Profilbild von MEERBLICK

MEERBLICK

Lesejury Star
online

MEERBLICK ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit MEERBLICK über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.02.2025

Lebendiger Historienroman

Die Farben der Revolution. Éléonore und Robespierre
0

Jeanette Limbeck präsentiert in ihrem Roman 'Die Farben der Revolution – Éléonore und Robespierre' eine Fiktion aus historisch überlieferten Fakten und fantasievoll ausgeschmückten Geschichten aus der ...

Jeanette Limbeck präsentiert in ihrem Roman 'Die Farben der Revolution – Éléonore und Robespierre' eine Fiktion aus historisch überlieferten Fakten und fantasievoll ausgeschmückten Geschichten aus der Zeit der französischen Revolution, in der sich Maximilien Robespierre und die faszinierende Malerin Éléonore Duplay kennen und lieben lernen. Die Autorin lässt die junge Éléonore aus ihrer Sicht lebendig und gleichzeitig authentisch über das Zeitgeschehen in Paris zwischen den Jahren siebzehnhunderteinundneunzig und siebzehnhundertvierundneunzig berichten.
Die Tochter eines Schreinermeisters von Paris Éléonore ist interessierte Beobachterin des politischen Clubs der Jakobiner, gerät durch ihr engagiertes Wesen in so manche handfeste Auseinandersetzung zwischen staatlicher Macht und bürgerlichem Aufbegehren, lernt dabei den in vorderster Front für eine freiheitliche Republik Frankreich kämpfenden Robespierre kennen, geht mit ihm eine Verlobung ein. Sie fällt auf durch ihren starken Willen, den sie stets lautstark zu Gehör bringt, was in der damaligen Zeit eher ungewöhnlich für eine Frau war. Auch die Entwicklung ihres künstlerischen Talents setzt sie gegen Widerstände durch. Sie entwickelt sich an der Seite ihres Verlobten zu einer streitbaren Persönlichkeit, die mehr und mehr die Folgen ihres Handelns zum Teil sehr schmerzlich erfahren und verstehen muss.
Jeanette Limbeck versteht es, den Leser in eine Geschichte immer tiefer hinein zu ziehen, die sich durch ihren gründlich recherchierten historischen Hintergrund gepaart mit feinster spannender Unterhaltung hervorhebt. Sie liefert eine Lesevergnügen der besonderen Art, welches ich sehr gern empfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.02.2025

Unbändiger Wille nach emotionaler Befreiung

Die Eigensinnige
0

Lucca Müller stellt in ihrer historischen Romanbiografie 'Die Eigensinnige' die große Schriftstellerin des neunzehnten Jahrhunderts Marie von Ebner-Eschenbach in den Mittelpunkt einer gelungenen Fiktion, ...

Lucca Müller stellt in ihrer historischen Romanbiografie 'Die Eigensinnige' die große Schriftstellerin des neunzehnten Jahrhunderts Marie von Ebner-Eschenbach in den Mittelpunkt einer gelungenen Fiktion, die durch ihren unterhaltenden Wert mit fesselnden Momenten historische Gegebenheiten gekonnt in Szene setzt und dabei der Zeit gesellschaftlicher Umwälzungen im österreich-ungarischen Königreich geschickt mit der emotionalen Befreiung des weiblichen Geschlechts aus den Zwängen der patriarchischen Gesellschaft verknüpft. Der freiheitsliebende Geist der Protagonistin, der trotz rigoroser Einengungen durch die Eltern und durch die Zwänge der gesellschaftlich vorherrschenden Normen, immer wieder nach schriftstellerischer Verwirklichung drängt, wird durch ihren Cousin und späteren Ehemann Moritz unterstützt und gefördert. Die Bestrebungen mit ihren Werken in die Öffentlichkeit zu gehen, werden zwar immer wieder schmerzlich bestraft, was letztendlich auch die tiefe emotionale Verbindung zwischen den Eheleuten auf eine harte Zerreisprobe stellt, worauf Marie sich zu unkontrolliertem Handeln verleiten lässt, führen sie aber letztendlich weiter auf den ihr vorbestimmten Weg zum ersehnten Ziel,
Die Autorin stellt den unbändigen Willen und den enormen Drang ihrer Protagonistin sich schriftstellerisch auszudrücken in den Mittelpunkt ihrer Geschichte und haucht ihr gekonnt eine Lebendigkeit ein, der das kämpferische Bedürfnis nach Befreiung aus den Fesseln des strengen Reglements des Adels und des von ihm bestimmten gesellschaftlichen Lebens gekonnt in Szene setzt. Der Unterhaltungswert besticht durch fesselnde Momente der Entwicklung der Protagonistin zu einer Persönlichkeit, die stets ihr ersehntes Ziel im Blick behält und ihre Niederlagen als Aufforderung sah, weiter zu kämpfen für ihre Interessen und ihre Befreiung aus den ihr auferlegten gesellschaftlichen Fesseln.
Meine Leseempfehlung gebe ich sehr gern diesem wunderbaren Roman, der Lesevergnügen garantiert.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 29.01.2025

Dreiecksbeziehung

Die Verdorbenen
0

Während des Studiums der Germanistik und der wissenschaftlichen Politik in Marburg an der Lahm Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts macht Johann die Bekanntschaft mit dem Pärchen Tommi und ...

Während des Studiums der Germanistik und der wissenschaftlichen Politik in Marburg an der Lahm Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts macht Johann die Bekanntschaft mit dem Pärchen Tommi und Christiane, deren Tutor er ist. Die Beiden können auf eine sehr langjährige Beziehung zurückblicken, erwecken den Anschein von großer Vertrautheit und Unzertrennlichkeit. Dennoch entwickelt sich eine, wenn auch recht zwiespältige Beziehung, zwischen den dreien, die zunächst unvorstellbar erscheint. Der Eigenbrötler Johann, verändert sein alltägliches Auftreten, obwohl er gedanklich auf ganz anderen Wegen wandelt, was schließlich zu absurden Konflikthandlungen führt.
Michael Köhlmeier legt mit 'Die Verdorbenen' einen Roman vor, der nicht auf dem ersten Blick offenbart, wohin die Reise geht und welche Verbindung die Geschichte zum Titel hat. Unaufgeregt berichtete er von Liebe, Schuld, Besessenheit und vorgelebte Schwächen. Er gestaltet seine Charaktere mit psychologischem Tiefgang und wirft damit Fragen nach den Ursachen von zwanghaftem Verhalten auf. Sprachlich brillant ausgearbeitet, ist dieser Roman ein Leseerlebnis der besonderen Art und verdient unbedingte Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.01.2025

Formen des Glücks

Die Halbwertszeit von Glück
0

Was bedeutet es eigentlich Glück zu haben, sich Glück zu wünschen, Glück zu empfinden oder glücklich zu sein? Kann man das Glück einfangen, spürt man es, wenn es einen berührt?
Luise Pelt setzt sich in ...

Was bedeutet es eigentlich Glück zu haben, sich Glück zu wünschen, Glück zu empfinden oder glücklich zu sein? Kann man das Glück einfangen, spürt man es, wenn es einen berührt?
Luise Pelt setzt sich in ihrem Roman 'Die Halbwertzeit von Glück' genau mit diesen Fragen auseinander. Dabei webt sie aus drei Handlungssträngen mit drei Protagonistinnen eine Geschichte, die bis zur Auflösung am Schluss spannend und unterhaltend bleibt. Ihre Charaktere entwickeln sich in Richtungen, die nicht vorhersehbar scheinen. Stück für Stück nähern wir uns als Leser dem Grundgedanken des Buches und tauchen dabei tief ein in völlig verschiedene Welten, die dennoch ein roter Faden verbindet.
Mylène, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, steht kurz vor ihrer Hochzeit, sollte das Glück zu diesem Zeitpunkt eigentlich gepachtet haben. Doch ihre scheinbar heile Welt wird mächtig durcheinandergewirbelt, als ihr eines Tages ein Notar einen Erbschein von einer ihr unbekannten Frau aushändigt. Auf der Suche nach Antworten begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise. Zwischenzeitlich lernen wir Holly aus Los Angeles kennen, die ihren großen Traum von Hollywood träumt und mit ihrem glücklich sein hadert, als ein schreckliches Unglück passierte. Johanna hat sich jeglichem Glück versagt, weil ein persönliches Schicksal sie völlig aus der Bahn geworfen hat. Sie lebt fortan einsam in einer einfachen Holzhütte im stark bewachten Grenzgebiet zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland.
Der Roman weckt Emotionen, stimmt nachdenklich und hat eine unglaubliche Sogwirkung. Gern empfehle ich ihn weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.01.2025

Das Leben von Elsbeth, einer starken Frau

Die Wächterin von Köln
0

Petra Schier entführt uns mit ihrem Roman 'Die Wächterin von Köln' in die mittelalterliche Zeit Ende des fünfzehnten und Anfang des sechzehnten Jahrhunderts. Die Geschichte um die Protagonistin Elsbeth ...

Petra Schier entführt uns mit ihrem Roman 'Die Wächterin von Köln' in die mittelalterliche Zeit Ende des fünfzehnten und Anfang des sechzehnten Jahrhunderts. Die Geschichte um die Protagonistin Elsbeth besticht durch ihr fundiertes Wissen zu den alltäglichen Lebensumständen der Menschen jener Epoche. Fein gezeichnete Charakter lassen darüber hinaus eine lebendige Atmosphäre entstehen, die den Alltag auf eine faszinierende Weise widerspiegelt.
Elsbeth wird in die Welt der Prostitution quasi hinein geboren, denn auch ihre Mutter ging bis zu ihrem Tod diesem Gewerbe nach. Doch sie hat einen mächtigen Halbbruder, der Kaufmann in der Stadt Köln ist, gleichzeitig dunkle, sehr lukrative Geschäfte tätigt, die eines gewissen Personenschutzes bedarf. Als Elsbeth von dessen Ermordung erfährt, setzt sie alle ihr verfügbaren Hebel in Bewegung, um den Mörder zu finden und den Tod zu rechen. Als unehrliche Frau kann sie sich dabei nur schwerlich auf die bürgerliche Rechtsprechung verlassen und begibt sich auf einen gefährlichen Weg der Aufklärung, der ihr viele persönliche, überaus schmerzliche Erfahrungen bereitet.
Neben fesselnder Unterhaltung bietet der Roman viele wissenswerte Details, die ganz nebenbei in einer spannenden Geschichte ihren Platz finden. Ein Lesevergnügen der besonderen Art wird geboten, das ich sehr gern weiterempfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere