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Veröffentlicht am 23.09.2025

Südkoreanischer Magie

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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Die südkoreanische Schriftstellerin Lee Onhwa setzt sich in ihrem Roman ‘Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei‘ mit dem Ahnenkult ihres Landes auseinander. Unabhängig von der religiösen Orientierung ...

Die südkoreanische Schriftstellerin Lee Onhwa setzt sich in ihrem Roman ‘Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei‘ mit dem Ahnenkult ihres Landes auseinander. Unabhängig von der religiösen Orientierung begleiten viele Koreaner ihre verstorbenen Angehörigen durch konfuzianische Zeremonien in ein friedvolles Jenseits. Dabei spielen auch spezielle Lebensmittel als Gabe auf den Weg eine große Rolle.
In ihrem Roman setzt sich die Autorin mit diesen Bräuchen auseinander und webt daraus eine unterhaltsame, magische Geschichte. Ihre Protagonistin Yeonhwa, eine junge Frau in den Zwanzigern, erbt von ihrer Großmutter eine Konditorei mit besonderen Aufgaben. Als Bedingung muss sie einen Monat lang ihren Kunden zwischen zweiundzwanzig Uhr und Mitternacht Wünsche erfüllen, die mit einem speziellen Zuckerwerk verbunden sind. Der Großhändler Sawohl und eine schwarze Katze stehen ihr dabei helfend zur Seite. Beide spielen eine Schlüsselrolle im späteren schrittweisen Verständnis der Handlung. Yeonhwa taucht mit jedem Tag tiefer ein in die ihr gestellte Aufgabe, lernt Schicksale Verstobener kennen und wertzuschätzen, leistet ihnen uneigennützig Hilfe bei der Erfüllung von Herzenswünschen.
Feinfühlig geführt und mit einer poetischen Feder geschrieben, taucht der Leser in eine Geschichte ein, die eine Kultur beschreibt, welche fremdartig für unser westlich geprägtes kulturelles Empfinden erscheint. Auf unterhaltsame Art lernt man jedoch zu verstehen, wie wichtig den Menschen in Südkorea ihr Ahnenkult ist. Abschließend gelingt es Lee Onhwa eine gekonnte Verbindung zwischen uralter Tradition und modernem Leben zu gestalten, was mir sehr gut gefallen hat.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Bayrischer Krimikult

Bodenfrost
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‘Bodenfrost – Der Tod ist manchmal nicht die beste Lösung‘ ist bereits der zwölfte Teil einer Kriminalromanreihe mit Kriminalhauptkommissar Clemens Wallner, seines Zeichens Leiter der Kripo Misbach und ...

‘Bodenfrost – Der Tod ist manchmal nicht die beste Lösung‘ ist bereits der zwölfte Teil einer Kriminalromanreihe mit Kriminalhauptkommissar Clemens Wallner, seines Zeichens Leiter der Kripo Misbach und Polizeihauptmeister Leonardt Kreuthner, geschrieben von Andreas Föhr, erschienen im Knaur Verlag, ein Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knauer GmbH & Co. KG.
Während der stets korrekte KHK Wallner sich auch im Privaten führsorglich um seinen vierundneunzigjährigen Großvater Manfred kümmert, gerät der schräge, sich stets auf Abwegen bei der Ermittlungsarbeit befindliche PHM Kreuthner in Ungnade beim neuen Polizeipräsidenten. Als Wiedergutmachung muss er PR-Arbeit leisten und auf einem stillgelegten Bauernhof einen Kindernachmittag betreuen, bei dem Martha, die Tochter des Polizeipräsidenten, eine Leiche entdeckt. Wie sich in Folge herausstellt, handelt es sich dabei um den eher unbeliebten Chef einer örtlichen Brauerei, Vitus Zander. Auffällig an der Leiche ist eine Zeichnung, die einen Fisch mit einer Harpune darstellt und bereits vor Jahren bei einem ungeklärten Serienmord aufgetaucht war. Es stellt sich die Frage, ob ein Trittbrettfahrer mit diesem Symbol sich ins Rampenlicht rücken möchte oder ob der noch immer unbekannte Täter wieder sein Unwesen treibt.
Während die Spannung und damit der fesselnde Charakter bis zum Schluss der Geschichte erhalten bleibt, treibt ein spitzfindiger, bayrischer Humor das Lesevergnügen voran. Man steigt leicht ein in die Handlung, ohne vorherige Bände gelesen zu haben. Es besteht allerdings Suchtgefahr, diese im Anschluss auch lesen zu wollen.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Wege aus einer Lebenskrise

Crushing
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Ich mag Genevieve Novak in ihrer Art Geschichten zu erzählen sehr gern. Bereits mit ihrem Debütroman ‘No Hard Feelings‘ begeisterte sie mich in meiner Leselust. ‘Crushing‘, ihr aktueller Roman, erschienen ...

Ich mag Genevieve Novak in ihrer Art Geschichten zu erzählen sehr gern. Bereits mit ihrem Debütroman ‘No Hard Feelings‘ begeisterte sie mich in meiner Leselust. ‘Crushing‘, ihr aktueller Roman, erschienen beim Pola Verlag, ein Verlagsimprint aus dem Hause Bastei Lübbe, hat bei mir einmal mehr lebhaftes Interesse ausgelöst.
Wieder geht es um junge Frauen und ihr Lebenskonzept, um die Entwicklung ihrer ganz privaten Sicht auf ihre Lebensumstände, eine Reflexion ihrer Gedanken und Gefühle, um Chancen wahrzunehmen zur Steigerung des Selbstwertgefühls und gleichzeitig um das Finden und Ausfüllen des Platzes im Leben, der den Wohlfühlfaktor in den Mittelpunkt stellt.
Die Autorin überzeugt mich durch ihre witzige, unbekümmerte Art, aktuelle Themen wie die Möglichkeiten der Selbstliebe, Eigenwahrnehmung, positiver Umgang mit stark empfundener Einsamkeit, Nichtbeachtung, Zurückweisung, Co-Abhängigkeit und die schrittweise Entwicklung einer zukunftsorientierten, bewussten Gestaltung des eigenen Lebens für ein erfülltes Dasein, aufzugreifen, diese spannend und unterhaltend mit einer Portion Gesellschaftskritik zu verpacken. Sie lässt ihre achtundzwanzigjährige Protagonistin Marnie aus ihrer Krisenstimmung heraus erzählen, die sich seit Jahren immer wieder aus ihren gescheiterten Beziehungen heraus erklären lassen und deren Ursachen sie nicht zu erkennen vermag. Dabei scheint um sie herum, die Welt in Sachen gleichberechtigter Partnerschaft auch nicht unbedingt reibungslos zu funktionieren. Aber man arrangiert sich. Und nun fragt sie sich warum ihr dieses Kunststück nicht gelingt? Als sie den äußerst sympathischen, gutaussehenden Isaac auf einer Party kennenlernt, glaubt sie in freundschaftlicher Verbundenheit zu ihm, zumindest ihr Mitteilungsbedürfnis befriedigen zu können. Doch nichts ist wie es scheint, denn Isaac hat eine Freundin, die er nicht verschweigt. Sorgt er damit für Konfliktpotenzial?
Die Gegenwartsliteratur zeigt sich mit diesem Roman einmal mehr als Spiegel unserer Gesellschaft.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Verbindungen und Beziehungen

Weißes Licht
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Eric Puchner wählt den amerikanischen Bundesstaat Montana als landschaftlichen Background seines Romans ‘Weisses Licht‘. In dieser Abgeschiedenheit liegt das Ferienhaus von Charlies Eltern. Dort soll die ...

Eric Puchner wählt den amerikanischen Bundesstaat Montana als landschaftlichen Background seines Romans ‘Weisses Licht‘. In dieser Abgeschiedenheit liegt das Ferienhaus von Charlies Eltern. Dort soll die Hochzeit mit seiner Freundin Cece stattfinden, die sich schon Wochen vorher um die Vorbereitungen des großen Festes kümmern will. Cece trifft hier auf Garrett, einen langjährigen Freund von Charlie. Die beiden Männer verbindet ein schrecklicher Vorfall aus vergangenen Zeiten.
Zwischen den drei Protagonisten entwickelt sich eine Beziehung, die nicht nur auf ihr eigenes Leben großen Einfluss nimmt, sondern auch entscheidende Auswirkungen auf die nachfolgende Generation, Lana und Jasper, nach sich ziehen.
Der Autor vermag es durch seinen epischen Schreibstil, den Leser in den Bann einer großartigen Geschichte zu ziehen, die Themen wie Liebe und Eifersucht anspricht, aber auch Vergebung von tiefer Schuld und Hoffnung. Seine klare Sprache angereichert mit tiefgreifenden Dialogen gibt den Erzählsträngen, gestaltet aus unterschiedlichen Sichtweisen der Hauptfiguren, eine faszinierende Perspektive, die schließlich zu einem schlüssigen Finale zusammengeführt werden. Begleitet wird die Geschichte neben großartigen Landschaftsbeschreibungen von den örtlichen Wetterphänomenen, die die drastischen Auswirkungen des Klimawandels, wie Gletscherschmelze, Austrocknung großer Seen und verheerende Waldbrände, zeigen.
In der Vielschichtigkeit dieser Geschichte werden auch Drogensucht und Demenz angesprochen, warmherzig und emotional zugleich verarbeitet, lebendig und authentisch dargestellt.
Mein beeindruckendes Leseerlebnis möchte ich sehr gern weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Belastende Familienverhältnisse

Das Flüstern der Marsch
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Katja Keweritsch präsentiert in ihrem Roman - Das Flüstern der Marsch -, erschienen im Verlag Hoffmann und Campe, eine Geschichte, die unter die Haut geht. Einfühlsam und sehr bewegend lässt sie ihre Charaktere ...

Katja Keweritsch präsentiert in ihrem Roman - Das Flüstern der Marsch -, erschienen im Verlag Hoffmann und Campe, eine Geschichte, die unter die Haut geht. Einfühlsam und sehr bewegend lässt sie ihre Charaktere wachsen, verleiht ihnen immer mehr Tiefe und Lebendigkeit. Die Landschaftsbeschreibungen des Marschlandes in ihrer jahreszeitlichen Darstellung versetzen den Leser in eine ganz besondere atmosphärische Stimmung. Wechselnde Erzählstränge aus unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten aber auch aus verschiedenen zeitlichen Epochen beleben das Geschehen, bauen eine intensive Spannung auf und verleiten dazu, Zusammenhänge zu erkennen.
Der achtzigste Geburtstag von Karl Hansen soll in einem würdigen Rahmen gefeiert werden. Der ehemalige Bürgermeister will sich da nichts nachsagen lassen. Doch seit Tagen ist seine Frau Annemie spurlos verschwunden. Auch polizeiliche Ermittlungen bleiben erfolglos. Während die Familienmitglieder mehr oder weniger in Sorge um die Großmutter, Mutter und auch Schwiegermutter sind, bleibt Karl unberührt von dieser Situation, was natürlich Fragen aufwirft. Während Janne, die völlig überforderte Schwiegertochter und Mutter von drei Kleinkindern, versucht die Geburtstagsfeier so gut wie nur möglich vorzubereiten, begibt sich Mona, die Enkeltochter auf eine abenteuerliche Suche nach Indizien, die den Verbleib von Annemie erklären. Und schließlich spielt auch Freya eine nicht unwesentliche Rolle in dieser dramatischen Familiengeschichte, die gesellschaftskritische Verhaltensweisen genauer unter die Lupe nimmt.

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