Profilbild von Caillean

Caillean

Lesejury Star
offline

Caillean ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Caillean über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.08.2022

Es fliegen die Fetzen und es sprühen die Funken!

Neuanfang auf Whale Island
0

Mit dem zweiten Teil einer Reihe ist das ja so eine Sache... man hat in der Regel den direkten Vergleich zu Teil 1 und für die Autorinnen ist es meist unheimlich schwierig, die Geschichte auf dem meist ...

Mit dem zweiten Teil einer Reihe ist das ja so eine Sache... man hat in der Regel den direkten Vergleich zu Teil 1 und für die Autorinnen ist es meist unheimlich schwierig, die Geschichte auf dem meist hohen Niveau des Vorgängers zu halten.

Umso überraschter war ich, als mir „Neuanfang auf Whale Island“ sogar noch besser gefiel als der erste Band „Heimkehr nach Whale Island“. Oder, um es anders zu sagen: Miriam Covi hat sich mit diesem zweiten Band selbst übertroffen

Genau so heftig wie in diesem Buch die Fetzen fliegen zwischen Chefkoch Aidan und Restaurantmanagerin Stella, so sehr sprühen zwischen ihnen auch die Funken und es ist ein Genuss, die beiden temperamentvollen Protagonisten in ihrer „Hassliebe“ zu begleiten. Da abwechselnd aus Stellas und aus Aidans Sicht erzählt wird, bekommt man als Leser einen intensiven Eindruck von ihren Gefühlen und Gedanken. Wobei aus meiner Sicht die von Stella noch einen Tick authentischer dargestellt waren - aber das sage ich als Frau, wahrscheinlich ist das für mich einfach besser nachvollziehbar, während ich nicht wirklich einschätzen kann ob Aidans Sicht überzeugend ist.

Was mich als Nebenhandlungsstrang besonders berührt hat, war die Geschichte von Stellas 13jähriger Tochter Felicitas (genannt Feli), die mit ziemlichen Gewichtsproblemen zu kämpfen hat und dadurch in ihrer vorherigen Schule Opfer von Mobbing geworden ist. Die schwierige Phase des Erwachsenwerdens gepaart mit der Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist für Feli ein Zustand, der sie unheimlich schwer belastet - was man ihr deutlich anmerkt. Der Kampf ihrer Mutter Stella, dem Mädchen dennoch zu signalisieren, dass es geliebt wird und sie trotzdem vorsichtig zu motivieren aus ihrem Schneckenhaus herauszukommen, ist unheimlich kräftezehrend. Meiner Ansicht nach hat die Autorin dieses schwierige Thema ganz wunderbar (und letztlich auch hoffnungsvoll) umgesetzt, mit allen Höhen und Tiefen - ohne dass es übertrieben wirkte. Ich habe Feli sehr ins Herz geschlossen und konnte ihre Zerrissenheit durch die Zeilen spüren. Das eine oder andere Mal musste ich mir bei ihrer Geschichte ein kleines Tränchen verdrücken - und das passiert mir in Büchern, gleich recht in „Wohlfühlbüchern“ wie diesem, sehr selten. Bei der Szene, als die Wale in der Bucht ankommen und ein Junge hinter Felis Rücken über sie lästert, war ich richtig aufgebracht und hätte mir den jungen Mann am liebsten sofort zur Brust genommen. Die Szene zeigte die (seelischen) Grausamkeiten zwischen Kindern/Teenagern sehr deutlich und hat mich tief bewegt.

Die Autorin hat nicht nur ein wunderschönes Setting gewählt, das einen sofort in Urlaubsstimmung versetzt, sondern auch Charaktere geschaffen, die man selbst unheimlich gern einmal wirklich kennenlernen würde. Ich habe mich mehrmals bei dem Gedanken ertappt „ach, wenn es Whale Island und die Cameron Lodge doch wirklich geben würde - ich würde sofort einen Flug buchen...“ Und ein schöneres Kompliment kann es für Autoren doch kaum geben, oder?

Nochmal in kurz:
Eine temperamentvolle, aber auch sehr emotionale und erstaunlich tiefgründige Geschichte (Feli...!), die ab der ersten Seite Fernweh ausgelöst hat. Ich habe mit Stella und Aidan geflucht, mich köstlich über ihren Zoff amüsiert (Die Servietten!
grins* Ein Highlight!) und mitgefiebert, wann sie sich endlich über ihre wahren Gefühle klar werden. Das Ganze in einem Setting, das einfach nur traumhaft schön ist und mit den Beluga-Walen Luna und Alba noch zusätzlich bereichert wurde. Bessere Urlaubslektüre kann man sich nicht wünschen!

PS. Auch unabhängig vom ersten Teil ohne Verständnisprobleme lesbar.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.07.2022

Respekt für den Mut dieser Frau

Die Entdeckerin der Welt
0

Maria Sibylla Merian war für ihre Zeit eine sehr mutige und tatkräftige Frau. Das sieht man schon daran, dass sie in einer Zeit, als Frauen ihren Männern zu gehorchen hatten, eine Scheidung durchzog und ...

Maria Sibylla Merian war für ihre Zeit eine sehr mutige und tatkräftige Frau. Das sieht man schon daran, dass sie in einer Zeit, als Frauen ihren Männern zu gehorchen hatten, eine Scheidung durchzog und fortan sich und ihre Töchter allein ernährte. Dabei musste sie viele Kompromisse eingehen. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in einer religiösen Gemeinschaft, die ihr und den Mädchen allerdings auf Dauer nicht gut getan hat, zog sie nach Amsterdam, um dort von ihrem künstlerischen Talent zu leben. Sie hatte bereits zwei Bücher veröffentlicht mit Zeichnungen von Insekten und Pflanzen. Nun träumt sie von einem riesigen Projekt: ein Buch über die Entwicklung von Schmetterlingen. Und dazu möchte sie die schönsten Exemplare in deren natürlicher Umgebung beobachten.

Das Problem: die schönsten Schmetterlinge gibt es im Urwald von Südamerika. Doch Maria Sibylla scheut keine Mühen um Geld für ihre Expedition zu sammeln. Sie baut systematisch Kontakte zu den hohen Kreisen von Amsterdam auf und schafft es tatsächlich, ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Während die mittlerweile verheiratete ältere Tochter die heimische Firma betreut, reist Maria Sibylla mit der jüngeren Tochter nach Suriname um die Tier- und Pflanzenwelt zu erforschen.

Dabei wird sie mit den zum Teil abartigen Auswirkungen des Kolonialismus konfrontiert, aber auch mit den Schwierigkeiten der klimatischen Bedingungen und der „schlechte-Luft-Krankheit“ - heute bekannt als Malaria.

In „Die Entdeckerin der Welt“ erzählt der Autor die Geschichte Maria Sibyllas in ihren „besten Jahren“. Die Handlung umfasst die Jahre 1691 bis 1705, als Maria Sibylla 44 bis fast 60 Jahre alt war. Die Erzählweise erschien mir vergleichsweise nüchtern und geradlinig, nicht so emotional wie bei anderen Büchern aus dieser Reihe des Aufbau-Verlags. Eigentlich schade, denn dadurch hatte ich den Eindruck, Maria Sibylla nicht so nahezukommen wie erhofft. Mir wurde das Bild einer resoluten Frau vermittelt, die nicht aufgibt, aber letztlich wurden Probleme auch nicht über die Maßen vertieft dargestellt, so dass sich ein recht gleichförmiges Bild ergab. Beweggründe für Entscheidungen oder z. B. für einen Umzug wurden nicht geschildert, da hieß es nur „dazu kam ein neuerlicher Umzug.(...) Sie zog wieder in die Kerkstraat, wie zu Beginn ihrer Zeit in Amsterdam.“

Später fand ich aufgrund des Nachwortes heraus, dass wohl nicht sonderlich viele verbriefte Fakten zu ihrem Leben existieren und daran hat sich der Autor sehr genau gehalten. Aber bei einem eher fiktionalen Werk wie einer Romanbiografie hätte ich bei solchen Dingen auch gern ein Auge zugedrückt um eine zumindest wahrscheinliche Begründung zu erhalten...

Auf mich wirkte der Roman trotz aller farbenprächtigen und exotischen Schauplätze eher sachbezogen und bot mir daher weniger Chancen als gedacht, um der „Entdeckerin der Welt“ emotional nahe zu kommen. Daher hat dieses Buch meine Erwartungen leider nicht erfüllen können, auch wenn er sich wirklich gut und schnell lesen lässt und dabei einen guten Überblick über Maria Sibylla Merians Wirken in einem fortgeschrittenen Lebensalter gibt.

P.S. Da mich die Person Maria Sibylla Merian aber dennoch sehr interessiert, werde ich sicher noch einen der weiteren Romane über ihr Leben lesen. Zur Auswahl stehen „Frau Merian und die Wunder der Welt“ von Ruth Kornberger und „Der Fluch der Sommervögel“ von Nicole Steyer, die sich beide mit dieser faszinierenden Frau beschäftigen. Vielleicht lassen sie mich etwas näher an den Menschen Maria Sibylla heran...



  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2022

55 Katzen und ein Tropensturm...

Ein Sommer mit Hemingways Katzen
0

Aaaaah, Katzen!!! Aaaaah, Palmen!!! Mal ehrlich, schon allein das schreit doch danach, dieses Buch lesen zu wollen, oder? ;) Gerade jetzt, im Sommer, wenn man locker-leichte Lektüre zu schätzen weiß an ...

Aaaaah, Katzen!!! Aaaaah, Palmen!!! Mal ehrlich, schon allein das schreit doch danach, dieses Buch lesen zu wollen, oder? ;) Gerade jetzt, im Sommer, wenn man locker-leichte Lektüre zu schätzen weiß an brütend heißen, trägen Tagen oder im wohlverdienten Urlaub...

Und ja, für den Urlaub oder als Entspannungslektüre am faulen Sonntag nachmittag ist dieses Buch definitiv geeignet. Wenn man ein Auge zudrückt (kommt von ganz allein, wenn man gegen die Sonne blinzelt...), kann man diesen Roman auch als „niedlich“ bezeichnen. Also, drücken wir mal ein Auge zu...

Wenn ich aber etwas genauer hinschaue, fallen mir doch ein paar Dinge auf, die ich nicht ganz so gelungen fand. Aber - first things first: die Katzen sind super! Als Protagonistin Laura an ihrer neuen Wirkungsstätte, dem Hemingway House in Key West ankommt, begrüßen sie 54 Katzen - von anschmiegsam bis grummelig, von babyverspielt bis altersweise. Aber alle Nachfahren der berühmten ersten Hemingwaykatze mit den 6 Zehen und genau daran erkennbar. Sie ist hingerissen von den Fellnasen und überzeugt, den Job ihres Lebens gefunden zu haben. Bis zwei Männer anfangen um ihre Gunst zu konkurrieren, was zunehmend nervig wird, eine weitere geheimnisvolle Katze auftaucht und ein Tropensturm auf die Insel zurast und das Hemingway House und seine Katzen bedroht.

Die Charakterisierung der Katzen (es werden natürlich beispielhaft nur einige beschrieben, nicht alle 54!) ist Lindsey Hooper sehr gut gelungen. Beim Lesen hatte ich oft ein Schmunzeln auf den Lippen und Vergleiche mit den Kapriolen meiner eigenen Fellnase im Kopf.

Der Stil des Romans an sich war mir jedoch etwas zu undurchsichtig. Der erste Teil ist aus der Beobachterposition geschrieben und zeigt auf, wie Laura ankommt und sich in der neuen Umgebung einfindet. Ein wenig amerikanisch-übertrieben, aber sei’s drum.

Im zweiten Teil werden dann Lauras Gedanken aus der Ich-Perspektive in einem knappen Tagebuchstil (mit dem sie sich am Schreibstil Hemingways versucht) dargestellt. Kenntlich gemacht durch Kursivdruck. Nach einer Weile bemerkte ich, dass der Text zwar weiter in der Ich-Perspektive gschrieben und kursiv gedruckt war (also immer noch Tagebuch), aber im typischen Romanstil mit langen Dialogen usw. Das passte überhaupt nicht mehr, las sich irgendwie komisch und so würde auch niemand Tagebucheinträge verfassen (behaupte ich mal). Dann wechselte die Erzählweise im letzten Drittel wieder zurück in die Beobachterperspektive (in der 3. Person geschrieben und nicht mehr kursiv gedruckt). Diese Stilwechsel waren mir zu undurchsichtig und erschienen mir auch überflüssig.

Zudem sollte man wissen, dass der hier erzählte „Sommer mit Hemingways Katzen“ nur 3 Wochen lang ist, denn das ist die im Buch erzählte Zeitspanne, lediglich am Ende von einem Abschlusskapitel ergänzt, das dann die Lage einige Wochen später noch aufzeigt.

Die Idee des Romans war toll, das Setting passt perfekt zu einem Sommerroman und ich habe gelernt, was Polydaktylie ist (Pfoten hoch dafür!). Aber die stilistische Umsetzung empfand ich leider als ziemlich schwach (bei mir fuhren sich die Krallen von alleine aus...). Man muss auch ein paar skurrile Charaktere (Nebenfiguren) mögen, aber das ist wohl recht typisch für einen amerikanischen Frauenroman. Nette Sommerlektüre - wenn man sich nicht an der Umsetzung stört.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.07.2022

Wunderbar atmosphärisch erzählt

Das Tor zur Welt: Träume
0

Wie so viele andere war auch ich letztes Jahr von Miriam Georgs Elbleuchten/Elbstürme-Saga begeistert und so landete auch die neue Hamburg-Saga sofort auf der Wunsch- und Leseliste. Nun war es soweit - ...

Wie so viele andere war auch ich letztes Jahr von Miriam Georgs Elbleuchten/Elbstürme-Saga begeistert und so landete auch die neue Hamburg-Saga sofort auf der Wunsch- und Leseliste. Nun war es soweit - und ich war sofort wieder mittendrin statt nur dabei.

Miriam Georg hat einen wunderbaren, plastischen Schreibstil. Mit ihr kann ich ganz tief eintauchen in die Geschichten, ich kann förmlich die Schiffsfanfaren hören, befinde mich mitten im umtriebigen Gedränge des Gängeviertels, rieche das brackige Wasser der Fleete - kurzum, ich bin mittendrin in der Story und habe das Gefühl, die Protagonistinnen auf Schritt und Tritt zu begleiten und alles mit ihnen gemeinsam zu erleben.

Natürlich kommt ein solcher Schreibstil und eine solche Atmosphäre nicht mit 300 Seiten aus. Wer sich auf diese Romane einlässt, weiß, dass man über 600 Seiten vor sich hat. Aber die lesen sich eben auch weg wie nix und ich hatte nicht das Gefühl ein besonders dickes Buch gelesen zu haben, weil ich eben so gefangen genommen war von ihrer Art zu schreiben.

Dennoch kann ich mir vorstellen, dass schon allein die Dicke des Romans einige Leser abschrecken würde. Und diesmal glaube ich auch, es wäre insbesondere in der ersten Hälfte des Buches möglich gewesen etwas zu kürzen.

Denn erwartet hatte ich, das muss ich ehrlich gestehen, das Aufeinandertreffen der Protagonistinnen Ava und Claire schon viel früher im Buch, nicht erst nach der Hälfte. Bis zu diesem Punkt werden ganz ausführlich Avas Leben mit 14 Jahren auf einem Bauernhof im Alten Land und dann die missglückte Auswanderung ihrer Ziehfamilie im Jahr 1892 beschrieben, als Ava nach dem Choleratod von Vater und Schwester allein zurückblieb. Die Mutter machte sich allein auf den Weg nach Amerika und ließ Ava zurück.

Auch Claires Lebensumstände nehmen großen Raum ein. So wird einerseits ein rundum stimmiges Bild vom Leben der gut situierten jungen Frau vermittelt, andererseits denke ich, dass man hier die Handlung etwas hätte straffen können.

Am interessantesten ist die Handlung natürlich ab dem Zeitpunkt, als beide anfangen in der Auswandererstadt zu arbeiten und sich begegnen. Sie sind wie Feuer und Wasser, finden aber trotzdem zueinander und es entwickelt sich eine zarte Freundschaft zwischen den beiden - wie es beide Frauen aus unterschiedlichen Gründen in ihrem bisherigen Leben noch nicht erfahren haben. Doch dieser erste Teil der Saga - soviel sei schon verraten - endet nicht mit einem (Teil-)Happy End, sondern mit ordentlichen Cliffhangern mehrerer Handlungsstränge. Ich würde also Wetten abschließen, dass jeder, der den ersten Band gelesen hat auch unbedingt wissen möchte, wie es mit Ava und Claire weitergeht :)

Insgesamt hat mich auch diesmal wieder insbesondere die tolle Atmosphäre in den Bann gezogen, welche die Autorin hier erschaffen hat. Schon allein dafür gibt es eine unbedingte Leseempfehlung. Als kleines Manko empfand ich den Aufbau der Geschichte, bei dem noch Raum für Straffungen in der ersten Hälfte gewesen wäre und der insbesondere in der zweiten Hälfte sein Spannungspotential entfaltet. Trotzdem: auf jeden Fall lesen!



  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.07.2022

Wer Böses tut, um Gutes zu wirken...

Die versteckte Apotheke
0

Zuerst einmal muss ich sagen: ich bin völlig hingerissen von der Aufmachung dieses Romans! Das ansprechende Design des Schutzumschlags setzt sich auf dem Hardcover fort und so macht das Buch auch ohne ...

Zuerst einmal muss ich sagen: ich bin völlig hingerissen von der Aufmachung dieses Romans! Das ansprechende Design des Schutzumschlags setzt sich auf dem Hardcover fort und so macht das Buch auch ohne Schutzumschlag richtig was her! Ich habe selten ein so „schönes“ Buch in der Hand gehalten.

Dieser gute erste Eindruck bestätigte sich auch, als ich zu lesen begann. Aber Achtung: wer nur den Klappentext kennt, wird es vielleicht (so wie ich) etwas befremdlich finden, dass es plötzlich einen Erzählstrang in der Gegenwart gibt. Die Inhaltsbeschreibungen bei den Buchhandlungsportalen im Internet weisen zum Glück darauf hin, der Klappentext auf dem Buch jedoch nicht.

Einerseits erleben wir also die Geschichte von Nella, der Giftapothekerin, die nach einem einschneidenden Erlebnis in ihrem eigenen Privatleben anderenn Frauen hilft, gewalttätige oder untreue Ehemänner „loszuwerden“.

Eines Tages steht das erst 12jährige Dienstmädchen Eliza in ihrer Apotheke, um ein solches Mittel für ihre Herrin abzuholen. Nella ahnt nicht, dass sie und Eliza schon bald viel mehr verbinden wird als ein paar mit Gift versetzte Hühnereier...

Im Erzählstrang der Gegenwart begleiten wir die Amerikanerin Caroline auf ihrer Londonreise anlässlich ihres Hochzeitstages - die sie allerdings allein antritt, nachdem sie von der Untreue ihres Mannes erfahren hat. Beim Umherstreifen in London findet Caroline am Themseufer eine alte Glasphiole, deren Herkunft sie als studierte Historikerin auf den Grund gehen möchte. Und so kommt sie langsam der bewegten Geschichte von Nella und Eliza auf die Spur...

Die Autorin verwebt die Geschichten aus Gegenwart und Vergangenheit aus meiner Sicht sehr gut. Besonders als sich Caroline plötzlich in einer ähnlichen Situation wie Nella wiederfindet, dachte ich mir „Respekt für diesen Plot“. Ich war bei beiden Frauen gefühlt ganz nah dran und habe mit ihnen mitgefiebert.

Allerdings gab es im letzten Drittel ein paar Dinge, die ich nicht so ganz nachvollziehen konnte. Einmal empfand ich die Handlungsweise von Nella als unlogisch und am Ende fehlte mir an manchen Stellen noch die Aufklärung bzw. der Abschluss. Mir erschien es so, dass der zunächst sehr gut komponierte Roman am Ende doch noch ein paar Erzählstränge enthielt, die dann - gewollt oder ungewollt - nicht zum Ende geführt wurden. So blieben bei mir insbesondere zwei Fragen offen, für die ich mir ein auserzähltes Ende gewünscht hätte, um vollauf mit der Geschichte „im Reinen“ zu sein.

Dennoch möchte ich jedem, der sich für historische Stoffe erwärmen kann, diesen Roman ans Herz legen, denn er erzählt aus meiner Sicht mit einer frischen, neuen Note und durchaus unkonventionell die Geschichte einer Heldin, die Böses tut um Gutes zu wirken. Eine wunderbare Idee für einen Roman, bei dem ich sehr froh bin ihn entdeckt zu haben!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere