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Veröffentlicht am 23.07.2021

Was sollen denn die Leute sagen?

Wildtriebe
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Der Satz, der das Leben auf dem Land kurz und bündig zusammenfasst: „Was sollen denn die Leute sagen?“ Schon im Kindesalter wird Menschen auf dem Land beigebracht, dass da immer jemand ist, der beobachtet, ...


Der Satz, der das Leben auf dem Land kurz und bündig zusammenfasst: „Was sollen denn die Leute sagen?“ Schon im Kindesalter wird Menschen auf dem Land beigebracht, dass da immer jemand ist, der beobachtet, bewertet, drüber spricht. Und dass es ungeschriebene Gesetze gibt, die man einhalten sollte, um ins Schema zu passen.

 

Lisbeth wächst in diesem Gefüge auf, zu einer Zeit, als es kaum Alternativen zum althergebrachten Bauerndasein gibt. Sie lernt von ihren Eltern, wie ein Hof zu führen ist, dass die Tiere und der Acker vorgeben, was wann zu tun ist. Für Selbstentfaltung ist da kein Platz. Als ihre beiden Brüder im Krieg umkommen, wird Lisbeth zur Hoferbin. Aber letztlich ändert das nichts – sie ist und bleibt Bäuerin. Es findet sich ein Mann, Karl, der mit ihr den Hof bewirtschaftet. Dann wäre Zeit für Nachwuchs, doch der stellt sich nicht ein. (Achtung, Spoiler in den nächsten Zeilen!) Lisbeth und Karl nehmen schließlich ein Kind an: Konrad. Dass er nicht ihr leibliches Kind ist, sagen sie ihm nicht. Er tritt natürlich in ihre Fußstapfen, wird Bauer. Und soll möglichst eine passende Schwiegertochter auf den Hof bringen. Doch er kommt mit Marlies, gelernte Verkäuferin, die sich nur schwer in die Bauernwirtschaft einfindet und ihrer Arbeit, die sie liebt, hinterhertrauert. Dass sie sich nur schwer für ein Kind entscheiden kann, nimmt Lisbeth ihr übel, wie auch so manch anderes, was sie in ihrer althergebrachten Lebensanschauung nicht verstehen kann.

 

So leben schließlich drei Frauengenerationen auf dem Hof – Lisbeth, Marlies und Joanna, die als junge emanzipierte Frau noch einmal ganz andere Vorstellungen vom Leben hat. Man kann jede der Frauen irgendwie in ihrem Denken verstehen, aber man merkt auch, wie sich daraus viele Konflikte entwickeln, die man eigentlich nur lösen kann, wenn man von Grund auf ehrlich zueinander ist.

 

Die Beschreibungen der Lebensvorstellungen in den unterschiedlichen Generationen treffen aus meiner Sicht punktgenau. Da ich selbst Dorfkind und in einem Mehrgenerationenhaus aufgewachsen bin, kam mir vieles sehr bekannt vor. Die Sprache und das sehr gediegene Erzähltempo passen zum Landleben – hier geht eben immer alles mit der Ruhe und nicht mit Hektik.

 

Dennoch enthält die Geschichte aus meiner Sicht grundlegenden Logikfehler, der ausschlaggebend für die Entwicklung der gesamten Geschichte ist (Achtung, hier folgen wieder Spoiler – anders ist es aber nicht erklärbar).

 

Im Buch wird immer wieder betont, dass jeder jeden kennt und das Dorf vom „Tratsch über dem Gartenzaun“ lebt (siehe eingangs: „Was sollen die Leute sagen?“) Es ist einfach nicht realistisch, dass Lisbeth Konrads Geschichte über 50 Jahre geheim hält und Konrad nie erfährt, dass er kein leibliches Kind ist. Das ist in so einem Dorf schlichtweg nicht möglich, wenn alle seit Jahren darüber sprechen, dass auf dem Hof der Nachwuchs ausbleibt und plötzlich ein Kind da ist, ohne dass die Bäuerin schwanger war. Das gibt doch ordentlich Gerede! Und spätestens in der Schule, durch eine unbedachte Bemerkung der Nachbarskinder o. ä. hätte Konrad es erfahren. Etwas anderes ist einfach nicht vorstellbar, so wie die Autorin das Dorf und ihre Bewohner beschreibt. Und dann hätte Konrad vielleicht seine Herkunft hinterfragt und die ganze Geschichte wäre völlig anders verlaufen…

 

Deshalb fällt es mir sehr schwer, das Buch für mich in ein Sterne-Ranking zu bringen. Einerseits mochte ich diese treffenden Beobachtungen zum Dorfleben, andererseits fand ich diese eine (für das Buch wichtige) Entwicklung absolut nicht nachvollziehbar… daher entscheide ich mich für den Mittelweg und 3,5 Sterne.

 

 

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Veröffentlicht am 20.07.2021

Freiheit oder Heimat?

Dreieinhalb Stunden
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Wenn du nur 3 ½ Stunden Zeit hast zu entscheiden, wie dein weiteres Leben aussehen soll – was würdest du tun? Wählst du die Freiheit und gibst dein bisheriges Leben komplett auf oder kehrst du in dein ...

Wenn du nur 3 ½ Stunden Zeit hast zu entscheiden, wie dein weiteres Leben aussehen soll – was würdest du tun? Wählst du die Freiheit und gibst dein bisheriges Leben komplett auf oder kehrst du in dein vertrautes Umfeld zurück und opferst deine Selbstbestimmung?

 

Eine schwierige Entscheidung, die die Passagiere des Interzonenzuges München – Berlin am 13.08.1961 treffen müssen. Während sie aus den unterschiedlichsten Gründen in München gewesen sind und nun die Rückreise angetreten haben, sickert langsam ein Gerücht im Zug durch: die bauen eine Mauer! Wenn wir jetzt im Zug bleiben, können wir die DDR vielleicht nie wieder verlassen… nie wieder die Schwester, den Sohn, die Eltern im Westen besuchen. Was soll man nun tun? Noch 3 Stopps trennen den Zug von der Überfahrt in die DDR. Noch 3 Gelegenheiten, um eine Entscheidung zu treffen. Die Lage im Zug und die inneren Kämpfe der Passagiere spitzen sich mit jedem Halt zu. Und dann steht der Zug vor der Grenze und wartet auf die Lokführerin aus der DDR, die den Zug übernehmen und nach Berlin fahren soll. Die allerletzte Chance, sich für die Freiheit zu entscheiden…

 

Robert Krause hat mit diesem Buch (und dem dazugehörigen Film, für den er das Drehbuch verfasst hat) den Mauerbau aus einer sehr interessanten Perspektive beleuchtet: der Zug ist ein Mikrokosmos von Schicksalen, die alle eine gewisse Beziehung zum westlichen Deutschland haben. Und jede dieser Personen hat nur diese 3 ½ Stunden, um eine Entscheidung zu treffen. Wobei es nicht nur um denjenigen selbst geht, sondern immer auch um die Menschen, die er/sie liebt.

 

So stellen sich die Mitglieder einer Band die Frage, ob sie aussteigen sollen – jeder für sich. Aber bringt es etwas, wenn sie nicht alle gemeinsam gehen? Denn nur als vollständige Band könnten sie auch im Westen versuchen durchzustarten. Eine Familie mit zwei Kindern droht an der Entscheidung zu zerbrechen. Eine junge Sportlerin hinterfragt die Beziehung zu ihrer mitreisenden Trainerin – und deren Methoden. Und nicht zuletzt hört auch die junge Lokführerin aus der DDR, die den Zug an der Grenze übernehmen soll, von den Plänen der Regierung. Auch für sie wäre der Grenzübertritt die letzte Chance, sich für ihre persönliche Freiheit zu entscheiden.

 

Das Buch lebt von der Spannung des Zeitmangels und der sich verdichtenden Handlung, je näher der Zug der deutsch-deutschen Grenze kommt. Das ist sehr clever konstruiert und sorgt dafür, dass es keinen Durchhänger gibt, keine Seite, die langweilig wäre. Dazu werden von den Figuren die Argumente für und gegen eine Flucht abgewogen, so dass man merkt, wie schwierig diese Entscheidung wirklich war. Ich denke, den meisten war schon bewusst, dass die Errichtung der Mauer einen Wendepunkt darstellen würde. Dass Zugfahrten in den Westen, Verwandtenbesuche usw. vielleicht künftig gar nicht mehr möglich sein würden. Aber die Unsicherheit wiegt bei vielen schwer – soll man im Westen wirklich noch einmal von Null anfangen?

 

Am Ende trifft jede und jeder eine Entscheidung. Ob die gut oder schlecht war, wird sich wohl erst lange Zeit später zeigen. Aber in diesem Buch geht es weniger ums Ergebnis als vielmehr um den schweren Prozess der Entscheidungsfindung. Ein mitreißender, aufwühlender Roman, der uns zeigt, dass auch frühere Generationen abseits von Corona und Co. unheimliche Herausforderungen zu bewältigen hatten. Und dass wir darauf mit viel Respekt schauen sollten.

 
 

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Veröffentlicht am 14.07.2021

Genremix aus Sachbuch und biografischer Erzählung

Pfoten vom Tisch!
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Hape Kerkeling ist bekennender Katzenfan und hat einiges an Erfahrung mit den felligen Mitbewohnern aufzuweisen. Seit seiner Kindheit war er regelmäßig „Katzenpapa“ und bot Fellnasen ein Zuhause.

 

Von ...


Hape Kerkeling ist bekennender Katzenfan und hat einiges an Erfahrung mit den felligen Mitbewohnern aufzuweisen. Seit seiner Kindheit war er regelmäßig „Katzenpapa“ und bot Fellnasen ein Zuhause.

 

Von seinen Erlebnissen berichtet er in „Pfoten vom Tisch!“ Mal lustig, mal traurig, mal launig – die ganze Bandbreite dessen, was man mit Katzen erleben kann, wird abgedeckt. Auch schwierige Themen klammert er nicht aus. Die Entscheidung, ob und wann man ein Tier von seinen Qualen erlösen sollte, beschreibt er einfühlsam, aber auch realitätsnah. Und so, dass man sich hinterher als Leserin/Hörerin nicht unwohl damit fühlt.

 

Bei seinen Katzenerlebnissen habe ich oft schmunzeln müssen und auch immer wieder einmal gedacht „Genau wie meiner!“ – aber das wird wohl allen Katzenbesitzern so gehen.

 

Aufgrund Hape’s stimmlicher Veränderungsmöglichkeiten geraten die Anekdoten sehr kurzweilig und das waren auch die Parts, die ich am meisten genossen habe.

 

Zusätzlich soll das Buch aber wohl auch ein Leitfaden für Neu-Katzenbesitzer (oder solche, die es werden wollen) sein. So gibt er beispielsweise Tipps für die Auswahl eines passenden Kätzchens, zur Gestaltung von Wohnung oder Grundstück sowie zur medizinischen Versorgung. Das war für mich als „alten Hasen“ natürlich nichts Neues. Diese Teile umfassten die üblichen Hinweise und an diesen Stellen hatte das Hörbuch für mich dann so seine Längen. Ich hätte diese Teile gern zugunsten weiterer Katzenanekdoten gekürzt gesehen. Aber das Konzept war wohl ein anderes.

 

Dennoch spricht die Liebe zu seinen Samtpfoten aus jedem Kapitel dieses Buches und so ist es für Liebhaber von Katzengeschichten eine willkommene und unterhaltsame Ergänzung ihrer Bibliothek und ich empfehle es gern weiter.

 
 

 

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Veröffentlicht am 08.07.2021

Thriller vom Feinsten!

Die Verlorenen
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Diesmal muss ich das Fazit einfach vorwegnehmen:

Wow! Was hat Simon Beckett da für einen neuen Thriller abgeliefert! Komplex, undurchsichtig, hochspannend – so muss das sein! Ich bin begeistert und freue ...

Diesmal muss ich das Fazit einfach vorwegnehmen:

Wow! Was hat Simon Beckett da für einen neuen Thriller abgeliefert! Komplex, undurchsichtig, hochspannend – so muss das sein! Ich bin begeistert und freue mich jetzt schon auf den nächsten Band.

 

Nach seiner Reihe um den forensischen Anthropologen Dr. David Hunter fand Beckett wohl, es sei Zeit für etwas Neues. Und recht hat er – dieses Buch beweist es. Doch um was geht es?

 

Im Mittelpunkt steht Jonah Colley, ein Polizist der Londoner Polizei. Er ist geschieden – die Ehe zerbrach, nachdem vor 10 Jahren sein kleiner Sohn spurlos verschwand. Und Jonah war schuld. Er war mit dem Kleinen auf einem Spielplatz, schlief auf der Parkbank kurz ein – und Theo war wie vom Erdboden verschwunden. Ein später gefundener Schuh legte die Tatsache nahe, dass der kleine Theo in die Kanalisation gerissen wurde. Weitere Ergebnisse förderte die polizeiliche Ermittlung nicht zutage und so war dies das offizielle Ergebnis. Nach 10 Jahren hat Jonah gelernt, mit der Tatsache zu leben, dass sein Sohn tot ist und er nie wirklich wissen wird, wie es dazu kam. Er verdrängt es bestmöglich.

 

Eines Tages erhält Jonah eine Nachricht von seinem früheren besten Freund Gavin, ebenfalls einem Polizisten, zu dem er allerdings seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Gavin bittet ihn eindringlich um Hilfe. Als Jonah zu der verabredeten Stelle am Slaughter Quay fährt, gerät er in einen Strudel der Gewalt – Gavin wurde ermordet und wird vor Jonahs Augen weggeschleppt. Da Jonah selbst verletzt ist, kann er dem Täter nicht folgen.

 

Als er im Krankenhaus zu sich kommt, spitzt sich die Situation zu. Jonah steht plötzlich im Mittelpunkt der Ermittlungen – denn gegen Gavin wurde offensichtlich intern ermittelt und die Polizei glaubt, dass Jonah in die Sache verwickelt ist. Es beginnt ein Katz- und Maus-Spiel, bei dem die Grenzen zwischen Gut und Böse mehr als einmal verschwimmen…

 

Simon Beckett ist es mit dem ersten Roman um Jonah Colley gelungen, einen atmosphärischen und extrem dichten Thriller zu spinnen, der auf keiner Seite an Spannung verliert. Falsche Fährten und wertvolle Spuren gibt es en masse, aber die Leserinnen können sich nie sicher sein, was davon ein Hinweis und was davon eine Sackgasse ist. Der Thriller ist äußerst clever konstruiert und der Autor spielt auch an einigen Stellen mit den Erwartungen seines Publikums. Es gab einige Zusammenhänge, die ich vermutet habe und mit denen ich auch richtig lag. Allerdings gab es mindestens genau so viele Überraschungen.

 

Auch wenn das Buch nicht mit einem klassischen Cliffhanger endet, so bleiben genug Fragen offen, um sich sofort den zweiten Band ins Regal zu wünschen.  

 

Es war eine rasante Fahrt durch das Dickicht der Londoner Unterwelt und man merkt, dass Simon Beckett einfach richtig gute Plots schreibt. Er weiß wie man Leser
innen an die Story oder an Figuren bindet, wie man sie verwirrt und überrascht und wie man ihnen einen Thriller bietet, der von der ersten bis zur letzten Seite Hochspannung garantiert. Für schwache Nerven ist das Buch sicherlich nichts, aber ich habe auch schon blutigere und abgründigere Thriller gelesen. Wer Beckett kennt, wird begeistert sein und wer ihn noch nicht kennt, erhält mit diesem Beginn der neuen Reihe die Gelegenheit, ihn lieben zu lernen. Ich für meinen Teil kann nur sagen: alles unter 5 Sterne wäre eine Beleidigung ;)

 

 

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Veröffentlicht am 30.06.2021

Licht- und Schattenseiten des Ruhms

Miss Hollywood - Mary Pickford und das Jahr der Liebe
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Man kann sich kaum vorstellen, dass es mittlerweile schon über 100 Jahre her ist, seit die ersten Filme die Leinwand erobert haben. Und mit der Filmindustrie wurden die ersten Stars geboren. Einer davon ...

Man kann sich kaum vorstellen, dass es mittlerweile schon über 100 Jahre her ist, seit die ersten Filme die Leinwand erobert haben. Und mit der Filmindustrie wurden die ersten Stars geboren. Einer davon war Mary Pickford (ein Künstlername, denn ihr bürgerlicher Name Gladys Smith war wohl irgendwie nicht glamourös genug). Sie war neben Charlie Chaplin und Douglas Fairbanks DIE Größe im Stummfilmgeschäft und die bestbezahlte Schauspielerin ihrer Zeit. Mit Gagen von bis zu 10.000 Dollar pro Woche (!) – was auch heute noch ein stolzer Lohn wäre – schwelgte sie im Luxus. Doch so ein Leben hat auch Schattenseiten.

 

Und die beleuchtet Emily Walton in ihrem Buch über die Stummfilmlegende. Denn Mary war nicht von ungefähr so erfolgreich. Hinter ihr stand ihre strenge und zuweilen sehr übergriffige Mutter  Charlotte, die die Karriere ihrer Tochter lenkte.

Besonders problematisch wird es, als die verheiratete Mary sich in den ebenfalls verheirateten Douglas Fairbanks verliebt und eine Affäre mit ihm beginnt. Für beide ist es in diesem Moment die große Liebe, allerdings ist es im Amerika um 1920 nicht leicht, freie Bahn für die neue Beziehung zu schaffen. Scheidungen sind äußerst selten und kostspielig – im Falle der berühmten Schauspieler sind sie auch mit einem kolossalen Imageschaden verbunden.

 

Mary war immer „everybodys darling“ und versucht die Affäre mit Douglas sehr diskret zu handhaben. Aber die Presse bekommt natürlich irgendwann Wind davon und das war auch früher schon ein Haifischbecken – die Beziehung kommt ans Licht. Die beiden Noch-Ehepartner von Mary und Douglas tun ihr Übriges, um sie zu denunzieren und ihr Image zu zerstören. Eine schwierige Zeit für Mary, die sie auch ihre Filmverträge kostet. Doch die geschäftstüchtige Mary tut sich mit anderen Größen ihrer Branche zusammen und gründet mit ihnen den unabhängigen Filmvertrieb „united artists“.

 

Marys Weg wird in diesem Buch mit dem Fokus auf ihrer Beziehung zu Douglas Fairbanks beleuchtet. Als Leser bekommt man einen spannenden Einblick in die Stummfilmära und die Art der Filmproduktion damals. Das hätte ich mir aber noch etwas ausführlicher gewünscht. Wenn z. B. davon die Rede ist, dass Fotos mit Weichzeichner bearbeitet wurden, dann hätte ich gern erfahren, wie das mit den damaligen „Werkzeugen“ funktioniert hat, denn ich kann mir das irgendwie zu diesem Zeitpunkt gar nicht vorstellen.

 

Gefehlt hat mir auch ein wenig Marys „Vorgeschichte“. Ich habe bis zum Schluss nicht verstanden, was der Grund für ihre erste Ehe (mit Owen Moore) war, denn im Buch wird er als gewalttätiger Alkoholiker dargestellt und Mary bezeichnet die Ehe mit ihm von Anfang an als Fehler. Aber es muss ja einen Grund (und vielleicht auch mal Liebe) gegeben haben, sonst hätten sie ja nicht geheiratet… Da habe ich entweder etwas überlesen oder es wurde tatsächlich nicht thematisiert.

 

Dennoch ist es ein Roman zum Dahinschmelzen… die Aufbruchsstimmung in den frühen Jahren Hollywoods werden zum Leben erweckt und man bekommt einen Eindruck davon, wie es war, zum damaligen Zeitpunkt ein Star zu sein (gar nicht mal soviel anders als heute!). Die Autorin zeichnet das Bild einer Frau, die versucht ihr Leben selbst zu bestimmen und sich aus den Konventionen ihrer Zeit zu befreien – mit den Mitteln, die sie als Star ihrer Zeit hat. Emily Walton zeigt aber auch die Schattenseiten des Ruhms, die heute wie damals die Macht haben, Menschen zu zerstören. Ein lesenswerter Roman!

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