Cover-Bild Umlaufbahnen
(8)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
18,99
inkl. MwSt
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 14.11.2024
  • ISBN: 9783423444958
Samantha Harvey

Umlaufbahnen

Roman | Booker Prize 2024 | »Was für ein himmlischer Roman!« Adam Soboczynski, Die Zeit
Julia Wolf (Übersetzer)

Von oben betrachtet sieht die Welt gleich ganz anders aus
Sechs Astronauten schweben in einer Raumstation durchs All. Den Planeten Erde umkreisen sie in 90 Minuten, sechzehnmal in 24 Stunden. Die zwei Frauen und vier Männer aus ganz unterschiedlichen Nationen arbeiten, essen und schlafen auf engstem Raum – und doch ist alles losgelöst vom Alltag, Schwerkraft und Zeitempfinden sind außer Kraft gesetzt. Was passiert, wenn man seine Heimat nur aus weiter Ferne durch ein kleines Fenster sieht? Wie verändern sich Denken und Fühlen? In dem Zeitraum von nur einem Tag, während die Sonne sechzehnmal auf- und untergeht, betrachtet dieser ungewöhnliche, kraftvoll poetische Roman die großen und kleinen Fragen der Menschheit und bringt uns der Schönheit des Universums ganz nahe.
»Ich wusste nicht, wie sehr mir dieses Buch gefehlt hat, bis ich es gelesen habe. Dieser Roman lässt die schönsten Tränen fließen.« Ruth-Maria Thomas
Ausgezeichnet mit dem Booker Prize 2024 und Hawthornden Prize for Literature 2024, nominiert für den Orwell Prize for Political Fiction 2024 sowie den Ursula K. Le Guin Prize 2024 

Weitere Formate

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2025

Ein lesenswertes Buch zum Nachdenken und Genießen!

0

Mit Blick auf unsere Erde, auf die sie umgebende Sternenwelt, auf die 16 Auf- und Untergänge der Sonne in 24 Stunden in Abwechslung mit dem Mond, auf all das wird in schwärmerischem Schreibstil eingegangen ...

Mit Blick auf unsere Erde, auf die sie umgebende Sternenwelt, auf die 16 Auf- und Untergänge der Sonne in 24 Stunden in Abwechslung mit dem Mond, auf all das wird in schwärmerischem Schreibstil eingegangen neben den täglichen, streng einzuhaltenden Verrichtungen von 6 Astronauten während ihrer 6-monatigen Reise durchs All. Nicht nur die Raumfahrtgeschichte und die jeweiligen Experimente der Wissenschaftler sind aufbereitet, auch deren private Gedanken- und Traumwelt findet Erwähnung. Wichtige, teils philosophische Überlegungen zum Menschsein schwirren zwischen Mutter Erde und Vater Weltall dahin in sprachlich erlesener Pracht. Auf die Verletzlichkeit der Erde wird hingewiesen, ob nun hervorgerufen durch kriegerisch motivierte Politik der Erdbevölkerung oder durch eventuelle Veränderungen im Planetensystem.
Sehr poetisch beschriebenes Agieren und Reflektieren in einer Raumstation im Weltraum.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.12.2024

Veränderte Perspektiven

0

Vier Astronauten, davon zwei Frauen, und zwei Kosmonauten leben und arbeiten über Monate auf einer internationalen Raumstation, die in vierhundert Kilometer Höhe über der Erde ihre Umlaufbahnen mit einer ...

Vier Astronauten, davon zwei Frauen, und zwei Kosmonauten leben und arbeiten über Monate auf einer internationalen Raumstation, die in vierhundert Kilometer Höhe über der Erde ihre Umlaufbahnen mit einer Geschwindigkeit von siebenundzwanzigtausend Kilometer in der Stunde zieht. Sie umrunden alle neunzig Minuten einmal ihren Heimatplaneten. An einem Erdentag sind das sechzehn Sonnenauf- und untergänge. Das Normativ Zeit ist scheinbar außer Kraft gesetzt ebenso wie die Schwerkraft. So bewegen sich die Wissenschaftler schwimmend durch den sie umgebenden Raum, müssen ein tägliches Muskeltraining absolvieren und halten ihre Zeitrechnung in Strichlisten fest, um dem Gehirn eine gewisse Normalität der körperlichen Lebensfunktionen zu geben. Wenige Zentimeter Titan trennen sie von dem tödlichen Nichts, der Dunkelheit des Weltalls. Doch dieser einzigartige Blick auf den blauen Planeten, der sich ohne Grenzen und politische Systeme präsentiert, verändert in ihnen Perspektiven, den Blick auf die Menschheit und ihren fragilen, wunderschönen Lebensraum.
Samantha Harvey lässt uns teilhaben an den Gedanken und dem Arbeitsalltag ihrer Protagonisten. In sechzehn Kapiteln lesen wir über ihre Gefühle, Alltagssorgen, Aufgaben, über Menschen, die nicht nur die Witterungsverhältnisse globaler betrachten können, sondern in die Lage versetzt sind, relativierte Betrachtungen zur Spezies Mensch anzustellen.
Dieser Roman ist atemberaubend, außergewöhnlich und unbedingt lesenswert. Er wurde ausgezeichnet mit dem Booker Prize 2024.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2025

Losgelöst von der Erde

0

Ein Raumschiff kreist durch den Orbit. In ihm befinden sich vier AstronautInnen und zwei Kosmonauten. Einen Tag lang begleiten wir sie. Ein Tag, der aus sechzehn Umlaufbahnen besteht.

Raum und Zeit gewinnen ...

Ein Raumschiff kreist durch den Orbit. In ihm befinden sich vier AstronautInnen und zwei Kosmonauten. Einen Tag lang begleiten wir sie. Ein Tag, der aus sechzehn Umlaufbahnen besteht.

Raum und Zeit gewinnen so eine neue Bedeutung: Der Tag ist nicht mehr vierundzwanzig Stunden lang, er setzt sich zusammen aus fünf Kontinenten, aus mehreren Jahreszeiten und unterschiedlichen Landschaften.

Losgelöst von der Erde verändern sich Wahrnehmungen und Perspektiven: Die Erde wird zu einer Mutter, zur einzigen Heimat, denn der Mensch ist ein Fremdkörper im All. Und nicht nur das, er ist unbedeutend, unwichtig: Nichts dreht sich um ihn, seine Existenz ist aus dem All kaum sichtbar. Lediglich in der Nacht macht sie sich durch die Lichter der großen Städte bemerkbar. Kriege, Grenzen, Konflikte, Nationalitäten: Aus dem All betrachtet ist all das ohne Belang.

"Umlaufbahnen" ist in dieser Hinsicht anti-anthropozentristisch, stellt aber gleichzeitig die Bedeutung der einzelnen Wahrnehmungen und das Individuum in den Vordergrund. Es ist das Bewusstsein und auch das Schicksal der Einzelnen in der Raumkapsel, die die Erzählung tragen. Die Gedanken und Gefühle der AstronautInnen reisen mit ihnen durch den Orbit und machen den Blick auf das sie Umgebenede aus, machen es überhaupt erst erzählbar.

Es ist unheimlich faszinierend, wie Samantha Harvey es schafft, vom Raumschiff aus das Menschsein einzufangen und Bezug zu nehmen auf die Probleme unserer Zeit. "Umlaufbahnen" ist so viel mehr als nur ein Roman über das All. Es ist eine ergreifende, poetische Betrachtung dessen, was das Menschsein ist.

Großartig übersetzt von Julia Wolf.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.11.2024

Die Welt der Astronaten

0



Samantha Harvey lädt uns in ihrem Roman Umlaufbahn in das Weltall ein.
Vier Astronauten und zwei Kosmonauten fliegen in ihre Raumkapsel um die Welt.
Die Autorin hat das ganz gekonnt geschaffen. Nach ...



Samantha Harvey lädt uns in ihrem Roman Umlaufbahn in das Weltall ein.
Vier Astronauten und zwei Kosmonauten fliegen in ihre Raumkapsel um die Welt.
Die Autorin hat das ganz gekonnt geschaffen. Nach einer kleinen Zeit des Warmwerden konnte ich mich gut mit der Geschichte arrangieren. Es ist ein ruhiges Buch. Es geschehen keine weltbewegenden Dinge. Die Personen lassen uns an ihre Gedanken und Erinnerungen teilnehmen. Es war interessant zu lesen, das die japanische Astronautin gerade in der Zeit, ihre Mutter verliert und wie die Trauerzeremonien in Japan stattfinden. Außerdem erfährt man, wie sich alle fit halten.
Der Roman liest sich gut und ich mag ihn gerne weiter empfehlen.



Veröffentlicht am 09.06.2025

Literarische Schwerelosigkeit in 16 Sonnenaufgängen

0

Samantha Harvey ist bekannt für ihre feinfühligen, sprachlich dichten Romane, die existenzielle Fragen aufgreifen. Sie war unter anderem für den Man Booker Prize, den Guardian First Book Award und den ...

Samantha Harvey ist bekannt für ihre feinfühligen, sprachlich dichten Romane, die existenzielle Fragen aufgreifen. Sie war unter anderem für den Man Booker Prize, den Guardian First Book Award und den Orange Prize nominiert. Umlaufbahnen, ihr vierter Roman, wurde 2024 mit dem Booker Prize sowie dem Hawthornden Prize ausgezeichnet und für den Preis der Leipziger Buchmesse 2025 (Übersetzung) nominiert.

Worum geht’s genau?
Sechs Astronaut-/Kosmonaut:innen aus verschiedenen Nationen kreisen in einer Raumstation um die Erde – sechzehnmal in 24 Stunden. Doch dieser Roman erzählt nicht etwa von einer dramatischen Mission, technischer Brillanz oder kosmischem Abenteuer. Er begleitet diese Menschen für einen einzigen Tag und schaut dabei ganz genau hin: auf Routinen im All, auf Erinnerungen an das Leben auf der Erde, auf familiäre Sorgen, Zweifel, Verluste und das fragile Gleichgewicht zwischen Nähe und Einsamkeit.

Es ist ein stilles Buch, das sich viel Zeit nimmt. Statt großer Handlung erleben wir Gedankenströme, Alltagsfragmente, politische Spannungen (die sogar bis in die Toilettenregelung reichen), Reflexionen über Tod, Liebe, Identität – und über das Menschsein selbst.

Meine Meinung
Ich gebe zu: Der Einstieg war für mich nicht einfach. Es passiert – vordergründig – wenig. Wer eine klassische Handlung oder einen Spannungsbogen erwartet, wird hier nicht fündig. Aber wer sich auf Harveys Sprache und Atmosphäre einlässt, wird mit einem fast schwerelosen Lesegefühl belohnt.

Ein kontemplatives Buch, poetisch, manchmal fast hypnotisch. Besonders eindrucksvoll fand ich die Passagen, in denen die Figuren in Erinnerungen versinken – etwa Chies Gedanken an ihre Mutter und das japanische Ritual des Knochensuchens nach der Einäscherung. Oder die Szenen, in denen Fotos von Familien betrachtet werden und plötzlich etwas sichtbar wird, das zuvor übersehen wurde – die Schönheit des Alltäglichen, das uns oft erst in der Ferne auffällt. Sehr spannend war für mich auch das Thema Raumfahrt und Gesundheit, über das ich mir noch nie Gedanken gemacht habe.

Die Atmosphäre in der Raumstation ist kühl, zweckmäßig, fast abweisend – ein Ort zwischen den Welten, der weder ganz fremd noch ganz vertraut wirkt. Es gibt humorvolle, fast absurde Details (wie den „nationalen Toilettenstreit“) und gleichzeitig existenzielle Nachdenklichkeit über das Menschsein im Angesicht der Leere.

Was mir gefallen hat ist die sprachliche Präzision, die ruhige, fast schwebende Atmosphäre – das Buch fühlt sich an, als wäre man selbst im Orbit, die Themenvielfalt (wenngleich kein Thema in der Tiefe behandelt wird): Feminismus, Kapitalismuskritik, Trauerarbeit, Mutterschaft, Zugehörigkeit.

Was mir weniger gefallen hat war, dass die Figuren für meinen Geschmack zu schemenhaft, fast zu distanziert blieben. Ich habe sie beobachtet, aber selten mit ihnen gefühlt. Vielleicht ist das aber auch so gewollt. Zudem fehlte es mir manchmal an emotionaler Erdung – gerade durch die episodische Struktur.

Fazit
"Umlaufbahnen" ist wahrscheinlich kein Roman, den man einfach „verschlingt“. Es ist ein Buch, das man langsam lesen muss, vielleicht sogar mehrfach – ein literarischer Orbit, der seine Bahnen zieht, ohne dass sich vordergründig viel bewegt. Und gerade darin liegt seine Kraft: in der Stille, im Schwebezustand, im konzentrierten Blick auf das scheinbar Nebensächliche. Für Leser:innen, die sich gerne auf sprachlich anspruchsvolle, kontemplative Romane einlassen – ohne Plotdruck, aber mit viel Stoff zum Nachdenken – ist dies eine klare Empfehlung. Für alle anderen könnte es zu abstrakt, zu langsam oder zu distanziert wirken. Ich bin froh, es gelesen zu haben – auch wenn ich das Buch mehr bewundert als wirklich als Highlight empfunden habe, das mich emotional gepackt hat. Deshalb 3 von 5 Sternen.