Der erste Fall für de Cavallier und Bentaleb - gelungener Auftaktband
Léon und die Frau im blauen KleidAlexander Oetker präsentiert das neue Ermittlerteam an der Côte d’Azur: Commissaire Léon de Cavallier, adeliger Leiter der Brigade criminelle von Nizza, nie unterwegs ohne Ferrari und Maßanzug und Commissaire ...
Alexander Oetker präsentiert das neue Ermittlerteam an der Côte d’Azur: Commissaire Léon de Cavallier, adeliger Leiter der Brigade criminelle von Nizza, nie unterwegs ohne Ferrari und Maßanzug und Commissaire Nadia Bentaleb, zuletzt im Einsatz in der Banlieue, nie unterwegs ohne ihre Kawasaki und ihre Lederjacke.
Diese ersten Infos sind absolut treffend. Beide sind sie erfahrene Commissaire, beide sind sie durchsetzungsstark, beide leben sie für ihren Beruf, auch wenn auf den ersten Blick der Anschein nach außen hin zuweilen trügt.
Zunächst erwartet mich auf der aufklappbaren Cover-Innenseite eine Karte mit den Orten, in denen sich die Ermittlungen um den Leichenfund an der Promenade des Anglais bewegen - ein erster Pluspunkt dieses Côte d’Azur-Krimis, der neben den kriminalistischen Elementen und den gar köstlichen Dialogen der beiden Hauptakteure noch mehr zu bieten hat wie etwa die reizvolle Umgebung oder auch die Dekadenz der Reichen und Schönen mitsamt der kontrastierenden Drogenkriminalität in den sozialen Brennpunkten Nizzas.
„Frauenleiche, Anfang zwanzig. Wurde angespült. Ihre neue Kollegin ist schon vor Ort…“ Die Worte des Gendarmen haben Léon de Cavallier eiskalt erwischt. Mit einem Gefühl, das ihm Gänsehaut verursacht, sieht er eine junge Frau mit dunkelbrauner Haut - Nadia Bentaleb.
Das erste Zusammentreffen des zukünftigen Ermittlerduos fällt frostig aus, Léon gibt gleich mal den Macho, den versnobten Spross aus reicher, aus adeliger Familie. Seine neue Partnerin dagegen ist der genaue Gegensatz. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in den Pariser Banlieues weiß sie sich durchzusetzen, was sie alsbald unter Beweis stellen muss. „Ich weiß noch nicht, was das mit Ihnen beiden wird, aber ich kann mir vorstellen, dass es richtig gut wird. Oder es explodiert, und er wirft Sie sofort wieder raus. Alles ist möglich.“ Schon die erste Einschätzung eines Kollegen spricht Bände.
Es dauert schon ne ganze Weile, bis sie sich zusammenraufen. Wobei gefühlt Nadja an Léons Snobismus schwer zu knabbern hat, sie aber es versteht, ihn mit Witz und einer gehörigen Portion Abgeklärtheit zu nehmen, ihre Pariser Vergangenheit hat sie gelehrt, mit den unterschiedlichsten Charakteren zurechtzukommen und nicht nur das, ihnen auch Paroli zu bieten. Und damit punktet sie bei Léon, der trotz seiner zur Schau gestellten Überheblichkeit alsbald weiß, dass er in ihr eine starke, eine verlässliche Partnerin hat.
Der wendungsreiche Krimi führt in die High Society und in Nizzas Brennpunktviertel und auch ins Fürstentum Monaco. Es bedarf einer Sondererlaubnis, um auf monegassischem Boden zu ermitteln, was sich auch hier als Hürde erweist, die jedoch Léon zu umgehen weiß. Er kennt die Gepflogenheiten vor Ort, geht so besonnen wie trickreich mit den Verdächtigen um, die sich im mondänen Fürstentum sicher und dank ihres Reichtums unangreifbar wähnen. Der Umgang mit den harten Jungs dann ist für Nadia lang erprobter Alltag, was Léon zuweilen staunen lässt. Ich meine, die ersten Hürden ihrer Zusammenarbeit dürften sie souverän gemeistert haben.
Der erste Fall für Léon und Nadia macht Lust auf mehr, die beiden Commissaires haben mich bestens unterhalten, die Auflösung dann hat mich verblüfft, ist aber in sich stimmig. Den nächsten Fall, der am 5. Mai 2027 erscheint, lasse ich mir nicht entgehen, ich werde pünktlich anreisen.