Veränderte Perspektiven
UmlaufbahnenVier Astronauten, davon zwei Frauen, und zwei Kosmonauten leben und arbeiten über Monate auf einer internationalen Raumstation, die in vierhundert Kilometer Höhe über der Erde ihre Umlaufbahnen mit einer ...
Vier Astronauten, davon zwei Frauen, und zwei Kosmonauten leben und arbeiten über Monate auf einer internationalen Raumstation, die in vierhundert Kilometer Höhe über der Erde ihre Umlaufbahnen mit einer Geschwindigkeit von siebenundzwanzigtausend Kilometer in der Stunde zieht. Sie umrunden alle neunzig Minuten einmal ihren Heimatplaneten. An einem Erdentag sind das sechzehn Sonnenauf- und untergänge. Das Normativ Zeit ist scheinbar außer Kraft gesetzt ebenso wie die Schwerkraft. So bewegen sich die Wissenschaftler schwimmend durch den sie umgebenden Raum, müssen ein tägliches Muskeltraining absolvieren und halten ihre Zeitrechnung in Strichlisten fest, um dem Gehirn eine gewisse Normalität der körperlichen Lebensfunktionen zu geben. Wenige Zentimeter Titan trennen sie von dem tödlichen Nichts, der Dunkelheit des Weltalls. Doch dieser einzigartige Blick auf den blauen Planeten, der sich ohne Grenzen und politische Systeme präsentiert, verändert in ihnen Perspektiven, den Blick auf die Menschheit und ihren fragilen, wunderschönen Lebensraum.
Samantha Harvey lässt uns teilhaben an den Gedanken und dem Arbeitsalltag ihrer Protagonisten. In sechzehn Kapiteln lesen wir über ihre Gefühle, Alltagssorgen, Aufgaben, über Menschen, die nicht nur die Witterungsverhältnisse globaler betrachten können, sondern in die Lage versetzt sind, relativierte Betrachtungen zur Spezies Mensch anzustellen.
Dieser Roman ist atemberaubend, außergewöhnlich und unbedingt lesenswert. Er wurde ausgezeichnet mit dem Booker Prize 2024.