bedenken beiseite wischt und uneingeschränkt positiv reagiert. Die frischgeschiedene Kate ist die bodenständigste der drei Frauen. Sie erholt sich in Paris zusehends von den Demütigungen ihres Ex-Mannes. Ihr offener aber taktvoller Umgang mit ihren Mitmenschen macht sie zu einer echten Sympathieträgerin. Obwohl sie sich von dem attraktiven Arnaud und seine Hündin Nina sofort angezogen fühlt, beschließt Kate nichts zu überstürzen und alles weitere dem Zufall zu überlassen. Kate ist für mich die authentischste und angenehmste Protagonistin des Romans.
Insgesamt besticht der Roman vor allem mit seinen lebhaften und eindrücklichen Schilderungen der Pariser Atmosphäre und der kulinarischen Genüsse. Drei interessante Frauen, die ihrem Leben eine neue Wendung geben, sorgen für eine unterhaltsam-lockere Lesezeit.

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