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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2025

Traumatische Begegnungen

Monstergott
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Ben und Esther sind Geschwister, die sich gut verstehen, gegenseitig aufeinander achten und immer füreinander da sind. Sie teilen sich ein Zuhause und leben in Wohngemeinschaft.
Seit frühester Jugend ...

Ben und Esther sind Geschwister, die sich gut verstehen, gegenseitig aufeinander achten und immer füreinander da sind. Sie teilen sich ein Zuhause und leben in Wohngemeinschaft.
Seit frühester Jugend werden sie, durch ihr Elternhaus forciert, mit den strengen Regeln eines allmächtigen Gottes konfrontiert, sind aktiver Teil einer strikt auf die Worte der Bibel ausgerichteten Glaubensgemeinschaft. Jeden Schmerz, den sie erleiden, versuchen sie durch Worte aus der Heiligen Schrift zu erklären. Wegweisend dabei ist ein äußerlich attraktiv erscheinender und modisch gekleideter Pfarrer, der seine Gemeinde sektenähnlich führt und begleitet. Seine Predigten gleichen einem inszenierten musikbegleitendem Spektakel mit strengen Worten der Mahnung zur Abkehr jeglicher Verfehlungen im Alltag, die den religiösen Vorstellungen ihres Gottvaters widersprechen. Gesellschaftliche Freiheiten werden als abscheuliche Sünde gewertet. Dieser Konflikt zwischen dem Arbeitsalltag mit freiheitlich denkenden und handelnden Menschen und den mentalen Einschränkungen im privaten Lebensbereich führt zu traumatischen Belastungen und schreit nach Emanzipation.
Caroline Schmitt setzt den Fokus in ‘Monstergott‘ auf religiös abhängige Menschen, die in ihrem Gedankengut und ihren Handlungen stark eingeschränkt werden und einen inneren, erbitterten Seelenkampf austragen. Ihre Sprache ist klar, mitunter eigenwillig mit schnell wechselnden Gedanken und szenischen Darstellungen, aber immer ehrlich und sogleich schonungslos ansprechend. Sie zeigt deutlich die Verletzlichkeit der menschlichen Persönlichkeit in ihrem Drang nach unabhängiger Entwicklung.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Interessantes Wissen aus dem Mittelalter

Hildegards Schatzkiste
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Maria R. Kaiser beschäftigt sich nach eigener Aussage schon viele Jahre mit der Kloster- und Kräuterfrau Hildegard von Bingen, die im Mittelalter lebte und ihr Wissen um die heilende Kraft von Pflanzen ...

Maria R. Kaiser beschäftigt sich nach eigener Aussage schon viele Jahre mit der Kloster- und Kräuterfrau Hildegard von Bingen, die im Mittelalter lebte und ihr Wissen um die heilende Kraft von Pflanzen schriftlich festgehalten hat. Diese uralten Dokumente sind noch heute ein Quell von Interessantem und Wissenswertem aus dem Mittelalter.
Die Autorin stellt in ‘Hildegards Schatzkiste – Kräuterwissen, Rezepte und Heilsames für die Seele‘ mit Unterstützung des Herder Verlages auf sehr unterhaltsame Weise einerseits das Leben und Wirken dieser berühmten Frau, die im Mittelalter lebte, einer Zeit, in der die Wissenschaft noch in den Kinderschuhen steckte und die Heilmethoden nur sehr rudimentär vorhanden waren, in den Mittelpunkt und beschenkt den Leser andererseits mit erstaunlichen Einblicken in die Verwendung von heimischen Pflanzen und deren Wirkung auf den menschlichen Organismus aber auch auf den seelischen Zustand.
Ich finde es immer wieder höchst Interessant wie sich Stück für Stück unser Wissensvorrat vermehrt, ergänzt wird durch neue Sichtweisen und gerade uralte Erkenntnisse, die im Laufe der Zeit aus dem Fokus verschwanden, mit neuen wissenschaftlichen Untersuchungen gepaart in unserer modernen Zeit ihre Renaissance erleben.
Dieses kleine Büchlein, ideal als Geschenk, vermittelt dem interessierten Leser nicht nur faszinierende Einblicke in die Welt vor vielen hundert Jahren, sondern liefert auch Rezepturen zum Nachmachen und Genießen.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Fesselnde Familiengeschichten

Die Freiheit so weit
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Theresa Kern stellt in ihrem Roman ‘Die Freiheit so weit‘, dem zweiten Teil einer Dilogie nach ‘Der Unendlichkeit so nah‘, starke Frauen in den Mittelpunkt. Frauen, die aus den verschiedensten Gründen ...

Theresa Kern stellt in ihrem Roman ‘Die Freiheit so weit‘, dem zweiten Teil einer Dilogie nach ‘Der Unendlichkeit so nah‘, starke Frauen in den Mittelpunkt. Frauen, die aus den verschiedensten Gründen in ihrem Leben nicht immer alles richtig gemacht haben, die Einsicht zeigten und sich mutig zu ihren Fehlern bekannten, die allerdings auch in schwierigen Zeiten ihren, wenn auch steinigen Weg gingen, sich gegen Vorurteile und bösartiges Gerede wussten zur Wehr zu setzen.
Es ist die Geschichte von zwei Freundinnen, die sich in den Wirren des ersten Weltkrieges aus den Augen verloren, einerseits aus Scham vor unverzeihlichen Geschehnissen und andererseits, weil ein Ozean sie trennte. Marie und Susanna durchlebten schwere Zeiten und mussten beide um ihre Liebe kämpfen, gegen den Widerstand der Familien des Partners.
Jahrzehnte später wird es Emma sein, die Urenkelin von Susanna, die ihren Traum eines Tages als Astronautin in den weiten Sphären des Weltraums tätig zu sein, verfolgt, auf den Spuren der Vergangenheit wandelt und so manches Geheimnis lüftet. Während Emma sich selbst quälender Fragen stellt, bangt sie um die Zukunft mit ihrer großen Liebe Elias, der nach einem schweren Verkehrsunfall in seiner Heimat Hawaii sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat.
Theresa Kern beweist ihr schriftstellerisches Talent einmal mehr mit dieser fesselnden, über mehrere Generationen zweier Familien erzählten Geschichte, die immer wieder Spannung ins Geschehen bringt durch die aus unterschiedlichen Sichten der Protagonisten sich abwechselnden Erzählstränge. Dabei werden die sich wandelnden Charaktere durch äußere Einflüsse der Lebensumstände, aus meiner Sicht, nachvollziehbar und sehr gelungen in Szene gesetzt.
Wer gern auf den Spuren alter Familiengeheimisse unterwegs ist, dabei blendend unterhalten werden möchte und sich damit in den Sog einer spannenden, berührenden Story begibt, der ist hier bestens aufgehoben.

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Trügerische Idylle

Heimat
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Hannah Lühmann thematisiert in ihrem Roman ‘Heimat‘ die Verkörperung der Tradwife, jenes von Influencerinnen seit den 2010 Jahren idealisiertes Rollenbild der Frau, das die Tradition des unterwürfigen ...

Hannah Lühmann thematisiert in ihrem Roman ‘Heimat‘ die Verkörperung der Tradwife, jenes von Influencerinnen seit den 2010 Jahren idealisiertes Rollenbild der Frau, das die Tradition des unterwürfigen Weibs, die den Haushalt führt, keine beruflichen Ambitionen verfolgt und das der liebevollen Mutter verkörpert. Staatliche Institutionen wie der Kindergarten, die erzieherischen Einfluss auf die Kinder haben, werden strikt abgelehnt ebenso wie Impfungen als vorsorgende Schutzmaßnahme zum Beispiel für die Gesundheit Schwangerer.
Die Protagonistin Jana, die mit ihrer Familie, dem Mann Noah, zwei Kleinkindern und schwanger mit dem Dritten aus der Großstadt in die dörfliche Idylle flieht, fühlt sich überfordert von Beruf und Familie. In der neuen Heimat lernt sie die charismatische Karolin und ihre Freundinnen kennen, die ihr eine Wertebild vorleben, das sie beeindruckt und gefangen nimmt. Mehr und mehr, nicht zuletzt auch durch verstörende aktuelle Berichterstattungen von terroristischen Aktionen im Lande und die beachtlich steigende Anzahl zu versorgende Migranten, lässt sie sich einbinden in politische Aktionen der AfD, die den Alltag der Dorfgemeinschaft prägen. Der Prozess der Veränderung in Janas Persönlichkeit vollzieht sich schleichend, bei dem ihr Partner leider nur hilflos zuschauen kann.
Mit steigender Brisanz drängt sich dieser Sachverhalt der unterschwelligen Unterwanderung demokratischer Normen in den Alltag unserer Gesellschaft, verunsichert und sorgt für Disharmonien in der Bevölkerung. Der Roman rüttelt wach, fordert auf zum Nachdenken und Handeln im Sinne des Erhalts einer humanistischen Wertevorstellung.

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Nichts ist, wie es scheint

Die Verlorene
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Änne und Luise sind ein Zwillingspaar, das unterschiedlicher im Charakter nicht sein könnte. Trotz ihrer verblüffenden äußeren Ähnlichkeit wirken sie völlig unterschiedlich auf ihre Mitmenschen. Während ...

Änne und Luise sind ein Zwillingspaar, das unterschiedlicher im Charakter nicht sein könnte. Trotz ihrer verblüffenden äußeren Ähnlichkeit wirken sie völlig unterschiedlich auf ihre Mitmenschen. Während die eine immer strahlt und Lebensfreude versprüht, besitzt Änne ein eher düsteres Gemüt, fühlt sich vielleicht gerade durch ihre missmutige Ausstrahlung untrennbar verbunden mit ihrer immer freundlichen Schwester Luise. Sie wachsen auf einem großen Landgut in Schlesien auf. Ihre Jugendjahre fallen in die Zeit der letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs. Der Vater ist unnahbar streng, trägt die Verantwortung für den laufenden Betrieb allein, duldet keine Widerrede und hat zwangsverpflichtete Fremdarbeiter als auch Kriegsgefangene als billige Arbeitskräfte, die für die seit mehreren Generationen ansässige deutschsprachige Familie schuften müssen und ein armseliges Leben führen, unter seiner Obhut. Als eines Tages ein scheinbar russischer Kriegsgefangener, ein junger, völlig abgemagerter aber gutaussehender Mann dem Gutshof für Frondienste zugeteilt wird, ändert sich das Leben der beiden Schwestern grundlegend mit prägender schicksalhafter Gestaltung ihrer Zukunft.
Miriam Georg ist eine Geschichtenerzählerin, die es vermag zu fesseln, zu unterhalten, Spannung aufzubauen und nicht zuletzt auch informativ geschichtliche Ereignisse lebensnah zu verpacken. In ‘Die Verlorene‘ verarbeitet sie persönliche Aufzeichnungen und Berichte ihrer Großeltern. Sie weiß, dass die ältere Generation ungern über die Zeiten der Vertreibung und des Neubeginns mit verletzender Ausgrenzung berichtete. Sie schwiegen über die Gräueltaten, die sie erdulden mussten, aber auch über ihr Leben in den ehemaligen Ostgebieten wurde nicht viel berichtet. So begeben sich Laura und Ellen in dem Roman auf Erkundungstour in die Vergangenheit, um die Rätsel, die ihnen ihre Großmutter und Mutter aufgegeben hat zu lösen. Doch nichts ist wie es scheint.
Die Autorin liefert eine berührende Geschichte, die mit vielen rätselhaften Gegebenheiten, unerwarteten Wendungen, verblüffenden Tatsachen ausgestattet ist und ein Teil unserer deutschen Geschichte darstellt. Schon aus diesem Grund finde ich den Roman lesenswert.

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