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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.09.2025

Verbindungen und Beziehungen

Weißes Licht
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Eric Puchner wählt den amerikanischen Bundesstaat Montana als landschaftlichen Background seines Romans ‘Weisses Licht‘. In dieser Abgeschiedenheit liegt das Ferienhaus von Charlies Eltern. Dort soll die ...

Eric Puchner wählt den amerikanischen Bundesstaat Montana als landschaftlichen Background seines Romans ‘Weisses Licht‘. In dieser Abgeschiedenheit liegt das Ferienhaus von Charlies Eltern. Dort soll die Hochzeit mit seiner Freundin Cece stattfinden, die sich schon Wochen vorher um die Vorbereitungen des großen Festes kümmern will. Cece trifft hier auf Garrett, einen langjährigen Freund von Charlie. Die beiden Männer verbindet ein schrecklicher Vorfall aus vergangenen Zeiten.
Zwischen den drei Protagonisten entwickelt sich eine Beziehung, die nicht nur auf ihr eigenes Leben großen Einfluss nimmt, sondern auch entscheidende Auswirkungen auf die nachfolgende Generation, Lana und Jasper, nach sich ziehen.
Der Autor vermag es durch seinen epischen Schreibstil, den Leser in den Bann einer großartigen Geschichte zu ziehen, die Themen wie Liebe und Eifersucht anspricht, aber auch Vergebung von tiefer Schuld und Hoffnung. Seine klare Sprache angereichert mit tiefgreifenden Dialogen gibt den Erzählsträngen, gestaltet aus unterschiedlichen Sichtweisen der Hauptfiguren, eine faszinierende Perspektive, die schließlich zu einem schlüssigen Finale zusammengeführt werden. Begleitet wird die Geschichte neben großartigen Landschaftsbeschreibungen von den örtlichen Wetterphänomenen, die die drastischen Auswirkungen des Klimawandels, wie Gletscherschmelze, Austrocknung großer Seen und verheerende Waldbrände, zeigen.
In der Vielschichtigkeit dieser Geschichte werden auch Drogensucht und Demenz angesprochen, warmherzig und emotional zugleich verarbeitet, lebendig und authentisch dargestellt.
Mein beeindruckendes Leseerlebnis möchte ich sehr gern weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Belastende Familienverhältnisse

Das Flüstern der Marsch
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Katja Keweritsch präsentiert in ihrem Roman - Das Flüstern der Marsch -, erschienen im Verlag Hoffmann und Campe, eine Geschichte, die unter die Haut geht. Einfühlsam und sehr bewegend lässt sie ihre Charaktere ...

Katja Keweritsch präsentiert in ihrem Roman - Das Flüstern der Marsch -, erschienen im Verlag Hoffmann und Campe, eine Geschichte, die unter die Haut geht. Einfühlsam und sehr bewegend lässt sie ihre Charaktere wachsen, verleiht ihnen immer mehr Tiefe und Lebendigkeit. Die Landschaftsbeschreibungen des Marschlandes in ihrer jahreszeitlichen Darstellung versetzen den Leser in eine ganz besondere atmosphärische Stimmung. Wechselnde Erzählstränge aus unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten aber auch aus verschiedenen zeitlichen Epochen beleben das Geschehen, bauen eine intensive Spannung auf und verleiten dazu, Zusammenhänge zu erkennen.
Der achtzigste Geburtstag von Karl Hansen soll in einem würdigen Rahmen gefeiert werden. Der ehemalige Bürgermeister will sich da nichts nachsagen lassen. Doch seit Tagen ist seine Frau Annemie spurlos verschwunden. Auch polizeiliche Ermittlungen bleiben erfolglos. Während die Familienmitglieder mehr oder weniger in Sorge um die Großmutter, Mutter und auch Schwiegermutter sind, bleibt Karl unberührt von dieser Situation, was natürlich Fragen aufwirft. Während Janne, die völlig überforderte Schwiegertochter und Mutter von drei Kleinkindern, versucht die Geburtstagsfeier so gut wie nur möglich vorzubereiten, begibt sich Mona, die Enkeltochter auf eine abenteuerliche Suche nach Indizien, die den Verbleib von Annemie erklären. Und schließlich spielt auch Freya eine nicht unwesentliche Rolle in dieser dramatischen Familiengeschichte, die gesellschaftskritische Verhaltensweisen genauer unter die Lupe nimmt.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Portrait innerer Zerrissenheit

Liebesrausch
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In dem Roman ‘Liebesrausch‘ von Charlotte von Feyerabend folgen wir einer Frau, die sich ihr ganzes Leben lang nach Liebe und Geborgenheit sehnt und gleichzeitig den anregenden Austausch als Schriftstellerin ...

In dem Roman ‘Liebesrausch‘ von Charlotte von Feyerabend folgen wir einer Frau, die sich ihr ganzes Leben lang nach Liebe und Geborgenheit sehnt und gleichzeitig den anregenden Austausch als Schriftstellerin mit Gleichgesinnten sucht. Wir tauchen ein in das spannungsreiche Leben von Paris der dreißiger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, das geprägt ist durch die emotionale Befreiung aus dem strengen Korsett gesellschaftlicher Zwänge, dem Drang nach femininer Selbstbestimmung, dem Wunsch nach Selbstverwirklichung durch Selbsterkenntnis, dem Loslassen der Alltagssorgen auf ausgelassenen Feiern aber auch durch eine sich bedrohlich zuspitzende Politik mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten.
Die Autorin stellt Anaïs Nin in den Mittelpunkt einer aufregenden, intensiven, fesselnden Geschichte. Als Gattin eines Bankers versteht sie es zu repräsentieren, sich in Gesellschaften als intelligente, unterhaltsame Ehefrau zu präsentieren. Doch erst als sie auf den animalischen, derben Henry Miller trifft, mit dem sie eine leidenschaftliche Liebesbeziehung eingeht, erfüllen sich ihre Sehnsüchte nach wertschöpfendem Austausch zu schriftstellerischen Fragen. Sie stürzt sich in eine Affäre nach der anderem, um sich geliebt zu fühlen, den Verlust aus einsamen Kindertagen zu kompensieren. Zeit ihres Lebens schreibt Anaïs Tagebuch, dem sie ehrlich und schonungslos ihre Gefühle anvertraut, das offenbart in welcher Zerrissenheit sich ihr mentaler Zustand befand. Schließlich sieht sie in der Psychoanalyse, der sie sich intensiv widmet, eine Chance der Selbstreflexion.
Charlotte von Feyerabend versteht es vortrefflich, sprachlich gewandt, den Zwiespalt eines lebenslang suchenden Charakters in eine fesselnde Geschichte zu fassen. Dabei setzt sie sich mit moralischen Überzeugungen auseinander, ohne wertend einzugreifen.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Verhängnisvolle Entscheidungen

Water Moon
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In Tokio gibt es ein Pfandhaus, das nicht für jedermann zu finden ist. Man betritt ein Ramen-Restaurant, um seinen Hunger zu stillen und landet, wenn man zu den Auserwählten zählt, unverhofft an einen ...

In Tokio gibt es ein Pfandhaus, das nicht für jedermann zu finden ist. Man betritt ein Ramen-Restaurant, um seinen Hunger zu stillen und landet, wenn man zu den Auserwählten zählt, unverhofft an einen Ort, an dem getroffene Entscheidungen, die schwer auf der Seele lasten, eingetauscht werden können zur Befreiung des schlechten Gewissens.
Hana Ishikawa übernimmt von ihrem Vater Toshio, der in den Ruhrstand tritt, das Geschäft und findet an ihrem ersten Arbeitstag ihre Wirkungsstätte völlig zerstört und ausgeraubt vor. Noch bevor sie ihre Gedanken sammeln kann, um die Geschehnisse für sich einzuordnen, betritt der geniale Physiker Keishin den Raum der Verwüstung und bietet sofort seine Hilfe an. Es beginnt eine abenteuerliche Reise durch eine fantastische Welt auf der Suche nach Toshio. Dabei werden die beiden von seelenlosen Monstern gejagt, was der Geschichte immer wieder eine atemberaubende Spannung verleiht.
Die Geschehnisse schreiten rasant voran, während ein Puzzleteilchen nach dem anderen zu dem magischen Aufenthaltsort des Gesuchten führen, erstaunliche Zusammenhänge sich offenbaren und dennoch für Verwirrungen sorgen. Die Vielfalt der Fortbewegungsmöglichkeiten in diesem Land jenseits unserer Vorstellungen haben mich begeistert. So werden Hana und Keishin von einer Melodie getragen oder von Papierkranichen, werden zusammengefaltet, springen in Pfützen. Auch über Gerüchte kann man sein begehrtes Ziel erreichen.
Die Sprache der Autorin Samantha Yambao in ‘Water Moon‘ ist nüchtern und dennoch haucht sie ihrer Geschichte eine liebenswerte Lebendigkeit ein, die mit poetischen Formulierungen ausgeschmückt ist. Die magische Welt zeigt immer wieder Parallelen zur realexistieren Wirklichkeit auf, die durchaus gesellschaftskritische Momente beinhalten.
Ich habe mich gern von der Geschichte tragen lassen, ohne zu Beginn zu wissen, was mich erwartet und wurde angenehm überrascht.

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Hilfreicher Ratgeber aus einer belastenden Co-Abhängigkeit

Too Much!
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An alle, die glauben ohne ihre aufopferungsvolle Fürsorge bricht die Welt zusammen, die immer und überall hilfreich zur Seite stehen müssen, die sich am Ende des Tages dann völlig ausgelaugt und kraftlos ...

An alle, die glauben ohne ihre aufopferungsvolle Fürsorge bricht die Welt zusammen, die immer und überall hilfreich zur Seite stehen müssen, die sich am Ende des Tages dann völlig ausgelaugt und kraftlos fühlen, richtet sich dieser wertvolle Ratgeber ‘Too Much‘ von Terri Cole. Die Autorin analysiert klar und verständlich an Hand von gut ausgewählten Beispielen, wo die Ursachen des ‘Zu viel‘ liegen. Dabei zeigt sie Wege auf, wie man zunächst erkennen kann, wo im Alltag die Stolperfallen liegen und weshalb man sich immer wieder darin verfängt. Sie gibt wertvolle Tipps zur mentalen Stärkung, um sich Stück für Stück diesem kräftezehrenden Prozess zu entziehen. Ihre Erfahrungen schöpft Terri Cole aus ihrer eigenen Biografie und aus unzähligen Gesprächen.
Das Zauberwort ist Selbstliebe, denn nur wenn ich in erster Linie fürsorglich mit mir selbst umgehe, stärke ich meine Resilienz aber auch meine physischen Kräfte. Das widerspiegelt sich in gesteigerter Lebensfreude und letztendlich auch in mehr Leistungsfähigkeit.
Einen Versuch ist es doch wert, die Anregungen aus dem Buch aufzunehmen und das Beste daraus zu machen.

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