Tradition und Neubeginn in der Rosenholzvilla
Entscheidung in der Rosenholzvilla„Entscheidung in der Rosenholzvilla“ ist der würdige Abschluss von Tabea Bachs Rosenholzvilla-Reihe. Auch wenn man, wie ich noch nicht alle Teile der Reihe kennt, findet man problemlos in die Handlung ...
„Entscheidung in der Rosenholzvilla“ ist der würdige Abschluss von Tabea Bachs Rosenholzvilla-Reihe. Auch wenn man, wie ich noch nicht alle Teile der Reihe kennt, findet man problemlos in die Handlung rund um die zentralen Motive Familie, Freundschaft und Musik hinein.
Die Rosenholzvilla, die mittlerweile Sitz einer Stiftung für erkrankte und verletzte Musiker ist, füllt sich mit Gästen. Nebenbei hat Elisa auch noch eine große Feier zu organisieren und damit alle Hände voll zu tun. Die Freude über Fabios geplante Rückkehr in die familiäre Instrumentenmanufaktur ist allseits groß. Doch die Bedingungen seiner Rückkehr hat niemand recht bedacht, am wenigsten Fabio selbst. Und während Elisa am Programm für ihr mögliches Comeback auf der Bühne arbeitet, erfährt die Stimmung zwischen Danilo und ihr einen gehörigen Dämpfer. Ob ihre Liebe die Belastungsprobe besteht? Oder ob sich die dunklen Wolken über der Manufaktur nun auch über ihrer Beziehung ausbreiten?
Tabea Bach verschafft ihrer Rosenholzvilla-Trilogie ein überaus gelungenes Ende. Das Cover hat einen hohen stilistischen Wiedererkennungswert mit den weiteren Bänden der Reihe und fängt die Handlung in Landschaft, Musik und der im Mittelpunkt stehenden jungen Frau wunderbar ein. Die zwischen den Bergen hervortretenden Sonnenstrahlen vermitteln schon vor dem Lesen ein Gefühl von Hoffnung und einem möglichen Happy-End. Auch die Handlungsstränge der Geschichte sind überaus spannend und geschickt miteinander verknüpft. Manche Entwicklungen lassen sich im Vorfeld erahnen, andere wiederum überraschen und steigern die Spannung des Romans. Die Umgebung wird herrlich bildhaft beschrieben, sodass ich mich zwischenzeitlich fast ein wenig wie im Urlaub gefühlt habe. Mit dem Besuch im Kamelienpark und der Villa am Lago Maggiore spannt Tabea Bach einen Bogen zu ihrer Romanreihe rund um die „Kamelieninsel“ und auch auf die Seidenvilla-Saga findet sich ein Hinweis. Zweifellos fängt sie die Atmosphäre im Kamelienpark wunderbar ein und es ist eine Freude davon zu lesen. Trotzdem fehlt mir an dieser Stelle ein Mehrwert für die Handlung - gerade in Anbetracht der bestehenden Themenfülle des Romans. Obwohl mir das „Komplettpaket“ mit Handlung, Schreibstil, Cover und Themen hervorragend gefällt, sind neben den musikalischen Motiven doch die Charaktere mein persönliches Highlight. Statt sie durchweg sympathisch und perfekt zu erschaffen, verleiht Tabea Bach ihren Charakteren Ecken, Kanten und durchaus einige Charakterschwächen. Dies führt einerseits zu zahlreichen spannungsgeladenen Konflikten im Umfeld der Familie Fasetti/Eschbach und andererseits zu einem hohen Maß an Authentizität. Elisas Mutter Anna verhält sich in schwierigen Situationen oft unselbstständig und resigniert. Mit ein wenig Unterstützung lässt sich jedoch ihr Kampfgeist anstacheln und sie blüht förmlich auf. Adrien ist verständlicherweise über die unwiderruflichen Veränderungen verbittert, erkennt aber mit den wirklich wichtigen Werten im Leben auch neue Perspektiven. Mit dieser Entwicklung ist er für mich eine der stärksten und besonders sympathischen Romanfiguren. Romys unterwürfiges Verhalten gegenüber ihrem Mann Fabio hingegen sehe ich sehr kritisch. So kann in meinen Augen auf Dauer keine glückliche Beziehung aussehen. Auch Fabio würde von mir sicher nicht den Titel ‚Vater des Jahres‘ erhalten. Zu oft übergeht er die Interessen und Wünsche seiner wirklich herzallerliebsten Tochter Mimi. Danilo ist, ähnlich wie sein Bruder oft mit seinen eigenen Bedürfnissen beschäftigt. Mit Enttäuschungen umzugehen ist definitiv nicht seine Stärke. Werden seine Erwartungen nicht erfüllt, handelt er oft impulsiv und lässt seine Mitmenschen im Stich. Allerdings offenbart er auch immer wieder einige sympathische Seiten. In meinen Augen hätte Elisa trotzdem einen besseren Partner verdient, aber die Liebe fällt nun einmal wohin sie will. Elisa selbst ist die sprichwörtliche gute Seele, die sich um jeden ihrer Mitmenschen kümmert und immer nur das Beste für andere will. Manchmal ist sie dabei für meinen Geschmack ein wenig zu gutmütig, aber nichtsdestotrotz ist ihr uneigennütziges Handeln absolut bewundernswert.
Auch zum Abschluss der Saga um die Rosenholzvilla geht es noch einmal hoch her. Zwar haben sich (fast) alle Familienmitglieder mit Leib und Seele der Musik verschrieben, Spannungen und Turbulenzen kommen im wunderschönen Tessin aber trotzdem auf. Besonders für diejenigen Leser, die Musik oder Familiengeschichten oder gar beides mögen, wird der gut geschriebene Roman sicherlich zu einem regelrechten Pageturner. Viel Vergnügen!