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Veröffentlicht am 21.01.2021

I am very amused!

Das Windsor-Komplott
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Die Queen, wie sie leibt und lebt. Nicht einfach einzufangen in einem Roman, gleich recht mit der ungewöhnlichen Idee, dass Her Majesty höchstselbst Verbrechen aufklärt. Nicht nur ein neuer Einfall der ...

Die Queen, wie sie leibt und lebt. Nicht einfach einzufangen in einem Roman, gleich recht mit der ungewöhnlichen Idee, dass Her Majesty höchstselbst Verbrechen aufklärt. Nicht nur ein neuer Einfall der Autorin SJ Bennett, sondern vor allem auch eine Herausforderung, denn es ist nicht einfach, eine Kriminalgeschichte mit der Queen als Detektivin zu erzählen, ohne dass es unglaubwürdig wird.

 

Und deshalb gleich vorweg: wer hier eine schrullige Miss Marple erwartet, liegt falsch. So richtig falsch. Elizabeth II. ist und bleibt Königin mit Leib und Seele – und damit äußerst diplomatisch und diskret. Sie zieht die Fäden im Hintergrund, ohne jemals aus ihrer Rolle zu fallen - genau so, wie sie es auch im wahren Leben tun würde. Und vor dieser Leistung der Autorin habe ich höchsten Respekt.

 

Der erste „Fall“ für die Queen of Crime führt tief ins Innere des königlichen Haushalts. Ein junger russischer Pianist wird nach einer Soiree auf Schloss Windsor in seinem Gästezimmer tot aufgefunden. Die Zeichen deuten zunächst auf einen unglücklichen Unfall. Doch mit einer untrüglichen Nase für Zusammenhänge hegt die Königin Zweifel. Während die Metropolitan Police sofort eine politische Schandtat Putins wittert und hektisch (und mit Scheuklappen) drauflos ermittelt, geht es die Queen erwartungsgemäß bedacht und taktvoll an.

 

Sie lässt ihre junge Privatsekretärin Rozie, die erst seit einem halben Jahr dem royalen Haushalt dient, einige kleine „Aufgaben“ erledigen. Kontakt zu alten Bekannten der Königin aufnehmen, sie zum Beispiel auf einen Drink nach Windsor einladen – um der alten Zeiten willen. Dass diese alten Bekannten zufällig auch Experten für russische oder Wirtschaftsspionage sind, muss man ja nicht erwähnen. Eine kleine beiläufige Frage zur derzeitigen Stimmung in China genügt… und bald weiß die Queen mehr als ihr Geheimdienst. Und weiß dieses Wissen wiederum äußerst geschickt einzusetzen.

 

Es ist wirklich höchst amüsant zu sehen, wie Elizabeth ganz ruhig und bedächtig, aber sehr klug die Fäden im Hintergrund zieht und damit sowohl die Polizei als auch ihre Geheimdienste zum Narren hält. Bis sie die Zeit als gekommen sieht, ihr Wissen vorsichtig an die relevanten Personen weiterzugeben – selbstverständlich, ohne dass diese auch nur ahnen, woher die Informationen kommen und sich schließlich nach der erwartungsgemäßen Aufklärung des Falles auch noch damit vor ihrer Majestät brüsten. Die wiederum Fassung bewahrt und sich die „Erfolgsgeschichte“ mit einem leisen Lächeln anhört.

 

Fazit: die Queen ist in ihrem Charakter und ihrer Vorgehensweise in diesem Krimi perfekt getroffen. Genau so würde ich erwarten, dass sie mit einem solchen Todesfall umgeht. Sie ist unbestritten die Hauptperson dieses Buches, auch wenn sie sehr umsichtig und ruhig agiert. Für kleine Schmunzler zwischendurch sorgt insbesondere Philip, der in seiner direkten und unverblümten Art immer wieder die eine oder andere Wahrheit ausspricht. Er hätte aus meiner Sicht gern noch eine etwas größere Rolle in diesem Roman haben dürfen – aber vielleicht ändert sich das ja im Folgeband, der bereits angekündigt ist für Anfang 2022. Für mich war dieses Buch jedenfalls ein königliches Vergnügen!

    

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.01.2021

Zwischen Rodelhang und Uni-Seminar – Elsa sucht ihr Glück

Elsas Glück
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 Man könnte denken, dieser Roman bietet nichts Neues und reiht sich nur ein in die mittlerweile vielen Bücher, die in den 1920er Jahren spielen und eine junge Frau als Protagonistin haben. Einerseits ...


 Man könnte denken, dieser Roman bietet nichts Neues und reiht sich nur ein in die mittlerweile vielen Bücher, die in den 1920er Jahren spielen und eine junge Frau als Protagonistin haben. Einerseits stimmt das, andererseits bietet diesor Roman eine so wunderbare Stimmung und so herzliche Charaktere, dass man sich dem einfach nicht entziehen kann.

 

Wie schon im Vorgängerband „Lottes Träume“ spielen Wintersport und die Liebe zur kalten Jahreszeit eine große Rolle, auch wenn das Buch weitestgehend in Wien spielt, wo die Winter wohl eher nicht skigeeignet sind. Ganz abzusehen davon, dass auch im Jahre 1928 der Skisport noch in seinen Anfängen steckt. Während wir im ersten Teil Lotte auf ihrem Weg begleitet haben, spielt nun ihre Tochter Elsa die Hauptrolle. Und Elsa ist eine wunderbar ambitionierte junge Frau, der zwar aufgrund ihrer wohlhabenden Familie alle Türen offen stehen, die aber dennoch mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Und das macht den Reiz dieses Romans aus. Es geht nicht um das arme Mädchen, das sich unter großen Anstrengungen hocharbeitet. Nein, hier geht es darum, dass man als gut situierte junge Frau genauso in eine Schublade gesteckt wird.

 

Elsa studiert Pädagogik und interessiert sich sehr für Kinder aus ärmeren Schichten. Sie besucht die kürzlich eingerichteten Heime, in denen Kinder untergebracht sind, die von ihren Eltern getrennt wurden, weil diese nicht für ihren Lebensunterhalt aufkommen können. Sie ist jedoch entsetzt, als sie sieht, dass die Kinder nicht psychologisch begleitet werden, ja dass ihre Auffälligkeiten noch nicht einmal hinterfragt werden. Statt dessen werden sie schnell abgestempelt und im schlimmsten Fall in Irrenhäuser verlegt.

 

Elsas Kommilitonen – in der Mehrzahl junge Sozialdemokraten aus der Arbeiterschicht – belächeln Elsa mehr, als dass sie ihren Ansatz teilen. „Wie willst denn du wissen, was in so einem Kind vorgeht, wenn du selbst mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurdest?“ argumentiert insbesondere Otto, den Elsa zwar anziehend, aber auch sehr bestimmend findet. Einzig der eher ruhige Moritz scheint ihren Antrieb und ihre Sichtweisen zumindest ein Stück weit zu verstehen. Elsa hat es nicht leicht, sich mit ihrem familiären Hintergrund im Freundeskreis zu behaupten. Doch sie bleibt hartnäckig – und findet dabei nach einigen Wirrungen auch ihre große Liebe.

 

Mir hat gut gefallen, dass parallel zu Elsas Erlebnissen auch die Geschichte ihrer Eltern, Lotte und Jakob, weitererzählt wird. Auch ihr Leben verlief nicht leicht, und Jakob kämpft nach einem Kriegstrauma gegen innere Dämonen. Ohne es zunächst zu merken, tyrannisiert er seine Familie und macht insbesondere Lotte das Leben schwer. Die Autorin lässt hier behutsam die Anfänge der Psychologie und Psychotherapie einfließen und zeigt, wie Jakob sich bemüht, sein Trauma zu bewältigen.

 

In vielen zauberhaft schön beschriebenen Szenen werden zudem der Winter und dessen schöne Seiten beschrieben, z. B. als Elsa und Lotte den Heimkindern Skiunterricht erteilen. Diese Passagen sind einfach wunderbar zu lesen und das Buch rutscht einem förmlich zwischen den Fingern durch – huch… wo sind denn die letzten 2 Stunden hin? J Und genau so muss es sein bei guter Unterhaltungsliteratur, so dass ich hier gern volle 5 Sterne vergebe und eine Leseempfehlung (für beide Bücher der Reihe) ausspreche!

  • Cover
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.01.2021

Ein Dorf ist mehr als nur Häuser, die beieinanderstehen…

Bergsalz
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Die Franzi kann gut allein sein. Die ältere Frau aus dem kleinen Dorf im Voralpenland hat ihren Garten, ihr Haus und ihren gewohnten Tagesablauf. Da passt es nicht rein, dass mittags jemand an der Tür ...

Die Franzi kann gut allein sein. Die ältere Frau aus dem kleinen Dorf im Voralpenland hat ihren Garten, ihr Haus und ihren gewohnten Tagesablauf. Da passt es nicht rein, dass mittags jemand an der Tür klingelt. Und doch passiert es. Und es ist kein Paketbote, sondern eine Nachbarin. Franzi tut – ganz gegen ihre Gewohnheit – etwas, das sie sonst nie tut: sie bittet sie herein. Und bietet ihr auch noch etwas zu essen an. Und dann klingelt es noch einmal. Und noch einmal will Franzi nicht unhöflich sein.

 

Dann sitzen sie zu dritt in der Küche und kommen ins Gespräch – so wie schon seit Jahren nicht mehr. Und sie stellen fest, dass es viel zu reden gibt zwischen ihnen. Und dass es ganz schön, ist wenn man beim Essen nicht allein ist…

 

Dieser Nachmittag ist der Beginn einer Zeitenwende im dem kleinen Voralpendorf. Die Nachbarinnen fangen an, sich regelmäßig zum gemeinsamen Kochen und Essen zu treffen. Und als es zu viele werden, die da täglich an der neuen Gewohnheit teilnehmen, muss eine größere Küche her. Wie gut, dass die Küche des „Rössle“ schon seit Jahren leer steht. Auch wenn drum herum Flüchtlinge untergebracht sind. Die kann man schließlich auch bekochen, vielleicht freuen sie sich über ein deftiges voralpenländisches Mittagessen…

 

Wie sich herausstellt, freuen sich aber auch die Dorfbewohnerinnen über ein Hirsegericht der nahöstlichen Küche. Und so entsteht eine Gemeinschaft aus einer Ansammlung von Eigenbrötlerinnen. Und es entsteht Gemeinsinn, wo vorher nur Einzelgänger waren.

 

„Bergsalz“ ist ein Roman, der irgendwie anders ist. Die Autorin schreibt (zumindest für meine Begriffe) ungewöhnlich, aber irgendwie auch sehr sympathisch. Ihre Sätze sind einerseits oft poetisch, zeichnen andererseits aber ein klares Bild des Dorfes und seiner Bewohner. Die Verschrobenheit, die die Dörfler anfangs auszeichnet, wirkt liebenswürdig. Und dann nimmt die Autorin den Leser mit auf eine Reise, die stets im Dorf bleibt und doch sehr weit führt. „Gemeinsam statt einsam“ und „alle für einen“ sind Plattitüden, aber Karin Kalisa zeigt die Entwicklung im Dorf mitfühlend und manchmal leicht melancholisch, was insbesondere in den eingeschobenen Kapiteln zur Geschichte des Einöd-Hofs deutlich wird.

 

Einzig das Ende (das ich hier nicht verraten möchte) erschien mir ein wenig zu „gekünstelt“ (ich weiß nicht recht, wie ich es ausdrücken soll). Es passte vom Schreibstil her zur Geschichte, aber irgendwie war es mir doch zu viel des Guten…

 

Fazit:
Ich gebe zu, ich hätte den Roman sicher nie gelesen, wenn ich ihn nicht als Überraschungs-Buchpost vom Verlag erhalten hätte. Aber ich bin froh, dass ich ihn gelesen habe, denn er ist etwas Besonderes!

  • Cover
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Veröffentlicht am 09.01.2021

Wo bleibt die Musik?

Im Licht der Freiheit
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Im Bukarest des Zweiten Weltkriegs setzt die Erzählung in diesem Roman an und beschreibt den harten Weg eines Waisenkindes in ein freiheitlichen Leben. Dabei wird vor allem die wechselvolle Geschichte ...

Im Bukarest des Zweiten Weltkriegs setzt die Erzählung in diesem Roman an und beschreibt den harten Weg eines Waisenkindes in ein freiheitlichen Leben. Dabei wird vor allem die wechselvolle Geschichte Rumäniens und die politische Entwicklung thematisiert.

Leider findet sich die auf dem Cover (im Untertitel) und im Klappentext geschilderte Geschichte in der Romanhandlung kaum wieder (insbesondere das Thema Musik spielt gerade keine tragende Rolle im Buch!), so dass mich die Handlung etwas enttäuscht hat. Zwar wird die politische Situation sehr eindringlich und mit starken Bildern geschildert, dennoch hatte ich eine Geschichte erwartet, die sich mehr um Natalias Liebe zur Musik dreht und um ihren Traum, Pianistin zu werden (so sagt es auch der Klappentext). Davon kommt aber in der Handlung kaum etwas vor, lediglich ihr Klavierspiel während ihrer Kindheit bei den Adoptiveltern wird ab und zu erwähnt.

Auch wenn das Buch flüssig geschrieben ist und interessante geschichtliche Einblicke bietet, kann ich daher nur 3,5 Sterne vergeben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.12.2020

Fast auf der Intensivstation...

Eingefroren am Nordpol
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Was bin ich nur für ein Weichei! Dieser Gedanke kam mir oft beim Lesen dieses Buches. Insbesondere, nachdem ich kürzlich von einem Hundespaziergang durchgefroren zurückkam, das Buch in die Hand nahm und ...

Was bin ich nur für ein Weichei! Dieser Gedanke kam mir oft beim Lesen dieses Buches. Insbesondere, nachdem ich kürzlich von einem Hundespaziergang durchgefroren zurückkam, das Buch in die Hand nahm und dort von „angenehmen“ -8 °C las. Bei mir waren 0 °C gewesen… Naja, Polarforscher ticken eben anders, dachte ich mir. Aber losgelassen hat mich das Thema nicht.

 

Denn wenn man darüber nachdenkt, mit welchem Elan und welchem Enthusiasmus die Besatzung der Polarstern ihre Expedition durchgeführt hat trotz aller Widrigkeiten (Polarnacht mit 24h Dunkelheit pro Tag, Temperaturen bis -42 Grad)… es ist einfach nur bewundernswert. Um möglichst viele Klimadaten aus der arktischen Zone sammeln zu können, dockte die Polarstern an einer großen, möglichst stabilen Scholle an und ließ sich im Arktiseis einfrieren – den ganzen arktischen Winter lang, bis das Eis das Schiff wieder freigab. Nur so konnte man Feldforschung bzw. in diesem Fall Eisforschung betreiben, die wirklich sinnvolle neue Daten erhebt und die unsere Wissenschaftler weiterbringt in der Frage, von welchen Faktoren das Klima der Arktisregion besonders abhängt, wie es sich entwickelt und leider auch in der Frage, wann mit dem großen Sterben der Arktisregion zu rechnen ist. Eins kann man jetzt schon sagen: sie ist schon fast auf der Intensivstation.

 

Markus Rex, der Expeditionsleiter von MOSAiC, wie diese Forschungsreise offiziell hieß, beschreibt eindrücklich und auch für wissenschaftliche Laien verständlich, wie ein Jahr „Eiszeit“ von statten ging. Von den immensen Vorbereitungen über den Alltag auf der Polarstern und der Scholle bis zu den interessanten, aber auch gefährlichen Eisbärbegegnungen nimmt er den Leser mit in diese rauhe, aber äußerst fragile Welt.

 

An einer Stelle seines Berichts war ich sehr bestürzt und wirklich traurig – für mich der Punkt, ab dem ich angefangen habe, darüber nachzudenken, was ich selbst im Kleinen für den Klimaschutz tun kann. Gegen Ende der Expedition erreichte die Polarstern für einige Messungen den Nordpol. Wow, dachte ich, der Nordpol, und hatte sofort das Bild einer undurchdringlichen Eiswüste mit Sturm und riesigen Schneefeldern vor Augen. Der Bericht des Forschers war ernüchternd, wenn nicht gar erschütternd: der Nordpol war durchzogen von Wasserrinnen, viel Eis war geschmolzen und trieb nur bruchstückweise im ansonsten offenen Wasser. Wenn das nicht höchst alarmierend ist, weiß ich auch nicht. Spätestens dieser Bericht hat mich aufgerüttelt. Schon jetzt gibt es im Sommer keine feste Eisdecke mehr am Pol. Auch das Wintereis verschwindet langsam und in wenigen Jahrzehnten wird der Pol wohl zumindest im Sommer komplett eisfrei sein. Was das für unsere Erde und das Wetter bedeutet, kann noch niemand voraussagen. Nur eins ist sicher: entspannter wird es nicht.

 

Deshalb möchte ich dieses Buch ganz vielen Menschen ans Herz legen. Es ist nicht hochwissenschaftlich geschrieben, sondern wirklich ein Leseabenteuer (mit wissenschaftlichen Anteilen, zugegeben). Aber um das Bewusstsein für unseren Planeten zu schärfen, ist es ein wahrer Schatz. Ich garantiere euch, ihr werdet die Welt anders sehen nach der Lektüre dieses Buchs. Ihr werdet vielleicht ein wenig sensibler sein für das Wohl unserer Erde – und dieses Gefühl sollte möglichst viele Menschen erreichen. Deshalb: unbedingt lesen!

 

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