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Veröffentlicht am 07.07.2024

Das jähe Ende einer Mottoparty im Stile der 1920er Jahre

Suddenly a Murder - Mord auf Ashwood Manor
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Sieben Freunde sind sie. Alle (bis auf Izzy, Kassidys beste Freundin) sind Töchter und Söhne aus wohlhabendem Hause und nun soll der Schulabschluss gebührend gefeiert werden. Kassidy hat sich etwas ganz ...

Sieben Freunde sind sie. Alle (bis auf Izzy, Kassidys beste Freundin) sind Töchter und Söhne aus wohlhabendem Hause und nun soll der Schulabschluss gebührend gefeiert werden. Kassidy hat sich etwas ganz besonderes ausgedacht, sie lädt zu einer Mottoparty in ein Herrenhaus auf eine abgelegene Insel. Gut gelaunt kommen sie an, eine glamouröse Woche wartet auf sie. Neben den Bediensteten sind es die sieben jungen Leute, die im Stile der 1920er Jahre dieses Schuljahr ausklingen lassen wollen. Gleich mal werden Handys und die eigenen Kleider eingesammelt, denn vor hundert Jahren war anderes angesagt. Natürlich wartet für jeden einzelnen ein Schrank voller Kleider und Accessoires aus jener Zeit, dem Spaß steht somit nichts mehr im Wege.

Bald jedoch findet das unbeschwerte Feiern ein jähes Ende, denn Blaine, Kassidys Freund, wird tot aufgefunden. Es ist geradezu grotesk, die geplante einwöchige Mottoparty ist endgültig vorüber und doch können sie nicht in den Alltag zurück, denn Ermittler kommen auf die Insel, sie durchleuchten jeden einzelnen, stellen immer wieder Fragen, es ist schlichtweg zermürbend.

In Rückblenden erfahre ich mehr von ihnen. Von ihren Freundschaften und von so manchen Verbindungen, die man vereinzelt eher als Feindschaften ansehen könnte. Auch wird so einiges vom Opfer sichtbar, nicht immer gerät dieser Blick auf ihn zu seinem Vorteil. Je mehr von ihnen allen bekannt wird, desto eher scheint es, als ob jeder ein Motiv hätte haben können.

Meist vermeide ich Krimis und Thriller im Highschool-Milieu, dieser hier hat mich aber dennoch aufgrund der Beschreibung angesprochen. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, sie entsprechen dem Bild der gerade mal 18jährigen. Bis auf Izzy haben sie alle einen schwerreichen Hintergrund, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung spielen in ihrer Freundesgruppe keine Rolle. Sie wollen das Leben in vollen Zügen genießen, feiern bis zum Abwinken mit Alkohol und Drogen und natürlich gehören auch Liebeleien und Eifersucht dazu. Das Mondäne, das Exklusive, schimmert trotz des beklemmenden Szenarios schon auch durch und nicht immer haben sie ihre Emotionen im Griff.

Es ist ein kurzweiliger, wendungsreicher Locked-Room-Krimi, dessen Ende mich dann doch verblüfft hat. Nicht nur die jugendliche Zielgruppe dürfte auf ihre Kosten kommen, auch Erwachsene Krimi-Fans werden ihre Freude daran haben.

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Veröffentlicht am 07.07.2024

Absolut fesselnd

Der Familiensammler (Thriller)
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Eine junge Frau liegt mit durchschnittener Kehle auf ihrem Esstisch - den Kriminaloberkommissaren Emma Bajetzky und Alex Kuper bietet sich ein grauenhaftes Bild. Von ihren kleinen Kindern fehlt jede Spur, ...

Eine junge Frau liegt mit durchschnittener Kehle auf ihrem Esstisch - den Kriminaloberkommissaren Emma Bajetzky und Alex Kuper bietet sich ein grauenhaftes Bild. Von ihren kleinen Kindern fehlt jede Spur, auch ist der Vater und Ehemann nicht auffindbar. Die beiden Ermittler tappen vollkommen im Dunkeln. Als dann kurz darauf eine zweite Leiche gefunden wird, ebenfalls eine junge Mutter mit durchschnittener Kehle, auch ihre Kinder sind verschwunden, gehen sie von einem Serientäter aus.

Es ist nicht mein erster Thriller, den ich von Gunnar Schwarz gelesen habe und es wird auch nicht mein letzter sein, denn er versteht es bestens, seine Leser regelrecht durch die Seiten zu peitschen. „Der Familiensammler“ ist spannend ab Seite eins und lässt auch nicht nach, um gegen Ende zu die Dramatik nochmal extrem zu steigern. Bei den Leichen tauchen Zitate aus Peter Pan auf – was hat es damit auf sich? Die Ermittler durchleuchten die jeweiligen Familienstrukturen, die Lebensweise der Eheleute wird sichtbarer und bei jedem neuen Fall sind es die Kinder, die weg sind. Unauffindbar. Die Zeit läuft ihnen davon, denn wer weiß, ob sie die Kleinen retten können. Was treibt den Täter an? Ist es einer oder sind es mehrere? Verdächtige gibt es einige, sie gehen jeder Spur nach und doch verlaufen viele davon im Sande.

Für Gunnar Schwarz nehme ich mir immer einige freie, ungestörte Stunden, um im Geschehen bleiben zu können. Denn einmal angefangen, drängt es mich einfach, weiterzulesen. Auch hier war es wiederum dramatisch, sehr spannend und absolut fesselnd. Und beim nächsten Fall um das sympathische Ermittler-Duo werde ich ganz bestimmt wieder dabei sein, so viel ist gewiss.

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Veröffentlicht am 03.07.2024

Bad Oeynhausen während der Nachkriegsjahre 1945 bis 1947

Don't kiss Tommy. Eine Liebe in der Stunde Null
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Bad Oeynhausen hat sich ergeben. Die Panzer rollen. Die Briten besetzen die Stadt. Und nicht nur das, die Bevölkerung wird aus ihren Häusern vertrieben, sie muss sich am Rande der Stadt irgendwie einrichten, ...

Bad Oeynhausen hat sich ergeben. Die Panzer rollen. Die Briten besetzen die Stadt. Und nicht nur das, die Bevölkerung wird aus ihren Häusern vertrieben, sie muss sich am Rande der Stadt irgendwie einrichten, denn die Innenstadt ist verbotene Zone, sie wird mit einem Stacheldrahtzaun abgeriegelt und strengstens bewacht.

Anne muss mit ihrer Mutter und ihrer Schwester mit Familie ihr Hotel verlassen und auch Rosalie, deren Freundschaft mit Anne schon vor etlicher Zeit einen tiefen Riss bekam, verliert ihr Zuhause. Beide Frauen trauern um ihre Lieben, bei Anne sind es ihr Vater, ihr Bruder und ihr Verlobter, die im Krieg ihr Leben lassen mussten, Rosalies Mutter und ihr Bruder wurden bei einem Bombenanschlag getötet. Und nun müssen sie irgendwie überleben, es ist die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, Deutschland liegt in Trümmern.

Theresia Graw erzählt von den Nachkriegsjahren 1945 bis 1947. Stellvertretend für die vielen Schicksale lässt sie ihre Figuren diese Jahre erleben und bindet die fiktive Handlung in die historisch verbürgten Tatsachen ein. Die Menschen hatten damals neben dem stets nagenden Hunger mit einem schlimmen Hochwasser zu kämpfen, ein Dürresommer und ein strenger Winter waren eine Herausforderung, die nicht jeder überlebte. Das wenige, das sie noch hatten, wurde gegen ein Stück Brot getauscht, der Schwarzhandel blühte trotz des strengen Verbotes. Wer einen Arbeitsplatz in der Besatzungszone bei den Briten ergattern konnte, war fein heraus. Hier gab es alles – Zigaretten, Kaffee und viele unerschwingliche Luxusartikel, die wiederum begehrte Tauschobjekte waren.

Auch Rosalie, die bei einem Bauern und seinem Sohn Unterschlupf findet, kellnert am Wochenende bei den Briten, sie träumt davon, eines Tages mit einem schmucken Soldaten nach England zu gehen. Anne dagegen will lange nichts von den Tommys wissen, haben sie doch ihren Margarethenhof, ihr geliebtes Hotel, besetzt, während sie in einer zugigen Baracke haust. Die Umstände zwingen sie dann doch, als Dolmetscherin für die Besatzer zu arbeiten.

„Don´t kiss Tommy. Eine Liebe in der Stunde null“ erzählt von der Zeit danach. Der Krieg ist verloren, die Briten führen ein strenges Regiment. Und sie leben gut, ihnen mangelt es an nichts, im Gegensatz zur deutschen Bevölkerung. Ist der Kontakt zwischen den Deutschen und den Briten anfangs noch strengstens verboten, wird es zunehmend lockerer.

Das Buch hat mich tief berührt. Die Autorin beleuchtet diese Zeit durchaus kritisch, sie erzählt im Wechsel von Anne und von Rosalie und bindet diese fiktiven Elemente in die bestens recherchierte Historie ein. Gewaltsame Übergriffe gehören ebenso dazu wie eine Liebe, die aber weit entfernt von jeglicher Romantisierung ist. Dieser historische Roman ist ein beeindruckendes, ein rundum gelungenes Stück Zeitgeschichte, einfühlsam erzählt.

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Veröffentlicht am 03.07.2024

Äußerst fesselnder Krimi

Verräterisches Lavandou (Ein-Leon-Ritter-Krimi 10)
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Für mich als Krimi- und Thriller-Fan darf es schon blutig und abartig zugehen, wohlgemerkt nur in meinen Büchern. Und so hat mich die Beschreibung dieses zehnten Bandes um den Gerichtsmediziner Leon Ritter ...

Für mich als Krimi- und Thriller-Fan darf es schon blutig und abartig zugehen, wohlgemerkt nur in meinen Büchern. Und so hat mich die Beschreibung dieses zehnten Bandes um den Gerichtsmediziner Leon Ritter neugierig gemacht. Auch wenn ich die Reihe nur sporadisch verfolge, ich beileibe nicht alle Bücher kenne, so war ich doch gleich mittendrin im Geschehen, das Buch kann somit gut ohne jegliche Vorkenntnisse gelesen werden.

Dieser Provence-Krimi hat mich gut unterhalten und mich lange rätseln lassen, wer denn nun diese grausamen Morde zu verantworten hat. Obwohl mir diese Person während des Lesens schon übel aufgestoßen ist, waren die Auflösung und das Motiv dahinter dann doch makaber, um nicht zu sagen nicht ganz nachvollziehbar. Nun aber von Anfang an:

Sehr früh am Morgen findet ein Fotograf eine nicht ganz vollständige, zudem übelst zugerichtete Leiche. Isabelle Morell, die stellvertretende Polizeichefin, wird zum Auffindeort gerufen, ihr langjähriger Lebensgefährte, der Gerichtsmediziner Leon Ritter, ist ebenfalls vor Ort. Diese Tat erinnert an einen Mord vor vielen Jahren, der damals Verdächtige ist seitdem in einer Nervenheilanstalt untergebracht. Eine zweite Frau wird ermordet – ist hier ein Serientäter aktiv?

Die Bevölkerung im idyllisch gelegenen Lavandou ist aufgeschreckt, zumal die Medien immer mehr Interna verlangen und auch zu viele schreckliche Einzelheiten preisgeben. Die Pressekonferenzen geraten völlig außer Kontrolle, hier sind die Journalisten diejenigen, die nicht nur den Ton angeben, sie werfen der Polizei auch vor, mit der ganzen Wahrheit hinterm Berg zu halten. Und – die Polizei lässt sich das bieten. Nicht sehr glaubhaft dargestellt.

Wie gesagt – ich bin hart im Nehmen, die Beschreibung der Leichen, all das Gemetzel, ist schon starker Tobak. So manche Sequenz mochte ich mir nicht in allen Details vorstellen und doch hat es mich weitergetrieben, ich musste ganz einfach wissen, wohin das Ganze führt. Isabelle und ihr Team lassen nicht locker, auch wenn ihr Vorgesetzter nur zu gerne einen dicken Schlussstrich unter die Morde setzen würde. Auch Leon entgeht nichts, er hat einen untrüglichen Blick auf all die Details, die von so manchem gerne übersehen werden.

Natürlich darf auch das Leben an sich in der Provence nicht fehlen, denn keiner ist nur Ermittler oder Mediziner, jeder hat ein Privatleben, auch Leon und Isabelle genießen ihren café oder einen kühlen Rosé, das Flair dieser Gegend ist gut spürbar, sodass ich mich immer wieder gedanklich wegträume, um dann doch wieder in der brutalen Wirklichkeit dieses Krimis zu laden. Kurz: Der zehnte Band um Leon Ritter ist ein Krimi, der mich voll in seinen Bann gezogen hat.

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Veröffentlicht am 30.06.2024

Welchem Muster folgen diese grausam in Szene gesetzten Morde?

Der Betrachter: Thriller
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Eine abgelegene Lagerhalle dient einem Obdachlosen wie so oft auch heute als Schlafplatz. Eine Kiste erregt seine Aufmerksamkeit und in der Hoffnung, etwas Verwertbares darin zu finden, hebelt er sie auf ...

Eine abgelegene Lagerhalle dient einem Obdachlosen wie so oft auch heute als Schlafplatz. Eine Kiste erregt seine Aufmerksamkeit und in der Hoffnung, etwas Verwertbares darin zu finden, hebelt er sie auf und – lässt sofort wieder die Finger davon. Eine Frau liegt in der relativ kleinen Kiste, hineingepfercht, zusammengerollt wie eine Kugel. Nur gut, dass ihm ein Kumpel sein mobiles Telefon überlassen hat und so meldet er diesen grausamen Fund. Die Spezialermittlerin Laura Kern vom LKA Berlin ist bald darauf mit Max, ihrem Kollegen, vor Ort. Ein bunter Schmetterlingsflügel fällt ihnen bei näherer Betrachtung ins Auge, die Tote hält ihn zwischen ihren Fingern.

Über die Krankenschwester Monika Nowak hagelt es Beschwerden, da sie einzelnen Patienten viel zu viel Zeit widmet, vom Arbeitsplan abweicht und dadurch ihren Kollegen zu viel Arbeit aufbürdet. Die Patientin Lilly, die seit sieben Jahren in der Psychiatrischen Klinik und davon das letzte halbe Jahr in der Geschlossenen untergebracht ist, hat es ihr besonders angetan. Lilly ist verstummt, auch ist sie komplett in sich gekehrt. Ihre Aquarelle sind ihr Lebenselixier, so scheint es. Es sind exakte Darstellungen der Blumen im Klinikgarten, sie sind einzigartige Kunstwerke und so manches Blatt hat sie ihrer Pflegerin Monika schon geschenkt. Zwischen diesen Blumenbildern findet Monika Verstörendes. Eine tote Frau in einer Holzkiste ist genau so dargestellt, wie sie in der Realität vorgefunden wird. Ohne die Klinikleitung vorher zu informieren, verständigt Monika das LKA. Laura erkennt sofort den Zusammenhang, die akribische Kleinarbeit beginnt.

Catherine Shepherd hat mir nicht nur eine schlaflose Nacht beschert, sie hat mich auch ganz schön in die Irre geführt. Dass hier der erschreckenden Realität inform der Bilder - die Lilly entgegen ihrer Gewohnheit mit Buntstiften gemalt hat - vorgegriffen wird, ist so verblüffend wie nicht nachvollziehbar. Es bleibt nicht bei der einen Zeichnung, in Lillys Zimmer finden sich weitere. Bleibt die bange Frage, wie diesem erschreckenden Szenario ein Ende gesetzt werden kann, noch bevor ein weiterer grausamer Mord geschieht. Laura, Max und das gesamte Team geben ihr Bestes – aber ist das genug? Kann der Mörder dingfest gemacht werden?

Täter hätte ich so etliche ausgemacht, fast allesamt waren sie mir nicht nur unsympathisch, ich hätte denen durchaus diese direkt spürbare Eiseskälte zugetraut. Alle Figuren, auch die sympathischen, sind fein gezeichnet, ihre Charaktereigenschaften werden zunehmend sichtbar und neben der äußerst schwierigen Ermittlungsarbeit blitzt auch ein wenig Privatleben durch. Hier ist es eher Max und seine Ehe, aber viel Zeit bleibt nicht, der Fall ist zu komplex, als dass sie nachlässig sein dürften. Gefühlt laufen sie den Ereignissen hinterher, das raffiniert ausgeklügelte Ende setzt dann einen perfekten Schlusspunkt.

Der mittlerweile neunte Fall für Laura Kern ist brillant, voller Spannung und überraschenden Wendungen, die Aufklärung so gar nicht vorhersehbar. Und nun heißt es wiederum warten, dem zehnten Fall fiebere ich schon jetzt voller Vorfreude entgegen.

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