Sehr atmosphärisch
Fünf FremdeRomy Fölck zählt zu meinen Lieblingsautorinnen, ich liebe ihre Elbmasch-Krimis und habe mich schon sehr auf ihren neuen Thriller gefreut. Sie schreibt atmosphärisch und bildhaft, der literarische Ausflug ...
Romy Fölck zählt zu meinen Lieblingsautorinnen, ich liebe ihre Elbmasch-Krimis und habe mich schon sehr auf ihren neuen Thriller gefreut. Sie schreibt atmosphärisch und bildhaft, der literarische Ausflug auf die nur drei Quadratkilometer kleine Insel Neuwerk im Wattenmeer hat mir gut gefallen.
Zunächst möchte ich auf die wunderschöne Aufmachung des Buches mit dem Farbschnitt in der Farbe einer stürmischen See hinweisen. Sehr hilfreich ist die Auflistung der fünf titelgebenden Fremden im vorderen Innenteil des Schutzumschlags: Polizeikommissarin Annika Lundt, die Nonne Charlotte Hahnel, der Meteorologe Mats Nilsson, die angehende Vogelwartin Michelle Welm und Sinje Bianchi, eine Journalistin aus Rom.
Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht der fünf Charaktere auf zwei Zeitebenen geschrieben: Im Oktober 2025 und August 1995.
Im August 1995 verbringt eine Schulklasse aus Hamburg eine Woche im Schullandheim auf der Insel Neuwerk. Isa, Janosch, Mats und Bea verbringen viel Zeit miteinander, bald stößt Annika zu ihnen. Sie ist eine der wenigen Bewohner*innen der Insel. Isa ist in Janosch verliebt und unglücklich darüber, dass dieser sich zu Annika hingezogen fühlt. Die fünf planen eine Umweltaktivität, und in der Nacht, in der sie diese durchführen wollen, verschwinden Janosch und Isa.
Charlotte begleitet die Schulklasse als ihre Lehrerin. Nach dem Verschwinden der beiden Dreizehnjährigen macht sie sich schwere Vorwürfe und setzt die Suche nach ihnen fort, nachdem die anderen die Suche bereits aufgegeben haben. Und tatsächlich findet sie Isa, die jedoch total verstört ist und über die Ereignisse der Nacht und Janoschs Verbleib schweigt.
2025 taucht ein Skelett auf der Insel auf, und Annika, die außer Dienst und auf der Insel nur zu Besuch bei ihrer demenzkranken Mutter ist, informiert ihre Kollegen, die die Ermittlungen aufnehmen.
Romy Fölks Schreibstil konnte mich wieder begeistern, die Atmosphäre auf der Insel, im Leuchtturm, auf dem Friedhof der Namenlosen und die stürmische Nacht im Watt hat mir Gänsehaut beschert. Als Thriller würde ich diesen atmosphärischen Roman jedoch nicht bezeichnen.
Einer meiner Kritikpunkte bezieht sich auf die Auflösung, die ich konstruiert und unglaubwürdig fand, vor allem die Tabletten, die im Imbiss ausgetauscht wurden. Wer hat schon seine Tabletten immer in der Handtasche dabei und merkt nicht, wenn der Blister ausgetauscht wird?
Mein zweiter Kritikpunkt betrifft die vielen Charaktere, die nicht alle vonnöten waren. Gerne hätte ich Annika bei einem weiteren Fall begleitet, doch das Buch ist in sich abgeschlossen. Ich habe Fünf Fremde gern gelesen, vergebe vier Sterne und empfehle euch das Buch gerne weiter.