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Veröffentlicht am 21.12.2020

Zwei Schwestern, das erste Kinderkrankenhaus in Berlin, eindrucksvoll erzählt

Kinderklinik Weißensee - Zeit der Wunder (Die Kinderärztin 1)
1

Der sechste Geburtstag von Marlene sollte ein schöner, fröhlicher Tag werden. Mit Emma, ihrer kleinen Schwester isst sie ganz viel Streuselkuchen, als Mama sich zusammenkrümmt und stirbt. Zwei ...

Der sechste Geburtstag von Marlene sollte ein schöner, fröhlicher Tag werden. Mit Emma, ihrer kleinen Schwester isst sie ganz viel Streuselkuchen, als Mama sich zusammenkrümmt und stirbt. Zwei kleine Mädchen – plötzlich ganz alleine. Sie wollen auf gar keinen Fall ins Waisenhaus, aber genau da verbringen sie zwölf Jahre ihres noch so jungen Lebens. Eine Ausbildung als Kinderkrankenschwester bietet ihnen dann die Chance zusammenzubleiben, aufeinander aufzupassen. Es geht hier streng zu, wobei die beiden sich leichter unterordnen können als die verwöhnten Töchter aus gutem Hause. Hanny Polsfuß, die Oberin, führt die Elevinnen mit eiserner Hand, Disziplin und Gehorsam wird vorausgesetzt. Marlene und Emma müssen sich erst beweisen, die Polsfuß verordnet ihnen eine zweimonatige Probezeit. Bald spricht sich herum, dass die Schwestern vom Waisenhaus kommen und sie werden dementsprechend herablassend behandelt. Der adelige Assistenzarzt Maximilian von Weilert erkennt Marlenes Fähigkeiten, die beiden verlieben sich, was aber nicht jedem und jeder gefällt.

Mit dem ersten Teil der „Kinderklinik Weißensee – Zeit der Wunder“ führt Antonia Blum ins Berlin von 1911 - zurück in eine Welt voller Standesdünkel. Es ist erst gut hundert Jahre her und doch war es eine ganz andere Zeit. Der Mann war derjenige, der das Sagen hatte, Frauen hatten zu dienen. Adelig geboren hieß, eine gute Partie zu machen. Als erstgeborenes Mädchen verschrieb man sich in diesen Kreisen den Idealen des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz, die nachgeborenen Mädchen wurden standesgemäß verheiratet. Die Linie musste fortgesetzt werden. Gefühle? Darauf kam es nicht an.

Die Anfänge der Kinderheilkunde als eigene Fachrichtung, die Pädiatrie, wird hier sehr anschaulich und gut lesbar dargestellt. Bis dahin wurden kranke Kinder wie kleine Erwachsene behandelt. „Der Arzt als Erzieher des Kindes“ ist aus heutiger Sicht wohl nicht mehr nachvollziehbar. Engagierte Ärzte und gut geschulte Rotkreuzschwestern nehmen den Leser mit in diese ganz eigene Welt. Marlene und Emma gehen jede für sich ihren Weg, die eine träumt davon, eines Tages als Kinderärztin zu wirken, während die andere ganz in ihrer Rolle als Kinderkrankenschwester aufgeht. Es begegnen ihnen strenge, wohlwollende, ehrliche und hinterhältige Menschen auf ihrem nicht immer leichten Weg.

Dieses Buch konnte ich nur schwer aus der Hand legen. Die Geschichte um die beiden Schwestern ist voller Leben, sehr einfühlsam erzählt. Den zweiten Teil „Die Jahre der Hoffnung“ sehne ich herbei, möchte mit den so vertrauten Personen weitergehen.

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Veröffentlicht am 17.12.2020

(K)ein Sommerkrimi

Ein Sommer in Cassis
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Sommer, Sonne, Unbeschwertheit. Dazu ein Kriminalkommissar, der endlich in Südfrankreich seinen wohlverdienten Urlaub genießen will. Eine Wasserleiche kommt ihm dazwischen. Er, ganz Polizist, kann so gar ...

Sommer, Sonne, Unbeschwertheit. Dazu ein Kriminalkommissar, der endlich in Südfrankreich seinen wohlverdienten Urlaub genießen will. Eine Wasserleiche kommt ihm dazwischen. Er, ganz Polizist, kann so gar nicht verstehen, dass die Franzosen von einem tragischen Unglücksfall ausgehen. Deutet doch alles auf ein Verbrechen hin. Als dann eine zweite Tote wiederum lapidar als Suizid abgetan wird, muss Jan, der deutsche Kommissar, wohl selber ermitteln.

Ein etwas holpriger Schreibstil, über den ich dann hinweggesehen habe, wollte ich doch einen leichten Sommerkrimi lesen. Der Anfang ließ sich noch einigermaßen gut an, aber je weiter ich las, desto mehr war mir der Ursprung abhanden gekommen. In weiten Teilen waren das Liebschaften in der Konstellation älterer Mann – junge, begehrenswerte, sehr hübsche Frau, ausführlich abgehandelt. Der Held war wohl der Hahn im Korb. Es war viel die Rede von Prostitution, von einer Konkubine, die des Nachts eingesperrt um Aufmerksamkeit bettelt, kurz: Ein Lotterleben vom Feinsten. Und ganz nebenbei wurde dem Verbrechersyndikat das Handwerk gelegt.

„Ein Sommer in Cassis“ ist für mich vieles, aber ein Krimi ist es nur bedingt. Gestört hat mich das Geplänkel drumherum. Nichts Halbes und nichts Ganzes.

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Veröffentlicht am 17.12.2020

Leben mit dem Virus

Die Krone der Schöpfung
1

Experten sind wir alle, durchleben wir doch genau diese Corona-Zeit, von der und über die Lola Randl in „Die Krone der Schöpfung“ erzählt.

Das neue Virus breitet sich im Frühjahr 2020 aus, keiner entkommt ...

Experten sind wir alle, durchleben wir doch genau diese Corona-Zeit, von der und über die Lola Randl in „Die Krone der Schöpfung“ erzählt.

Das neue Virus breitet sich im Frühjahr 2020 aus, keiner entkommt ihm. Die Autorin lebt auf dem Dorf, auch hier ist es angekommen. Abstand halten, Hände waschen, desinfizieren und daheim bleiben ist angesagt. Homeschooling – wie regelt man das hier am besten?

Zunächst musste ich mich in das Buch, in ihren ganz eigenen Erzählstil einfinden, über ihre teils doch sehr absonderlichen Gedankengänge mich des Öfteren wundern. Sie erzählt mitunter gewollt naiv von den ganzen Eigenheiten, wie leichtfertig sie zuweilen mit dem Virus umgeht. In wunderlich anmutenden Szenen hält sie uns bisweilen einen Spiegel vor. Augenzwinkernd erfahre ich so manche Anekdote, als das Virus ihr Leben eroberte. Ihren Alltag mit dem Mann und den Kindern, dem Liebhaber und der Dorfgemeinschaft mit den Zugezogenen, ihren doch recht rigorosen Umgang mit der Mutter, die ganze Unsicherheit, verpackt Lola Randl in Ironie.

Ein schmales Buch mit erstaunlich viel Inhalt, für das man sich Zeit nehmen sollte. Neben Corona ist eine Zombiegeschichte immer mal wieder dazwischen geschoben, viele Anekdoten, für den Moment kurz angerissen und lose in sehr kurzen Kapiteln über die Seiten verteilt, verlangen schon Aufmerksamkeit.

Ein sehr aktuelles Thema, witzig und ironisch, zu weilen flapsig erzählt, für mich in diesen schnellen Wechseln etwas zu chaotisch.

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Veröffentlicht am 16.12.2020

Langatmige Geschichte über eine interessante Frau

Grace. Das Mädchen mit den weißen Handschuhen
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Die Hollywood-Prinzessin und der echte Prinz: Gefreut habe ich mich auf eine Art Roman-Biographie mit fiktiven Elementen. Gelesen habe ich aber etwas ganz anderes. Ein amerikanisches Mädchen aus wohlhabender ...

Die Hollywood-Prinzessin und der echte Prinz: Gefreut habe ich mich auf eine Art Roman-Biographie mit fiktiven Elementen. Gelesen habe ich aber etwas ganz anderes. Ein amerikanisches Mädchen aus wohlhabender Familie, die ihren Traum von der Bühne verwirklicht. Soweit, so gut. Ihr Weg dahin ist fast ausschließlich beschrieben mit irgendwelchen Liebschaften. Die eine oder andere Geschichte mag ja noch angehen, aber ganze Kapitel langatmig damit zu füllen, ist weder interessant noch hat es eine Bedeutung. Ihre Arbeit am Theater, ihr Ehrgeiz und später dann ihre Filme, bekannte Kollegen, Hitchcock. Dies alles ist angerissen, kommt aber viel zu kurz.

Grace Kelly, die spätere Fürstin Gracia Patricia von Monaco: Bis es soweit war im Buch, musste ich lange warten. Was ich dann zu lesen bekam, war zunächst der komplett erfundene Briefwechsel zwischen ihr und Rainier und später dann ihre devote Rolle als Ehefrau. Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt, aber so habe ich die Bilder von damals nicht in Erinnerung. Rainier hat in seiner Zeit das Fürstentum zu sehr viel Glanz verholfen und Gracia Patricia hatte einen entscheidenden Anteil daran. Sie war eine strahlende, selbstsichere Frau, musste sich in ihre Rolle natürlich erst einleben, die französische Sprache perfekt lernen, um die nötige Sicherheit zu gewinnen. Gefreut hätte ich mich, mehr von ihrer Arbeit als Repräsentantin zu lesen, die ihre wohltätigen Aufgaben erfüllt und von den Monegassen durchaus geschätzt und geliebt wurde.

Das Buch habe ich zwischendurch weggelegt, was ich sonst eher nicht mache. Das Leben von Grace bestand bestimmt nicht überwiegend aus totalen Belanglosigkeiten. Es plätschert so dahin, sagt nichts aus. Natürlich gibt es in jedem Leben diese Phasen, aber müssen die so endlos beschrieben werden?

Grace. Das Mädchen mit den weißen Handschuhen hat mich so gar nicht überzeugt. Große Literatur habe ich nicht erwartet, doch aber kurzweilige Episoden aus ihrem Leben sowohl als Schauspielerin als auch als Fürstin von Monaco. Dieses Buch wird ihr leider nicht gerecht.

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Veröffentlicht am 13.12.2020

Emotional, ergreifend, sehr lesenswert

All die ungelebten Leben
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Ein zu Herzen gehendes Buch, ein ernstes Thema, das mich tief bewegt. Michaela Abresch trifft den genau richtigen Ton. Es ist die Geschichte dreier Schwestern, vor zwanzig Jahren ging jede ihren eigenen ...

Ein zu Herzen gehendes Buch, ein ernstes Thema, das mich tief bewegt. Michaela Abresch trifft den genau richtigen Ton. Es ist die Geschichte dreier Schwestern, vor zwanzig Jahren ging jede ihren eigenen Weg. Sie wollten nichts mehr miteinander zu tun haben, waren mit ihrem neuen Leben beschäftigt. Und dann schreibt Jane, die Jüngste, an Selma und Mascha je einen Brief. Bittet sie zu kommen ins Sommerhaus ihrer Tante Gitte.

Dieses eindringliche Buch setzt viele Gefühle frei. Liebevoll, mit ganz viel Gespür erzählt, erlebe ich die Charaktere. Es ist der nahe Tod, um den herum sich diese Geschichte rankt. Jane hat Krebs und hier habe ich das erste Mal vom Sterbefasten gelesen, mich damit näher beschäftigt. Sehr einfühlsam, jedoch ohne Sentimentalität folge ich Jane, die ihr Schicksal annimmt und akzeptiert. Es sind aber keine düsteren Gedanken, die von denen ich erfahre. Auch wenn ich zunächst ein bisschen zögerlich war, weil das Sterben nun mal nicht in unser Weltbild gehört. Obwohl genau dies für jeden von uns unumgänglich ist. Zumindest verdrängt man diesen letzten Weg allzu gerne. Umso überraschter war ich vom Schreibstil, von der so angenehmen Erzählweise.

„All die ungelebten Leben“ macht sehr deutlich, dass es Mut braucht, sich der Vergangenheit zu stellen, auch unangenehmes auszusprechen. Nur so lassen sich die entstandenen Barrieren abbauen, ja einreißen. Alles, was wir tun, betrifft auch andere. Schweigen oder sich der Wahrheit stellen – was ist besser?

Am Ende des Buches angelangt habe ich Parallelen zu meinem Leben gesehen. So oder so ähnlich läuft es nun mal ab. Ohne falsche Distanz erlebe ich in dieser Geschichte viel positives Miteinander und erfahre, dass es sehr wohl möglich ist, über die Vergangenheit zu sprechen. Und - der Tod gehört zum Leben, unausweichlich.

Ein ernstes Thema, behutsam erzählt. Mit jeder Zeile, jedem Wort fühlte ich mich gut eingebettet, ging sehr gerne ein Stück des Weges mit Jane und den ihren. Ich kann dieses Buch jedem, wirklich jedem wärmstens empfehlen. Es lohnt sich.

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