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Veröffentlicht am 03.05.2026

Lebensgeschichten

Die Straße
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Wie das Leben eben ist. So könnte man DIE STRASSE in Kurzfassung beschreiben. Die Heidestraße. Sie ist irgendwo am Rande einer unbenannten Stadt.

Robert Seethaler erzählt in kurzen Episoden von den Leuten, ...

Wie das Leben eben ist. So könnte man DIE STRASSE in Kurzfassung beschreiben. Die Heidestraße. Sie ist irgendwo am Rande einer unbenannten Stadt.

Robert Seethaler erzählt in kurzen Episoden von den Leuten, die hier leben. Von den Bewohnern im Altenheim etwa und auch von dem Jungen mit der Steinschleuder, der die Tauben ins Visier nimmt. Ein anderer will Bücher vor dem Verfall retten, er eröffnet in einer ehemaligen Kohlenhandlung ein Buchantiquariat. Es sind alte, staubige Bücher und auch weiß man um den Kohlenstaub, der sich mit den Jahren in den Räumen abgesetzt hat. Es sind die Sorgen der kleinen Leute, deren Hoffnungen und Sehnsüchten Seethaler nachspürt. Der ganz normale Alltag eben in all seinen Facetten ist es mit den Bewohnern, die alle ein wenig wie entrückt wirken…

…was Matthias Brandt als Sprecher dieser ungekürzten Hörbuchfassung (4 Stunden und 9 Minuten) dann doch gerade gerückt hat. Er macht diese Straße mitsamt seiner Bewohner lebendig. Ihn schätze ich sehr, er brilliert in jeder seiner Rollen und auch hier gibt er jedem einzelnen der hier beschriebenen Charaktere seine ganz besondere Note.

Es sind viele Schicksale, die Seethaler in einem ruhigen, unaufgeregten Ton präsentiert. Alltagsgeschichten, wie jeder sie kennt oder von denen man zumindest gehört hat. Kurze Momentaufnahmen, die jede für sich steht, in Seethalers Straße sind sie alle zu finden.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Beklemmendes Zukunftsszenario

Ins fahle Herz des Sommers
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Andreas Eschbach nimmt sich in seinem neuesten Roman INS FAHLE HERZ DES SOMMERS eines düsteren Zukunftsszenarios an, das angesichts des nicht zu leugnenden Klimawandels gar nicht so abwegig ist.

Fausto ...

Andreas Eschbach nimmt sich in seinem neuesten Roman INS FAHLE HERZ DES SOMMERS eines düsteren Zukunftsszenarios an, das angesichts des nicht zu leugnenden Klimawandels gar nicht so abwegig ist.

Fausto lebt als einer der wenigen noch verbliebenen Menschen in einem Ort, der weitgehend ausgestorben ist. Ein Pfarrer, eine alte Frau und eine Farmerfamilie sind noch da. Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel, Fausto hat sich in dem nicht sehr viel kühleren Keller eingerichtet. Seine Suche nach zurückgelassener Nahrung betreibt er akribisch, ein alter Kühlschrank dient dank Sonnenenergie für kühles Wasser, das zunehmend knapp wird.

Die meisten der Dorfbewohner haben sich in den kälteren Norden aufgemacht, Ansichtskarten zeugen von ihrem dort sehr viel angenehmeren Leben.

Als eines Tages eine junge Frau in Faustos Nachbarhaus erzieht, nimmt er Kontakt zu ihr, zu Valérie, auf. Ihr scheint die Hitze nichts auszumachen, jedoch trägt sie ein Geheimnis in sich, das Fausto erst sehr viel später erkennt.

Das Buch lebt von Überspritzungen, nichts anderes ist zu erwarten. Und doch zeigt es auf erschreckende Weise, wohin die Welt sich bewegt. Das Thema ist allgegenwärtig, die globale Erderwärmung geht einher mit extremen Wetterereignissen. Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt, die Folgen für die Menschheit sind deutlich spürbar. Hier ist es die unerträgliche Hitze, die Ernten vertrocknen und das Wasser verdunsten, die der Menschheit keinen Raum zum Leben lässt. Ein „beklemmendes Gedankenexperiment“, das nachdenklich stimmt.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Spannend

The Final Wife
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„So viel Blut…“ Der Schönheitschirurg Luke Whitney liegt am Boden, neben ihm kniet Anna, seine Ehefrau. Sie versucht, die Blutung zu stoppen, was ihr aber nicht gelingt. Den Notruf hat sie abgesetzt, sowohl ...

„So viel Blut…“ Der Schönheitschirurg Luke Whitney liegt am Boden, neben ihm kniet Anna, seine Ehefrau. Sie versucht, die Blutung zu stoppen, was ihr aber nicht gelingt. Den Notruf hat sie abgesetzt, sowohl Rettung als auch die Polizei sind alsbald da, für Luke jedoch kommt jede Hilfe zu spät. Als Detective Rebecca Dance und Derek Matthews, ihr unmittelbar Vorgesetzter, in der Villa eintreffen, finden sie eine aufgelöste Ehefrau, die sich selbst beschuldigt, ihren Ehemann erstochen zu haben. Was aber Rebecca seltsam vorkommt, so einige Indizien sprechen gegen sie als Täterin. Und doch bleibt sie dabei, sie wird in U-Haft genommen.

Eine Geschichte über die Umstände eines Todes, über Verrat und befremdlichen Spielchen, die Menschen miteinander und gegeneinander treiben, breitet sich vor mir aus. Da ist Anna, die zweite Ehefrau des Opfers. Ich erfahre von ihrem Kennenlernen, weiß um Rose, Lukes erster Frau und um noch so einige, die hier kräftig mitmischen. Jenny Blackhurst nimmt ihre Leser mit in die Welt der Reichen und Schönen, sie lässt dabei in tiefe Abgründe blicken. Es ist ein gar raffiniert inszeniertes Drama, das immer mehr Raum einnimmt.

Detective Rebecca Dance ist von Anfang an nicht von Annas Schuld überzeugt, ihre Vorgehensweise und Annas Bericht um das Geschehene wird wechselseitig erzählt, zwischendurch kommen auch andere zu Wort wie etwa Rose, um nur eine weitere Stimme zu nennen.

Wie von der Autorin nicht anders erwartet, bin ich sofort dabei, ich fiebere der Aufklärung entgegen, kann mir aber nicht erklären, wie es denn wirklich zu der Tat hat kommen können. Die Frage, ob Anna denn wirklich die Mörderin ihres Ehemannes ist, ist allgegenwärtig. Denn genau dies wird von Rebecca angezweifelt. Geht es um Liebe? Oder eher um Betrug und Rache? Ein Szenario, meisterlich inszeniert, das nicht zu durchschauen ist. Was mir allerdings nicht gefallen hat, war die Auflösung des Ganzen. Dieser Schluss passt nicht recht zu diesem perfiden Spiel – er war mir zu konstruiert. Davon abgesehen war THE FINAL WIFE beste Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

La Portalettere

Die Briefträgerin
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Anna und Carlo lernen sich im Norden Italiens kennen und lieben, sie gründen eine Familie und bald darauf vermacht Carlos Onkel Luigi ihnen alles. Land, Häuser und ein hübsches Sümmchen. Darum gehen sie ...

Anna und Carlo lernen sich im Norden Italiens kennen und lieben, sie gründen eine Familie und bald darauf vermacht Carlos Onkel Luigi ihnen alles. Land, Häuser und ein hübsches Sümmchen. Darum gehen sie weg aus Ligurien, aus Annas Heimat, um in Lizzanello, das in der süditalienischen Region Apulien liegt, neu anzufangen. Carlo ist hocherfreut, endlich wieder in seiner alten Heimat zu sein, auch heißt sein Bruder Antonio ihn und seine Anna herzlich willkommen. Für die Bewohner des Dorfes jedoch ist Anna die Fremde.

Francesca Giannone erzählt vom Leben ihrer Urgroßmutter Anna Allavena, deren Leben sie in Briefen, Fotos und Dokumenten nachspürt, die sie eher zufällig im Haus ihrer Eltern in einer Schublade entdeckt hat. Von Anna, einer Frau, die sich von der männerdominierten Gesellschaft nicht von ihren Zielen hat abbringen lassen.

Im Juni 1934 kommen Anna und Carlo mit ihrem kleinen Roberto in Lizzanello an und wie es so ist im Leben, wird Anna kritisch beäugt. Nicht nur von denen aus dem Dorf, auch Agata, ihre Schwägerin, tritt ihr gegenüber ziemlich reserviert auf. Was Anna nicht davon abhält, ihre eigenen Ideen durchzusetzen. Daheim war sie Lehrerin, hier ist eine Stelle als Briefträger vakant, also bewirbt sie sich. Signora Portalettere ist zunächst zu Fuß, später dann mit dem Fahrrad unterwegs.

Neben der Familie sind es doch so einige Personen, die gut eingeführt werden, sodass der Überblick nicht verloren geht, auch schwingt der beginnende Faschismus mit hinein, Annas Leben mit ihrer Familie und jenes im Dorf jedoch stehen im Vordergrund. Sie ist ihrer Zeit weit voraus, sie ist eine selbstbestimmte Frau, die sich auch für andere einsetzt, die der Engstirnigkeit der Dorfbewohner, die im Gestern verharren, die ihre Vorurteile pflegen, unerschrocken entgegentritt. Da ist etwa Giovanna, die als die Verrückte gilt, dabei hatte sie nie eine Chance, Schreiben und Lesen zu lernen. Annas Idee von einem Frauenhaus stößt im Dorf auf Unverständnis, eine lebenslange Lüge droht, viel Leid nach sich zu ziehen – das Buch ist so viel mehr als „nur“ die Geschichte um Signora Portalettere.

Es ist ein Zeugnis jener Zeit, ein Blick auf die Gesellschaft, auf die Dorfgemeinschaft und auf die Liebe - auch sie zieht sich durchs Buch, nicht nur jene zwischen Anna und Carlo. Vom Sommer 1934 bis in dem August des Jahres 1961 hat dieser Roman eine schier unendliche Fülle an Leben parat, das mit leisem Ton, aber dennoch übervoll von einer unerschrockenen Frau erzählt, die stets für andere da ist, sich vor sie stellt und nicht müde wird, für deren Belange zu kämpfen. Ja, Anna hat die Hosen an, auch im wörtlichen Sinne, was damals ziemlich skandalös war. Das Buch, die Geschichte um DIE BRIEFTRÄGERIN, hat mich tief bewegt. Ich habe das Buch genossen, es entwickelt seinen ganz besonderen Reiz, dem ich mich nicht entziehen konnte und es auch nicht wollte. Ein absolut empfehlenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 28.04.2026

Ein Thriller der Extraklasse

Das Gesetz der Elite
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Das Ermittlerduo Colomba Caselli und Dante Torre habe ich bis vor kurzem nicht gekannt. Nun aber, da ich DAS GESETZ DER ELITE innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe, bin ich ob der Andersartigkeit ...

Das Ermittlerduo Colomba Caselli und Dante Torre habe ich bis vor kurzem nicht gekannt. Nun aber, da ich DAS GESETZ DER ELITE innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe, bin ich ob der Andersartigkeit dieser Charaktere von ihnen und ihrem Schöpfer, dem italienischen Krimiautor Sandrone Dazieri, sehr angetan. Dieses Buch ist der Auftakt einer neuen Reihe, untertitelt mit „Ihr Reichtum ist ihr Untergang“.

Das dem Geschehen vorangestellte Personenverzeichnis stellt mir die Charaktere in Kurzform vor, allen voran sind es die beiden Hauptfiguren Colomba Caselli, die ehemalige Vizepolizeidirektorin, und der als Amateurkriminalist beschriebene Dante Torre, denen ich durch diesen absolut spannenden Thriller folge.

Der erste von drei Teilen dieses Buches führt mich in die Jungla Urbana, in ein Hochhaus, in dem Diskretion, Exklusivität und absoluter Schutz der Bewohner gewährleistet ist. Der Ex-Fußballstar Jesús Martínez besitzt einen dieser Wohnkomplexe, ausgestattet mit einer Kryosauna, die Martínez zum Verhängnis wird. Er wird in seiner Kältekammer tot aufgefunden und da ein technischer Defekt unwahrscheinlich ist, wird Colomba in ihrer Funktion als Privatdetektivin beauftragt, die Umstände um seinen Tod zu ergründen. Dante stets an ihrer Seite. Es bleibt nicht bei diesem einen mysteriösen Todesfall, bald sind weitere zu beklagen, alle gehören sie zu dem Superreichen.

TÖTE DIE REICHEN ist der Slogan, der sich hinter den Morden herauskristallisiert und trotzdem sie sich alle mit reichlich Bodyguards umgeben, findet der Rächer ungehindert Zugang zu seinen Opfern. Es sind aggressive Mächte am Werk, die vor nichts zurückschrecken.

Caselli und Torre sind mir – trotzdem ich ihnen zuvor noch nicht begegnet bin – bald vertraut. Sie harmonieren auf ihre ganz eigene, für Außenstehende eher untypisch wirkende Art, sie kennen sich in- und auswendig. So dann und wann fließen Infos über sie beide und explizit über Dantes Leben mit ein, zwar spärlich, aber doch ausreichend, um ihn einordnen zu können. Den Mann aus dem Silo.

Der Thriller ist hart, ja brutal mit immer neuen Wendungen. Sowas wie Bekennerschreiben tauchen auf, von den Superreichen und deren Wunsch nach ewigem Leben ist die Rede, von Schuld, die sie auf sich geladen haben, von Verschwörung und deren Theorien schreibt einer, der sich gegen diese Elite stellt. „Ein Psychopath mit Größenwahn?“

Die Ermittlungen spitzen sich zu, der durchgehend hochspannende Thriller fesselt ungemein. Auch wenn die Welt der Superreichen mir verschlossen bleibt, so war ich doch sehr gerne deren stiller Beobachter, nicht zuletzt wegen der beiden unkonventionell arbeitenden, aber dennoch hochprofessionellen Hauptakteuren Colomba und Dante. DAS GESETZ DER ELITE - ein Thriller der Extraklasse. „Ihr Reichtum ist ihr Untergang“.

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