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Veröffentlicht am 13.08.2024

Tod eines Politikers

Freunderlwirtschaft
1

Max Langwieser, der junge Minister für Tourismus und Landwirtschaft, liegt tot in seiner noblen Wohnung. Was ist passiert? Ist er unglücklich gegen seinen Glastisch gestürzt? War er alleine oder hat da ...

Max Langwieser, der junge Minister für Tourismus und Landwirtschaft, liegt tot in seiner noblen Wohnung. Was ist passiert? Ist er unglücklich gegen seinen Glastisch gestürzt? War er alleine oder hat da einer nachgeholfen? Und warum ist Jessica, seine Verlobte, so plötzlich verschwunden?

„Wir haben einen bedenklichen Todesfall.“ Alma Oberkofler ist gerade vier Tage bei der Wiener Mordgruppe, als sie von „der Leiche im Achten“ Stock informiert werden. Alma fährt mit ihren neuen Kollegen Kolonja, der ihr gleich mal das Du anbietet, an den Ort des Geschehens. Ihr junger Kollege Babic, der ihr gegenüber etwas distanzierter auftritt, hat Bürodienst.

Zunächst gehen wir zurück ins Jahr 1992, da ist Alma zwölf und es drängt sie bald, nach einem schweren Schicksalsschlag, Polizistin zu werden. Auch Jahre später hält sie an ihrem Berufswunsch fest und auch wenn die Eltern dies nicht so gerne sehen, unterstützen sie ihre Tochter dann aber schon. Und nun ist sie in Wien in der Abteilung Leib und Leben angelangt, ihre Vorgängerin hat sie die letzten zwei Wochen eingewiesen. Die Ermittlung um den Tod des jungen, dynamischen Ministers führt sie mitten hinein in die politischen und wirtschaftlichen Ränkespiele. Sie steht einem Machtapparat gegenüber, der es ihr nicht gerade leicht macht, denn zu vieles soll oder darf nicht an die Öffentlichkeit.

Erzählt wird aus Almas und aus Jessicas Perspektive, die beiden Erzählstränge wechseln sich ab. Alma war mir sofort sympathisch, ihre unbestechliche, geradlinige Art gefällt mir sehr. Die Ermittlungsarbeit vermischt sich immer mal wieder mit halbprivaten Momenten, auch ist sie mit ihrem finnischen Freund mal ganz privat unterwegs.

Aus Jessica werde ich zunächst nicht so ganz schlau, ihr Part wirft viele Fragen auf und bleibt lange nebulös. Hat sie mit Langwiesers Tod zu tun? Ihre Flucht könnte schon darauf hindeuten – aber wovor hat sie Angst?

Der Kriminalroman im politischen Umfeld ist durchweg spannend erzählt mit Charakteren, denen man ihre Eigenheiten allesamt abnimmt. Sie sind nett und liebenswert, sind erfrischend normal oder durchtrieben, ja gefährlich. „Freunderlwirtschaft“ ist ein kurzweiliges Lesevergnügen, das Buch gewährt einen tiefen Blick hinter die Kulissen von Politik und Wirtschaft, von Vetternwirtschaft und Korruption, versteckt hinter den weißen Westen so manch aalglatter Akteure. So manches sickert so oder so ähnlich durch, wir hören und lesen es im realen Leben immer mal wieder.

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Veröffentlicht am 08.08.2024

Nervenkitzel garantiert

Und tot bist du (Thriller)
1

Ihr Privathandy klingelt. „Hallo Tabsi…“ klingt eine verzerrte Stimme an ihr Ohr. Wer ist dieser unbekannte Anrufer? Wer kennt ihren Kosenamen? Denn niemand außer ihrer Mutter und ihrer Schwester nennt ...

Ihr Privathandy klingelt. „Hallo Tabsi…“ klingt eine verzerrte Stimme an ihr Ohr. Wer ist dieser unbekannte Anrufer? Wer kennt ihren Kosenamen? Denn niemand außer ihrer Mutter und ihrer Schwester nennt sie so. Ein Geschenk hätte er für sie, teilt er ihr noch mit. Es liegt auf den Bahngleisen, leider ist es ihm zerbrochen.

Frank Schürmann, Ermittler im Morddezernat, wird Tabea Kurz mitsamt seinem Team zur Seite gestellt. Er stellt sich ihr vor, ist ziemlich kurz angebunden, denn was soll er mit einer unerfahrenen Streifenpolizistin? Da dieser Unbekannte aber weiterhin nur mit ihr kommunizieren will, bleibt Frank nichts anderes übrig, als sie in die Ermittlung einzubinden.

Nun, sie fahren zu den Bahngleisen und finden das Opfer - nackt, komplett blau eingefärbt, zerschmettert – auf den Eisenbahnschienen. So wie es aussieht, wurde sie von der Brücke hinuntergeworfen. „Runde eins.“ Der Zettel an ihrem großen Zeh macht klar, dass dies erst der Anfang einer ganzen Serie sein wird.

Gunnar Schwarz hat es wieder getan. Er hat mich mit seinem neuesten Thriller dermaßen gefangen genommen, dass ein Weglegen des Buches schier unmöglich war. Und ich hoffe, dass es mit dem Ermittlerduo Schünemann & Kurz weitergeht, dass „Und tot bist du“ der Auftakt einer neuen Thriller-Serie sein wird.

Schon der Prolog „Du bist mein wunderschönes, blaues Kind… deine letzte Reise treten wir gemeinsam an, es wird kaum wehtun…“ lässt Schlimmes ahnen. Lange wird nicht sichtbar, wer denn dieser Serienkiller ist, wie und warum er diese Gräueltaten regelrecht inszeniert und wieso er ausgerechnet Tabea als seine Ansprechpartnerin wählt. Der raffiniert konstruierte Fall hat es in sich.

Frank tritt Tabea ziemlich distanziert gegenüber, aber noch mehr lässt der Rechtsmediziner Albert Krause sie spüren, dass sie nicht zu dem erfahrenen Team passt. Tabea hat mich aber gleich – im Gegensatz zu dem arrogant auftretenden Rechtsmediziner - mit ihrer Schlagfertigkeit für sich eingenommen. Dabei bleibt sie höflich, was man von Albert nicht immer sagen kann. Ihre Dialoge laden trotz des todernsten Hintergrundes zum Schmunzeln ein. Wären da noch die IT-Expertin Ella und noch so einige Charaktere, die trotz ihrer Unterschiedlichkeit ein gutes Team bilden. Auch wird der unterkühlte Ton zwischen Frank und Tabea wärmer, sie beschnuppern sich, sie vertrauen sich, sie arbeiten dann doch vertrauter zusammen.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass ich schlichtweg begeistert bin. Von der so spannenden wie dramatischen Story, vom einnehmenden Schreibstil und vom Ende, das sich schon ankündigt, das nochmal gute Nerven braucht. Schünemann & Kurz ermitteln hoffentlich bald wieder, ich wäre dabei.

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Veröffentlicht am 04.08.2024

Familie und mehr

Genau so, wie es immer war
1

Ein ganz normales Leben ist es, das Julia führt. Meistens zumindest. Ihre Ehe mit Mark hält nun schon ziemlich lange, ihre beiden Kinder sind wohlgeraten. Beide sind sie flügge, sie gehen von nun an ihre ...

Ein ganz normales Leben ist es, das Julia führt. Meistens zumindest. Ihre Ehe mit Mark hält nun schon ziemlich lange, ihre beiden Kinder sind wohlgeraten. Beide sind sie flügge, sie gehen von nun an ihre eigenen Wege.

Ein Blick zurück führt uns mit Julia in einen Supermarkt, in dem sie eine Frau aus längst vergangenen Tagen sieht. Soll sie sich bemerkbar machen? Nun, sie geht auf Helen zu. Helen Russo, eine Frau, die ihre Freundin war. Damals war Julia es, die immer wieder vor Helens Tür stand, diese charismatische Frau hat sie magisch angezogen. Auch hat sie ihren Sohn, den 3jährigen Ben, des Öfteren mitgenommen, nur Mark wusste nichts von Helen.

Die Kapitel wechseln vom Heute ins Gestern, zunächst von Julia und Mark zu den Ereignissen, die sich im Hause Russo abspielen. Helen hat mit ihrem Mann Pete fünf Kinder, alle sind sie in jener Zeit, als Julia bei ihnen ein- und ausging, im jungen Erwachsenenalter. Der 3jährige Ben war damals Julia und Marks einziges Kind, ihre Tochter Alma war noch nicht geboren. Julia kommt mir sehr verhuscht, ja unzufrieden vor. Sie ist von Selbstzweifeln geplagt, die offene, sehr sympathische Helen fängt sie in ihrer Überforderung auf, spricht ihr Mut zu, Julia scheint direkt abhängig von Helen zu sein und nicht nur von ihr…

Es sind noch mehr Erzählstränge, ich erfahre von Julia in jungen Jahren, von der ersten Begegnung mit Mark und ihrer Liebe zueinander, auch tritt später Julias Mutter auf, Ben und seine Schwester Alma begleite ich bei ihrer Abnabelung vom Elternhaus und es ist noch vieles mehr, was Julias Leben ausmacht, von dem hier berichtet wird.

Über 712 Seiten erzählt Claire Lombardo Julias Geschichte und die Geschichte einer Familie. Zunächst war ich neugierig, wie sich das Ganze entwickelt, war aber bald ziemlich ernüchtert. Nach der Begegnung im Supermarkt tut sich nicht viel, es plätschert so dahin. Und doch habe ich weitergelesen, wollte mehr wissen. Und es wurde wieder besser, ja interessanter. Julia hat bei mir ein Wechselbad der Gefühle ausgelöst. Ich hab sie gemocht, bedauert, hab mit ihr gelitten und sie dann wieder so gar nicht verstanden. Hab sie verdammt und verachtet, so richtig sympathisch war sie mir nie, denn sie war eher egoistisch unterwegs. Die Familie und die Freunde um sie herum hat die Autorin gut skizziert, die zwischenmenschliche Ebene gut eingefangen.

Es geht um Freundschaft und Abhängigkeit, um Partnerschaft und Betrug, um Loslassen und Neuanfang, es geht um das Leben in all seinen Facetten. Nach dem zähen Anfang, der sich doch über viele Seiten zieht, habe ich das Buch dann doch gerne gelesen. Es fängt den ganz normalen Alltag gut ein, es ist „genau so, wie es immer war“ und immer sein wird.

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Veröffentlicht am 04.08.2024

Wer will ihn zerstören?

Stalker – Er will dein Leben.
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Seine Rolle im Münchner Tatort steigert seinen Bekanntheitsgrad ungemein, seine Follower in den Sozialen Medien vermehren sich rasant, sie sind schlichtweg begeistert von ihm als Schauspieler – von Eric ...

Seine Rolle im Münchner Tatort steigert seinen Bekanntheitsgrad ungemein, seine Follower in den Sozialen Medien vermehren sich rasant, sie sind schlichtweg begeistert von ihm als Schauspieler – von Eric Sander, der bis dato seine Brötchen als Theaterschauspieler verdient. Er wähnt sich schon in höheren Sphären, bis jemand anfängt, sich für ihn auszugeben. Zunächst schreibt dieser Unbekannte böse Kommentare, dann taucht ein Profil auf, indem er behauptet, der echte Eric Sander zu sein. Wer will ihn zerstören? Und warum?

Arno Strobel hat mich mit seinem „Stalker“ voll und ganz überzeugt, er hat mich erst dann wieder aus seinen Fängen gelassen, als ich das Buch fertig gelesen habe. Eric, um dessen Leben, um dessen Vergangenheit es hier geht, hat so einige Emotionen in mir ausgelöst. Er war mir sympathisch, ich hatte Mitgefühl mit ihm in seiner ausweglosen Situation, habe ihm gewünscht, dass er mithilfe eines verständnisvollen Psychologen den Stalker ausfindig machen kann und seine Familie retten wird. Denn ER ist nicht nur virtuell sein Feind, ER hat seinen elfjährigen Sohn und seine Frau entführt. Freilassen wird er die beiden zu einem von ihm bestimmten Zeitpunkt, wenn Eric öffentlich einen Mord gesteht. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Tick, tack… Er muss sich seiner Vergangenheit stellen, was leichter gesagt ist als getan. Denn er erinnert sich nicht.

Strobel versteht es, sofort Spannung zu erzeugen und diese bis zu Schluss zu halten. Ein Schluss, mit dem ich so gar nicht gerechnet habe. Die beklemmende Story mit so einigen verblüffenden Wendungen ist raffiniert angelegt, sie lässt einen einfach nicht mehr los - ein Thriller der Extraklasse.

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Veröffentlicht am 02.08.2024

Intensiv erzählt

Seinetwegen
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Zora del Buono war acht Monate alt, als ihr Vater 1963 mit 33 Jahren bei einem Autounfall starb. Und nun, 60 Jahre später, sucht sie nach Antworten, sucht nach dem Unfallverursacher, nach E. T. Mehr weiß ...

Zora del Buono war acht Monate alt, als ihr Vater 1963 mit 33 Jahren bei einem Autounfall starb. Und nun, 60 Jahre später, sucht sie nach Antworten, sucht nach dem Unfallverursacher, nach E. T. Mehr weiß sie nicht von ihm und doch hofft sie, ihn zu finden. Der Töter – so nennt sie ihn – war mit seinem Chevrolet unterwegs, als er in einer Rechtskurve ein Pferdefuhrwerk überholt und dabei in den VW kracht, in dem ihr Vater als Beifahrer saß. Am Steuer war Zoras Patenonkel, den seitdem Zweifel plagen, auch wenn er den Unfall nicht hätte verhindern können.

Als erstes sehe ich im Buch ein inniges Vater-Tochter-Foto, es zeigt den stolzen Vater mit seinem Baby. Viel Zeit miteinander war ihnen nicht vergönnt, wir wissen es.

Schon als Kind fantasiert sie oft, dass sie E. T. finden, ihn zur Rede stellen und damit ihre Mutter rächen will. Sie war damals noch zu jung, der Gedanke verflog und taucht jetzt umso stärker wieder auf. Sie sucht nach ihm, sie sucht nach Antworten. Findet das damalige Urteil, in dem er wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen wird. Zwei Monate Gefängnis und 200 Franken Buße für ein Menschenleben – mehr war da nicht.

Bei ihrer intensiven Suche nach dem Mann, der ihr den Vater genommen hat, schweift sie immer wieder ab, sie schreibt geradezu nüchtern über berühmte Unfallopfer oder thematisiert den Lokführer, der kapituliert, der die Toten nicht mehr aushält. Ich lese von der letzten Hexe Europas, von Herbie, dem tollen Käfer und von noch so viel anderem. Nicht zu jeder Geschichte finde ich den Bezug zum Vater, zum Unfall, zum Töter.

Der autofiktionale Roman fordert schon Aufmerksamkeit, vor allem anfangs war ich ob der vielen Einschübe etwas irritiert. Bald aber konnte ich dem Buch viel abgewinnen. Was macht so ein Verlust mit einem? Wie kann einer mit so einer Schuld weiterleben? Kann er weiterleben? Und warum dauerte das Schweigen zwischen Mutter und Tochter so lange? Es ist ein anrührendes Buch, eine sehr persönliche Spurensuche. Ein Buch, das mich sehr nachdenklich zurücklässt.

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