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Veröffentlicht am 03.02.2026

Ein fader Nachgeschmack bleibt

Hazel sagt Nein
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„War er einer dieser engagierten Lehrer, die für ihren Beruf lebten, die das Leben eines Schülers verändern konnten, ihn inspirierten, das Beste aus sich zu machen? Ein Lehrer, den man nie vergaß? Oder ...

„War er einer dieser engagierten Lehrer, die für ihren Beruf lebten, die das Leben eines Schülers verändern konnten, ihn inspirierten, das Beste aus sich zu machen? Ein Lehrer, den man nie vergaß? Oder war er total grenzüberschreitend?“

„Hazel Blum, bitte beim Direktor melden.“ Es ist ihr erster Tag in dieser Schule und noch bevor es richtig los geht, wird sie schon ins Direktorat gerufen, was ihr so gar nicht ins Konzept passt. Ein Empfehlungsschreiben für das Vassar könnte er ihr geben, er kennt jemanden im Zulassungskomitee. Er kommt ihr näher, zu nahe, seine Finger kann er nicht bei sich behalten. Jedes Jahr pickt er sich eine Schülerin der Abschlussklasse heraus, mit der er eine sexuelle Beziehung eingeht und dieses Jahr gebührt ihr die Ehre. Hazel sagt Nein.

Kann es wirklich sein, dass keine dieser Schülerinnen ihn in den Jahren zuvor abgewehrt hat? Und auch ist mir unverständlich, dass dieser Umstand von Abhängigkeiten nie publik wurde. Das sind meine Gedanken, nachdem ich die ersten Seiten gelesen habe. Zwei mögliche Szenarien könnten daraus folgen. Der Ruf des Schuldirektors Richard White ist zerstört oder aber Hazel wird als Lügnerin abgestempelt.

Für mich ist das eindeutig sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen und auch ist es wenig glaubhaft, dass dieser Richard White in seiner Funktion als Direktor und Lehrer damit durchkommt. Er sagt es ja ganz offen, was er von ihr erwartet und was sie dafür von ihm bekommt. Zudem droht er ihr, ihre schulische Laufbahn zu blockieren, sollte sie ihm nicht zu Willen sein. Hazel wird als kluge junge Frau dargestellt, die sich sehr wohl zu helfen weiß. Warum sie dann abblockt, dieses unmoralische Angebot eher unter den Teppich kehren will, ist schon auch verständlich, denn ist es nicht so, dass an den Frauen, so unschuldig sie sein mögen, immer ein Makel haften bleibt?

Wie es mir scheint, stehen Claire und Gus, ihre Eltern, dieser Sache eher hilflos gegenüber, stehen aber letztendlich hinter Hazel, wenn da nicht ihr kleiner Bruder Wolf so einiges mitgekommen hätte. Er ringt mit sich und seinem Gewissen und macht dann das einzig Richtige, denn durch ihn dringt alles an die Öffentlichkeit. Eine Maschinerie setzt sich in Gang, die nicht mehr gestoppt werden kann. Wer wird zerstört, wer profitiert davon oder gibt es nur Verlierer? Bald sind die Fronten verhärtet. Es gibt genug Hater, die Hazel und ihrer Familie das Leben in dieser kleinen Stadt Riverburg schwer machen. Von New York sind sie hierher gezogen, als Gus, ihr Vater, hier eine Professur angenommen hat.

Jedes Familienmitglied geht anders damit um, hauptsächlich sind es Hazel und Wolf, deren Nöte ich spüre. Wobei es Wolf ist, den ich am ehesten verstehen kann. So einiges aber ist mir suspekt wie etwa, dass dem Umgang mit Gras viel Raum gegeben wird und dieser total harmlos daherkommt, als ob es sich um eine Heilpflanze handelt. Diesen Aspekt finde ich absolut daneben, auch werden Gus und Claire ihrer Rolle als Eltern nicht gerecht.

Was mir aber dann so gar nicht behagt ist die Tatsache, dass dieses Thema plötzlich kommerziell ausgeschlachtet werden sollte, Hazel im Mittelpunkt steht, als Überfliegerin sozusagen. Hier dreht sich der Roman in eine Richtung, die mit der eigentlichen Geschichte nicht viel zu tun hat. Das Blatt wendet sich, es sind geradezu märchenhafte Zustände, die Übergriffigkeit des Direktors ist nun eher eine Randnotiz. Und genau dieses Phantastische macht die Ausgangssituation und den Umgang damit kaputt. So erschreckend das Ausgangsszenario ist, so lapidar und unglaubwürdig entwickelt sich die Story, die mich zwar über weite Strecken gut unterhalten hat, jedoch einen faden Nachgeschmack hinterlässt.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Düster, faszinierend, manipulativ

Das Spiel des Kaspar
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Kaspar Rockwell ist Kreativdirektor bei Pheelix Gamevisions, einem weltweit agierendem Tech-Unternehmen. Er ist aber noch sehr viel mehr. Ein Spieler ist er, ein Spiele-Entwickler sowieso und wer weiß, ...

Kaspar Rockwell ist Kreativdirektor bei Pheelix Gamevisions, einem weltweit agierendem Tech-Unternehmen. Er ist aber noch sehr viel mehr. Ein Spieler ist er, ein Spiele-Entwickler sowieso und wer weiß, was sich hinter seiner visionären Fassade noch verbergen mag.

Zunächst geht es darum, DICE auf den Weg zu bringen, seine engsten Mitspieler sind mit ihm am Start. Aber - hat er Mitspieler? Hat er Gegner? Wer sind sie? Sind es einzelne Personen oder hat er es mit Velocity Springplay, dem größten Konkurrenten von Pheelix Gamevisions, zu tun? Noch habe ich keinen Durchblick, auch – oder gerade weil neben diesem Spiel so einiges passiert, das ich erst sehr spät zuordnen kann.

Von Kaspar bin ich fasziniert, er scheint alle Fäden in der Hand zu halten, außerdem scheint er über genügend Vertrauen in sich und selbstredend in DICE zu verfügen, um dieses Spiel, bei dem es um dunkle Machenschaften und Intrigen zu gehen scheint, auf den Markt zu werfen.

Benjamin Leeway bringt seinen Lesern „Das Spiel des Kaspar“ in vier Akten näher. Dass es sich dabei um sehr viel mehr als ein einfach gestricktes Würfelspiel handelt, wird bald klar. Es hat lediglich einige Seiten gebraucht, bis ich „drin“ war und ich mich auf dieses Spiel eingelassen habe, dessen Spielregeln so geheim sind, dass sie einen speziellen Zugangscode für die Anleitung brauchen - zumindest macht Kaspar dies publik. Zahlt sich seine taktisch kluge, äußerst raffinierte Handlungsweise aus?

Dieser psychologische Thriller bietet ein Spiel der gefährlichen Art, der hinter die auf Hochglanz polierten Kulissen der Chefetagen blickt. Er geht weit, sehr weit, und nicht nur die Moral bleibt dabei auf der Strecke und - vertrauen sollte man tunlichst nur sich selbst. Dunkelheit, Intrige, Chaos, Enthüllung – ein wendungsreicher Wirtschaftsthriller, der mit starken Charakteren aufwartet, dessen Ende - das mir ausgesprochen gut gefällt - zu keiner Zeit vorhersehbar ist.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Schwacher Anfang, wird zunehmend fesselnd

This Story Might Save Your Life
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Schon allein die Geschichte, die den Anspruch erhebt, dein Leben retten zu können oder besser ausgedrückt „was dich nicht umbringt, lässt dich überleben“, macht neugierig aufs Buch, dazu das sehr ansprechende ...

Schon allein die Geschichte, die den Anspruch erhebt, dein Leben retten zu können oder besser ausgedrückt „was dich nicht umbringt, lässt dich überleben“, macht neugierig aufs Buch, dazu das sehr ansprechende Äußere – da muss man einfach zugreifen. „This Story Might Save Your Life“, kurz TSMSYL, ist ein Comedy-Survival-Podcast, der sich jede Woche einem anderen Thema widmet.

Joy und Benny sind die beiden Protagonisten, die diesen Postcast betreiben. Einer ist Stichwortgeber, der andere kontert, das Ergebnis sind launige, witzige Folgen, die Reichweite ist mittlerweile enorm. Man muss schon locker sein, um den vorgegebenen, mitunter lebensgefährlichen Situationen auf witzig-spritzige Art beizukommen - ihre Fans lieben genau diesen Nervenkitzel. Die beiden kennen sich wirklich gut, sind beste Freunde, sie ticken ähnlich. Ein Paar sind sie jedoch nicht. Joy ist mit Xander verheiratet und Luna ist Bennys Ex-Frau. Einige andere spielen schon auch eine Rolle, sie kommen ins Geschehen, sobald es die Story zulässt. Als dann Joy und Xander verschwinden, ist nichts mehr so, wie es war.

Gespannt starte ich in diese Geschichte, die mich jedoch bald das Buch zur Seite legen lässt. Der extrem langatmige Anfang macht das Hineinfinden in die Story nicht gerade einfach, das Durchhalten hat sich aber dann doch gelohnt. Die wechselnden Kapitel werden aus Sicht von Joy und Benny erzählt, es sind einmal Rückblenden und dann ist es die Suche nach Joy und Xander. Und jetzt nimmt die Story so richtig Fahrt auf, von jedem einzelnen werden auch unschöne Dinge ans Licht gezerrt, keiner kommt ungeschoren davon. Letztendlich sehe ich klarer, es geht um perfide Manipulation, die lange gut versteckt werden kann. Ein Thriller, der sich langsam entwickelt, dem man trotz Startschwierigkeiten eine Chance geben sollte, es lohn sich allemal.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Spannend, kurzweilig, nervenaufreibend

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten
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Infolge heftiger Unwetter sind Flüsse über die Ufer getreten, ganze Ortschaften sind überschwemmt, die Wassermassen reißen alles mit sich, egal ob es Häuser, Fahrzeuge oder Menschen sind. Bei der Weilheimer ...

Infolge heftiger Unwetter sind Flüsse über die Ufer getreten, ganze Ortschaften sind überschwemmt, die Wassermassen reißen alles mit sich, egal ob es Häuser, Fahrzeuge oder Menschen sind. Bei der Weilheimer Kripo häufen sich die Vermisstenanzeigen, alle verfügbaren Rettungskräfte sind im Einsatz, auch die Oberkommissarin Alexa Jahn arbeitet bis zur Erschöpfung und darüber hinaus. Zu viele warten auf Rettung…

…so auch auf der österreichischen Seite. Roza Szabo schickt Chefinspektor Bernhard Krammer vom LKA Tirol nach Mühlau zu den besorgten Eltern eines Geschwisterpaares, die mit vier Freunden auf eine Hütte wollten und sie entgegen der Vereinbarung, sich zu melden, nichts mehr von sich hören lassen. Schon einen Tag vorher sind sie zeitig aufgebrochen – hat das Wetter auch ihnen übel mitgespielt?

Es ist der mittlerweile sechste Fall für Jahn und Krammer. Wer die Reihe von Anfang an kennt, weiß um ihre Verbindung, man kann aber durchaus zwischendurch zu einem Buch aus dieser Grenzfall-Serie greifen, denn jeder Fall ist in sich abgeschlossen, auch wird das Zwischenmenschliche immer kurz mit eingeflochten, was ich sehr schätze.

Wie es bei solch Naturkatastrophen üblich ist, sind sämtliche Rettungsorganisationen vor Ort, vom Roten Kreuz, dem THW, den Feuerwehren und Hubschraubereinsätzen bis hin zur Wasserwacht und der Bundeswehr und den vielen freiwilligen Helfern (welche auch in so einigen vorher genannten Organisationen zu finden sind) ist alles unermüdlich auf den Beinen und doch können nicht alle gerettet werden.

Anna Schneider beschreibt ein leider viel zu realistisches Szenario und mittendrin sind es ein Wanderpaar, von dem jede Spur fehlt. Gleich mal begegnen wir einer Frau im Wohnmobil, die sich in der Nähe eines höher gelegenen Hofes vor dem Unwetter in Sicherheit bringen wollte, sie aber draußen schier Unwirkliches beobachtet, das lange nicht einzuordnen ist. Dazwischen sind es Gedanken eines Unbekannten und auch die einer Frau, was erst dem Ende zu für Klarheit sorgt.

Es sind die Einzelschicksale, die fassungslos machen. Menschliche Abgründe tun sich auf, lange gehütete Geheimnisse drängen ans Licht und hätte es dieses Unwetter nicht gegeben, wäre vieles nicht entdeckt worden. Beim Lesen habe ich mich schon auch gefragt, wie und ob diese so unterschiedlich gelagerten Fälle zusammenhängen könnten. Und ja, sie haben miteinander zu tun, was sich allerdings erst dem Ende zu erschließt, auch wird der Titel dieses sechsten Grenzfall-Bandes deutlich, ich hätte dies nie und nimmer vermutet.

Auch in diesen sechsten Fall hat die Autorin viel hineingepackt, was zunächst viele Fragen aufwirft. Jahn und Krammer – beide sind sie geerdet, ihr Beruf ist ihnen Berufung. Ein von Anfang bis Ende spannender, kurzweiliger Krimi, den ich – einmal angefangen – nicht weglegen konnte.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Erschütternde Einblicke in häusliche Gewalt und deren tödliche Folgen

Da, wo ich dich sehen kann
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Ein Femizid wird als gezielte Tötung einer Frau oder eines Mädchens gesehen, dem häufig über einen längeren Zeitraum exzessive Gewalt in körperlicher und physischer Form vorausgeht. Jasmin Schreiber hat ...

Ein Femizid wird als gezielte Tötung einer Frau oder eines Mädchens gesehen, dem häufig über einen längeren Zeitraum exzessive Gewalt in körperlicher und physischer Form vorausgeht. Jasmin Schreiber hat sich dieses Themas angenommen. „Da, wo ich dich sehen kann“ gibt einen Einblick in eine Familienstruktur, der erschüttert.

Vater, Mutter, Kind und beide Großelternpaare sowie die beste Freundin der Mutter, die auch Majas Patentante ist, kommen hier zu Wort, daneben sind es Anträge über das Sorgerecht für die neunjährige Maja, Gerichtsbeschlüsse, Zeitungsartikel sowie Zeichnungen und Notizzettel des Kindes, dazwischen auch sehr dunkle Kapitel, die schwarz unterlegt sind.

Es geht um Verlust, um Trauer, um Liebe und Hass und um Manipulation geht es auch. Frank, Majas Papa, war Meister darin, seine Tochter an sich zu binden und sie gleichzeitig ihrer Mutter Emma zu entziehen. Er versteht es bestens, das Bild des treusorgenden Ehemannes und Vater zu zeigen, dabei hält er Emma klein, sodass auch sie dieses Bild nach außen hin verfestigt. Nicht mal ihren Eltern vertraut sie sich an, es kommt immer häufiger zu unschönen Szenen, die in der Ermordung Emmas durch Frank gipfelt.

Nach einigem hin und her ist Maja bei Oma und Opa mütterlicherseits, bei Brigitte und Per. Zu Mamas beste Freundin Liv fasst sie Vertrauen und vor allem ist es ihre Hündin Chloé, die das Herz aller im Sturm erobert. Abwechselnd werden sie alle näher betrachtet, sie alle tragen sehr viel Trauer in sich, sie haben Schuldgefühle – warum habe ich nicht eher hingesehen, nichts bemerkt? Anzeichen gab es reichlich. Aber ist es nicht immer so, dass man hinterher nicht nachvollziehen kann, die verdeckten Hilferufe übersehen zu haben?

Es ist eine sehr intensive Erzählung, die jedoch teilweise wie entrückt daherkommt, nicht recht greifbar ist. Vor allem die Protokolle und auch die Großeltern väterlicherseits sind eher abstrakt, während ich das Gefühlschaos in Maja schon nachvollziehen kann. Ihre Gewissensnöte sind sichtbar, sie erlebt in ihren jungen Jahren häusliche Gewalt und auch, wenn sie in Therapie ist, kann sie nicht damit umgehen. Sie gibt sich die Schuld an Mamas Tod. Denkt an sie und auch an ihren Papa, der hier ansonsten stumm bleibt. Auch Livs Bemühungen um sie sowie die von Oma Brigitte und Opa Per sind ob dieser schrecklichen Situation überzeugend und warmherzig dargestellt.

Ein weiterer Fall im familiären Umfeld wird angedeutet - ein als Treppensturz getarnter Femizid. Podcasts und Thrillerautoren werden angeprangert, allerdings fehlt mir ein nicht unbedeutender Teil. Gewalt gegen Frauen ist hier Thema – so weit, so gut bzw. nicht gut. Dass es auch Gewalt gibt, die von Frauen ausgehen, wird zum Schluss auf einer halben Seite (Hilfe für Männer) schon erwähnt, was mir zu wenig ist. Denn gerade hier ist die Dunkelziffer hoch, Frauen wird unbesehen alles geglaubt, während Männer sich immer noch scheuen, Hilfe anzunehmen. Trotzdem ist es ein Buch, das mich fassungslos zurücklässt. Weltweit wird alle zehn Minuten eine Frau ermordet. Getötet, weil sie Frauen sind. Von Partnern, von Familienmitgliedern.

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